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DVD-Tipp

endofthecentury_shreddermagWas hat der Song „The KKK took my baby away“ mit der Tatsache zu tun, dass Johnny Joey die Freundin ausgespannt hat? Warum sind doch die Ramones und nicht The Clash oder die Sex Pistols die grösste Punkband aller Zeiten? Wer hat eigentlich alles bei den Ramones gespielt und warum? Und was hat sich Dee Dee bei seinem Rap-Solo-Projekt „Dee Dee King“ gedacht? Die letzte Frage beantworten wir Euch hier sofort (Nichts!), für Antworten auf die anderen und viele weitere Fragen rund um die Ramones müsst Ihr Euch die neue Doku „End Of The Century“ selbst anschauen. Gründlich recherchiert wird hier die ganze Geschichte der Ramones nacherzählt. Neben allen Ramones ausser Joey kommen hier zahlreiche weitere prominente Zeitzeugen zu Wort (u.a. Joe Strummer, Joeys kleiner Brunder (damals Roadie), der Herausgeber des „Punk Magazine“, usw…) und füllen die bewegte Geschichte der Band aus Queens mit Leben. Hoch interessant nicht nur für eingefleischte Ramones-Fans (was Ihr doch hoffentlich alle seid!) wird hier ein sehr plastisches Bild der einzelnen Charaktere in der Band und der Zeit, in der sie sich bewegten, gezeichtet, so dass wir Euch diesen Film mit gutem Gewissen wärmstens empfehlen können!

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Interviews

Shredder Mag we got a problem!

M a l m ö – Ja, ja, wir wissen es ja auch, Synthesizer haben auf Punk-Alben nichts zu suchen und die Kreuzung von elektronischer Musik und Gitarren geht meist grob in die Hose. Wir präsentieren Euch hier die Ausnahme: Quit Your Dayjob aus dem guten alten Schweden. Jonass (voc, git), Andreass (drums) und Marcuss (synth) sind vor ein paar Jahren ausgezogen, um mit Ihrer Mischung aus Punk mit knappen und leicht dadaistischen Slogans und elektronischen Sounds die Welt du erfreuen, was ihnen sowohl auf Platte, wie auch live hervorragend gelingt. Wir haben die jungen Herren mal etwas näher befragt:

S: How would you describe your music and what’s your mission?
Q: We call it „Retard Rock“. It´s kind of childish and disturbed. It sounds simple but it´s not… It´s hard to make good „shit music“, people tend to forget that sometimes… We try to get people in touch with their inner Freak and make them come alive by acting like children or like retards!

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S: Where are you from? Is it true, that Marcuss is the lost son of Robert Görl and Gaby Delago (from the german early-Electro-Punks DAF), Andreass is a robot and Jonass simply comes form outer space?
Q: Marcass is the bastard son of Barbara Bush and Andreas Baader, born in Serbia! Andreass used to be a professional long-distance skier in the cold north of Sweden, that´s why he looks like a mean russian robot on steroids! Jonass can´t be from space; we´ve heard he´s from the ghetto of Mollevangen, Malmö… he was homeless for two years!

S: What are your dayjobs?
Q: We have never been able to keep a dayjob for more than four weeks. That´s why we have to work nights now. The music industry is the only business that supply us with work!

S: What are your favourite bands?
Q: We actually hate music in this band, haha… No, seriously, we like Billie Holiday, Screamin´Jay Hawkins, Kraftwerk, Public Enemy, Gang Starr, Samantha Fox, Dead Kennedys and Faust and a couple of others…

S: What’s the secret of your energetic life performance? Practice, drugs, plain talent…?
Q: We stopped taking drugs five years ago when we formed Quit Your Dayjob… we believe in treating our performance like a 100 meter race, we explode, accelerate and try to break the world record. We are very disciplined when it comes to playing live, we are good musicians and we rehearse a lot and we have fun, that´s the explanation. A lot of bands seem to have the worst time of their life when they´re on stage… why?

S: Do you hate pandas?
Q: No! But a lot of governments seem to treat their people very bad… now you can figure out what our song „Pissing on a panda“ is about!?

S: What will be the next step with the band?
Q: We release our new album „Sweden we got a problem“ on Bad Taste Records in august and then we will start the „Europe we got a problem tour 2005/06“. Hopefully we can pay the rent after that…

S: One last message to our readers, please!
Q: You’re all invited to sign up for the Quit Your Dayjob Army Of Freaks in the fight against everyday boredom! See you soon! Freak out! www.quityourdayjob.org

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Gossip

Editorial #18

Sicher habt Ihr Euch schon gefragt, wo das neue Shredder Mag bleibt! Hier die Auflösung: Leider hatten leider wir keine Zeit. Und sowas dauert ja auch immer länger, als man denkt. Naja, am Schluss hat dann doch noch alles geklappt und es ist ja auch „ganz nett“ geworden. Keep the faith.
Euer Shredder Mag

 

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Terrorgruppe – Schöne Scheisse (Bitz Core)

terrorgruppe_scheisse_shreddermagTerrorgruppe – Schöne Scheisse (Bitz Core) 
Hier kommt der Nachfolger von „Nonstop Aggropop„, der die Singles und B-Seiten der Jahre 1998-2004 enthält, ein Best-Of-Album #2 sozusagen. Die Terrorgruppe hat sich mal wieder mächtig ins Zeug gelegt, denn als Booklet gibt es hier einen grandiosen Schundroman, der sehr authentisch im Bastei-Lübbe-Layout daherkommt. Deswegen gab es auch gleich eine dicke Klage, also beeilen, wer weiß, wie lange es das Teil noch gibt. Musikalisch ein wenig durchwachsen, „Nonstop Aggropop“ gefällt mir besser.

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Reviews

The Haunted – Revolver (SPV)

haunted_revolver_shreddermagThe Haunted – Revolver (SPV)
Tja, meine lieben Rockopas von Metallica, so hättet Ihr sicher gerne auf „St. Anger“ geklungen. Habt Ihr aber nicht! Geht der Wanderpokal für extrem-angepisst-sein-und-tierisch-bolzen eben mal wieder nach Schweden und zwar an The Haunted. Und dazu noch der Pokal für auf-die-1000000stel-Sekunde-tight-Spielen und für das beste ausgeschlagene-Zähne-und-Spritzen-Artwork. Fragen?

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Karamelo Santo – Haciendo Bulla (Übersee)

karamelosanto_shreddermagKaramelo Santo – Haciendo Bulla (Übersee)
Das heilige Bonbon aus Mendoza, Argentinien meldet sich mit dem vierten Album zurück und was ist passiert? Nichts! Und das ist gut so. Weiterhin werden ohne mit der Wimper zu zucken Ska, Reggae, Rock und traditionelle Lateinamerikanische Musikstile zu einem individuellen Gute-Laune-Sound zusammengestellt, der in die Beine geht und zusätzlich das Hirn, dank politischer Texte, ankurbelt. Gelungenes Album, äußerst lebensfroh und energiegeladenden.

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AndTheWinnerIs – The Punch And Judy… (Rockhit)

thewinneris_judy_shreddermagAndTheWinnerIs – The Punch And Judy… (Rockhit)
Gefühlvoller Pop-Punk verschmilzt mit lupenreinen Melodien und einer gehörigen Portion Emotion zum gelungenen Debütalbum des Fünfers aus Hannover. Die 12 kraftvollen Songs, die geschickt Platz für Ruhe und Melancholie lassen, werden durch locker eingestreute Pianoklänge, einen weiblichen Gesangspart und eine Akustik-Ballade abgerundet. Ein wenig mehr Roughness hätte nicht geschadet, so bleibt es insgesamt ein nettes Album, daß mich überzeugt, aber noch nicht richtig aus den Socken haut.

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Hot Water Music – The New What Next (Epitaph)

hotwater_newwhatnext_shreddermagHot Water Music – The New What Next (Epitaph) 
Es ist doch immer das selbe. Ich höre mir das neue Hot Water Music-Album an und finde es gut. „Gut“ ist ja nicht so der Wahnsinn, also lege ich es erstmal wieder bei seite. Beim nächsten Hören finde ich es schon besser und ich muss mir eingestehen, dass ich beim ersten Hören wohl ein zwei Hits übersehen haben muss. Mittlerweile läuft es auf Heavy Rotation und ich ertappe mich dabei, wie ich mit irrem Zucken im Gesicht in meinem weiteren Bekanntenkreis damit Hausieren gehen. „The New What Next“ ist im Gegesatz zu „Caution“ wieder ein Schritt weg vom Punkrock, mehr hin zu dem Sound, den die Band schon immer geprägt hat und den so viele Bands kopieren und selten auch nur zu 50% erreichen. Tja, Kenner kaufen das Original…

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Pistol Grip – Tear All Down (BYO)

pistolgrip_tearitalldown_shreddermagPistol Grip – Tear All Down (BYO) 
Das „schwierige“ dritte Album ist im Kasten und ich bin beruhigt, dass auch diese Aufgabe mit Bravour gelöst wurde. Die beiden Vorgänger, besonders das Debut-Album, beeindruckten mich ganz schön, so dass nicht umbedingt klar war, ob dieses Niveau auch weiterhin gehalten werden kann. Glücklicherweise glaubte der Fünfer aus LA an seine musikalischen Grundsätze, so wird weiterhin energiegeladener Streetpunk geknüppelt. Heraus stechen, wie bisher, die leicht hektische Charakterstimme von Stax und die wahnsinnig einprägsamen Gitarrenverläufe des Lead-Gitaristen Hollywood. Seit Bandgründung wird an diesem 3-Akkorde-Machwerk festgehalten, dass scheppert ordentlich und geht ins Ohr. Der Vollständigkeit halber, erwähren wir noch den Back-Up-Vocals-Gastauftritt von Ken Casey (Dropkick Murphys) und das Artwork von Sucker (Oxymoron).

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Punishable Act – Anit-Vision (Hardboiled)

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Punishable Act – Anit-Vision (Hardboiled) 
Ein neuer Stern am deutschen Hardcore-Himmel? Weit gefehlt, die Berliner Prügelknaben machen schon seit ganz lange die Bühnen der Republik unsicher, allerdings hatte man zwischendurch eine längere Pause eingeschoben, die mit „Anti-Vision“ nun auf’s Vortrefflichste beendet zu sein scheint! Dem guten alten Knüppel-Hardcore wird hier exzessiv gefrönt, ohne dass man sich hinter den Kollegen von Agnostic Front, Blood For Blood oder Madball zu verstecken bräuchte. Freddy aus letzterer Band steuert dann in einem Track auch ein bisschen Gebrüll bei. Extra Lob hat der Sänger für seine fast Yuppicide-verdächtige Stimme verdient! Also, kauft das und im März sind sie dann auch mit Agnostic Front auf Tour…

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The Dwarves – The Dwarves Must Die (Sympathy For The Record Industry)

dwarves_mustdieThe Dwarves – The Dwarves Must Die (Sympathy For The Record Industry) 
lange Jahre des Wartens sind endlich vorbei +++ die unangefochtenen Könige der Geschmacklosigkeit melden sich erfolgreich zurück +++ scheissen wie immer locker-lässig auf jegliche Art von Moral und Konvention +++ schütteln mühelos einen Hit nach dem anderen aus dem Ärmel +++ bedienen sich skrupellos an den unterschiedlichsten Musikstilen wie: Highspeed-Gaballer, Ramones-Riffs, Surf Sounds, Punk, Sixties, Hip Hop, Erbrochenes und Kirchenchöre (!) +++ bringen gekonnt Genialität und Wahnsinn unter einen Hut +++ gehen textlich wie gewohnt unter die Gürtellinie +++ haben unter Anderem den Freese Josh (u.a. Vandals), den Oliveri Nick (z.Z. arbeitslos) und den Offspring Dexter ins Studio gelassen (warum nur?) +++ Anspieltipps: „Runaway #2“, „Christ On A Mic“, „Massacre“, „Go!“, „The Dwarves Must Die“ +++ Artwork super: nackter dummer Zwerg mit nackten heissen Bräuten, wird auf dem Cover gekreuzigt +++ wie könnte es anders sein: über 10 Leute waren am Album beteiligt +++ Blag Dahlia und Eric Valentine haben es produziert +++ 15 Tracks/30 min +++ für mich die heißesten Anwärter der Punk-Hall-Of-Fame +++ sofort kaufen und in Frieden sterben +++

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The Briefs – Sex Objects (Lollipop)

briefs_sexobjects_shreddermagThe Briefs – Sex Objects (Lollipop)
Endlich ist es da, das neue Album, und wieder wird in feinster Buzzcocks- und Adverts-Manier gerockt, diesmal allerdings etwas abwechlungsreicher und stellenweise langsamer. Und weil das absolut zum Kaufen ausreichen sollte, hier noch 5 Fakten, warum die Briefs auch live rulen: 1. Jeder in der Band muss mal singen. 2. Nach fünf Liedern tanzt das gesamte Publikum. 3. Obwohl jedes Lied im Schnitt nur 2 Minuten dauert und zwischen den Liedern eigentlich kaum Pausen gemacht werden, spielen sie 1,5 Stunden am Stück und geben drei Zugaben. 4. Die Briefs wären gerne Roboter. 5. Der Bassist kann während dem Lied auf die Monitorbox des Drummers kotzen und trotzdem weiterspielen.

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Reviews

Converge – You Fail Me (Epitaph)

converge_youfailme_shreddermagConverge – You Fail Me (Epitaph) 
Ich habe im Vorfeld ja schon einiges über dieses Album gelesen: Dank des Wechsels zum „Major“ Epitaph wurde von Ausverkauf gemunkelt und noch schlimmer, „You Fail Me“ sei „melodisch“. Das melodischste Album von Converge vielleicht, aber in welche Sphären, liebe Rezensenten, ist Euer Hörverständnis mittlerweile vorgedrungen, dass Ihr bei dieser Musik an das Wort „Ausverkauf“ auch nur denken könnt! Düsterster Lärm, ordentliches Gemoshe, lieber eine Harmonie zu wenig als zu viel, permanente Breaks und „Gesang“ irgentwo zwischen Tod & Verderben und dem Gebell eines sehr wütenden Hundes. Anfangs sehr anstrengend, später fühle ich mich fast versucht, das schlimme Wort „genial“ zu benutzen. Auf jeden Fall extrem gut!

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Gossip

Volvo 245

volvo245_shreddermagZeit, der Wahrheit ins Gesicht zu Schauen: Die Shredder-Redaktion kommt langsam in ein Alter, in dem gleichaltrige attraktive Frauen nicht mehr nur mit den türkisen Redaktions-Lambos zu beeindrucken sind, sondern man bei den etwas konventionelleren unter den erwähnten jungen Damen auch mit einem praktischen und vor allem familienfreundlichen (ohje!) Kombi punktet. Diesen sei (mit der Bitte um Aufschub) das diesmalige Stylermobil gewidmet: Der Volvo 245. Von 1975 – 1993 gebaut, aus feinstem Schwedenstahl (fasst so hart wie Kruppstahl), formschön und mit der leichten Note des Besonderen behaftet (zu mindest im Vergleich zu anderen Kombis dieser Zeit). Darüber hinaus vorzüglich geeignet, grosse Mengen an Snowboards und Kästen feinsten Augustiner-Bieres zu transportieren. Tja, wahre Schönheit kommt wohl doch auch von Innen.

Gossip

macht Urlaub in Skandinavien

sweden_shreddermagSeit Langem ist Skandinavien in meiner Vorstellung das europäische Rock’n’Roll-Wonderland. Wieviele coole Bands haben die paar Schweden und Norweger in den letzten Jahren hervorgebracht! Doch wie das immer so ist, Vorstellungen alleine sind auf Dauer auch unbefriedigend (darum: Fragt doch endlich mal die Mutter Eures besten Freundes, ob sie genauso für Euch empfindet, wie Ihr für sie!), darum: Zeit wenigstens dem dichter besiedelten Süden einen Besuch abzustatten! Darum schnell Flüge gebucht und ab nach Stockholm. Die geballten Erfahrungen und Geheimtipps der folgenden 2,5 Wochen gibt es nun hier in komprimierter Form und gratis!
Wie gesagt, Stockholm war das erste Ziel und entpuppte sich bereits am ersten Abend als super Stadt! Denn schnell war die grösste Punkrock-Disse ausfindig gemacht (der „Debaser„), wo gleich mal zwei sehr anständige schwedische Bands ihr Können unter Beweis stellten. Davor und danach wurden wir von Dregen (ja, der Dregen) auf’s Vortrefflichste beschallt. Eintritt frei, dafür kostet ein Bier (wie überall in Schweden) 5 Euro. Highlight ist der freitags dort stattfindende „Accelerator Club“. Eine Top-Veranstaltung mit guter Musik, ausgelassener Stimmung und Massen bildschöner Schwedinnen (und Schweden, werte Shredder-Leserinnen) – Hut ab! Sehr zu unserer Freude konnten wir schnell feststellen, dass 80ies-Hardrock-Glam-Fönmatten in Kombination mit Stretch-Jeans, Mötley Crue-Shirt und Riesen-Bandana ein gern gesehenes Outfit darstellen (Mädchen tragen auch Stretch-Jeans, dazu aber Eskimo-Stiefel). Mehr „fucking Axl Rose-Lookalikes“ wurden uns im „Medusa“ versprochen. Wohl aber an einem anderen Tag, denn als wir dort waren, kam nur Rammstein… Sehr vielversprechend sah auch der leider wegen Überfüllung geschlossene Club „Alcazar“ aus.
Nach ein paar hervorragenden Tagen, verspürten wir den Drang nach Abenteuer in der Wildnis und machten uns auf in den Glaskogen Nationalpark nahe der norwegischen Grenze. Dort sieht es genauso aus, wie man sich die schwedische Wildnis vorstellt, nur schöner. Gelbe Birken, kleine Seen, Ronja-Räubertochter-Wäder, zahlreiche Biber-Spuren, aber keine Elche („weil, hier gibt’s ja Wölfe“, wie uns ein freundlicher Norweger aufklären konnte)… auf jeden Fall alles ein Riesenkitsch! Da es schon Anfang Oktober war, trafen wir dort fast keine Menschen und gar keine Mücken.
Nach 6 Tagen Wandern machten wir uns mit geschundenen Füssen, einer Berserker-Kondition und einem ebensolchen Körpergeruch auf in die verheissene Stadt, Geburtsstätte von Turbonegro und Gluecifer: Oslo Rock City. Oslo ist schweinsteuer und ebenso super! Vorallem die kleine Kneipe „Robinet“ (betrieben von Bandmitgliedern der „Euroboys“) entpuppte sich als Juwel. Hat man Glück, wird man dort von extrem schlaksigen Norwegern zum Kiffen in Bang&Olufsen-WGs eingeladen oder atom-betrunkene (Wie die Skandinavier es schaffen, so besoffen zu sein – ein Bier kostet 8 Euro – haben wir leider nicht herausfinden können) Wikinger-Mädchen, die sich einem als Trondheimer Waldürfschülerinnen vorstellen, loben die „Brutalität“ der deutschen Sprache und singen einem „Underneath Your Clothes“ von Shakira auf deutsch vor und rezitieren in einem fort den „Erlkönig“. Wir hatten Glück.
Weniger Glück hatten wir in Örebro. Während am Wochenende im „Satin“ der „Klubb Idiot“ lockt, ist es dort unter der Woche in etwa so aufregend wie in Memmingen oder vielleicht Fulda. Nunja, wir waren unvorsichtigerweise von Dienstag bis Donnerstag da… Ein paar Tage Zelten auf der vor Stockholm gelegenen kleinen Insel „Möja“ (dort waren wir wieder mal die einzigen und die Natur zog erneut alle Kitsch-Register) rundete unsere Expedition ab. Zum Schluss noch das Fazit (Skandinavien rockt ohne Zweifel!) und ein Tipp für die ausgewogene Ernährung vor Ort: Lachs ist dort unverschämt billig und das günstige Lättöl (Leichtbier mit 2,8 – 3,5%) macht dann leicht betrunken, wenn man ein Sixpack pro Stunde trinkt.

Interviews

Interview – Eric Marcelino von den Sex Positions

Wie in der letzten Ausgabe angekündigt, haben wir den Sex Positions ein wenig nachgestellt und konnten Gitarrist Eric Marcelino zu einem nicht besonders langen Interview bewegen:

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S: Where are you from and what’s your musical and personal background?
Sex Positions is from Boston, Massachusetts. We are a group of kids that love to play hardcore music that pushes the boundries.

S: How would you describe your album?
E: Glamour Punk meets Wham!

S: How was working with Kurt Ballou from Converge as a producer?
E: Kurt is awesome, he has a bunch of tricks up his sleeve. I cant see us recording with anyone else after doing this album with him.

S: What factors in your opinion make up good hardcore music?
E: Originality, I hate hearing the same rehash. Take shit to the next level and dont waterdown music just to have a „band“ and to „play shows“.

S: What records inspired you most?
E: The Nerve Agents – Butterfly Collection, Ink & Dagger, any Scissor Sisters or New Order

S: What are your plans for the future concerning the Sex Positions?
E: Tour the full US, Tour Europe, put out another LP, you’ll probably see us on the Top of the Pops

S: One last message to our readers, please!
E: Go out and buy the „Sex Positions“ – self titled Full Length CD on Deathwish,Inc. in stores now!!!

Reviews

Hörspiel

Serdar Somuncu liest aus dem Tagebuch eines Massenmörders – Mein Kampf (Wort Art Hörbuch)

 

serdar1_shreddermagWenn man „Mein Kampf“ hört, dann kann es einem schon mal kalt den Rücken runterlaufen, doch warum? Einerseits ist klar, der Autor dieses Buches, Adolf Hitler, war nicht ganz dicht, andererseits weiss fast niemand so richtig, worum es hier eigentlich geht. Diese Bildungslücke schliesst der türkische Staatsbürger mit seiner kommentieren Lesung, die gezwungenermassen oft in Satire ausufert, denn die meisten Textpassagen, die übrigens stilecht im original Nazi-Gebell vorgetragen werden, kann man einfach nicht ernst nehmen. Wirre Aneinanderreihung von Sätzen, schlichte Dummheit, stumpfe Parolendrescherei und kranke Ideologie kommen so auf unterhaltsame Art und Weise ans Tageslicht. Dem Moderator geht es aber um mehr, als nur Teile des Inhaltes wieder zugeben. Kritisch beleuchtet er den problematischen Umgang mit diesem Buch (der Besitz ist erlaubt, das Buch ist aber an sich verboten) oder berichtet über vergangene Lesungen mit Nazis im Publikum, dserdar2_shreddermagie, so wie manes kennt, eh nur die Hälfte verstehen. Am Ende erreicht er sein Ziel: dank der geschickt inszenierten Vorstellung fängt der ungerechtfertigte Mythos, der „Mein Kampf“ seit Jahren unnebelt, an sich zu verflüchtigen und man kann beruhigt sagen: gut, dass wir darüber gesprochen haben.

Reviews

DVD-Corner

Viceversa – Love the City/Love Skateboarding

 

viceversa_shreddermagEndlich mal wieder ein anständiges Skatevideo aus unserer schönen Heimatstadt. Das Goodstuff-Team hat auch noch die letzte Rail und alle Ledges Münchens ausfindig gemacht, um diese mit feinstem Style zu Brei zu skaten! Sehr anständig, was da so an Tricks geboten wird. Dazu gibt es Musik von Flyswatter und für alle HipHopper unter unseren Lesern (gibt’s die?) auch noch vom Blumentopf. Also schnell ins Goodstuff, die neue Shredder-Ausgabe holen und die DVD kaufen! Und ein kleiner Tipp zum Schluss: Jeder der beim Betreten des Ladens „Geiz ist beschissen!“ brüllt, kriegt 0,5 % Skonto.

Reviews

DVD-Corner

Slime – Wenn der Himmel brennt / Die endgütlige Bandhistory (Weird System) 

 

slime_himmelbrennt_shreddermagSlime liefern, weit über 10 Jahre nach dem letzten gemeinsamen Auftritt, eine informative Dokumentation über die gesamte Geschichte der Band und präsentieren, nicht nur für Fans, ein geballtes Stück deutsche Punkgeschichte. Die 9 Konzertmitschnitte aus über zwei Jahrzehnten Bühnenpräsenz, unter anderem nie vorher veröffentliche Auschnitte vom Hausbesetzer-Open-Air 1981, das große „Viva St.Pauli-Festival“ am Millerntor und das Video zu „Schweineherbst“, bieten über 3 Stunden Entertainment, doch damit nicht genug. Zusätzlich enthält die Doppel-DVD eine Doku-Ebene, auf der sich die Band noch mal gründlich zu vergangenen Theman äußert und die einen oder anderen Gerüchte klarstellt. Weitere Hintergründe und Einzelheiten kann man dem 56-seitigem (!) Booklet, ja fast schon Buch entnehmen, dass wohl keine Fragen mehr offenlässt und über die gesamten Liedtexte hinaus noch massig Fotos und Infos enthält. 14 rare, teils unveröffentliche Audio-Tracks, befinden sich praktischerweise auch noch mit an Bord und runden dieses Monster-Paket zu einem wahnsinnig umfangreichen Vermächtnis der Band ab. Fairerweise muss noch gesagt werden, dass teilweise die Bildqualität der Konzertmitschnitte ein wenig zu wünschen übrig lässt, aber vor 20 Jahren war das mit der Aufnahmetechnik noch nicht so weit fortgeschritten und wir verzeihen an dieser Stelle.

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Gossip

Sexshop-Report

Der Sexshop – ein Ort der Widersprüche: Mysterium einerseits, doch auch Ort täglicher Wolllust. Terra Incognita und dennoch in aller Munde. Sündenbabel und Tabu zugleich… Ein idealer Ort für die Grundleitlinien des Shredder Mags: Recherchieren, Informieren, Aufklären! Ohne Vorbehalte, unvoreingenommen! So, genug Gesülze, hier die Fakten: Das katholische Bayern schien uns kein geeigneter Ausgangspunkt für diesen Artikel, so baten wir unser Hamburger Regionalbüro (an dieser Stelle vielen Dank an Shredder-Praktikantin Bini) direkt ins Herz der längsten Lustmeile der Republik, die Reeperbahn, zu gehen, um vor Ort das magische Geheimnis des Sexshops zu lüften: Was kann man dort eigentlich so alles kaufen? Und: Abgründe tun sich auf. Doch erstmal zu den Produkten, die eh jeder erwartet. Da wären zuerst einmal die klassiche Gummimuschi – hier das Modell „Frisur“ (1) – und Gummipuppe „Miss World special“ (2). Was das „special“ daran ist, wollen wir nicht wissen. Dann ein wenig versteckter Diss an alle Seemänner: die Penispumpe mit bezeichnendem Namen „Sailors-Pump“ (3). Soweit keine grossen Überrachungen, doch jetzt kommt’s faustdick: Bei der handlichen Gummifaust mit dem verheissungsvollen Namen „Fist“ (4) befällt einen langsam ein leichtes Unwohlsein, das bei einem Blick in die Videoecke nicht eben besser wird, findet man dort doch neben vielen anderen schlimmen Dingen den Film „Inzest“. Und da das Foto etwas undeutlich ist, hier nochmal der ganze Untertitel: „Wie der Vater mit dem Sohn! Es bleibt doch in der Familie!“ (5). Iss‘ mir schlecht! Heitere Ablenkung bietet da die elegante Humoristen-Boxershort „Schau mal, ich habe einen bunten Stoffpenis, an dem ein prima Flaschenöffner befestigt ist!“ (6). Wirklich ausgesprochen praktisch. Da fragt man sich doch sofort, wie man es eigentlich in Vergangenheit geschafft hat, sein Bier aufzukriegen? Doch die Zeiten sind vorbei! Unsere alten Stoffpenis-Hosen kommen in die Altkleider-Sammlung, ab jetzt werden nur noch Modelle mit Flaschenöffner getragen! Zuletzt noch ein Blauwal-Dildo in schwarz zum Schnäppchenpreis (7) und dann legen wir das Thema Sexshop aber ganz schnell wieder zu den Akten.. sexshop_shreddermag

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Buchtipp

Jürgen Teipel – Verschwende Deine Jugend (Suhrkamp)

 

Dverschwende_deine_jugend_shreddermagieses dokumentarische Werk erzählt in Form von Interview-Schnipseln von einer Menge Zeitzeugen die Geschichte, wie Punk in Deutschland angefangen hat. Von Peter Hein, Jäki Eldorado bis Blixa Bargeld kommen alle zu Wort, die damals von Rang und Namen waren. Ein sehr interessantes, authentisches und stets spannendes Buch, das mit dem blöden Film nix zu tun hat. Fazit auf jeden Fall: DAF waren die aller-krassesten und den besten Namen hat der KFC (Kriminalitätsförderungsclub). Sehr lesenswert!

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Buchtipp

Rocko Schamoni – Dorfpunks (rororo)

 

dorfpunks_shreddermagDer Autor – mittlerweile mit Studio Braun unterwegs – arbeitet in diesem Buch seine Jugend als einer der ersten Punks im ländlichen Schleswig-Holstein auf. Ohne unnötigen Tiefgang und mit einer ordentlichen Portion Selbstkritik erfahren wir hier alles vom getunten Moped über Kleinstadt-Rebellion bis hin zur alten Frage, was eigentlich Punk ist. Als kurzweilige Bettlektüre wärmstens zu empfehlen.

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Buchtipp

cheapshots_ambushes_shreddermagEndlich hat sich mal jemand aufgerafft und ein Buch über die richtige Technik für anfallende Kneipenschlägereien verfasst. Der Autor, die Riesen-Assel Marc „Animal“ MacYoung, plaudert hier aus dem Nähkästchen und vermittelt, auf über 240 Seiten, sein mühsam antrainiertes Wissen in Sachen „LA-Streetfighting“. Man merkt schnell, in welche Richtung das Buch tendiert, hätte man ja auch schon im Vorwort ahnen können, hier heisst es: „His hobbies include beer, embarassing his girlfriend in public, and just being a pest in general.“ Themen wie Blocking, Blows, Punches oder Kicks werden gründlich analysiert und erklärt, besonders erfreuten mich die Abbildungen, die den Autor persönlich im „Shit Happens“-Unterhemd in Action zeigen. Interessant wirdes auch bei den ausgefallenen Nahkampf-Handstellungen (Dragon, Leopard oder Eagle) und dem selbst-kreierten Finishing-Move namens „Night Nite Bunny Rabbit“. Dieser Schlag „ends the conflict by putting the sucker down for the court“, wichtig dabei: „It either knocks him out or hurts him so badly he cannot continue.“ Also wieder was dazugelernt: um dem Kampf zu gewinnen einfach immer schön aufes Maul hauen. Kaputte Bierflaschen und ähnliche Kneipen-Accessoires wie Billard-Coeus finden selbstverständlich auch seinen Platz im Buch. Ob der gute Mann bis drei zählen kann, sei mal dahingestellt, für eine Portion Watschen ist er in jedem Fall zu haben. Unser Tipp: Gerade jetzt zur besinnlichen Zeit das ideale Weihnachtsgeschenk!
„Cheap Shots, Ambushes, and Other Lessons“ A Down and Dirty Book on Streetfighting ans Survival. Paladin Press, ISBN 0-87364-496-4 

Gossip

…kramt im Archiv

Wir wärmen noch mal einen alten Bericht aus der Blitz-Illu, aus der Reihe „Ungewöhnliche Sex-Paare“, auf. Diesmal mit der eleganten Dagmar (31) und dem Sex-Punker Udo (27). Aber lest selber die Highlights des Interviews:

 

Bpunkersex_shreddermaglitz-Ilu: En Punker und ene Dame, paßt das denn?
Udo: Nie hätte ich gedacht, das ich mal was mir ener edel Tussi mache, aber Dagmar ist cool drauf und außerdem hat sie genug Kohle, daß ich nicht ackern brauche, geil, ne?“

Blitz-Ilu: Wo habt ihr Sex?
Dagmar: Wir gehen zu mir. Bei Udo ist die Wohnung nicht sauber genug. Von Putzen hält er nicht viel.
Udo: Genau, in Daggis Nobel-Bett bumst es sich schöner als auf meiner alten Strohmatratze.

Blitz-Ilu: Was liebt ihr vor allem aneinander?
Dagmar: Sein Freiheitsgefühl, seinen schönen Penis…
Udo: Sie macht alles mit – auch mal ene Runde wilden Po-Sex. und sie duftet immer toll, das kenne ich garnicht!“

Gossip

Diss des Monats – Tomatensaft

Der Diss des Monats geht dieses Mal an alle Deppen, die denken, sie müssen, nur weil sie in einem Flugzeug sitzen, Tomatensaft trinken. Das gibtes doch garnicht. Kaum kommt die Stewardess angerollt, schon schalltes aus jeder Ecke „Tomatensaft!“. Komisch daran ist, dass diese Menschen das ganze Jahr über nie Tomatensaft trinken, geschweige denn überhaupt daran denken. Dieser Saft existiert doch im Alltag überhaupt nicht, wahrscheinlich aus dem einfachen Grund: er schmeckt scheisse. Da haben sich ein paar Penner so einen dummen Hype einfallen lassen und jeder fällt drauf rein. Aber macht nur weiter so, ihr seid mit großer Wahrscheinlichkeit auch die, die jämmerlich jeglichen Cent-Betrag auf ihrer Pay-Back-Karte sammeln, den neuesten Klingelton runterladen oder zerissene Mode-Jeans tragen. Ich fürchte, ihr wart früher auch im Besitz eines Tamagochis… is mir schlecht.

Interviews

Sogar Shredder Mag feiert Weihnachten!

M ü n c h e n – Nach einem besinnlichen Auftritt in Dachau, hielten sich die Berliner Punkrocker von ZSK noch eine Weilchen in der Weltstadt mit Herz auf. Diese Gelegenheit nutzten wir, um Joshi (Voc, Git) und Eike (Bass, Voc) bei Zimtstern und Kerzenschein einige Fragen zu stellen.

S: Ihr seid gerade auf Tour, wie läuftes denn momentan. Was gibtes zu erzählen?
J: Also es läuft fabelhaft, seit dem Album-Release sind wir ununterbrochen unterwegs. Wir waren 2 1/2 Wochen mit den Donots auf Tour, 1 Woche mit International Noise Conspiracy und spielen die ganzen Wochenenden immer. Insgesamt haben wir über 60 Shows gespielt dieses Jahr, schon ne ganze Menge.

S: Du erwähntest die Int. Noise Conspiracy, habt ihr Dennis Lyxzén kennengelernt?
J: Ja klar, 4 Shows haben wir schon mit den Jungs gespielt, 2 kommen noch, sind schon nette Typen. Interessante Menschen.
E: Wobei man auch sagen muss, dass das halt nicht mehr Refused sind.

S: Das ist ja die Tour zum aktuellen Album „From Protest to Resistance“, mir persönlich gefällt es besser, als der Vorgänger, weil es mehr Power hat und homogener wirkt. Welche Unterschiede gibt es zu „Riot Radio“?
J: „Riot Radio“ war unser erstes Album, das war alles neu für uns, so mit Produzent, richtiger Produktion und 2-3 Wochen aufnehmen im Studio. Beim neuen Album waren wir schon ein eingespieltes Team, wir hatten wieder den gleichen Produzenten und da war alles nicht mehr so neu und wir konnten uns einfach viel mehr auf die Songs konzentrieren und mussten und nicht mehr mit dem ganzen Drumherum rumärgern, das war viel relaxter.
E: Wir haben uns auch länger auf ins Studio gehen vorbereitet,…
J: …wir haben sehr viel mehr Songs vorher fertig gemacht, die Vorproduktion gemacht und dann wirklich die besten Songs rausgesucht und die auf die Platte genommen, so dass das ein Knüller wird und wir sind wirklich sehr zufrieden. Ausserdem waren wir im Horus-Studio in Hannover, das ist wirklich erste Sahne, da haben auch die Donots, Such A Surge und Guano Apes aufgenommen, da ist alles sehr professionell. Toningenier war Gerhard „Anyway“ Wölfle, der hat dann noch das letzte rausgeholt.

S: Mir persönlich gefällt der Song „Was uns noch übrig bleibt“ am besten. Dort geht es um verloren gegangene Freundschaften, basiert das auf realen Erfahrungen?
J: Der Text ist von mir und lyrisch frei erfunden, aber die Thematik hat man schon. Freunde mit denen man früher auf Punk-Konzerten war oder die sich die neue Good Riddance-Scheibe geteilt hat, sieht man ein paar Jahre später und dann ist da nichts mehr. Nur noch Smalltalk, das ist schon komisch. Ich kannes den Leuten ja nicht übel nehmen, dass die kein Punk mehr hören, ich möchte das ja auch niemendem vorschreiben, aber Leute, die früher die selben Ideen hatten sitzen dann vor einem und man denkt, da sitzt ein komplett anderer Mensch.

S: Auf eurer E.P. covert ihr „Wir müssen raus“ von Ton Steine Scherben, das ist ja schon ein heißes Eisen, da die Leute das Original sehr schätzen…
J: Wir haben auch lange überlegt, ob wir das überhaupt machen. Wir hatten auch viele Ideen, haben dann aber gesagt, wir covern nur ein Lied, bei dem wir auch völlig dahinterstehen und sicher sind, dass das auch gut wird. Es gibt nichts schlimmeres als schlechte Coverversionen.

S: Zum Thema schlechte Coverversionen, wie steht ihr zu reinen Coverbands wie Me First…, die ja am Anfang ganz lustig waren, mir mittlerweile aber auf den Sack gehen.
J: Me First.. sind ja ein Spezialfall, das ist einfach ene Spaßband, so ne Best-Of-Band, aber an sich find ich den ganzen Coverkram nicht so spannend. Ist mal ganz lustig sich anzuhören, bin aber nicht ein Mega-Fan davon.

S: Seht ihr euch, auf Grund eurer politischen Einstellung als Scherben-Nachfolgeband? Wobei man schon vorsichtig sein muss, dass überhaupt zu sagen.
E: Wir sehen uns schon in der Tradition linker deutscher Polit-Band, Scherben-Nachfolger ist aber eindeutig vermessen und darum gehtes ja auch garnicht. Klar haben wir unsere Position und es ist uns auch wichtig, dass wir die nach Aussen tragen.

S: Euer Wort zum Sonntag?
J: Heute? Ja München ist ene Scheiss-Stadt mit nur Arschlöchern mit Pelzmänteln und das kotzt mich unglaublich an.

S: Da fühle ich mich aber angesprochen, wegen meinen schicken Pelzunterhosen!
J: Haha, aber die hält wenigstens warm! Nein, wir lieben die coolen münchner Leute, die gestern bei unserem Auftritt in Dachau waren, wir kommen auf jeden Fall gerne wieder hierher und feiern mit Euch, weil ihr sehr gut im Biertrinken seid.

S: Obwohl ihr manche Lieder auf deutsch singt, zähle ich euch nicht zu den typischen Deutschpunkbands….
J: … damit können wir uns einfach voll nicht identifizieren, dass heisst nicht, das wir was gegen Deutschpunkbands oder Deutschpunks haben, aber es ist halt nicht so unser Ding. Wir sagen von uns immer, wir machen Skatepunk.

S: Wie sieht dann euer Publikum aus?
E: Klar sind da schon auch Deutschpunks im klassischen Sinne mit Hänge-Iro und so am Start, auch viele Kids…
J: Ja, viele Skatepunk-Kids, die Anti-Flag oder Good Riddance hören. Was ich dabei blöd finde, dass sich Ältere immer aufregen: „Bei ZSK-Shows sind immer so viele Kids“, aber ich finde das super, genau das wollen wir. Das junge Leute nachkommen, die sich für Punk interessieren. Es ist schlimm, wenn Ältere so arrogant über die Kids herziehen, die ja alles falsch machen. Mit 13 hab ich mich sicher auch nicht immer richtig auf Konzerten benommen… ich freu mich immer über junge Hüpfer im Publikum.

S: Ich bin ein großer Fan von deutschen Bands wie …But Alive oder Muff Potter. Was könnt ihr unseren Lesern, in diese Richtung gehend, empfehlen?
E: Turbostaat.
J: Und die ganzen …But Alive-Scheiben natürlich auch. Markus Wiebusch ist ein guter Freund von uns.

S: Ein großes Lob für die Bonus CD, die dem Album beiliegt. Hier kann man sich ordentlich über brisante Themen wie Tierrechte oder Abschiebung informieren. Wie kommt das bei den Leuten an?
J: Sehr gut! Wir bekommen unglaublich viele E-Mails und Rückmeldungen von Leuten, die sagen, sie hätten von dem ganzen Inhalt noch nichts gewusst. Darum ginges uns auch, wir wollen niemandem vorschreiben, was er tun soll, haben auch nicht DIE Lösungsansätze aber wir sollen schon sagen, warum wir was scheisse finden. So bieten wir den Leuten die Möglichkeit, sich zu informieren, ein bisschen hinter die Kulissen zu gucken, und zeigen einfach, warum wir solche Texte schreiben.

S: Welche Band hat Euch politisch besonders inspiriert oder wachgerüttelt?
J: Am Anfang waren es die Dead Kennedys und dann ganz klar Propagandhi. Großartige Band, die sind z.B. auch mitschuld, warum ich angefangen habe, Vegetarier zu werden oder mich überhaupt mit dem Thema zu beschäftigen.

S: Was haltet ihr eigentlich von Reunion-Shows? Die „Misfits“ haben letzte Woche ein Trauerspiel abgeliefert, die Spermbirds haben hingegen auf der aktuellen Tour übelst gerockt. Zerstört das eurer Meinung nach den Mythos oder die Legende einer Band?
E: Also Mythos und Legendenbildung ist ja erstmal fragwürdig… ist aber auf jeden Fall schwierig wenn klar ist, die Leute kommen nur zusammen, um das große Geld abzugreifen was die Kids bringen, nur um ihre Vorbilder nochmal zu sehen. Ich sehe das eher kritisch.
J: Grundsätzlich spricht aber generell nichts gegen ene Reunion, es gibt auch gute Reunions, so istes nicht. Wir haben allerdings vor einem Jahr mit den Dead Kennedys in Italien gespielt und das war einfach ein Trauerspiel. Ich habe die echt respektiert, aber das hat alles zerstört.

S: Noch man zu den Misfits: Eure Meinung zu conservativepunk.com?
J: Ach leck mich am Arsch, was für Volltrottel.
D: Ach das sind doch nur ein paar Vollidioten, die sind voll zu ignorieren. Da wird ein Riesenhype drum gemacht.

S: Auf dem Track „We Are The Kids“ sind Mitglieder von den Donots und Waterdown zu hören. Wie stehtes mit dem Kontakt zu anderen deutschen Bands?
J: Man lernt sich halt so kennen und da sind mache, mit denen kommt man ganz gut aus, mit anderen hat mal halt mehr zu tun. Zum Beispiel mit den Donots, die kennen wir schon sehr lange jetzt und das ist eine wirklich gute Freundschaft. In Berlin haben wir auch viel Kontakt zu anderen Bands, z.B. zur Terrorgruppe.

S: Als Nicht-Berliner könnte man den Core Tex oder das Wild At Heart kennen. Was gibtes noch? Bitte ein paar Tipps für unsere Leser.
<J: Also in Kreuzberg und Freidrichshain ist die Auswahl ja sehr groß, der größte Laden ist nach vor das SO36 und sonst finde ich es immer cool, in die Köpi zu gehen. Das ist das letzte besetzte Haus in Berlin, die haben eine große Konzerthalle mit Platz für 300 Leute, dort haben wir auch schon gespielt.
E: Ansonsten einfach mal die Rigaerstraße in Friedrichshain hoch und runter saufen, das ist auch ne nette Angelegenheit.

S: Auf einer Fanpage (www.punkrockmaerchen.de) gibtes ein Quiz (Joshi fängt an zu lachen) bei den man, nach richtiger beantwortung aller Fragen, dich Joshi, nackt auf der Bühne sieht. Machst Du das öfters?
J: Ne, das passiert nur ganz selten, gehört eigentlich nicht zu meinem Standardprogramm.

S: An Hand eurer Internetadresse (www.skatepunks.de) kann man sehen, das ihr Skater seid oder mal wart. Was trifft da zu?
J: Also unser Schlagzeuger und ich sind früher sehr viel gefahren, gerade auch weil wir ene Zeit in den USA waren und viel mit der Skate- und Punkszene zu tun hatten. Gerade dort sind die Szene ja eng miteinander verbunden, hier ist das ja leider nicht so. Heutzutage bleib uns leider keine Zeit mehr dafür.

S: Skaten verkommt meiner Meinung nach immer mehr zu einem vermarkteten Style-Ding, wo überwiegend Hip Hop gehört wird und teure Klamotten an der Tagesordnung stehen. Seht ihr das auch so?
J: Die Gruppe der Skater die Punk hören ist definitiv viel kleiner als die, die Hip Hop hören… Mittlerweile ist Skaten ein riesiger Industriezweig und es bleibt dann einfach nicht aus, das sich da teure Marken einschmuggeln. Die Leute müssen einfach selber wissen, was sie machen. Wenn sich jemand seinen Volcom-Pulli für viel Geld kaufen möchte, dann soll er das doch machen, da hab ich keine Probleme damit. Es muss jeder selbst wissen, was er tun.

S: Was hört ihr denn noch ausser Punk? So weit ich weiss, gefällt dir Joshi, Darkest Hour sehr gut. Aber wenn man jetzt mal an ruhigere Töne denkt?
J: Ja! Wahnsinnig gute Live-Band. Justin Sanes Solo-CD ist auch sehr gut. Ansonsten sind leisere Töne einfach nix für uns glaube ich, ich kann das nicht ab.
E: Die Weakerthans, Bright Eyes.

S: Momentan bommt sog. Metalcore á la Killswitch Engage, gefällt auch das, oder seht ihr das als aktuelles Zeitphänomen?
E: Die neue Caliban ist schon ziemlich gut, mich flasht das schon, ich weiss nicht, wie das die anderen sehen.
J: Ach ich hör sowas auch ganz gern, aber ob das nun Trend ist oder nicht, darüber mach ich mir keine Gedanken. Mir ist das egal, ich hör das was mir gut gefällt.

S: In euerm Video „Keine Angst vor Euch“ wird in der Öffentlichkeit ordentlich Plakatiert und gesprüht. Seht ihr Streetart als Form von Protest, wie es z.B. der englische Künstler Bansky (www.banksy.co.uk) betreibt?
J: Ich finde es immer super, wenn Künstler ihre Kunst nutzen, um auf die Sachen aufmerksam zu machen. Gerade in Berlin gibtes ja ein Haufen von Stencils und ich freu mich immer über politische Stencils und Wallpaper. Ich find das immer super, wenn Künstler sich politisch engagieren.

S: Wer ist für das ZSK-Design zuständig?
J: Eigentlich machen wir das alles zusammen und das ist uns auch sehr wichtig. Unser Schlagzeuger hat z.B. unser Cover entworfen, Eike hat eine Schablone daraus gebastelt und gesprüht, das haben wir dann wieder eingescannt und so weiter. Wir machen auch alle T-Shirts selber.

S: Gilt das selbe auch für euer Klamotten-Label Moshpit Clothing?
J: Wir haben natürlich Leute, die Moshpit Clothing für uns machen, wir selber haben einfach keine Zeit dazu. Da haben wir aber alle Fäden in der Hand und da geht auch nichts raus, was wir nicht abgesegnet haben. Gerade was graphische Sachen betrifft, da haben wir immer ein Auge drauf. Wir designen auch viele Anzeigen selbst, weil uns das sehr wichtig ist.

S: Das alles hört sich nach einer Menge Arbeit an, bleibt da noch Zeit für Hobbies?
J: Leider nein. Also im Moment gerade überhaupt nicht und das ist schon so langsam an der Grenze alles. Ich bin echt froh, wenn ich ein paar Tage in der Woche in Berlin bin, am Wochenende fahren wir dann schon wieder los und wir versuchen halt nebenbei noch unser Studium auf die Reihe zu kriegen. Ansonsten Hobbies…wir gehen in Berlin halt gerne zu Konzerten und Demos und solchen Sachen, aber neben der Band bleibt halt einfach keine Zeit für irgendwelche Hobbies.

S: Wenn man das alles so sieht, dann halte ich euch für eine sehr kreative Band, bis auf euren Namen. So weit ich weiss, kommt ZSK von ZK, dem damaligen Toten-Hosen Vorläufer. Ich finde es ein bisschen einfallslos, da einfach einen Buchstaben dazwischenzuschieben und dann zu sagen: „Das sind jetzt wir“.
J: Hey, das war einfach 97! Da war ich 14, wir hatten wir gesagt, wir machen ne Band und wir brauchen enen kurzen knackigen Namen. Da sagten wir einfach „ZSK“, weil wir finden ZK gut und keine Ahnung… wir haben einfach einen kurzen knackigen Namen gesucht. Ich meine wie toll ist der Name NOFX? Der ist auch nur toll, weil die Band so groß ist. Das war einfach das Ding und jetzt heißen wir halt so, es darf sich immer jeder selbst aussuchen, was das bedeuten soll.

S: Habt ihr Ziele für das nächste Jahr? Eine Tour in Amerika vielleicht?
J: Oh ja, wir haben ganz große Ziele. Erstmal ist unser Album auch in Holland erschienen, deswegen werden wir auch Holland-Shows spielen und dann erscheint im Februar auch ein internationales Album, wo wir englische Songs von ersten und zweiten Album raufkommen. Das kommt in ganz Europa raus und im März gehen wir 3 Wochen auf Europa-Tour. Die USA-Tour findet noch nicht statt, dass würde uns freuen, aber so weit sind wir noch nicht. Gerade als deutsche Band ist es sehr schwierig da Fuss zu fassen, da man immer einen deutschen Akzent raushört und das hassen die. Wir machen alles Schritt für Schritt und dann sehen wir mal, was passiert.

S: Ok, ein abschliessendes Wort an unsere Leser?
J: Ja, vielen Dank für das tolle Interview und wenn wir wieder in München spielen, seid ihr alle herzlich eingeladen, dann machen wir uns nen schönen Abend!
E: Richtig, ich danke auch.

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