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Thrice – Vheissu (Island)

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Thrice – Vheissu (Island)
Ich weiss noch genau, wie ich mich vor eineinhalb Jahren auf der Deconstruction-Tour über Thrice aufgeregt habe, weil sie mir als der hundertste BoySetsFire Rip-Off tierisch auf den Sack gegangen sind – und damit eigentlich für mich gestorben waren. Und jetzt habe ich doch das neue Album in der Hand und muss sagen: Hut ab, die haben sich sowohl was Eigenständigkeit, als auch was ihr Songwriting angeht gewaltig weiterentwickelt. Losgelöst von grassierender Screamo-Langeweile ist der Band ein sehr abwechslungsreiches Album gelungen, das mal an die genialen Breach, mal an die experimentellen Deftones, mal an Ami-Chartsrock und manch-mal eben doch wieder an BoySetsFire erinnert – was diesmal aber in Ordnung geht. Anhören!

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The Black Halos – Alive Without Control (People Like You)

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The Black Halos – Alive Without Control (People Like You)
Wieder einmal eine People Like You-Veröffentlichung, die ich mir blind gekauft habe und siehe da, ich wurde wieder nicht enttäuscht! Die fünf abgesifften Typen aus Kanada bieten, wer hätte es erwartet, eine ausgewogene Mischung aus Rock’n’Roll, Glamrock und 77’er Punkrock, die sich eindeutig durch die Reval-filterlos-Jackie-Cola-getränkte Stimme von Frontmann Billy Hopeless (immer diese vielversprechenden Namen…) aus dem Sumpf dieses Genres anhebt. Glam-Appeal vs. Rock’n’Roll Soundgerüst, sleazige Gitarren vs. Backgroundchöre und Melodie vs. Rotz plus eingestreutes Piano funktioniert einfach gut! An manchen Stellen könnte ein wenig mehr auf’s Gaspedal getreten werden, so bleibt dieses Album „nur“ gut und nicht der Hammer. Ich könnte mir die Herren live recht gut vorstellen, nächstes Jahr im März hab ihr die Gelegenheit dazu!

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The Briefs – Steal Yer Heart (BYO)

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The Briefs – Steal Yer Heart (BYO)
Das ist so eine Sache mit den Briefs: Bis jetzt wurde eigentlich nur ihr Debüt „Hit After Hit“ mit seinen 13 Liedern in 24 Minuten einigermaßen der absolut unglaublichen live-Energie (keine Übertreibung, die Briefs live sind der Hammer!) gerecht. Die Alben danach waren schon gut, hatten aber auch Längen, die es auf einem Briefs-Konzert nicht gibt. Mit dem neuen Album ist es eigentlich wieder so. Es ist ein grundsolides 70ies-Punk-Album Richtung Buzzcocks oder Adverts mit langsamen und schnellen Liedern, einigen Hits und wenigen Füllern und keiner, der es kauft, wird es bereuen. Aber, ich muss schon wieder davon anfangen: so rocken, wie die Briefs live tut es irgendwie doch wieder nicht. Das ist vielleicht aber auch zu viel verlangt. Hm.

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Shark Soup – Fatlip Showbox (Kung Fu)

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Um diese Jahreszeit wimmelt es nur so von Lebkuchen- und Bratwurstständen, so dass niemand mehr wirklich Lust auf dieses Zeug hat. Das Nürnberger Fremdenverkehrsamt, bekannt für sein gutes Marketing, wirkte dieser Übersättigung erfolgreich entgegen, indem sie die benachbarte Erlanger Köstlichkeit „Shark Soup“ in heimischen Gefilden groß raus brachte. Anfangs konnte man sich auf nationaler Ebene einen Namen machen (z.B. „Demo des Monats“, Visions), aber mit dem aktuellen Album gelang der Durchbruch von/nach Übersee! Sogar die Gebrüder Stern konnten sich von der fränkischen Delikatesse überzeugen lassen und so kam es zu einem Deal mit B.Y.O.-Records und einer europäischen Lizenz von Kung Fu Records Europe! Doch um was geht es hier eigentlich? Lange Rede, kurzer Sinn: wer Lust auf ein spielfreudiges Trio mit Upright-Bass hat, kommt an diesem Album einfach nicht vorbei! Der Mix aus Neo-Rockabilly, Punk und Rock’n’Roll funktioniert prächtig, hinzu kommt eindeutig die Wahnsinnsgeschwindigkeit, die Kaltblütigkeit und die Routine, mit der die Songs runtergeknüppelt werden. Wer sich überzeugen möchte, hört schnell in folgende Songs rein: „Small Town Mayhem“, „One Eyed Kat“ oder „Brain Washed“. Ein mitreißendes Album, dem bis jetzt viel zu wenig Beachtung geschenkt wurde.

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Muff Potter – Von Wegen (Universal)

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Muff Potter – Von Wegen (Universal)
Muff Potter bei Universal? Szenepolizei, ick hör Dir trapsen! Jaja, immer schön nörgeln, anstatt sich mal das Album anzuhören, für mich jedenfalls sind Nagel und Co. immer noch eine der besten deutschen Bands. Zugegeben, Muff Potter sind im Jahre 2005 nicht mehr die jugendlichen „Schrei wenn Du brennst!“-Rotzlöffel, aber das macht nichts, denn nach wie vor dreht sich alles um den Inhalt und die Botschaft der Texte und die reissen verdammt noch mal mit! Sie bieten Gelegenheit zum nachdenken und zurückziehen, andererseits laden sie zum mitschreien und Bier trinken ein, jedoch gekonnt anspruchsvoll, intelligent, rauh und emotional zugleich. Musikalisch gespickt mit rockigen, punkigen Midtempo-Brettern, Pop-Songs und Songwriter Ausflügen. Ach ja, vielen Dank für „Bring Dich Doch Selbst Nach Haus“, endlich hat das mal jemand geschrieben!

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Doomriders – Black Thunder (Deathwish Inc.)

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Doomriders – Black Thunder (Deathwish Inc.)
Aber hallo, jetzt geht’s aber los! Die Doomriders aus Massachusetts prügeln sich auf diesem Album (mit dicker Converge-Unterstützung) durch die Musikgeschichte, dass man den Mund kaum wieder zukriegt. Benzin-triefenden High-Speed-Rock’n’Roll á la Zeke kriegt man hier eben so zu hören, wie den Hit, den man vom guten alten Glenn Danzig schon seit langen nicht mehr erwartet. Dann wieder eine Prise Schwedenmetal in Richtung Entombed um im nächsten Lied schnell mal einen Old-School-Hardcore-Smasher vorzulegen oder doomige Neurosis-Klänge anzustimmen. Bolzen ist dabei Gesetz und man muss schon den Hut ziehen, wenn man hört und sieht (Artwork taugt auch), wie stilsicher die Doomriders dabei vorgehen. Sauber!

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Interviews

Interview – The Accidents

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Schon wieder haben ein paar Schweden die ehrenvolle Aufgabe übernommen, den Rock’n’Roll zu retten: Auf ihrem grandiosen zweiten Album „Posion Chalice“ zeigen uns die Accidents, dass das letze Wort noch lange nicht gesprochen ist! Das ganze Album ist vollgepackt mit furiosen Smashern, die ebenso einfach, wie eingängig beweisen, wieviel Spass auch im Jahr 2005 schneller Rock’n’Roll-lastiger Punk machen kann. Dank der grossen Auskunftsbereitschaft von Front-Hüne Danne Vacuum kamen wir Ihrem Geheimnis ein Stück näher…

S: Please introduce yourself! Who are you and what’s your mission?
D: We are The Accidents and consist of four merry guys… Danne Vacuum (git + voc), Fred Tank (bass), Kid Kreole (git) and last but not least Mr. Rick Rebel Jennings (big drums)… Our mission is to entertain (ourselfs & others) and meanwhile try to record as good punk- / rock’n’roll-songs we possibly can… just have a good time and play the music we love!

S: Where and when did you get to know to each other and what made you found the Accidents?
D: I met R.R. in 7th grade when I noticed that someone had written „Voivod“ on a locker in the hallway. So I kinda figured out who it was and we got along good cause there were not that many kids who liked them, at least not anyone I knew. Mr. Tank played in a punkband that usally played at the same shows my first band did (but always over us on the bill). One night we talked a bit and split a couple of bottles of cherrywine. We both did shit-gigs that night but we have remained the best of friends eversince. K. Kreole comes from a village and used to be a jock til‘ he moved here and became the happy drunk we know him as today… There was no real masterplan as The Accidents took form. We just wanted to play a bit more „rocklike“ than our other bands. When we started we thought that we’d do the EP and then see, well, here we are 5 years, 2 albums and a bunch of EPs down the line and we still have a hell of a good time wich was the real reason anyways…

S: Some of you where (and still are) playing in other bands? What bands are these and did some of you quit to play in the Accidents now?
D: We only play in Accidents all others are defunct…

S: How important is appearance and style besides the music? Would someone tiny without sindeburns be allowed to play in the band?
D: In our case with the gipsy-uniforms and sideburns the answer would have to be no. I think it would look quite stupid with a small guy in shorts next to me, don’t you agree? I don’t care what people wear in the audience, but on stage we wear the uniform cause it creates a special feeling when you see it and looks more like a unit, I got the sideburns as soon as I could grow a beard and I’ll keep them til‘ they fall off… But if you eat your vegatebles and get some fake ones, we might consider you…

S: There are lots of classic elements (like Motörhead or 50ies rock’n’roll) in your music, but it’s never boring and big fun. What’s the secret?
D: Thank you very much. The secret ingridient is… tatada… poison! No actually I don’t know, we just take the different elements of our selfs and pour them in the machinery and out comes short fast rocksongs that we like and stranglely enough, others seem to enjoy it as well, we just play what we like ourselfs…

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S: We heard you took your name a bit too serious? Tell us about shredding your tourbus!
D: We just got off the ferry in Puttgarden (Germany) from Sweden when our driver had a seizure and cramped up totally behind the wheel and sverwed through on-coming traffic and into a 2 meter deep ditch. It was very strange and he did not know what had happened when he came out of it. Everybody got away with cuts and bruises but it looked like a train had gone through the trees. Four guys had to go to the hospital to get sewn together again. We were lucky I guess, it was not our time to go…

S: So, and what was the funniest situation when touring with the band then?
D: There’s been so many things that made us laugh our asses off because we always bring friends on tour so it’s like a long weekend insted of a business trip. I like everything with touring cause it keeps me away from the hassles of everyday life and I don’t have to work at a nomal boring piece of shit job for a few months every year , so I’m thankful for everyday I’m on the road and don’t have to worry about if my forklift has enouge gas in it to unload a truck or if I have to fill it up again… It’s a wonderful life, of course there are the endless hours of waiting everyday but playing live and see people walk out of clubs with a smile on their face easily weigh much more than that… Tour stories ain’t good to have in print…

S: Whom have you ever been wanting to go out for some beers with and whom to beat up some day?
D: I dunno. Mabye I’d go out with Stalin and Hitler and see what they would talk about when they were drunk then beat them up and brag to my friends…

S: One last message to our readers, please!
D: Thank you very much… See you in the pit, ho, ho, ho… Merry Christmas & Rock’n’Roll is king!

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Gossip

Jeep Grand Wagoneer

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Schauen wir uns doch mal die Kisten an, die uns 2005 so im Schnitt als Top-Geländewagen angedreht werden: Man sitzt in einer Karre, die von irgentwas, was xDrive, quattro, 4Matic, 4Motion, 4blablabla heisst, angetrieben wird, hat einen super CDl-TDI-FSI-CIA-ABC-Motor unter der Haube und starrt dabei auf ein Interieur aus feinster Pappel, Mahargoni, Wurzelholz, Linde,… Aber so richtige Rock’n’Roll-Stimmung kommt hier nicht mal dann auf, wenn glasklar „King Of The Road“ von Fu Manchu aus dem Bose-CarAudio-System schallt. Da lobe ich mir den 86er Grand Wagoneer. Der ist riesig, wird von stinknormalem 08/15-Allrad und einem freundlich schnurrenden 5.9 Liter V8-Motor angetrieben und hat ordentlich Holz vor der Hütt’n – nämlich nicht spärlich innen als Zierleiste, sondern reichlich aussen auf die Karosserie geklebt. Und siehe da: In der Karre kann man sogar eine alte TKKG-Kassette hören und fühlt sich wie ein von Kopf bis Fuss tätowierter Rock’n’Roll-Badass. Geht doch!

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Unkreativ Award

Dasstorckdepp_shreddermags Werbung im Fernsehen dumm ist, war uns allen klar. Aber muss man denn wirklich so weit gehen, wie die werten Werbe-Fuzzis der Firma Storck beim Versuch sau-unspektakulären Karamel-Bonbons einen glamourösen Gewinner-Touch zu geben? Im Spot sitzt ein langweiliger Yuppie-Affe („Roger“) an seinem Schreibtisch (auf dem übrigens neben einer Hochglanz-Zeitschrift, ein Architektur-Modell und das Modell eines Porsche 356 liegen…) und schwadroniert darüber, wie endo-geil Storck „Riesen“ sind und zwar auf eine dermassen dumme Art und Weise, dass mir die Worte fehlen und Ihr Euch den Spot sofort selbst anschauen müsst, damit Ihr wisst, wovon hier die Rede ist: http://www.riesen.de/d10000.html! (Leider nicht mehr online.) Plumper kann man ja wohl kaum versuchen einem Kaubonbon ein Pseudo-Postmodernisten-Supertypen-Reicho-Image zu verpassen. Ich wiederhole: Einem Bonbon! Dazu der Kommentar von Storck: „RIESEN holt echte Fans vor die Kamera, die mit ihren eigenen Worten erzählen, warum sie RIESEN so besonders schätzen.“. Echte (!) Fans – ja genau! Und „so besonders schätzen“? Ich flipp‘ aus! Was hatte die Storck-Marktforschung denn da für eine Zielgruppe ermittelt? Ich habe bildlich vor Augen, wie der Marketing-Chef Rundmails mit dem Betreff „TV-Spot für atomverblödete Konsum-Vollretards gesucht – Budget: eine Mark“ schreibt. Dumm nur, dass diese Zielgruppe fast nie Ausgang hat und dann extrem selten Storck „Riesen“ kauft, weil sie die Packung eh nicht aufkriegt…

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ertappt Fat Mike beim Langweilig-sein!

NOFX-Ober-Witzemacher Fat Mike hält uns wohl für blöd! Macht beim NOFX-Konzert am Rock-Am-See-Festival Ende August in Konstanz zu 50% die selben Witze wie am Me First And The Gimme Gimmes-Konzert ein paar Tage später in München und denkt wir merken’s nicht. So betrunken waren wir nun aber auch wieder nicht, werter Michi! Da müssen wir dieses Jahr zu Weihnachten wohl mal ein paar neue Witzbücher nach Kalifornien schicken…

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Skate-Tricks mit Autos

Nachdem wir uns in der letzten Ausgabe ausgiebig mit dem Thema „Grinden in Vatis neuer E-Klasse“ gewidmet haben, ist heute ein neuer Standard-Skate Trick dran, mit dem sein Auto shreddern kann: nämlich der Kickflip! Bei diesem Trick gilt das selbe wie beim Skateboard: Zuerst einen Olli (hierfür empfiehlt sich K.I.T.T.’s berühmter Turboboost) und dann in der Luft die Karre einmal um die eigene Achse drehen (am besten rutscht Euer dickster Freund dafür blitzschnell auf der Rückbank hin und her). Wie das aussieht, kann man unten auf dem Bildern bewundern. Das letzte Bild zeigt dann aber auch, was passiert, wenn man mal zu wenig oder überdreht: Man landet auf dem Dach und ist tot. Madig! Also Kinder, Kickflips dann vielleicht doch lieber erstmal mit einem Skateboard perfektionieren…

 

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Buchtipp

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An alle Poster-Fans: Hier kommt Euer Buch! „vorwärts bis zum nieder mit – 30 Jahre Plakate unkontrollierter Bewegungen“ (Assoziation A, ISBN: 3-935936-05-2) dokumentiert auf knapp 300 Seiten, sämtliche politische Poster, die seit den Anfängen der 60’er Jahren erschienen sind. Einige Themen wären: die Schwulen- und Lesbenbewegung, RAF, Anti-Apartheid, Revolution, Freiheit und vieles mehr, aber auch Punk- und Sportposter finden dort ihren Platz. Das Ganze kommt mit vielen Abbildungen und einem begleitenden, aufklärenden Text, die Bilder (8.300 !), die nicht mehr ins Buch gepasst haben, wurden auf beiliegende CD gebrannt, sehr schön. Mein Lieblingsposter ist vom Bündnis 90/Die Grünen, mit folgender Überschrift: „Warum nicht wieder Häuser besetzen?“  waren die mal so drauf? Lang ist’s her…

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Zitat von Tommy Lee

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Vielen Dank Tommy, für diese logische Erklärung! Man könnte sich ja theoretisch auch (gerade jetzt in der Weihnachtszeit) Zimt und Zucker auf die Eichel schmieren, nur weil man es kann. Macht das Sinn? Nein, aber man kann es trotzdem machen…

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Diss des Monats #19

Heute geht’s um die Fans der Altherren-Deutschrock-Combo „Die Toten Hosen“, einer Band, die selbst vor schwarz/weiss-Videos auf VIVA und Konzerten mit Symphonie-Orchester nicht zurückschreckt. Dementsprechend innovativ sind auch die sogenannten „Hosen-Fans“: Lehre als Versicherungskaufmann, Mutti’s Sauerbraten als Lieblingsessen, IQ von 88, Pulli von Chiemsee (oder besser einfach das neueste Tour-Longsleeve in XXL) und sonst noch die ein oder andere Rammstein-, Pur- und Fetenhits-CD im Regal. Naja, wenigstens sind es freundliche und gutmütige Menschen, die einen Stinkefinger auch dann nicht wahrnehmen, wenn man ihn diesen mitten ins Gesicht hält. Aber Leute die noch was merken, tun sich auch schnell mal schwer mit den „Toten Hosen“…

 

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Interviews

Shredder Mag löffelt Suppe selber aus!

E r l a n g e n – Die Stadt ist tot. Ganz? Nein! Die Band Shark Soup beweist das Gegenteil und tritt ordentlich in fränkische Ärsche, höchste Zeit für ein Interview!

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S: Stellt euch doch bitte mal vor: Wie lange gibt’s euch schon und wer macht alles mit?
C: Wir sind Shark Soup. Die Band gibt es seit 2,5 Jahren und mit dabei sind Chrissi (Gitarre,Vox – mit dem du dieses interiew führst), Stephan The Lennon W. (Drums, Backing Vox) und Tim am Bass.

S: Hat der Name „Shark Soup“ eine besondere Bedeutung, oder esst ihr die einfach gerne?
C: Menschen die gerne Haisuppe essen schenke ich meine vollste und tiefste Verachtung. Ich selbst bin Vegetarier und krieg einen Megahals, wenn es um das Thema Hai oder Walfang geht, sowie diese Arschlöcher in Norwegen und Japan es wieder aufleben lassen. Fresst meinen Sack ihr Bastarde. Unser Bandname steht als Statement gegen diesen Irrsinn. Der Sinn des Bandnamens ist folgender: Stellt euch einen Topf Suppe mit lebenden Haien drin vor, jeder Ficker der sie verzehren will, büsst ein Stück seines Körpers ein. Generell ist unser Name eine Antihaltung gegen den menschlichen Irrsinn der auch Zivilisation gennant wird.

S: Wie sieht es in eurer Heimatstadt Erlangen aus? Gibt es eine „Szene“, bzw. Fanzines, Konzerte, Plattenläden und Kneipen mit vernünftiger Musik?
C: Nein,nein,nein… Erlangen ist „Erlangen Dead City“! Es gab mal so etwas wie eine Szene, als wir mit Oxymoron noch aktiv waren, aber das ist Vergangenheit. Unsere Stadt ist ein reinens billiges Entertainment für Studenten und Sonderschüler, beide kann man auch kaum auseinanderhalten, da der Kleidungsstil auf den selben geeicht wurde. Als Stützpunkt für Shark Soup ist Erlangen allerdings sehr cool, da man anonym und ohne viel Ablenkung an seiner Musik arbeiten kann. Die meisten Bands die es hier gibt, können mich am Arsch lecken, da sie einfach nicht „echt“ sind. Vor allem, was Punk’n’Roll Bands angeht. Aufgesetzte Studentenscheisse. Sorry, wenn ich so direkt bin, aber Punk’n’Roll ist für mich die Nische, in der sich die ganzen kleinen Mamaboys aufhalten und den dicken Mann raushängen lassen wollen. Die Junx und Mädels unterscheiden sich kaum von dem dreckigen mainstream Publikum… Selbst die Tattoos ändern daran nix. Die Rettung bilden die Junx vom Concrete Jungle in Nürnberg. Cooler Plattenladen und Konzerte, Junx die wirklich was auf die beine stellen. Checkt den Laden aus, wenn ihr in der Gegend seid. Alles andere ist nur laue Luft.

S: Aus der fränkischen Ecke kennt man ja eigentlich nur die Band Oxymoron (in der du ja auch kurz gespielt hast), wen könnt ihr uns als nächste große Band, oder als Geheimtipp verraten?
C: Shark Soup natürlich… Rejected Youth liegen ja leider auf Eis… Ich werde mich hüten, hier andere Namen zu nennen, denn wie schon angedeutet, die meisten Bands hier sind arrogante Weicheier, die es nicht verdient haben, erwähnt zu werden. Dazu zählen natürlich nicht die Junx von Spite! und Taxdodgers… Der Rest kann uns getrost den Buckel runterrutschen!

S: Die ganze Nation lacht über uns Bayern, welche Gründe halten euch noch hier?
C: Wir lachen natürlich auch kräftig über euch Bayern, da wir Franken sind! Wir hingegen lachen aber noch kräftiger über Berlin. Meiner Meinung nach sitzen dort genau die Menschen, über die man minütlich ablachen könnte. Dieses „..über Bayern lachen“ ist doch ein scheiss Klischee. Allein der Ruhrpott ist doch keinen Deut besser. Deutschland an sich ist politisch und was die Mentalität angeht zum kotzen. Die Band hält uns hier, ausserdem hat jeder von uns seine eigene Sachen noch am laufen. Ich zum Beispiel arbeite noch als Tätowierer und Rock Poster Artist. Wenn ich mich mit meiner Braut verpisse, dann richtig weit weg, raus aus Doitschland!

S: Da ihr auf dem aktuellen Album verschiedene Musikstile, von Psychobilly über Rock’n’Roll bis Punk, zu einem Mix zusammenwurstet, muss die Frage kommen: In welche Schublade würdet ihr euch stecken, oder scheisst ihr auf derartigen Szenefasching?
C: Wir scheißen einen riesigen Haufen darauf, generell läuft es eh unter Punk und genau daher kommen wir und dort stehen wir noch immer. Wir haben uns lediglich erlaubt, den Sound mit weiteren Elementen wie Neo-Rockabilly á la Stray Cats anzureichern. Was wir auf keinen Fall sind, ist eine Psychobilly Band. Es wäre einfach gelogen, uns so zu betiteln. Wir sind Punks und basta!

S: Wie seid ihr überhaupt auf derartige Musik gekommen? Welche Bands beeinflussen euch?
C: Ich bin ein grosser Fan von The Clash und Stray Cats, beide Bands haben 1979 in London ganz schön was von der Latte gerissen und genau das ist mein Film. Ich wollte schon immer den Sound dieser beiden Gruppen für mich vereinen und genau das ist meine Mission mit Shark Soup. Neo Rockabilly meets Punkrock, ohne dummes Würfel- und Billiardkugelgekacke. Einfach straight und ehrlich, aber voll in die Fresse.

S: Eure 5 Lieblingsalben, die nicht in oben genannten Richtungen beheimatet sind!
C: Nick Cave-Abatoire Blues, Tom Waits-Mule, The Cure-s/t, Joe Jackson-I’m A Man, Het Atkins-Guitar Man.

S: Wie kam es zu dem Plattenvertrag bei B.Y.O.-Records? Habt ihr die Gebrüder Stern auch persönlich kennengelernt?
C: Ich habe täglichen Mailkontakt mit Mark, aber persönlich werden wir uns wohl erst auf der geplanten U.S.A.-Tour kennenlernen. Der BYO-Deal kam unverhofft, wir hatten unser neues Album fertig eingespielt und wollten dieses genau wie das letzte, wieder selbst auf Sharkpoolmusic rausbringen. Da ich mich heftigst um internationale Vertriebe für unser erstes Werk gekümmert habe,drang wohl auch was nach Los Angeles durch. Irgednwann im März kam dann das Angebot von 3 verschiedenen U.S.-Labels und wir haben uns für BYO entschieden. Sehr sehr cool gelaufen alles, wir sind echt dankbar und haben auch hart daran gearbeitet.

S: Habt ihr viel Freiheit bei diesem Label, gerade was Covergestaltung, Singleauskopplung usw. angeht?
C: Ok, eine Singelauskopplung gab es nicht, da wir noch zu klein sind. Was das Artwork etc. angeht, haben wir total freie Hand. BYO ist im gegensatz zu anderen U.S.-Labels immer noch Punk und die Message klar.

S: Wie ist die allgemeine Resonanz auf das Album (In- und Ausland)?
C: Wir habe bis jetzt zu 98% nur ultra gute Reviews aus allen Ecken dieser Welt bekommen, selbst Lars Frederiksen hat unser neues Album gehört und fährt ziemlich darauf ab, dass hat uns umgehauen. Die restlichen 2% hassen uns wirklich und dabei handelt es sich grösstenteils um Leute aus der Emo-Punk Richtung, die mit den dämlichen Scheiteln und Krawatten und so. In den U.S.A. nennt man die Pisser „Cry Babies“, was für Lullen.

S: Ist eine Tour durch die U.S.A. geplant?
C: Ist geplant, aber noch nicht bestätigt. Es gibt auch ein Angebot aus Australien und im Moment sieht es aus, als würden wir dort zuerst touren.

S: Wie verlief die letzte Tour mit den Nekromantix? Sind die Jungs in Ordnung, oder mittlerweile schon arrogante Stars?
C: Die ersten 5 Tage haben sie uns null beachtet, gar nicht so einfach in einem Nightliner, vergleichbar wie in einem U-Boot. Wir dachten uns nur: Leckt uns, euch kriechen wir nicht in den Arsch, wie so manch andere Band! Wir haben einfach cool unser Ding durchgezogen und als die Herrschaften unsere Show zum erstenmal beiwohnten, waren sie hellauf begeistert. Ab da war alles in Butter und wir haben jetzt noch Kontakt. Vor 4 Wochen kam der alte Drummer, Christian, zu einem Konzert von uns nach Berlin. Trotz Startschwierugkeiten sehr nette Typen…Ehrlich!

S: Den münchner Auftritt im September habt ihr leider abgesagt, wird der nachgeholt?
C: Haben wir vor, aber anscheinend ist das gar nicht so einfach. Die Bookingsituation in Deutschland lässt meiner Meinung nach im Moment zu wünschen übrig. Ich hoffe, dass demnächst was geht.

S: Für welche Band würdet ihr am liebsten eine Show eröffnen?
C: Oh mann…. Im Endeffekt ist es eigentlich scheißegal, für wen man eröffnet, da du eben nur der Opener bist. Wir hatten in den letzen 2 Jahren so oft den Job des Opener, dass es nun mal Zeit wird, den Spiess umzudrehen… Ganz im Ernst, diese Frage hätte ich Dir mit 18 beantwortet, heute ist es mir echt scheißegal.

S: Die aktuellen Shark-Soup Designs stammen meines Wissens nach alle von Zombiehouse Artworx (www.zombiehouseartworx.com), seid ihr das selber, oder sind das Freunde von euch?
C: Zombiehouse Artworx ist meine Firma. Ich entwerfe hauptsächlich Konzertposter und Plattencover. Das neue Mad Sin Album war unter anderem einer der letzen Aufträge. Das ganze Shark Soup Merchandise, sowie Homepage etc., stammt aus dem Zombiehouse. D.I.Y. Deluxe, Motherfucker! Falls jemand ein geiles Plattencover für seine Band braucht, ich mache coole Preise!

S: Könnt ihr mittlerweile von der Musik leben, oder geht ihr geregelten Jobs nach?
C: Unser Basssit jobt neben der Band noch als Sargträger, ich arbeite als Tätowierer und im Zombiehouse und unser Drummer quält Menschen im Krankenhaus. Die Band finanziert sich selbst und wirft ab und an was für uns ab. Rockstars sind wir und werden wir keine…

S: Was habt ihr für nächstes Jahr alles geplant?
C: Schön viel Touren und das neue Album, an dem wir im Moment schon arbeiten, evtl. gibt es ja ein Doppelalbum. Material gibt es jetzt schon genug, wenn BYO mitspielen ist das Ding im Kasten.

S: Zum Ende bitte noch ein Statement an unsere Leser!
C: Lasst Euch nicht von der momentan beherrschenden und geschickt herangezüchteten schlechten Laune in diesem Land ficken! Kopf hoch – Augen nach vorn und immer schön eisern das eigene Ding durchziehen. Wehrt euch gegen Rassismus und Faschismus, denkt nicht in Hautfarben und Grenzen. Save sharks – kill idiots! Think!

S: Danke für das Interview!
C: Danke auch und cheers!

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Gossip

Editorial #19

Editorial
Diese „Ach, Euch gibt’s noch?!“-Scheiße könnt Ihr Euch in Zukunft sparen! Uns gibt’s noch und auch noch die nächsten hundert Jahre! Basta! Der Grund, warum’s wieder so lange gedauert hat, ist folgender: Anstatt uns unsere Hintern vor dem PC breit zu sitzen, haben wir ’ne Auszeit genommen und waren den ganzen Tag im Fitness! Hatten Bock auf ’nen geilen Body! Sich mal so richtig auspowern in der Muckibude! Rein in die UncleSam-Klamotten, runter mit dem Protein-Shake und dann erstmal ’ne Stunde Bankdrücken! Dann 1200 SitUps und danach am Butterfly an die eigene Grenze gehen. Am Schluss mit der Kurzhantel noch schön den Bizeps ausdefiniert, schnell in die Rudermaschine und zuletzt noch ’ne Stunde im Solarium relaxen! Einfach nur geil!

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Euer Shredder Mag

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Shredder Einlauf #11 Odyssee im Deutschen Museum

Shredder Einlauf #11 Odyssee im Deutschen Museum

 

shreddermag_shredder einlauf_logoOktober 2005: Die Menschheit hat in den letzten 100 Jahren zweifelsfrei ziemlich rangeklotzt. Man muss nur eine Großstadt in der westlichen Hemisphäre betreten und merkt es sofort. Will man hier nun z.B. ein idyllisches Stillleben malen und hat darum extra seine Staffelei nebst Ölfarben mehrere Kilometer hinter sich her geschleppt, wird man enttäuscht feststellen: Die moderne Welt taugt schwerlich als Motiv. Beton, Strassen, Häuser, Menschenmassen, Fernseher, Autos, Flugzeuge, Ampeln, Internet – die moderne Technik steht an jeder Ecke und winkt hektisch mit beiden Armen. Nun gut, denkt man sich, Stillleben sind eh beschissen, und zückt nichts ahnend sein Handy, um sich mit einem Freund zum Saufen zu verabreden. Was nun passiert, ist zutiefst faszinierend: Man öffnet sein winziges Foto-UMTS-Lifestyle-Handy (das mit den witzigen Klingeltönen), durch einen Sensor wird der Druck der Finger in elektronische verwertbare Information umgewandelt, woraufhin das Handy über digitale Funksignale einen großen Computer kontaktiert, der wiederum eine Verbindung zum Gesprächspartner aufbaut. Als wir dessen Stimme „Was iss, alte Sau?“ sagen hören, ist uns kaum bewusst, dass diese Stimme in dessen Telefon erst in Nuller und Einser konvertiert wurde, die dann einmal durch die halbe Münchner Luft flogen, nur um in unserem Handy in mikroskopisch kleinen elektrischen Schaltkreisen wieder in menschliche Sprache verwandelt zu werden. Nahezu in Echtzeit. Der Hammer!

 

Der Hammer? Halt, halt, stopp, stopp! Das ist nicht der Hammer, sondern unendlich, saumässig uninteressant. Was das kleine blöde Scheissteil so macht, damit ich mich verabreden kann, geht mir – gelinde gesagt – am Arsch vorbei. Technik langweilt! So, und wer Probleme mit diesem Statement hat, dem sei gesagt: Das ist nicht unsere rein subjektive, persönliche Meinung! Weit gefehlt: In Wirklichkeit haben wir für diese Aussage einen kompletten (sonnigen) Samstag hart recherchiert, um nun felsenfest sagen zu können: Wir haben uns intensiv mit der modernen Technik beschäftigt und sind uns ganz, ganz, sehr sicher, dass sie wirklich ehrlich furchtbar öde ist! Im Deutschen Museum waren wir nämlich. Stundenlang. Auf der Suche nach der Faszination von Ingenieurskunst und Erfindergeist…

 

13:20 Uhr
Gutgelaunt und nur moderat restalkolisiert treffen wir uns vor dem Deutschen Museum. Nachdem wir die ersten beiden Hürden, nämlich Kasse (Eintritt € 7,50, mit Rentnerausweis € 9,00) und Garderobe (hier unterbricht Mareen W. für nur 0,50 € die Lektüre des neuen „Zillo“ und nimmt unsere Jacken entgegen), elegant hinter uns gelassen haben, verschaffen wir uns erst mal einen Überblick. Alles klar, die Führung im berühmten Bergwerk ist erst um 13:45 – haben wir also gute zwanzig Minuten. Immer noch gutgelaunt und echtes Interesse heuchelnd betreten wir also die erste beliebige Abteilung, denn unser Vorsatz ist, heute einmal alles (!) anzuschauen. Nun gut, die Abteilung „Erdgas“ ist vielleicht kein guter Einstieg und Begriffe wie „Kalzinat-Koks“, „HC-Kerosin“, „Iso-Perton“, „Extratöle“ und „Hartparafine“ nichts für den nüchternen Wissensmagen. Also weiter in die Abteilung „Metalle“ (Metals). Hier stinkt’s nach keine Ahnung was und die Hälfte der Knöpfe an den Versuchsaufbauten funktioniert nicht. Nun gut, wenigstens lernen wir, dass „Metall = Kristalle“ und dass „…bei Gießbeginn die Kokille mit einem Kaltstrang verschlossen wird.“ (Stranggießmaschine der Kreisbogenbauart, Concast Standart AG Zürich). So so. Weiter zu den Werkzeugmaschinen. Hier stinkt’s schon wieder. Wir identifizieren die Gerüche: Öl, Schweiss, Scheisse und frischer Rosmarin. Ausser, dass eine Maschine zum „Hobeln und Stossen“ (Waldrich Coburg) uns kurz ein zotiges Lächeln entlockt, ist auch hier nichts los. Genauso in der Abteilung „Kraftmaschinen“, wo wir wenigstens nicht mehr ganz alleine sind und so einen freundlichen Ost-Inguscheten dazu überreden können, ein Posing-Foto von uns zu machen.

 

13:44 Uhr
Huch, die Zeit vergeht ja wie im Flug – schnell zum Flöz! Hier warten schon ein paar Leute. Komische Leute. Mit gelben XXL-Pollundern. Egal, da kommt auch schon der Bergwerksführer, der einen possierlichen Kittel trägt und uns genauso temperamentvoll mit „Glück auf!“ begrüßt, wie der letzte Furz eines 250 Jahre alten Systemadministators. Nun gut, wir reissen uns zusammen und betreten das Schaubergwerk, aber nach 5 Minuten („St. Barbara schützt Bergleute vor jähem Tod!“, „Pochen heißt zertrümmern!“) reicht’s. Schnell weg! Wär’ doch gelacht, wenn wir den Ausgang nicht auch ohne den Kittelheini finden. Wir dringen also tiefer in die Eingeweide des Bergwerks vor und werden mit dem Geruch „alte Tiefgarage“ belohnt. Ein schwarzer Pfeil auf schwarzem Grund weißt uns den Weg. 13:55 Uhr Wir betreten einen hellen Raum mit dem Motto „Tagebau“. Hier bekommen wir endlich die „Geologie des niederrheinischen Braunkohlereviers“ zu Gesicht, was uns aber nur ein unmotiviertes „ Schalke 04 – die Scheiße vom Revier!“ von den Lippen lockt.

 

13:56 Uhr
Eine Minute weiter kommen wir in den Genuss eines sogenannten „Blindschachtbohrers“, der – wer hätte es geahnt – todlangweilig ist. Unsere Stimmung schwebt knapp über dem Nullpunkt und wir schimpfen leise vor uns hin. Den anderen Museumsbesuchern scheint unsere Unzufriedenheit auch aufzufallen, sogar ein kleines Scheisskind äfft Valentins „So ein verfickter Riesenmüll!“ nach, so dass dieser vor Schreck, beim Versuch unsere Mitschrift auf das Tagebaumodell zu legen, selbiges mitten hinein wirft. Das Kind freut sich umso mehr (ob es das Bergwerk jemals verlassen hat, ist nicht dokumentiert…) und wir müssen mit blöder Räuberleiter-Rettungsaktion das Papierchaos aus dem Modell fischen. Naja, zumindest haben wir bei diesem Vorgehen zwei Häuser im Modell platt gemacht. Immerhin! Wir folgen dem Weg weiter in den „Steinsalz-Kammerabbau Wieliczka, 18 Jhd.“ und werden erneut mit überflüssigem Wissen über „Hartsalz“ und „Kalzinit-Salz“ überschüttet. An der tiefsten Stelle im Flöz wird ordnungsgemäß einer stehen gelassen, ich denke mal, der zieht dort frühestens nach ca. 2 Wochen wieder raus, haha! 14:10 Uhr Kohlrabenschwarz verlassen wir das Bergwerk und ein lauter „Elektroknall“ lockt uns zum mit ätzenden Physik-Spongos und besoffenen Wiesen-Italienern prall gefüllten Vorführsaal der Starkstromtechnik. Der „Moderator“ erläutert gerade den folgenden „Blitzableiter-Versuch“, bei dem stattliche 900000 V in einen Holzstock gejagt werden sollen. Vielversprechende Ankündigung, mageres Ergebnis: Alles was es zu hören gibt, ist ein kläglichem „Piff“-Geräusch, das auch von einem furzenden Meerschweinchen hätten stammen können. Na toll!

 

14:15 Uhr
Übelst enttäuscht schlendern wir zur Abteilung „Luftfahrt“ und siehe da, um 14:16 Uhr begegnet uns endlich das erste interessante Ausstellungsstück: die russische Rückkehrkapsel Sojus 29! Was daran so spannend war, wissen wir leider nicht mehr, vermutlich sah das einfach ganz gut aus. Ein paar Boeings weiter stossen wir auf einen Dornier-Flugsimulator, der von einem kleinen scheiss Besserwisser-Kind bedient wird. Die kleine Sau sitzt im Cockpit und kommt sich endgeil vor, während er so durch die Luft fliegt, dabei hat der doch überhaupt keine Ahnung! Wir löchern ihn deshalb strafend mit Fragen, die ein paar Ecken zuvor auf großen Erklärungstafeln standen: „Wie misst man eigentlich die Wirkungsweise der Landeklappen?“, „Sind die Messergebnisse nur begrenzt gültig?“ oder „Wie definiert man den superkritischen (transonischen) Flügel?“. Erst als der neumalkluge kleine Depp weint, stolzieren wir triumphierend davon, in die…

 

14:27 Uhr
…Abteilung „Physik“. Die hässliche Fratze der Naturwissenschaften grinst uns schämisch in Form eines Rennrad-Hologramms an (geht’s eigentlich noch langweiliger?) . Kurz darauf spüren wir den heißen Atem des Rutherford’schen Streuversuchs im Nacken und als Krönung gibt’s beim Franck-Hertz-Versuch einen super ausgefallenen Windows-Standard-Bildschirmschoner zu sehen. Oh je, da müssen wir wohl jetzt durch. Nicht unweit der Gamma-Spektroskope, weckt eine fette Deutsches Museum-Mitarbeiterin unser Interesse (endlich mal!), indem sie irgendwas in einer Glasvitrine rumfummelt. Bei unauffälliger Profi-Privatdetektiv-Annäherung stellen wir fest: die gute Frau surft mit einem Computer-Ausstellungsstück im Internet (!) und als ob das nicht schon schlimm genug wäre, nein, sie bietet auch noch bei eBay auf Geigen! Die Schmerzgrenze ist hiermit eindeutig überschritten. Wir hauen ab!

 

14:31 Uhr
Im 100Jahre-Einstein-Raum prasselt ein großer 100Jahre-Einstein-Vortrag auf uns nieder, dem gespannt hundert 100jährige Oberstudienräte („Physik“, mit Vollbart und Pullunder) lauschen, als gäbe es nicht Spannenderes (Habt ihr eigentlich schon mal gefickt? Solltet Ihr echt mal austesten!). Einsteins Ätherstudien – was soll denn das? Gutes Entertainment wird endlich im Zuge einer Veranschaulichung der Relativitätstheorie geboten: In einem dunklen Raum mit großer Leinwand, kann man mit 99% Lichtgeschwindigkeit auf einem Fitnessrad durch die Altstadt von Memmingen oder durch den Eiffelturm brettern. Endlich mal ein wenig Abwechslung in dem tristen Museums-Alltag!

 

14:42 Uhr
Doch zu früh gefreut: Die Abteilung „Musikinstrumente“ bringt uns wieder zurück auf den Boden der Tatsachen, bzw. des Deutschen Museums. „Die Lochstreifenrolle – Musik in Perfektion“, das Rhythmusgerät „Rhythm“, oder „die Kurvenscheibe: das Geheimnis des Vogelzwitscherns“ sind an Langeweile kaum zu überbieten, ähnlich geht es uns mit dem Orgamat (der Tastengitarre) und dem Piano-Orchestrion (Pianofortefabrik Gebrüder Zimmermann), das ja bekanntermassen Pianisten und Drummer ersetzt. Weiss doch eh jeder. Gähn. Zur Krönung spielt uns ein 100jähriger Museums-Orgel-Hobbit auf einem Scheißklavier (mit 30 verschiedenen verstellbaren Klangarten, die alle gleich klingen) ein Schlaflied…

 

14:53 Uhr
Mit ordentlich Sand in den Augen erreichen wir die Abteilung „Chemie“, die uns als erstes Highlight die Halbwertszeit von Hassium (9,3 sec.) präsentiert. Respekt! Die nächsten Minuten vertreiben wir uns mit bahnbrechenden Versuchsaufbauten, die nach langer Recherche eigentlich nur schlappe drei Ergebnisse aufweisen können: Wenn man mittels Knopfdruck Flüssigkeiten im Reagenzglas vermischt, ändert sich entweder die Farbe, es stinkt oder es passiert nix. Beispiele gefällig? Der große „Ionentauscher-Versuch“, „Salzverbindungen“, „Brennstoffzellenaufbau“ oder „Komplexverbindungen im Allgemeinen“. Wie bitter kann das Leben sein? Gegen Ende dieser Abteilung, gelingt es uns aber dennoch, ein kleines Lächeln über die Lippen zu bringen. Zur Demonstration der „Galvanisierung“, scheute das Deutsche Museum anscheinend keine Kosten und Mühen, denn ein riesiges Poser-Motorrad stellt sich uns, samt traditioneller Südstaatenflagge, in den Weg. Der Untertitel: „Harley Davidson – verchromtes Lebensgefühl!“. Hier einen schönen Gruss an Wolfgang Viereck!

 

15:04 Uhr
In der Abteilung „Pharmazie“ passiert nichts, lediglich ein junges Pärchen informiert sich heimlich über die Pille danach und nach dem wir einige überdimensionale Zellen, Hormone und seltsame Molekülen überwunden haben, erreichen wir den AIDS-Info-Stand, der mit Unterschriften von Gianna Nannini, Rammstein, Die Toten Hosen und anderen Stars geschmückt ist. Komisch, wussten gar nicht, dass die AIDS haben. Die Erkenntnis „Nerven leiten den Schmerz“ lässt uns zwar kalt, aber nach dem bis dato angesammelten Datenmüll, sehen wir uns gezwungen, unseren Hirnen eine wohlverdiente Pause zu gönnen.

 

15:15 Uhr
Im SB-Restaurant „Alfons EinsStein“ werden standesgemäss zwei „Cappos“ und zwei Himbeersahne für den Schnäppchenpreis von 10 € verschlungen. Hier ist die Welt noch in Ordnung: Alte Rentnerpärchen essen alte Bratwürste mit alten Pommes, Kinder kaufen sich überteuerte Süßigkeiten und die gestressten Familienväter ziehen sich ihr erstes Weißbier am Tag rein. Eine echte Oase. Gut so. 15:30 Uhr Nach der kleinen Pause und mit Kuchenkrümeln in den Mundwinkeln führt unser Weg in die Abteilung „Brücken- und Wasserbau“. Hier stinkt‘s gewaltig nach Chlor und verdammt einschläfernd ist es auch noch. Neben „Future-Brücken-Animationen“ bekommen wir Staudämme aller Art unter die Nase gerieben, wobei das grossartige Thema „Spannbeton – die Idee!“ eindeutig das reizloseste ist.

 

15:36 Uhr
Weiter zur Abteilung „Kutschen und Fahrräder“, die definitiv den Höhepunkt der Tristesse darstellt, denn wie ein Fahrrad aussieht, wussten wir schon und Kutschen sind eh beschissen.

 

15:36 Uhr und 9 sec.
Im Obergeschoß betreten wir die Abteilung „Raumfahrt“, hier herrscht selbstverständlich absolute Schwerelosigkeit! Unsere Hirne schweben herrenlos in unseren Köpfen umher, deswegen können wir bis auf zwei Begriffe („Audiometer Audio Elbe“, „WEB Präcitronic“) auch nichts weiter über diese Abteilung sagen.

 

15:51 Uhr
Die Abteilung „Drucktechnik“, „Papierherstellung“ und „Glasbläserei und Keramik“ nützen wir, um per Schnelldurchlauf wieder klar im Kopf zu werden. 15:51 Uhr und 1 sec. Mit frischem Geist betreten wir die „Altamira-Höhle“, jedoch nur für einen Augenblick, denn hier ist es dunkel, öde und irgendwie stinkt es nach muffligem Komposthaufen! Da kann ich ja auch mal den ganzen Tag nackt in der Paul-Heyse-Unterführung rumlaufen, bringt mir genauso viel!

 

15:51 Uhr und 10 sec.
Nach dem Aufstieg auf’s Dach begegnet uns der „Sonnenuhrgarten“ und wer denkt, solche Geräte seien einfach zu entschlüsseln, weit gefehlt! Die Sonnenuhren, die man aus Film und Fernsehen kennt, ähneln diesen Biestern kein bisschen. Ein Haufen Koordinaten führen zu irgendwelchen Punkten, die man dann mit einer ausgefeilten Technik, auf seltsame Art und Weise zusammenrechnen muss, um dann die Uhrzeit zu bekommen. Da schau ich doch lieber auf meine Rolex. Der einzige Vorteil am „Sonnenuhrgarten“ ist die gute Aussicht auf München, sonst gibt es hier nichts zu holen. 16:07 Uhr Die Abteilung „Amateurfunk“ (mehr Infos auf: www.aatis.de) bietet nicht gehaltvolleres Entertainment. Als wir auf einer Tafel „Amateurfunk für Behinderte“ lesen, wissen wir, hier sind wir definitiv falsch und verlassen schnell den Raum.

 

16:12 Uhr
In den Abteilungen „Astronomie“, „Zeitmessung“, „Masse und Gewichte“, „Telekommunikation“ und „Lebensmitteltechnik“ liegen endgültig unsere Nerven blank! Ist das langweilig. Langsam nervt’s! Schnell weg hier! Wie kann man sich nur für so einen Riesenscheiss interessieren?

 

16:18 Uhr
Zum Glück kommt endlich die Abteilung „Informatik“, in er wir mit offenen Mündern, wissbegierig jedes einzelne Detail aufsaugen, alle Ausstellungsstücke fotografieren und nicht mehr ansprechbar bzw. in spannende Fach Diskussionen vertieft sind!

 

18:18 Uhr
Kurz vor der Schließung des Museums, erreichen wir das „Foucaultsches Pendel“ im Erdgeschoß, bei dem ein besoffener Rentner uns den Versuchsaufbau zu erklären versucht. Dieses Unterfangen wenden wir dank unserer hart erarbeiteten Zivi-Skills souverän ab und überlassen den Typ seinem Schicksal.

 

18:23 Uhr
Zwei Abteilungen („Schweissen und Löten“ und „Boote“) liegen noch vor uns. Wir passen! Es reicht. Keine Kraft mehr. Interesse sowieso nicht. Also kriechen wir in Richtung Ausgang. Endlich. Schwindlig und wissens-paralysiert betreten wir den Vorhof und gehen schwankend in den „Museums-Shop“. Vielleicht finden wir hier noch was Lustiges, über das wir uns das Maul zerreissen können. Aber bereits auf den ersten zwei Metern im Laden müssen wir feststellen: Nein, wir können nicht mehr, das Deutsche Museum hat uns fertig gemacht! Von der modernen Technik gefickt – ohje, nicht besonders gut für’s Punker-Image.

Zwei Wochen später: Der Samstag abend war gelaufen. Eigentlich wollten wir in einer Kneipe alles Wissen wieder mit grossen Mengen aus unseren Köpfen spülen, konnten aber nur im Binärcode bestellen und sind darum (und mit Recht) schon bald wieder rausgeflogen. Erst eine 10tägige Technik-Abstinenz (Handy in den Kericht, MauMau statt Fernsehen und nur Akustik-Mukke hören – was das schlimmste war) konnte uns wieder eingermassen in die alte Shredder-Einsatzbereitschaft versetzen. Arrgh, die scheiss moderne Technik! Wir wussten ja vorher schon, dass die kein Mensch braucht, aber dass die Recherchen uns so fertig machen, mein lieber Herr Gesangsverein! Wir hoffen, Ihr glaubt uns, ansonsten: Das Deutsche Museum hat jeden Tag ab 9 Uhr (Achtung: am 14. Dezember nur bis 14 Uhr!!) geöffnet. Viel Vergnügen…

Interviews

Sogar Shredder Mag feiert Weihnachten!

M ü n c h e n – Nach einem besinnlichen Auftritt in Dachau, hielten sich die Berliner Punkrocker von ZSK noch eine Weilchen in der Weltstadt mit Herz auf. Diese Gelegenheit nutzten wir, um Joshi (Voc, Git) und Eike (Bass, Voc) bei Zimtstern und Kerzenschein einige Fragen zu stellen.

S: Ihr seid gerade auf Tour, wie läuftes denn momentan. Was gibtes zu erzählen?
J: Also es läuft fabelhaft, seit dem Album-Release sind wir ununterbrochen unterwegs. Wir waren 2 1/2 Wochen mit den Donots auf Tour, 1 Woche mit International Noise Conspiracy und spielen die ganzen Wochenenden immer. Insgesamt haben wir über 60 Shows gespielt dieses Jahr, schon ne ganze Menge.

S: Du erwähntest die Int. Noise Conspiracy, habt ihr Dennis Lyxzén kennengelernt?
J: Ja klar, 4 Shows haben wir schon mit den Jungs gespielt, 2 kommen noch, sind schon nette Typen. Interessante Menschen.
E: Wobei man auch sagen muss, dass das halt nicht mehr Refused sind.

S: Das ist ja die Tour zum aktuellen Album „From Protest to Resistance“, mir persönlich gefällt es besser, als der Vorgänger, weil es mehr Power hat und homogener wirkt. Welche Unterschiede gibt es zu „Riot Radio“?
J: „Riot Radio“ war unser erstes Album, das war alles neu für uns, so mit Produzent, richtiger Produktion und 2-3 Wochen aufnehmen im Studio. Beim neuen Album waren wir schon ein eingespieltes Team, wir hatten wieder den gleichen Produzenten und da war alles nicht mehr so neu und wir konnten uns einfach viel mehr auf die Songs konzentrieren und mussten und nicht mehr mit dem ganzen Drumherum rumärgern, das war viel relaxter.
E: Wir haben uns auch länger auf ins Studio gehen vorbereitet,…
J: …wir haben sehr viel mehr Songs vorher fertig gemacht, die Vorproduktion gemacht und dann wirklich die besten Songs rausgesucht und die auf die Platte genommen, so dass das ein Knüller wird und wir sind wirklich sehr zufrieden. Ausserdem waren wir im Horus-Studio in Hannover, das ist wirklich erste Sahne, da haben auch die Donots, Such A Surge und Guano Apes aufgenommen, da ist alles sehr professionell. Toningenier war Gerhard „Anyway“ Wölfle, der hat dann noch das letzte rausgeholt.

S: Mir persönlich gefällt der Song „Was uns noch übrig bleibt“ am besten. Dort geht es um verloren gegangene Freundschaften, basiert das auf realen Erfahrungen?
J: Der Text ist von mir und lyrisch frei erfunden, aber die Thematik hat man schon. Freunde mit denen man früher auf Punk-Konzerten war oder die sich die neue Good Riddance-Scheibe geteilt hat, sieht man ein paar Jahre später und dann ist da nichts mehr. Nur noch Smalltalk, das ist schon komisch. Ich kannes den Leuten ja nicht übel nehmen, dass die kein Punk mehr hören, ich möchte das ja auch niemendem vorschreiben, aber Leute, die früher die selben Ideen hatten sitzen dann vor einem und man denkt, da sitzt ein komplett anderer Mensch.

S: Auf eurer E.P. covert ihr „Wir müssen raus“ von Ton Steine Scherben, das ist ja schon ein heißes Eisen, da die Leute das Original sehr schätzen…
J: Wir haben auch lange überlegt, ob wir das überhaupt machen. Wir hatten auch viele Ideen, haben dann aber gesagt, wir covern nur ein Lied, bei dem wir auch völlig dahinterstehen und sicher sind, dass das auch gut wird. Es gibt nichts schlimmeres als schlechte Coverversionen.

S: Zum Thema schlechte Coverversionen, wie steht ihr zu reinen Coverbands wie Me First…, die ja am Anfang ganz lustig waren, mir mittlerweile aber auf den Sack gehen.
J: Me First.. sind ja ein Spezialfall, das ist einfach ene Spaßband, so ne Best-Of-Band, aber an sich find ich den ganzen Coverkram nicht so spannend. Ist mal ganz lustig sich anzuhören, bin aber nicht ein Mega-Fan davon.

S: Seht ihr euch, auf Grund eurer politischen Einstellung als Scherben-Nachfolgeband? Wobei man schon vorsichtig sein muss, dass überhaupt zu sagen.
E: Wir sehen uns schon in der Tradition linker deutscher Polit-Band, Scherben-Nachfolger ist aber eindeutig vermessen und darum gehtes ja auch garnicht. Klar haben wir unsere Position und es ist uns auch wichtig, dass wir die nach Aussen tragen.

S: Euer Wort zum Sonntag?
J: Heute? Ja München ist ene Scheiss-Stadt mit nur Arschlöchern mit Pelzmänteln und das kotzt mich unglaublich an.

S: Da fühle ich mich aber angesprochen, wegen meinen schicken Pelzunterhosen!
J: Haha, aber die hält wenigstens warm! Nein, wir lieben die coolen münchner Leute, die gestern bei unserem Auftritt in Dachau waren, wir kommen auf jeden Fall gerne wieder hierher und feiern mit Euch, weil ihr sehr gut im Biertrinken seid.

S: Obwohl ihr manche Lieder auf deutsch singt, zähle ich euch nicht zu den typischen Deutschpunkbands….
J: … damit können wir uns einfach voll nicht identifizieren, dass heisst nicht, das wir was gegen Deutschpunkbands oder Deutschpunks haben, aber es ist halt nicht so unser Ding. Wir sagen von uns immer, wir machen Skatepunk.

S: Wie sieht dann euer Publikum aus?
E: Klar sind da schon auch Deutschpunks im klassischen Sinne mit Hänge-Iro und so am Start, auch viele Kids…
J: Ja, viele Skatepunk-Kids, die Anti-Flag oder Good Riddance hören. Was ich dabei blöd finde, dass sich Ältere immer aufregen: „Bei ZSK-Shows sind immer so viele Kids“, aber ich finde das super, genau das wollen wir. Das junge Leute nachkommen, die sich für Punk interessieren. Es ist schlimm, wenn Ältere so arrogant über die Kids herziehen, die ja alles falsch machen. Mit 13 hab ich mich sicher auch nicht immer richtig auf Konzerten benommen… ich freu mich immer über junge Hüpfer im Publikum.

S: Ich bin ein großer Fan von deutschen Bands wie …But Alive oder Muff Potter. Was könnt ihr unseren Lesern, in diese Richtung gehend, empfehlen?
E: Turbostaat.
J: Und die ganzen …But Alive-Scheiben natürlich auch. Markus Wiebusch ist ein guter Freund von uns.

S: Ein großes Lob für die Bonus CD, die dem Album beiliegt. Hier kann man sich ordentlich über brisante Themen wie Tierrechte oder Abschiebung informieren. Wie kommt das bei den Leuten an?
J: Sehr gut! Wir bekommen unglaublich viele E-Mails und Rückmeldungen von Leuten, die sagen, sie hätten von dem ganzen Inhalt noch nichts gewusst. Darum ginges uns auch, wir wollen niemandem vorschreiben, was er tun soll, haben auch nicht DIE Lösungsansätze aber wir sollen schon sagen, warum wir was scheisse finden. So bieten wir den Leuten die Möglichkeit, sich zu informieren, ein bisschen hinter die Kulissen zu gucken, und zeigen einfach, warum wir solche Texte schreiben.

S: Welche Band hat Euch politisch besonders inspiriert oder wachgerüttelt?
J: Am Anfang waren es die Dead Kennedys und dann ganz klar Propagandhi. Großartige Band, die sind z.B. auch mitschuld, warum ich angefangen habe, Vegetarier zu werden oder mich überhaupt mit dem Thema zu beschäftigen.

S: Was haltet ihr eigentlich von Reunion-Shows? Die „Misfits“ haben letzte Woche ein Trauerspiel abgeliefert, die Spermbirds haben hingegen auf der aktuellen Tour übelst gerockt. Zerstört das eurer Meinung nach den Mythos oder die Legende einer Band?
E: Also Mythos und Legendenbildung ist ja erstmal fragwürdig… ist aber auf jeden Fall schwierig wenn klar ist, die Leute kommen nur zusammen, um das große Geld abzugreifen was die Kids bringen, nur um ihre Vorbilder nochmal zu sehen. Ich sehe das eher kritisch.
J: Grundsätzlich spricht aber generell nichts gegen ene Reunion, es gibt auch gute Reunions, so istes nicht. Wir haben allerdings vor einem Jahr mit den Dead Kennedys in Italien gespielt und das war einfach ein Trauerspiel. Ich habe die echt respektiert, aber das hat alles zerstört.

S: Noch man zu den Misfits: Eure Meinung zu conservativepunk.com?
J: Ach leck mich am Arsch, was für Volltrottel.
D: Ach das sind doch nur ein paar Vollidioten, die sind voll zu ignorieren. Da wird ein Riesenhype drum gemacht.

S: Auf dem Track „We Are The Kids“ sind Mitglieder von den Donots und Waterdown zu hören. Wie stehtes mit dem Kontakt zu anderen deutschen Bands?
J: Man lernt sich halt so kennen und da sind mache, mit denen kommt man ganz gut aus, mit anderen hat mal halt mehr zu tun. Zum Beispiel mit den Donots, die kennen wir schon sehr lange jetzt und das ist eine wirklich gute Freundschaft. In Berlin haben wir auch viel Kontakt zu anderen Bands, z.B. zur Terrorgruppe.

S: Als Nicht-Berliner könnte man den Core Tex oder das Wild At Heart kennen. Was gibtes noch? Bitte ein paar Tipps für unsere Leser.
<J: Also in Kreuzberg und Freidrichshain ist die Auswahl ja sehr groß, der größte Laden ist nach vor das SO36 und sonst finde ich es immer cool, in die Köpi zu gehen. Das ist das letzte besetzte Haus in Berlin, die haben eine große Konzerthalle mit Platz für 300 Leute, dort haben wir auch schon gespielt.
E: Ansonsten einfach mal die Rigaerstraße in Friedrichshain hoch und runter saufen, das ist auch ne nette Angelegenheit.

S: Auf einer Fanpage (www.punkrockmaerchen.de) gibtes ein Quiz (Joshi fängt an zu lachen) bei den man, nach richtiger beantwortung aller Fragen, dich Joshi, nackt auf der Bühne sieht. Machst Du das öfters?
J: Ne, das passiert nur ganz selten, gehört eigentlich nicht zu meinem Standardprogramm.

S: An Hand eurer Internetadresse (www.skatepunks.de) kann man sehen, das ihr Skater seid oder mal wart. Was trifft da zu?
J: Also unser Schlagzeuger und ich sind früher sehr viel gefahren, gerade auch weil wir ene Zeit in den USA waren und viel mit der Skate- und Punkszene zu tun hatten. Gerade dort sind die Szene ja eng miteinander verbunden, hier ist das ja leider nicht so. Heutzutage bleib uns leider keine Zeit mehr dafür.

S: Skaten verkommt meiner Meinung nach immer mehr zu einem vermarkteten Style-Ding, wo überwiegend Hip Hop gehört wird und teure Klamotten an der Tagesordnung stehen. Seht ihr das auch so?
J: Die Gruppe der Skater die Punk hören ist definitiv viel kleiner als die, die Hip Hop hören… Mittlerweile ist Skaten ein riesiger Industriezweig und es bleibt dann einfach nicht aus, das sich da teure Marken einschmuggeln. Die Leute müssen einfach selber wissen, was sie machen. Wenn sich jemand seinen Volcom-Pulli für viel Geld kaufen möchte, dann soll er das doch machen, da hab ich keine Probleme damit. Es muss jeder selbst wissen, was er tun.

S: Was hört ihr denn noch ausser Punk? So weit ich weiss, gefällt dir Joshi, Darkest Hour sehr gut. Aber wenn man jetzt mal an ruhigere Töne denkt?
J: Ja! Wahnsinnig gute Live-Band. Justin Sanes Solo-CD ist auch sehr gut. Ansonsten sind leisere Töne einfach nix für uns glaube ich, ich kann das nicht ab.
E: Die Weakerthans, Bright Eyes.

S: Momentan bommt sog. Metalcore á la Killswitch Engage, gefällt auch das, oder seht ihr das als aktuelles Zeitphänomen?
E: Die neue Caliban ist schon ziemlich gut, mich flasht das schon, ich weiss nicht, wie das die anderen sehen.
J: Ach ich hör sowas auch ganz gern, aber ob das nun Trend ist oder nicht, darüber mach ich mir keine Gedanken. Mir ist das egal, ich hör das was mir gut gefällt.

S: In euerm Video „Keine Angst vor Euch“ wird in der Öffentlichkeit ordentlich Plakatiert und gesprüht. Seht ihr Streetart als Form von Protest, wie es z.B. der englische Künstler Bansky (www.banksy.co.uk) betreibt?
J: Ich finde es immer super, wenn Künstler ihre Kunst nutzen, um auf die Sachen aufmerksam zu machen. Gerade in Berlin gibtes ja ein Haufen von Stencils und ich freu mich immer über politische Stencils und Wallpaper. Ich find das immer super, wenn Künstler sich politisch engagieren.

S: Wer ist für das ZSK-Design zuständig?
J: Eigentlich machen wir das alles zusammen und das ist uns auch sehr wichtig. Unser Schlagzeuger hat z.B. unser Cover entworfen, Eike hat eine Schablone daraus gebastelt und gesprüht, das haben wir dann wieder eingescannt und so weiter. Wir machen auch alle T-Shirts selber.

S: Gilt das selbe auch für euer Klamotten-Label Moshpit Clothing?
J: Wir haben natürlich Leute, die Moshpit Clothing für uns machen, wir selber haben einfach keine Zeit dazu. Da haben wir aber alle Fäden in der Hand und da geht auch nichts raus, was wir nicht abgesegnet haben. Gerade was graphische Sachen betrifft, da haben wir immer ein Auge drauf. Wir designen auch viele Anzeigen selbst, weil uns das sehr wichtig ist.

S: Das alles hört sich nach einer Menge Arbeit an, bleibt da noch Zeit für Hobbies?
J: Leider nein. Also im Moment gerade überhaupt nicht und das ist schon so langsam an der Grenze alles. Ich bin echt froh, wenn ich ein paar Tage in der Woche in Berlin bin, am Wochenende fahren wir dann schon wieder los und wir versuchen halt nebenbei noch unser Studium auf die Reihe zu kriegen. Ansonsten Hobbies…wir gehen in Berlin halt gerne zu Konzerten und Demos und solchen Sachen, aber neben der Band bleibt halt einfach keine Zeit für irgendwelche Hobbies.

S: Wenn man das alles so sieht, dann halte ich euch für eine sehr kreative Band, bis auf euren Namen. So weit ich weiss, kommt ZSK von ZK, dem damaligen Toten-Hosen Vorläufer. Ich finde es ein bisschen einfallslos, da einfach einen Buchstaben dazwischenzuschieben und dann zu sagen: „Das sind jetzt wir“.
J: Hey, das war einfach 97! Da war ich 14, wir hatten wir gesagt, wir machen ne Band und wir brauchen enen kurzen knackigen Namen. Da sagten wir einfach „ZSK“, weil wir finden ZK gut und keine Ahnung… wir haben einfach einen kurzen knackigen Namen gesucht. Ich meine wie toll ist der Name NOFX? Der ist auch nur toll, weil die Band so groß ist. Das war einfach das Ding und jetzt heißen wir halt so, es darf sich immer jeder selbst aussuchen, was das bedeuten soll.

S: Habt ihr Ziele für das nächste Jahr? Eine Tour in Amerika vielleicht?
J: Oh ja, wir haben ganz große Ziele. Erstmal ist unser Album auch in Holland erschienen, deswegen werden wir auch Holland-Shows spielen und dann erscheint im Februar auch ein internationales Album, wo wir englische Songs von ersten und zweiten Album raufkommen. Das kommt in ganz Europa raus und im März gehen wir 3 Wochen auf Europa-Tour. Die USA-Tour findet noch nicht statt, dass würde uns freuen, aber so weit sind wir noch nicht. Gerade als deutsche Band ist es sehr schwierig da Fuss zu fassen, da man immer einen deutschen Akzent raushört und das hassen die. Wir machen alles Schritt für Schritt und dann sehen wir mal, was passiert.

S: Ok, ein abschliessendes Wort an unsere Leser?
J: Ja, vielen Dank für das tolle Interview und wenn wir wieder in München spielen, seid ihr alle herzlich eingeladen, dann machen wir uns nen schönen Abend!
E: Richtig, ich danke auch.

Gossip

Shredder Einlauf #10: Mode

Shredder Einlauf #10: Mode

 

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Zugegeben, blind zu sein, ist vermutlich mitunter schon ein wenig unpraktisch. Die Orientierung im Alltag ist erschwert, Snowboarden oder Skaten kann man ziemlich vergessen und Pornos gucken verkommt zum albernen Bumsgeräusche-Erlebnis. Eines bleibt einem jedoch erspart: Man muss sich nicht täglich mit der Scheisse auseinandersetzen, die ein Grossteil der Bevölkerung als Kleidung trägt. Das Thema Mode bleibt aussen vor. Ja, es kann einem egal sein. Egal! Uns geht es da schon anders. Egal, ob bei der samstäglichen Shopping-Tour zum Dallmayer (bei der Qualität von Lebensmitteln machen wir keine Abstriche), abends im P1 oder mitten am hellichten Tag, irgentwo in einer beliebigen Strasse (z.B. auf dem Weg von zu Hause zum Aston Martin-Händler), überall schlägt einem der in hässliche Kleidung manifestierte schlechte Geschmack mit voller Wucht ins Gesicht, beziehungsweise auf den Magen. Kleinste Wege verkommen zur Deppen-in-Scheissoutfits-Safari.

Nun, seit Jahren probieren wir immer wieder im Shredder Mag einzelne Aspekte des Themas Mode aufzugreifen und so unseren werten Lesern zu helfen, die schlimmsten Fehler zu vermeiden. Doch seien wir ehrlich: Viel haben wir damit nicht erreicht. Immer noch sehen wir fast täglich Leute mit Schlüsselbändern, T-Shirts mit Sprüchen, dummen Bärten,… es ist ein Trauerspiel! Doch, die Hoffnung stirbt zuletzt, darum hier ein weiterer Versuch im Kampf gegen den schlechten Geschmack und beschissenes Aussehen. Vielleicht der letzte, bevor wir uns resigniert und verbittert in unsere Chalets im Tessin zurückziehen, das Haus nicht mehr verlassen und lustlos und übellaunig die uns noch verbleibende Zeit mit südamerikanischen Unterwäsche-Models totschlagen.

Fangen wir mit einem steten Quell komischer Kleidung an: der Jugendkultur. Jugendliche wollen sich von der Erwachsenenwelt und untereinander unterscheiden. Darum organisieren sie sich ganz nach Neigung in Gruppen, die gemeinsame Hobbies und Werte teilen, und achten peinlich genau darauf, dass sie a) anders als Erwachsene und Mitglieder anderer Gruppen und b) exakt wie alle anderen in der eigenen Gruppe aussehen. Dies treibt mitunter ziemliche Blüten, die wir nun ausreissen und am Boden zertreten wollen.

Fairerweise geht es mit der Jugendkultur los, der wir uns am nähesten fühlen an: Der gute alte Punk verkommt bei Konzerten leider regelmässig zur Klon-Veranstaltung. Folgende Prototypen fallen ins Auge: Der Schicki-Punk (gepflegt-asslig, mehr Accessoires als eine Oma Porzellanpuppen auf dem Sofa, hat schon mal ein Lied „The Clash“ gehört und kauft seit dem alles an Buttons und Aufnähern, was man von denen so kriegt), der Skinhead (hier kann man sich besonders stereotyp kleiden, z.B. einfach mal ein Fred Perry-Shirt zu Hochwasser-Jeans anziehen – wow!), der Skater (nach Möglichkeit alles von Vans oder Volcom und die Hose nicht zu eng), der Rocker (dunkle Jeans, Stiefel, Schleim in den Haaren, viele Ketten, Tätowierungen) und der Hardcore-Typ (Mischung aus Skater und Skinhead). Bevor nun der Einwand kommt, wir von der Shredder Redaktion wären selbst nicht ganz gefeit, Elemente der oben genannten Outfits in unser Äusseres zu integrieren, wechseln wir schnell das Thema und hacken lieber auf den Alternative-Grunge-Spastis rum, denn die kann wirklich keiner leiden und geben damit ein prima Opfer ab. Also meine lieben eine-Mark-Kurt-Cobains mit verlauster Scheiss-Zottelmatte: Schlechter Körpergeruch und ungewaschene Haare sind kein guter Weg, um seine Verachtung für die Gesellschaft auszudrücken, ein Ziegenbart ist nicht freaky, sondern für Wichser, und auch Wolle Petry und Axl Rose tragen zerrissene Jeans. Darum unser Vorschlag zur Güte, eine Kippe könnt Ihr Euch noch drehen, dann aber marsch ab in Bett und morgen brav ein neues Leben angefangen!

Besonders alberne Kleidung tragen die Anhänger einer weiteren Jugendkultur: die HipHopper. Unserer Interesse an HipHop (ist ja übrigens nicht nur Rap, sondern auch Breakdance und Grafitti – wusstet Ihr das schon…) sollte hinlänglich bekannt sein, unsere Meinung zum zugehörigen Kleidungsstil wird hiermit nachgereicht: Das kalte Kotzen kommt uns, wenn wir diese kleinen, beschissenen HipHop-Proleten und Pausenbrot-Gangster sehen. Immer schön einen auf Pimp machen, rumprotzen und sich in der Gruppe stark fühlen. Wow, gute Leistung, Jungs! Dazu im scheiss XXXL-Frottee-Trainingsanzug-Schlabber-Look rumgammeln und sich gegenseitig einen reinclappen, wie cool man doch wieder ist. So ein lächerlicher Aufzug gewinnt höchstens bei einer Pyjama-Party einen Preis: den des größten Arschlochs nämlich. Uns regen auch immer wieder die 17jährigen Hasenbergl-Prolls auf, die mit spärlichem Schnauzer im C&A-Anzug einen auf oberlässigen Westcoast-Champagner-Hustler machen, sich in Wirklichkeit aber mit „Dr. Katlenberger Erdbeer-Schaumwein“ für 1 Mark die Rübe wegballern. Geht’s noch ärmer? Allein schon die Marken : Pelle Pelle (was?!), Southpole, Karl Kani (der berühmte Designer aus New York – ahhhhh!). Geht‘s noch beschissener? Um das Ganze abzurunden, werden an beiden Ohren Plastik-Brillianten (sog. „Bling-Bling“) zur Schau gestellt, nicht zu vergessen die riesigen Goldketten und die Ghetto-Strümpfe (Anti-Thrombose?), als Kopfbedeckung. Wer so rumläuft, ist immer und definitiv ein Arschloch. Wir gehen hier nur nach den äußeren Werten? Gut erkannt!

Von einer weiteren Gruppe, dachten wir eigentlich, dass sie längst ausgestorben wäre: Die Raver. Aber es gibt sie noch und sie schau‘n auch immer noch gleich aus. Hässlich nämlich. Kaum eine Jugendkultur gibt sich soviel Mühe, sich Outfits dermassen an den Haaren herbei zu ziehen. Um so absurder, um so besser – ein echter Höhepunkt der Jugendkultur. Stellt Euch Samstag Abend an den Ostbahnhof und geniesst die Aussicht. Wahnsinn! Unglaublich! Die männliche Fraktion (mind. 1.80m, max. 40 kg, ungesunder grau-grün-gelb-fahler Teint) picklige, gepiercte Teeniegesichter, riesige trompetenförmige Arschloch-Hosen und „Stachelrucksäcke“. Die Frauen (max. 1.50m, max. 30 kg oder min. 130 kg, ungesunder grau-grün-gelb-fahler Teint) trumpfen mit 30 cm Plateausohlen, den obligatorischen Pickeln (vom vielen Ecstasy, ha ha) und allerlei Flokati auf. Dazu (Geschlecht egal) lustige Frisuren, bei denen bunt gefärbte Stacheln in den Himmel starren und sich dabei wünschen, aus jemand anderes Kopf zu wachsen, und die Kleidung nach Möglichkeit aus Materialien, die für Kleidung gar nicht geeignet sind: Neopren, Teflon, Asbest, Kryptonit oder einfach mal die gute alte Alu-Folie. Liebe Raver, weiter so, Ihr seht zwar scheisse aus, tragt jedoch wenigstens zu unserer Erheiterung bei.

Der Spaß hört aber ganz schnell wieder auf, wenn man einem Atomic-Café-Pseudo-jetzt-Magazin-Intellekto-Penner über den Weg läuft! Wie kann man denn freiwillig ein braunes Cord-Sakko mit noch brauneren Flicken am Ellenbogen, darunter eine (stinkende) Adidas-Trainingsjacke (weil vom Kleidermarkt) und dazu am besten alte Sneaker (wie Adidas „Gazelle“ – sind wir im Zoo?) oder original Turnschuhe von der Bundeswehr tragen? Verstehen wir das falsch, die wollen doch eins auf die Fresse, oder? Aber damit nicht genug, der ständige „Ich bin eh viel geiler, als ihr alle, weil ich studiere Germanistik (oder ähnlichen Scheissdreck) und hab Kafka und Hesse unter’m Kopfkissen“-Gesichtsausdruck tut sein übriges, genau wie die obligatorische, dicke Hornbrille und die selbstgedrehten „American Spirit“-Zigaretten (oder mindestens NIL). Dieses „ausgefallene“ Outfit und leichte Züge von Arroganz, würden gerne als Understatement und Individualität gewertet werden und sollen zeigen, dass diese Penner einen „eigenen“ Kopf haben. Hm, diesen soll ihnen doch bitte einfach mal jemand abschlagen…
Und wenn wir schon von blöden Germanistik-, Komperatistik- oder Theaterwissenschafts-Studenten reden, dann widmen wir uns doch gleich dem gesamten Studentenpack. Über eine große Gruppe gleich gesinnter, die Juristen und BWLer nämlich, müssen wir uns mal näher unterhalten, denn die denken auch ganz gerne mal, sie wären was „ganz besonderes“. Warum? Sind gefälschte Ralph Lauren-Komplettoutfits (aus Rimini für 10 Euro) oder rosa Poloshirts mit hochgeklapptem Kragen (wichtig: NIEEEE den Kragen hochklappen! Wieso auch?) etwa DER Renner? Sind Männer, die Caprihosen tragen, auch nur ansatzweise sexy? Kann man Pullis noch dümmer tragen, als locker über die Schultern hängend? Muss man rumlaufen, als wolle man gleich zumGolfen oder zum Segeln? Unsere Antwort: Nein.

Die Großfamilie der Nerds – also alle Anhänger der technischen Studiengänge – kommt, wenn man es genau nimmt, mit einen einzigen Kleidungsstück aus: dem Anorak! Dieses modische Meisterwerk kombiniert auf spektakuläre Art und Weise, das Praktische mit… ja mit was eigentlich? Um so mehr Bändsel, Reißverschlüsse und Taschen, um so besser! Ich muss nicht noch erwähnen, dass der gemeine Anorak ausschliesslich in den Farben „senf“, „flieder“, „Flitzekacke“ oder „mittelgrau“ erhältlich ist, oder? Mit 100%iger Sicherheit kann man darunter einen Fleece-Pulli entdecken. Über diesem Gesamtkunstwerk baumelt dann der gute alte „TU München“-Rucksack, den man eigentlich schon am ersten Studientag verbrannt haben sollte, oder wahlweise werden die Studienunterlagen und die neuste Ausgabe der „CB-Funk World“ im schnieken Handkoffer im Platinen-Design herumgetragen. Ihr kleinen miesen Arschlöscher!

Kommen wir nun zu den restlichen, übrig gebliebenen Jugendlichen und „Junggebliebenen“. Diese Kandidaten lassen sich weniger durch ihre mittels Kleindung zur Schau getragene Gruppenzugehörigkeit identifizieren, als durch den dringenden Wunsch (bitte, bitte, bitte, bitte), irgendwie „stylisch“ auszusehen. Der dezentere Fan elektronischer Musik zum Beispiel erfreut sich an sogenannter „Clubwear“. Wir nennen diesen Typ mal der Einfachheit halber mal „dummes Medien – Arschfick – Drecksficker – Huren – Klugscheisser – kurzer – Pimmel – Möchtegern – Metro – Arschloch“. Merkmale der männlichen Exemplare wären da in etwa: ärmellose Hemdchen, dicke Holzketten, Stylo-Sonnenbrillen (z.B. mit Farbverlauf – seit 10 Jahren der heisseste Mode-Geheimtipp…), hellblaue Jeans mit „abgefahrenen“ Taschen, Stickereien und Nähten, riesige Gürtelschnallen, das obligatorische Schlüsselband (Wie oft sollen wir es denn noch sagen?), silberne Nikes oder Puma-sieht-aus-wie-ein-Fussballschuh-ist-aber-keiner-Scheisso-Latschen und – aber darauf kommen wir später noch einmal zu sprechen – Meshback-Caps. Die weiblichen selbst-ernannten „Stylerinnen“ zeichnen sich vor allem dadurch aus, möglichst wenig an zu haben (was aber eigentlich schon wieder ganz OK ist).

Tja, irgendwann ist auch die Jugend vorbei und der „Ernst des Lebens“ (der ganz nebenbei übrigens meinen Sack fressen kann) fängt an. Naja, eines Tages erwischt es einen, man landet in einer beschissenen Firma (die z.B. Fugendichtungen für Lüftungsanlagen herstellt), muss arbeiten und stellt sich – wahrscheinlich zu ersten Mal – in seinem kümmerlichen Leben die Frage: „Was ziehe ich an?“. Doch hier gilt eine einfache Gesetzmässigkeit: Wer als Student schon scheisse aussah, der langt auch im Beruf zielsicher ins Fettnäpfchen. Und so entsteht es dann – ein Panoptikum hässlicher „Business-Kleidung“: Die bunte Fliege (gern getragen von Wahlforschern und Chefvolkwirten), Schnallen-Lack-Leder-Slipper mit Bommeln an den Füssen von Osram-Angestellten („Hey, die sehen auch zu meinen Armani-Karotten-Bügelfalten-Jeans chic aus.“) und Informatiker, die auch noch mit 40 so aussehen, als hätte ihnen Mutti die Kleidung rausgelegt (was – heilige Scheisse! – wahrscheinlich meist sogar auch noch die Wahrheit ist). Bankkaufmann-Azubis beweisen in schlechtest sitzenden, bordeauxfarbenen Arsch-Sakkos am Schalter ebenso wie angehende Sekretärinnen, die sich in ätzende 100%-Polyester-Kostüme zwängen und krampfhaft versuchen, gut und kompetent auszusehen (momentan angesagt: das Modell „Presswurst“), stilsicher null Geschmack. Ach ja, falls jemand gerade zu schnell gelesen hat, kein Problem, wir weisen noch mal darauf hin: die Farbe Bordeaux ist generell immer tabu! Scheissfarbe! Aber hallo!

Der harte Arbeitstag geht zum Glück auch im schlechtesten Outfit vorbei und schläft man zu Hause nicht sofort auf dem Sofa vor einer Wiederholung „Golden Girls“ ein (was ein Leben!), lauert ein Feierabend voller langweiliger gesellschaftlicher Verpflichtungen oder langweiliger Rendezvous mit langweiligen Sexualpartnern in spe auf einen und damit eine weitere Klippe der Modewelt, die erfolgreich umschifft werden möchte: die Abendgarderobe. Ein zugegebenermassen schwieriges, aber nicht unlösbares Thema. Der Großteil der Bevölkerung ist jedoch hoffnungslos überfordert, wenn ein Geschäftsessen, die Hochzeit des besten Kumpels oder der 50. Hochzeitstag der Eltern auf der Agenda stehen. Manch (vermeintlich) cleverer Kopf löst das Problem im Handumdrehen mit einem Frack. Falls man nicht gerade zufällig Konzert-Pianist oder amtierender Pinguin-Wettbewerb-Vize-Weltmeister ist, leider fast immer falsch. Wer uns nicht glaubt, dass Fracks nicht gut sind, der sei darauf hingewiesen, dass sowohl Thomas Gottschalk, als auch der gute alte Dieter „Diddi“ Thomas Heck stets im Frack auftreten. Und die beiden sind… na…. kommt Ihr drauf? Am härtesten trifft es die Kleinen unter uns, die vor einem „besonderen Anlass“ von Mutti so richtig „rausgeputzt“ werden. Tja, wenn die Eltern schon nix drauf haben (er im roten Sakko mit gelben Tüchlein in der Brusttasche, sie im türkisen Rüschen-Inferno), haben auch die Kinder nix zu Lachen. Diese armen Schweine werden dann von Mutti in ein riesiges, farbiges Sakko gesteckt, der obligatorische Seitenscheitel darf nicht fehlen, so dass der Rest der Familie den ganzen Abend über den „jungen Mann“ redet und staunt, wie erwachsen er doch schon ist. Im Regelfall sehen aber die Gastgeber am beschissensten aus, da immer zu wenig Zeit fürs Styling eingerechnet wird und den Gästen dann in Bademantel, mit Lockenwicklern im Haar, die Tür geöffnet wird. Besonders krass sind Hochzeiten, wie man sich in den Auslagen von Fotogeschäften (Abteilung: Hochzeitsbilder) überzeugen kann: 160kg-Sachbearbeiterinnnen träumen im kitschigen rosa-schiller-Plastik-Prinzessinnen-Outfit (Farbe: „plexiglass“) von der großen Liebe, während der Bräutigam im fiesen rot-grün schillernden Anzug (so ein glänzender Ätzo-Stoff – keine Ahnung wie der heißt – aber Ihr wisst hoffentlich, was wir meinen) mit besticker Weste und (klar) Schnauzer, eine ähnlich schlechte Figur abgibt. Ein Traum!

Nach der Hochzeit ziehen die Jahre ins Land, von heute auf morgen kommen die Wechseljahre und die Braut von damals denkt: „Jetzt muss ich mich mal verändern!“. In dieser Phase brauchen diese Frauen dann extra beschissene Outfits, die total „abgefahren“ wirken sollen und „mal was anderes“ sind. Dazu zählen lustige Brillen (z.B. achteckige Gläsern im dreieckigen Rahmen), unsymmetrische Frisuren, übertrieben lange Ohrringe (selbstverständlich nur EINER) und total „freche“ Kombinationen wie z.B. einen Rock über der Jeans tragen oder Pullis mit nur EINEM Ärmel. Wir empfehlen, die Frustration über die Nichtigkeit des Seins entweder zusammen mit einem qualifizierten Therapeuten zu bearbeiten oder einfach Tabletten-abhängig zu werden, aber nicht, zum Schaden der Umwelt in dummer Kleidung auszuleben. Der „freche“ Kleidungsstil ist bei Männern eher selten, aber das wird durch ein anderes Patentrezept für schlechtes Aussehen wett gemacht, das seine Ursprünge in den 90er Jahren hat und von uns mal „Andreas Türk-Style“ getauft wird (ganz nebenbei, ist der nicht mittlerweile wegen Vergewaltigung im Knast?). Dazu benötigt man lediglich einen Anzug (C&A reicht dicke) und ein übertrieben knalliges Hemd (gerne türkis, lila oder orange und schön weit offen lassen) mit 70iger-Jahre-Riesenkragen, den man dann gewitzt über den Kragen des Sakkos schlägt , so dass dieser komplett verschwindet. Wie lustig! Kein Talkmaster, der etwas auf sich hielt, kam ohne diesen modischen Fauxpas aus! Halt: Mir fällt spontan Arabella Kiesbauers „Kartoffelsack-Faltenrock mit Fellstiefeln und wallender Rüschenbluse“ oder Hans Meisers „Grau-in-grau-in-grau-Langweilo“-Outfit ein, aber das sprengt hier eindeutig den Rahmen. Wir wollten das alles nur der Vollständigkeit halber erwähnt haben, heutzutage trägt eigentlich niemand mehr so ein total dummes ein Talkmaster-Outfit – bis auf wenige Ausnahmen: Big Brother-Deppen, Comedians oder Schlagersänger pflegen dieses Tradition schon noch mit Ehrgeiz. Fällt Euch da was auf?

Vom Schlagersänger ist’s nicht weit zum Musikantenstadel und zur Wies’n – unsere nächsten Tatorte, denn: es geht um Lanshausmode. Ihr wisst schon diese Möchtegern-Tracht-Fantasia-Scheisse. Hier ist es mal wieder nötig ein generelles Verbot auszusprechen: Landhausmode geht garnicht! So ein Müll: Klamotten aus alten DDR-Postsäcken mit tollen Kordeln und Lederapplikationen, sau-unmotiviert mit irgendwelchen Frakturschriften bedruckt (Aufschrift: Wurstsalat, Ammergauer Postillion 1746 oder Lech am Inn (!)…) sind einfach nur blöd und überflüssig. Genauso wie diese ekligen über 50 Jährigen Sonnenstudio-Exjunkie-Schabraken in Leder-Landhaus-Hot-Pants, die einem nach 21:30 Uhr auf der Wiesen zu Nahe kommen. Bäh! Ach so, noch was: wer sich im übrigen nicht als CSU-Burschenschafts-Affe outen möchte, sollte auch die Finger vom Trachtensakko lassen.

So ein Stress. Da hat man sich schon mal ein wenig Urlaub am Meer verdient. Doch auch hier das selbe Bild. Neben viel nackter Haut (die man meist lieber nicht sehen würde) fallen einem hier vor allem Männer in String-Badehosen auf. Ein besonderr Trend bei jüngeren Semestern: Sobald ein Strand in der Nähe ist, machen alle Klamotten-mässig schön einen auf lässigen Surfer (hahaha, wir auch), aber keiner kann’s.

Grandiose Überleitung zu Sportbekleidung! Hier gilt gerne mal die Devise: funktional (wobei die Funktionalität in der Regel in der Marketing-Abteilung und nicht im Versuchslabor ersonnen wurde) und bunt. Besonders bei Radkleidung geht’s voll ab. Wer kennt nicht die 50jährigen Penner, die sonntags die Landstassen auf Ihren 6.000€-Atom-Rennrädern unsicher machen und 43-farbige Trikots mit 5-farbigen Helmen und 9-farbigen Radlerhosen tragen. Überhaupt:: Radlerhosen, bzw. Leggins (bei Joggern gern gesehen) haben eh schon mal prinzipiell nicht an Männerbeinen zu suchen. Wo sollen denn da die Geschlechtsorgane hin? Ah, verstehe: Welche Geschlechtsorgane… Aber: Wer fleissig joggt, muss wenigstens nicht auf der Würdeleiter in den Keller steigen und im Übergrössen-Laden unter dem Motto „Dick & Chic“ oder „Modische Kleidung für starke Frauen“ kaufen. Hier die traurige und ungeschminkte Wahrheit: Kleidung, von der behauptet wird, sie würde Fettsein kaschieren, brandmarkt meist den unglückseligen Träger, als mit seiner Figur unzufrieden, macht ihn aber leider nicht mal optisch dünner.

So jetzt reicht’s aber langsam! Beim Schreiben wird einem noch mal so richtig bewusst, was einem da tagtäglich eigentlich alles zugemutet wird! Und weil das Inferno, was die meisten schon bei der Wahl von Hose und Oberteil anrichten, noch nicht schlimm genug ist, gibt es auch noch so etwas wie Accessoires. Die machen alles immer noch viel schlimmer machen, z.B. kleine Ansteck-Teddybären auf dunkelgrünen Spiesser-Mänteln (seinerzeit tatsächlich gesehen bei einem Mädchen in der Nachbarklasse). Schockierend! Viel populärer ist aber der Mist, der mit Kopfbedeckungen gebaut wird! Wir greifen nur zwei Kategorien auf: 1. witzige Kopfbedeckungen (z.B. Wies’n-Hüte im Fass-Design, Cap mit Solarzelle und Ventilator, unzählige bunte und kein bisschen witzige Raceboarder-Plüsch-Kopfbedeckungen mit tausend Bommeln,…). Noch mal für alle, die beim Shredder Mag-Artikel über „lustigen T-Shirts“ nicht aufgepasst haben: Kleidung ist kein Ort für Witze. Witze erzählt man sich, man trägt sie nicht! 2. Kopfbedeckungen, die mal sau-in waren, es aber schon lange nicht mehr sind, von ewig-Gestrigen aber immer noch getragen werden (Cowboy-Hut: in 1998, Meshback-Cap: in 2000). Wenn Ihr den Schmarr‘n schon nur tragt, weil’s mal in war (und einen anderen Grund, in Mitteleuropa abends in der Disse einen Cowboy-Hut zu tragen, kann ich nicht erkennen), dann gebt Euch wenigstens die Mühe und tragt das Zeug nur so lange, bis es auch der hinterletzte Depp beim H&M kaufen kann.

Ein weiteres Accessoire ist der Gürtel. Hier haben uns schon viele Dinge in den Augen gebrannt, doch wir wagen uns nicht auf’s Glatteis und massen uns ein Urteil an, denn: Von Gürtel haben wir vom Shredder Mag keinerlei Ahnung. Unsere Hosen (so wir denn welche tragen) halten dank Augustiner-Bauch und Dauererektion auch ohne Gürtel! Nur bei einem Aspekt sind wir uns trotzdem sicher: Bitte nix an den Gürtel dran machen (Handy, Leatherman, Kotelett) – dafür gibt es Taschen.

Schlimm, schlimm, schlimm. Man kann soviel falsch machen! Genau das denken sich auch die sogenannten „Normalos“. Hier wird scheinbar „nicht so viel Wert auf teure Markenkleidung“ gelegt und vorsichtshalber nur bei Konen und im Hertie von der Stange gekauft. Zum Glück kann man diese Sachen ja prima miteinander kombinieren, so dass man fast nie auf GENAU dasselbe Outfit trifft, das man gerade selbst trägt. Es hat den Anschein, als wollen diese Menschen durch ihr Handeln, dem angesagten Modediktat aus Film, Fernsehen und Hochglanz-Zeitschriften trotzen, als legten sie keinen Wert auf Äusserlichkeiten (wo schliesslich auch die inneren Werte das sind, was zählt… jaja). Doch leider steckt hinter dieser Einstellung meist kein cleverer Schachzug wider die Oberflächlichkeit, sondern Einfallslosigkeit, Unkreativität und Langeweile. Liebe Freunde, wir wissen, es ist knifflig, aber Ihr macht es Euch nun wirklich zu einfach!

Für alle, die nun überfordert sind und gar nicht mehr wissen, was sie tragen sollen, wollen wir nun zum Schluss noch die Shredder-Patentlösung geben, aber zuerst muss noch eine Grausamkeit erwähnt werden. Wir wollten es uns ersparen, uns drum drücken, doch es hilft nichts: der Partnerlook kann nicht unerwähnt bleiben. Uns fehlen die Worte. Nichts fällt uns dazu ein. Warum?

So, jetzt aber noch ein Outfit, dass man immer tragen kann, zu Hause, im Büro, auf Parties – immer sieht man darin gut aus und gemütlich und preisgünstig ist es auch: das gute alte Stüberl-Asso-Outfit. Jeans mit Gummizug, buntes Hemd (Polyester-Bauwoll-Mischgewebe) und dazu eine Lederweste. Oder einfach mal im Trainingsanzug. Oder für die Maskulineren unter uns mit UncleSam-BodyBuilding-Hose und Bomberjacke. Eins dieser drei Outfits passt zu jeden, darum keine faulen Ausreden mehr und schnell auf zum Woolworth… Die schlechtgekleideten Zeiten sind vorbei!

Euer Cosmopolitan Mag

Gossip

Shredder Einlauf #9: Fernsehen

Shredder Einlauf #9: Fernsehen

 

shreddermag_shredder einlauf_logoWenn ein Tag nicht so anfängt wie er sollte, merkt man das meist bereits beim Aufwachen. Statt um 6:30 vom „Kikeriki“ des Weckers im superwitzigen Hahn-Design geweckt zu werden, mit einem „Hallo, schöne Welt!“ auf den Lippen mit einem Sprung von seinem Yuppie-Bett mit Nicki-Bettwäsche auf das Yuppie-Laminat seines Yuppie-Schlafzimmers zu wechseln, um jung und dynamisch sein Tagwerk als Bankkaufmann oder Produktionsingenieur bei Osram zu beginnen, wacht man einfach irgendwann auf, fällt dank Presslufthammer-Kopfschmerzen sofort wieder ins Koma und kriecht dann eine Stunde später auf dem Zahnfleisch zur nächsten Wasserquelle, um die Wüste Gobi aus dem eigenen Mund zu vertreiben, wobei einem langsam dämmert, dass 11 Bier vielleicht auch gereicht hätten.

 

Nun gut, etwa 20 Minuten später liegt man wieder im Bett, die Dehydration und das Platzen der Blase gerade noch mal abgewendet, und weiss nur eines ganz genau (und das ist nicht der genaue Ablauf des letzten Abends): Dieser Tag ist verschissen! Ganz sicher! Was also tun, wenn die entfesselte Bewegungsunfähigkeit auf die blanke Unproduktivität trifft? Ahh, wie wäre es denn mit Fernsehen, dieser grandiosen Erfindung des letzten Jahrhunderts, geschaffen, um einem graue Tage mit ansprechender Unterhaltung zu erhellen? Ort der in bewegliche Bilder gebannten Phantasie, Quell von Wissen, Abenteuer und Kurzweil! Man schaltet also seinen Fernseher ein und ab dem Moment ist eines nun wirklich endgültig klar: Der Tag ist verschissen!

 

Dank Kabelanschluss stehen einem binnen etwa 4,2 Millisekunden mindestens 30 Sender zu freien Auswahl (davon immerhin 23 in einer Sprache, der man auch mächtig ist). Kann eigentlich nichts mehr schief gehen! Denkt man. Die Entscheidung für den ersten angesteuerten Sender fällt leicht: Man nimmt einfach ARD, das in jedem aufrechten deutschen Haushalt „auf die 1 programmiert“ ist. Und was erblicken die ebenso hoffnungsvollen, wie verquollenen Augen: der Presseclub. Fein! Also schnell auf’s ZDF: hier zeigt die bei rheinländischen Langzeitarbeitslosen äusserst beliebte Spasscombo „De Höhner“ im ZDF-Fernsehgarten (Fernsehgarten?) gerade, was eine heisse Bühnenshow ist.

 

Grausam, aber immerhin Entwarnung, die Sendung wird nicht von Wolfgang Lippert oder dem alten (100? 200?) Menschenfresser Dieter Thomas Heck moderiert, sondern von einem unbekannten weiblichen Zombie (vermutlich „Miss Darmstadt 1982“). Dank Shaolin-verdächtiger Umschalt-Skills wird aber noch im kurzen Moment zwischen dem gerade unvermittelt ausgeklungenen Hit-Medley und der darauf folgenden Moderation ziellos umgeschaltet und man landet in der bunten Welt des Privatfernsehens. Bunt ist hier leider aber gerade nur die Kleidung der Talkshow-Gäste. Lila Krawatte zu bordeauxrotem Sakko? Aber hey, das sieht doch scheisse aus!

 

Doch der optische Eindruck verblasst schnell hinter dem Wortschwall, den der so bekleidete Mann (etwa Mitte 30 und bestimmt mit ganz ganz schlechter Sozialperspektive behaftet) unter Tränen und auf Knien (aber man kniet doch nur in Knastduschen und nie freiwillig!) auf eine sehr unansehnliche, aufgedunsene, sauerkraut-dauergewellte und betont schlecht gekleidete (Jeansweste und so) ostdeutsche Mitbürgerin loslässt: „….bababa…noch eine Chance…bababa….nicht so gewollt…bababa….Liebe….bababa…und die Kinder….bababa….“! Genau wie gesammelte Mimik entgleitet einem im selben Moment der Glaube an das Gute im Menschen. Warum? Warum, warum, warum muss es sowas geben? Können diese armseligen Kreaturen nicht einfach in ihren Löchern bleiben, und dort still und unglückselig verenden? Und wenn sie nun schon das Bedürfnis haben, uns mit ihrem Antlitz die Laune zu verderben, warum hindert man sie nicht daran, sondern im Gegenteil bietet ihnen noch ein Forum dafür? Verflucht seist du, oh Privatfernsehen!

 

Und so läuft der Fernseher den lieben langen (und verschissenen) Tag, man hangelt sich von einem Programm zum Nächsten, anstatt einfach abzuschalten und etwas zu Vernünftiges zu unternehmen (z.B. wenigstens mal „an die frische Luft gehen“ oder auf ein paar Dornkaart ins nächste Stüberl schlendern). Bei diesem Durchschalt-Terror (sog. „Zappen“ – welches Arschloch hat denn das schon wieder verbrochen?) kommt schnell der kleinste gemeinsame Nenner ALLER Sender ans Tageslicht: alle Moderatoren auf der gesamten Welt sind beschissen! Warum lässt man Leute in der Öffentlichkeit auftreten, die wahlweise nicht einmal ihren Namen buchstabieren können, weder lustig noch begabt sind oder einfach nur scheisse aussehen?

 

Warum dürfen Rentner, wie oben genannter Dieter Thomas Heck, Jürgen Fliege (der ist ja auch noch Pfarrer – ich glaub‘s ja nicht) oder Hans Meiser ungestraft ihren Senf ablassen? Warum schickt man Personen wie Ingo Dubinski, Frauke Ludowig oder Harry Wjinford auf die Mattscheibe, die optisch höchstens einem Komposthaufen Konkurrenz machen? Warum werden geistige Leuchten wie Mola Adebesi, Thomas Hermanns, Sonja Kraus oder Jochen Busse auf die Bevölkerung losgelassen, die nichts, aber rein gar nichts drauf haben? Ich weiß es nicht, aber anscheinend muss man als Moderator nur sehr magere Skills und einen äußerst niedrigen IQ vorweisen… Noch mehr Beispiele gefällig? Ulla Kock am Brink, Joachim Bublath, Arabella Kiesbauer, Marianne & Michael, Ulli Potofski, Vera am Mittag (was ist das denn für ein dummer Nachname?), Ramona Leiß, Johannes B. Kerner, Kai Pflaume, Jörg Pilava, Barbara Eligmann – jaja, die Liste ist lang.

 

Getoppt werden Moderatoren nur von einer kleine, aber nicht zu verachtende (oder eben doch) Sorte TV-Deppen: die Assistenten. Was muss man studiert haben, um beispielsweise, in Fall von Maren Giltzer, Buchstaben beim Glücksrad umdrehen zu können? Was für Fähigkeiten besitzt ein „Preis ist heiß“-Walter ausser Gewinne und Fragen vorleseb? Was kann Stefan Raabs „Show-Praktikant“ Elton, außer dick sein? Es gibt wie so oft im Leben keine Antwort und man lässt den Fernseher besser so lange aus, bevor diese Frage nicht beantwortet ist. Die öffentlich manifestierte Meinung, dass „das Fernsehen doch immer schlimmer wird“, ist nicht nur seit Schwarzeneggers „Running Man“ zu vernehmen, hält aber komischerweise niemanden davon ab, weiterhin tagelang vor der Glotze zu hängen.

 

Auch wenn Fernsehen eigentlich immer gleich dumm ist, wird diese Dummheit doch auf verschiedene Arten transportiert. Fangen wir ganz von vorne an: in unserer Jugend. Die 80iger waren voller Schrott und lehrten uns schon damals, dass es im Fernsehen nichts Anständiges gibt. Da wurden doch tatsächlich Hamster ins Rennen geschickt, um kommentiert und gefeiert von „Funny“ Mike Krüger, zum Held der Nation zu werden (remember „4 gegen Willi“?). Auch nicht zu vernachlässigen: Sendungen, in denen Schulklassen in unmöglichen Wettbewerben gegeneinander antraten und sich zum Deppen machten. Da hätten wir „Supergrips“ und „Flip Flop“ im Angebot (übrigens: der damalige Moderator von Flip Flop, Claus Kruesken, tauchte Jahre später aus der Versenkung auf, um im Werbeblock „Ford Aktuell“ zu moderieren, oh je Leben verbauert…).

 

Und wenn man schon Wettbewerbe zwischen Schulklassen startet, warum dann Sackhüpfen-zu-zehnt-in-einem-Sack oder ähnlichen Schmarrn und nicht amüsantere Disziplinen, wie mit-abgebrochenen-Glasflaschen-auf-einander-einhacken? Die damalige Comedy-Welle bahnte sich als „Spaß am Dienstag“ an und war damals schon nicht lustig, genau so schlecht das Musikfernsehen mit Vorreitern wie „Formel Eins“ und „Wurlitzer“. Über Sendungen wie „Mini-ZIB“ (Friss scheisse, Quaxi!), „Forsthaus Falkenau“, „Praxis Dr. Bülowbogen“, „Hugo Run!“, „Liebling Kreuzberg“ oder „Na sowas!“ schweigt des Dichters Höflichkeit…

 

Doch zurück ins Jahr 2005. Hier kommt einem schon beim Überfliegen des Fernsehprogramms das lauwarme Kotzen! Es scheint, als drehe sich alles nur um das große Motto „Comedy“! Haben die Leute im Leben denn so wenig zu lachen, dass sie sich mit so einen Scheisse zufrieden geben müssen? Das Wort „Comedy“ kann man getrost mit „nicht lustig“ übersetzen, denn was diese Arschlöcher da abliefern, ist unserer Vorstellung nach von Witzigkeit und Unterhaltung so weit entfernt, wie die Shredder-Redaktion von der Teilnahme an der Eiskunstlauf-WM. Liegt die deutsche Durschnittsmesslatte in Sachen Witzigkeit und Kreativität wirklich so tief, so dass man sich bei diesem Programm herzhaft auf die Schenkel klopfen muss und vor lachen nicht mehr kann? Wie verblödet muss man denn sein, um sich über flaue Unterhaltung und maue Witzemacherei á la „Quatsch Comedy Club“, „Oliver Pocher“, „Atze Schröder“, „Ladykracher“ oder „Mensch Markus!“ vor dem Fernseher zu kringeln?

 

Mir kommt einfach nur der Dünnschiss aus den Ohren und ich musste noch nie, ja noch NIE, auch nur EINE Sekunde annähernd schmunzeln, bei diesem Arschgeigen. Jawohl Arschgeigen! Ihr scheiss Comedy-Arschlöcher! Ich kann gar nicht sagen, wie ich Euch hasse, bitte verpisst euch mit eurem dummen Drecks-Humor! (Ich vergaß, über die ganze Karnevalsscheise á la „Mainz wie es singt und lacht“ zu reden, aber bevor es so weit kommt, lieber schnell das Thema wechseln sonst meldet sich mein Magengeschwür wieder.)

 

Ein weiteres grosses Übel sind definitiv die sog. „Soaps“ wie z.B. „GZ/SZ“, „Marienhof“, „Unter Uns“ oder die „Lindenstraße“. Hier wird einem das „ganz normale Leben“ vorgegaukelt, in Wirklichkeit handelt es doch um konstruierte Scheisse, die niemals passiert. Oder kennt ihr Karl-Simon, den gepiercten schwulen Behinderten, der ein Verhältnis mit seiner älteren schwangeren Cousine Andrea (die ist übrigens heroinsüchtig, immer wieder mal lesbisch und dann doch nicht, wenn’s ins Drehbuch passt, und seit Jahren im Knast) hat? Nein? Na also.

 

Hauptsache blöde Geschichten erfinden, die sich um Alltagsschmarrn, geheime Liebschaften, Intrigen, Streit, Ärger, aber auch „Hoffnung“ (wann kriegt der kleine Michi endlich die lang ersehnte Taschengelderhöhung?) drehen. Das einzig positive an Soaps ist, dass wenn ein Schauspieler nach Jahren ausscheiden will, er sterben oder spurlos „verschwinden“ muss. Sehr lobenswert, einer weniger.

 

Von ähnlich niedriger Qualität sind „Arzt-„ oder „Krankenhaus-Soaps“ wie z.B. „Emergency Room“ oder „Dr. Stefan Frank – der Arzt dem die Frauen vertrauen“. Was interessiert mich der Katheter, die Gürtelrose oder der picklige Hintern von irgendwelchen fremden Menschen? Ich hab Zivildienst gemacht, danke, das reicht. Sehr gut sind auch Autopsie-Shows, bei der sich Nekrophile lustig einen runter holen können…

 

Eins der dunkelsten Kapitel der nicht nur deutschen Fernsehgeschichte, sind die „Reality-Shows“. Wird jeder, der von einem Kamerateam begleitet wird, automatisch interessant und sehenswert? „Ärger im Revier“ oder „Unterwegs beim Ordnungsamt Olpe“ sind gute Beispiele, die zeigen, dass dies nicht der Fall ist. Die Könige dieser Disziplin sind definitiv die „Big Brother“-Idioten, die gelangweilt in irgendwelchen Containern, in Ostdeutschland (vermutlich Nähe Gorleben) rumsitzen und sich anschweigen oder Unterhaltungen auf Bodensatz-Niveau führen.

 

Geht´s noch ärmer? Sollte mir mal extrem langweilig sein, werde ich mir noch eher die längst überfällige Steuer 2003 zur Brust nehmen, als diesen Gammlern beim Nichtstun zu zu sehen. Weitere Beispiele dieser Kategorie wären das „Girls-“ oder „Dschungelcamp“ wahlweise auch „Die Burg“. Hier spielen zwar Immerhin C-Promis mit, aber denen beim rumsitzen zu zu sehen, ist auch nicht weiter unterhaltsam.

 

„Taff“, „Extra“, „Die Akte“, „Exclusiv“ oder „Life!“, das sind die großartigen Boulevardmagazine, die dummerweise immer genau dann laufen, wenn man den Fernseher einschaltet. Hier wird grundsätzlich nur über belanglosen Promi-Dreck berichtet (Michael Schumachers neue Super-Villa in Ost-Monaco, Mooshammers goldene Dildo-Sammlung, Joschka Fischers neue Fitness-Methoden oder über das aktuelle Buch von Michaela Schaffrath aka Gina Wild, die ganz gerne seriös werden möchte…). Alle andere Themen sollen Aktualität, Exklusivität oder „was ganz Verrücktes“ vermitteln, sind aber stinklangweilig: Brustvergrößerung, Basejumpen vom höchsten Gebäude der Welt, das Haus ohne Ecken usw… Das sind Themen, über die noch nie jemand Bescheid wissen wollte und das wird auch die nächsten 100 Jahre so bleiben.

 

Ein wenig aus der Mode gekommen, nach wie vor aber total überflüssig, sind „Talk-Shows“. Dass bei den Darstellern (wir bringen die Wahrheit ans Licht: meist nur gecastete Schauspieler) nur gähnende Leere im Kopf herrscht, genauso wie bei den Leuten, die sich das anschauen, wissen wir alle. Die Hochphase der „Arabellas“, „Sonjas“ und „Bärbels“ dürfte erfolgreich überwunden sein, deswegen gleich weiter zu den „Gericht-Shows“ oder ähnlichem Schrott, die an die Stelle besagter Talk-Shows getreten sind. Hier gibt´s, kreativ wie man halt beim Fernsehen so ist, wieder einmal gecastete Leute, die auf´s Neue auf langweiligen Themen herumkauen. Vollkommener Schwachsinn, wer interessiert sich denn für die „Verurteilung“ des kleines Alex, der seinem Freund die Scheisse aus den Windeln klaute? Gähn. Gähn. Gähn.

 

Eine andere Ausgeburt der TV-Großkonzerne sind „Gewinn-Shows“, die dem Zuseher als „Wer wird Millionär“, „Glücksrad“, „Ruck Zuck“ oder dem „Familienduell“ (ist der Moderator nicht Alkoholiker und elendig verreckt?) rund um die Uhr serviert werden. So ein Blödsinn hat doch im Fernsehen nichts verloren, wer macht sich denn bitteschön für ein minimales Zusatztaschengeld vor laufender Kamera zum Deppen? Leider ziemlich viele, aber will ich dabei auch noch zu schauen? Wenn wenigstens die Gewinne ein wenig ausgefallener waren.

 

Statt einem Traumurlaub für die ganze Familie in Bulgarien (natürlich „alles inkl.“) hätten wir lieber z.B. das Erbe der Augustiner Brauerei, ein Zimmer im Unterwasser-Hotel auf Lebenszeit oder einfach mal ehrliche 60 Mio Euro als Siegprämie. Unter diesen Umständen würde ich vielleicht sogar auch mitmachen, aber wenn´s weiterhin nur um ein paar madige Euros geht oder besagte Scheiss-Reisen, die dem Sender eh nicht wehtun, weil die Werbepause mindestens das 10fache einbringt, nein danke.

 

Als eifriger TV-Konsument kann man ausserdem feststellen, dass spät nachts immer mehr Sender ein sog. „Quiz“ schalten, in dem großbrüstige Frauen extrem leichte Pipi-Fragen stellen: „Was ergibt 4 mal 4?“, „Welches Wort passt nicht in die Reihe: Salami, Gelbwurst, Ölfilterspinne oder Schinken?“ oder einfach der Klassiker „Nennen Sie uns die Unterschiede vom rechten zum linken Bild“. Auch dieses System ist schnell durchschaut: Anrufer bei 14 Euro/min möglichst lange in der Leitung halten und grundsätzlich nie jemanden antworten lassen, wie schlecht ist das denn bitte?

 

Mindestens genau so arm sind „Erotiksendungen“ („Peep!“, „Liebe/Sünde“). Die Berichte über die neuesten Sextrends (beim Sex Mozart hören, Pimmel in Schampus tauchen und ablecken lassen, Erdbeer- und Sahnespiele…gähn…) oder die witzigsten Sexspielzeuge (Kondome in Tele Tubbies Form, Liebeskugeln von Tchibo…) kann man sich doch getrost sparen. Die wahnsinnig ausgefallenen Sex- und Beziehungstipps (wenn’s nicht mehr klappt, dann unbedingt mal Sex im Aufzug probieren, oh Mann!) fallen ebenso in die Kategorie überflüssig. Wer sich beim Sex dumm anstellt, dem ist mit so einer Sendung auch nicht geholfen.

 

Dann mal lieber ab ins Kloster, abends heimlich unter der Bettdecke wixen und noch mal darüber nachdenken, wie es denn so weit mit einem kommen konnte! Eine Alternative wären die „Sexy Sport Clips“, die ab ca. 23:00 auf DSF laufen. Die billigen Ostmädels, die sich auf Tennisplätzen oder Autorennstrecken zwischen ferngesteuerten Autos ausziehen (um darüber zu schreiben, mussten wir uns das natürlich ein paar mal anschauen) sind leider alles andere als „sexy“ und mit „Sport“, hat das auch recht wenig zu tun…

 

Mittlerweile dürfte doch für fast jeden was dabei sein, und damit unsere Besserwisser auch nicht zu kurz kommen und in der Schulpause wieder mal uninteressante Scheisse ablassen können, wurden zum Glück „Wissenssendungen“ erfunden. In Formaten wie „Galileo“ oder „Welt der Wunder“ werden solche Deppen ziemlich gut bedient, der Inhalt eignet sich hervorragend zum blöd aufposen: „Wie kommt das Gemüse in die Dose?“ (Der Besuch bei Bonduelle in Thüringen), „Wie entsteht ein Erdbeben / eine Fata Morgana / ein Waldbrand?“ oder „Warum ist ein Chamäleon überhaupt ein Chamäleon?“ sind doch Themen, die niemanden auf der Welt interessieren (der Klassiker: Zombienerds zeigen im Telekolleg, wie man die Länge einer Hypothenuse berechnet – yeah!). Interessante Themen wären mit Sicherheit: „Wie kommt eigentlich die ganze Scheisse ins Fernsehen?“ oder „Hat der Moderator eigentlich schon mal gefickt?“, aber uns fragt ja keiner.

 

Im Fernsehen kann es eigentlich jeder Vollidiot zu etwas bringen, ein gutes Beispiel sind wieder mal unsere geliebten Promis. Ist ja egal, was man kann (in der Regel nix), aber Hauptsache eine Show wie den „Red Nose Day“ oder die „Afrika-Spendengala“ moderieren. Schon komisch, wenn ein Axel Schulz oder eine Verona Feldbusch durch die Sendung leiten, sich 100 mal versprechen und ständig in die falsche Kamera glotzen. Was soll das denn? Nerven diese Menschen nicht allein schon durch ihre pure Anwesendheit? Aber nein, da muss noch ein dünnes Sendungskonzept drum gesponnen werden, damit der dumme Konsument sich auch noch freut.

 

Ein gutes Beispiel ist Hugo Egon Balder, der andauernd irgendeine Chart-Show moderiert, das nächste Mal: „Die besten Hits für Tage an denen man Durchfall hat“ oder „Die grössten Hits, bei denen der zweite Buchstabe des Schlagzeugers ein K ist“. Mit dabei sind die üblichen Scheiss-selber-Sender-Promis, die für eine Mark als Studiogäste kommen und „voll die Party feiern“. Spezialisten hierfür sind: Oli. P, Axel Schulz (schon wieder), Otto, diverse Comedy-Deppen und so weiter. Spezialist für unqualifizierte Kommentare ist auch Roberto Blanco, der taucht doch überall grundlos auf und versucht Stimmung zu machen (z.B. bei der Eröffnung des neuen REWE in Milbertshofen oder in besagten Boulevard-Magazinen). Man könnte den doch mal vor laufender Kamera zusammenschlagen, weil „Ein bisschen Spaß muss sein“, oder nicht?

 

Zu guter Letzt noch ein paar Sendungen, bei denen uns einfach die Worte fehlen: „Frauentausch“, „Schnulleralarm“, „S.O.S. – die Heimwerkersendung“, „Herzblatt“, „Home Shopping Europe“, „Money Trend“, die „Simpsons“ (ja, wir finden die beschissen!), „Der Frauenknast“, „Alarm für Cobra 11“, „Nur die Liebe zählt“ oder einfach reisserische Tiersendungen aus dem Outback, bei denen die millionste supergiftige Würgemonsterschlange gezeigt wird (langweilig). Früher gab es mal eine österreichische Tiersendung, dort wurden sabbernde und verwahrloste Haustiere verschenkt, die natürlich nicht stubenrein sind – geht´s noch?

 

Über einen ganz großen Industriezweig, das Musikfernsehen, wollen wir erst gar nicht sprechen. MTV und VIVA sind stinklangweilig und in Wirklichkeit reines Werbefernsehen und wer schaut sich denn freiwillig Werbung an, wohl niemand, oder?

 

Ihr seht, Fernsehen ist leider echt für den Arsch! Also, seid gewarnt, auch wenn die Verlockung bisweilen gross ist, schaltet den Scheiss-Fernseher erst gar nicht ein. Lasst es, es bringt nichts!

 

In diesem Sinne: Grüße und „Turn off your TV and go skateboarding!“
Euer Shredder Mag

 

PS: Wusstet Ihr, dass man von zu viel fernsehen, viereckige Augen bekommt? Vorsicht, Vorsicht.

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Shredder Einlauf #8: Der ganz normale Wahnsinn des Lebens

Shredder Einlauf #8: Der ganz normale Wahnsinn des Lebens

 

shreddermag_shredder einlauf_logoAlso ob es nicht genug wäre, dass ich seit ein paar Tagen auf einem Ohr nichts höre und es pfeift wie ein Teekessel: gestern bin ich vorm Fernseher eingeschlafen. Heute wache ich auf. Unter den Fernseher und den Teekessel mischt sich ein neues Geräusch. Klingt wie unsere neue Klingel.

 

Ich mache auf. Der Gerichtsvollzieher. Er fuchtelt mit ein paar Unterlagen vor meiner Nase herum. Der Wind macht mich langsam wach. 508,16 Euro. Umsatzsteuer 3 Quartal 2004. Das erste, was ich sage ist „Ausweis“. Klar fährt er mich gerne zur Bank. Schön. Ich ziehe mir einen Pulli über und wir fahren also dahin. Ich setze mich zu ihm ins Auto und gebe ihm das Geld. „Leider kann ich sie nicht zurückfahren, ich bin nämlich schon beim nächsten“ aha, ich laufe also im Pulli zurück nach Hause. Es ist nicht gerade warm.

 

Briefkasten. 40 Euro Schwarzfahren. 300 Euro neue Zahnarztrechnung. Als ob die 1812,40 Euro von vor 2 Wochen nicht genug gewesen wäre. Also erst mal einen Kaffee und vor den PC. Immer dieser Teekessel auf dem linken Ohr. Ich mache 10 Minuten rum. Absturz. Nichts geht mehr. Der Rechner fährt nicht mehr richtig hoch. Ich mache einen ram-check. Aha. Ab dem 157 MB alles im Arsch. Ram ausgebaut. Fahrkarte gekauft. Das ist wichtig. Heute ist so ein Tag, da sollte ich auf keinen Fall schwarz fahren. Natürlich kontrolliert keiner.

 

Ich fahre in die Schillerstraße wo mein PC-Dealer ist. „Neueröffnung asiatische Spezialitäten“. Nach einigem Suchen finde ich einen anderen, der mir sdram für Laptops verkaufen würde, hätte ich nur meinen Laptop dabei. Sie verkaufen nämlich nicht mehr Laptop-ram ohne Tests. Aha.

 

Ich fahre also zurück ins Westend. Von weitem sehe ich schon eine Frau ungelenk auf mich zustolpern. Die Witterungsverhältnisse machen ihr sehr zu schaffen. Das wäre mir eigentlich recht egal, würde nicht ein 60 Kilo Pitbull an ihrer Leine ziehen. Jetzt ist es soweit. Wenn sie genau auf meiner Höhe ist, wird sie stolpern. Der Hund wird erschrecken und sich in meinem Bein verbeißen. Ist doch klar. Ich überlege kurz, ob ich ihm das linke, oder das rechte Bein hinstrecke. Das linke, weil das recht ist mein Standbein. Ich bin sehr verwundert, als alles gut geht.

 

15:30 Termin beim Ohrenarzt – 17:15 komme ich dann dran. Erst mal zum Hörtest. Das rechte Ohr ist 1A, die Kurve eine gerade Linie durch alle Frequenzbänder. Die Kurve des linken Ohres sieht ungefähr so aus wie der Aktienkurs von Borussia Dortmund. Aha, eine Entzündung. Normalerweise keine große Geschichte, bei mir allerdings ist der Fall anders gelagert. Die Entzündung drückt auf die Härchen. alles ist ganz akut. Er bläst mir erst mal in die Nase, während ich „Coca Cola“ schreien soll.

 

Danach 250 Milliliter Fusion. wenn’s morgen in der früh nicht besser ist, dann überweist er mich in die Klinik, um das Trommelfell aufschneiden zu lassen und die Entzündung abzusaugen. Kennt ihr das? du hörst Klinik und plötzlich ist alles gar nicht mehr so schlimm. Man fragt sich sogar, warum man mit so einer Lapalie überhaupt auf die Idee kommt, die Ärzte zu belästigen. Er hofft, dass die Härchen sich wieder aufrichten, normalerweise würden sie das. Es besteht aber das Risiko, dass der Ton für immer bleibt. er zeigt mir ein Bild mit gesunden Härchen und eines, das ungefähr so aussehen soll, wie meine. Ich muss lachen. Er versteht das nicht ganz, aber ich kann nicht anders.

 

Auf zur Schillerstraße zwecks dem Laptop. der Verkäufer von vorher ist natürlich nicht mehr da. Der neue Verkäufer baut 3 verschiedene Arbeitsspeicher in meinen Laptop ein. Keiner geht. der vierte geht dann und kostet 100 Euro. Nix 65. Das System fährt aber immer noch nicht ganz hoch. Ich zahle und gehe, weil ich keinen Bock mehr habe. Nach ein paar Harddisk-Checks bringe ich dann den Rechner doch noch auf Vordermann. das passt irgendwie gar nicht in den Tag. Was hat das zu bedeuten? Nach ein paar Minuten wird mir klar warum. Ich sollte heute noch feststellen, dass die Datei, an der ich nun seit einer Woche gearbeitet habe, nun kaputt ist.

 

Morgen ist ein anderer Tag. Da wird alles gut. Ich bin mir sicher.

Gossip

Shredder Einlauf #6: Weihnachten

Shredder Einlauf #6: Weihnachten

 

shreddermag_shredder einlauf_logoSo liebe Kinder,

 

passend zur „Stillen Zeit“, widmen wir uns dem Mythos des Christkindes. Ihr denkt wohl immer noch, dass dieses Wesen schneeweiße Nachthemden trägt, einen halben Meter über dem Boden von Kinderzimmer zu Kinderzimmer schwebt, nur um nebenbei einen großen Haufen Geschenke unter’m Weihnachtsbaum zu deponieren. Doch weit gefehlt, diese Version ist feinste christliche Propaganda und von der Wahrheit weit entfernt! Das Shredder Mag bringt wieder mal die ganze Wahrheit ans Tageslicht und zeigt Euch, wie’s wirklich abläuft an Weihnachten. Erfreut Euch nun an der original Weihnachtsgeschichte mit original Christkind:

 

Weihnachten 2004 in München/Giesing: Wir befinden uns in einer schimmligen Altbauwohnung in der Nähe des 60er Stadions. In den Ecken stapeln sich, umringt von Adelskrone Plastikflaschen, diverse Pizzakartons mit der Aufschrift „Mexiko“, prall gefüllte Bio-Müllbeutel und hoffnungslos überfüllte Aschenbecher. Die verrauchte Luft, die unmotiviert blinkende Lichterkette am Fenster und die vergilbte Dartscheibe vermitteln ein authentisches Stüberl-Flair, wie´s im „Sowieso“ oder in „Berta´s Steheck“ nicht besser sein könnte.

 

Durch die schlecht schliessenden und immer geschlossenen Jalousien kämpfen sich vereinzelte Sonnenstrahlen, wir folgen ihnen ins Schlafzimmer, in dem wir eine unansehnliche Person, bekleidet mit an der Seite schnürbarer Lederhose und mit nacktem Oberkörper in Segmüllers „Young Living“ Bettenparadies erkennen können. Wie ein Zitteraal beim Balzverhalten krallt es sich in die ockerfarbene Bettwäsche „Wyoming“ und stößt in regelmäßigen Abständen einen gequälten Seufzer aus, gefolgt von unscheinbar leisen Fürzen, die, wie jeder weiß, atomar stinken.

 

Aus der eindeutigen Zusammensetzung dieses Duftes kann man schnell schließen: da war gestern wohl Bier im Spiel: Prost! Das schmerzverzerrte Gesicht und die dunkelbraunen Cowboy-Stiefel, die immer noch an den Füssen weilen, weisen ebenfalls auf einen Rausch hin, der erstmal ausgeschlafen werden muss. Leider aber wird die scheinbare Ruhe plötzlich jäh durch ein Handy mittels Yamba!-Rattensound aus dem zerknüllten Seidenblouson unterm Schreibtisch verdrängt: „Ratttttt, Rattttt, Rattttt!“, doch keine Regung ist zu vernehmen. Dank der fabelhaften Einstellung „Ansteigender Rufton“ im Samsung „Schwuletto“ erreicht der Lärmpegel binnen kürzester Zeit die Durchschlagskraft eines mittelgroßen Manowar-Konzertes und unser Bierfreund öffnet langsam ein Auge: starre Junkie-Pupillen vermitteln der Eindruck, er habe die Situation nicht wirklich verstanden. Nach regungslosen 5 Minuten scheint die Murmel im Hirn endlich ins Loch gefallen zu sein und unser Held wankt mit unsicheren, Flamingo-artigen Schritten in Richtung des kreischenden Taschentelefons. „Jaaahhhh… haallo?“, scheppert es aus seinem Reval-filterlos-geshredderten Rachen. „Klick…“. „Aufgelegt…verdammt.“ Die verbleibende Nummer auf dem Display signalisierte ihm den verpassten Anruf seines Vaters: Josef. „Was will denn der Alte schon wieder?“, grübelte er. Doch dann fiel es ihm wie Schuppen von den Augen „Heute ist Weihnachten, verdammt!“ Jedes Jahr das gleiche Spiel: das ganze Jahr über gibt es nichts zu tun und dann, an dem einen mickrigen Tag, wo es drauf ankommt, liegt das Christkind mit einem Mordskater im Bett…

 

So langsam kam ihm wieder die Erinnerung. Zehn oder elf Jahre muss es her sein. Er saß damals in „Benno’s gemütlichen Eck“ und trank das siebte Herrengedeck, als sein bis dato nicht besonders glamouröses Leben eine überraschende Wendung nahm. Seit 5 Jahren war er arbeitslos (seinen Job als Maschinenschlosser verlor er, weil er einem Kollegen während der Arbeit im Rausch eine Hydraulikfräse auf den Fuß fallen lies und diesen zerquetschte). Sein Alltag bestand seit dem weitgehend aus Stüberlbesuchen, wo er das karge Arbeitslosengeld in alkoholische Getränke investierte. An diesem einen Abend – es kam gerade „Wind of Change“, sein Lieblingslied von den Scorpions – setzte sich ein grauhaariger Penner neben ihm, der sich ihm als Gott vorstellte und unterbreitete ihm ein Angebot, das abzuschlagen, ihm schwer fiel: 236,40 EUR (natürlich schwarz) sollte er monatlich erhalten und das einzige was er dafür tun musste, war einmal im Jahr (an Weihnachten nämlich) die Geschenke verteilen und ab und an Petrus zum Einschlafen eine Geschichte vorlesen. 236,40 EUR – das waren in seinem Stamm-Stüberl 98,5 Weißbier, 103,4 Boonekamp oder 60 Toast „Hawaii“! Er nahm an.

 

Als er bereits beim ersten Weihnachten merkte, daß der Job doch nicht so einfach war, und ihn darauf sofort hinschmeißen wollte (wie er das schon immer bei der ersten kleinen Schwierigkeit zu tun gewöhnt war), machte er die unerquickliche Bekanntschaft mit der göttlichen Rechtsabteilung, die ihm einen Vertrag auf Lebenszeit unter die Augen hielt, den er scheinbar im Suff unterschrieben hatte, und ihn daraufhin- nur um zu unterstreichen, dass man es ernst meinte – herzhaft zusammenschlug. Seitdem war es jedes Jahr die selbe Tragödie, denn er war von nun an das Christkind und trug die alleinige Verantwortung für die Auslieferung der Geschenke.

 

Doch nun weiter mit der Geschichte: Unser Christkind setzt sich mit seinem unsicheren Flamingo-Restalkohol-Gang in Richtung Klo in Bewegung, kommt aber bereits nach 2 Metern wieder zum stehen, weil er sich mit dem Fuss in einem Kleiderberg verheddert hat und fast auf’s Maul fällt. Sein Blick hingegen fällt in den Flur und damit auf die große eBay-Geschenkelieferung von vor 2 Wochen, die heute zu verteilen ist. Massenhaft Playstations, „Pelle Pelle“-Stirnbänder, Handyzubehör, DVDs, Drogen und WWF-Kalender stapeln sich dort. Im Kofferraum seines VW Scirocco warten weitere Kartons und die Rückbank ist ebenfalls vollgestopft. Ein „Scheisse“ entfährt ihm und ihm dämmert langsam, wie es auch dieses Jahr dazu gekommen war, dass er wieder alle Arbeit auf die letzte Sekunde schieben muss. Alles fing gestern ganz harmlos im „Prellbock“ an…

 

Er wollte sich eigentlich nur „auf ein Bier“ (ja ja…) mit seinem Grundschulfreund Recht Knuprecht treffen, doch daraus wurde nichts und aus einem Bier wurden 5, die Schnäpse nicht mitgerechnet. Leicht angetrunken und ohne große Widerrede setzte Recht seine Idee, noch spontan auf´s „Gerethereth“-Konzert (eine Epic-Metal-Band aus der Nähe von Rosenheim) in die Elser-Halle zu gehen, durch. Gesagt getan. Die S-Bahn-Haltestelle Ostbahnhof stellte den Wendepunkt in der Geschichte des Abends dar, denn das Christkind, nennen wir es der Einfachheit halber mal „Chris“, ist dank Zwischenbier im „Karacho“, einer Flasche Weg-Apfelkorn und gutem Fasanengarten-Home-Grown nicht mehr richtig aufnahmefähig. Das Erinnerungsvermögen ist ab diesem Zeitpunkt höchst angeschlagen und existiert nur noch als allseits bekannte „Diashow“ im Kopf. So ähnlich könnte der restliche Abend verlaufen sein: Eintritt 14 Euro. Bier. Vorband beschissen, nochmal Bier. Hauptband, einfach nur genial! Deswegen Bier. Extrem-Rotorbangen. Schwindlig. Bier. Konzert aus. Tankstelle. Ramazotti! Bier. Carazza. Heimweg. Nachtbus vollkotzen. Aus.

 

Doch damit nicht genug, beim Rotorbangen muss wohl die Halskette, an der sein Autoschlüssel hing, gerissen sein, denn auf seiner spärlich behaarten Hühnerbrust verbreitete sich gähnende Leere. Eine gekonnt rasante Handbewegung unter sein ärmelloses Poison-Longsleeve bestätigt seine Vermutung: der Schlüssel ist weg! Jetzt muss sofort ein Masterplan her, sonst gehen, so wie´s letztes Jahr beinahe passierte, die Hälfte aller Kinder an Weihnachten leer aus und erneuter Besuch der göttlichen Rechtsabteilung (beim letzten Mal konnte er erst nach 12 Tagen wieder ohne Schmerzen sitzen) steht ins Haus.

 

In dieser Situation scheint die letzte Rettung Hr. Habermann, der Kunstpark-Hausmeister, zu sein, den er noch vom Zivildienst im Babylon kannte. So manches verloren gegangene Accessoire vom Vorabend tauchte wie von Geisterhand in seiner Schlamperkiste wieder auf und sorgte für große Erleichterung bei zahlreichen im-Rausch-Sachen-Verlierern. Da rennt er auch schon los, der Chris. An diesem Punkt spulen wir in der Geschichte vor und blenden an folgendem Punkt wieder ein: nach illegalem Einsteigen in die Schlamperkisten-Area und erfolgreichem Schlüsselfund (dank blinkendem Nazareth-Logo an der Halskette) stolpert unser Heiliger über schlecht positioniertes Altglas und ruft damit Wachhund Agnes auf den Plan. Die von Hormonen überschäumende Hackfleisch-Bulldogge lässt sich dieses Schnäppchen natürlich nicht entgehen und verwandelt mit gezieltem Biss Chris‘ Slayer-Waden-Tattoo in den aktuellen Linienplan der 27er Tram. Blutüberströmt und mit keifendem Köter am Beim, entfernt er sich zügig aus dem Kunstpark, in Richtung Harlachinger Krankenhaus.
Unterwegs kann er den Hund per Grundsatzdiskussion davon überzeugen, loszulassen, denn als Christkind „hat man ja ’nen Job zu machen“. Falls das jetzt dem einen oder anderen Leser seltsam vorkommen sollte, nicht wundern, unser Protagonist beherrscht die Hundesprache perfekt. Im Harlachinger Krankenhaus angekommen, wird Chris´ Krankenversicherungs-Karte der „12 Apostel“ erst belächelt, schließlich doch akzeptiert und so geht es einen Steinwurf von der Notaufnahme entfernt, direkt auf den OP-Tisch. OP-Schwester S druckst erst ein bisschen herum, bis sie die Schreckensnachricht über ihre Lippen bringt: „Dein Tattoo können wir höchstens nur noch in Form von Sylt wieder zusammenflicken… viel schlimmer ist aber, dass die Valium-Junkies von Station 3c den Narkose-Schrank geplündert haben… Da es sich hier aber um einen Notfall handelt, bieten wir, auch für Kassenpatienten, kostenlos die „Delirium by Jägermeister“-Methode an.“ In dieser Disziplin ist er ja gut, der Chris. Bereitwillig setzt er besagte Flasche an, den Rest könnt Ihr Euch denken. 3 Promille und 1 Operation später steht Chris benebelt auf der Strasse.

 

Jetzt aber schnell zum VW Scirocco und die Geschenke verteilen! Doch soweit kommt´s nicht: Beim nächsten Dönerstand gibt´s auf diese OP erstmal das Tagesmenü (incl. 0,3l Uludag), welches in drei Bissen vernichtet wird, dem übrig gebliebenen Narkose-Rausch aber in keinster Weise entgegenwirkt: Der abschließende Jägermeister-injected Rülps schwängert die Luft mit dem Promillewert, den wahrscheinlich nicht einmal die gesamte F.C. Bayern-Südkurve an Sylvester um Punkt 12 zusammenbringt…

 

Am Auto angekommen legt Chris erst das Alice Cooper Tape, dann der Rückwärtsgang ein. Falsche Reihenfolge! Denn laute Musik + Rückwärtsgang + besoffen = grober Unfug. Und da haben wir auch schon den Salat: mit gehörig Schmackes bumst er amateurhaft dem hinter ihm geparktem Ford Ka in die Front. Zum Glück fährt just in dem Moment ein voll beladenes bayrisches Six Pack vorbei, welches ohne mit der Wimper zu zucken den Blinker setzt und neben dem Haufen Blech anhält. Ein kleiner schnauzbärtiger Beamter lehnt exakt 5 sec. später, samt dauergewellten Plastik-Blondine, an seinem Fenster.

 

„Den Führerschein ham´s wohl im Lotto gewonnen, oder? Haha! Steingen´s bittschön aus und zeigen´s mir ihre Papiere.“ schallt es aus dem Gesetzesrachen. „Auch das noch…“ brummt Chris in sich hinein. Um der bevorstehenden Misäre zu entkommen, hilft nur noch ein verbaler Frontalangriff, der (so denkt Chris) völlig überzeugend rüberkommt: „Also jetzt erstmal halblang! Ich bin immerhin das Christkind und was fällt ihnen eigentlich…“. „Blasen! Und zwar sofort! Bei der Fahne… schämen sie sich nicht?“ kontert das Schnauzergesicht. Kleinlaut nimmt Chris dem Blasebalg entgegen. An dieser Stelle zahlt sich wieder mal die langjährige Erfahrung im „betrunken nach Hause fahren und blasen“ aus, denn die Mischung aus dem noch schnell in den Mund geschobenen Fishermans Friend, einem Atom-Rülps und (generell) starken Döner-Mundgeruch lassen den Wert auf göttliche 0,38 Promille sacken. Verdutzt, nein, dass ist das falsche Wort, saublöd schauen sich die Gesetzeshüter an und zucken mit den Schultern. „Nun gut.. äh… des passt scho. Aber des nächste Mal sind’s dran.“

 

Daraufhin gibt Frollein Blond auch noch ihren Senf zum Besten: „Was haben sie eigentlich vorhin mit Christkind g’moant? Wissen´s, mein Sohn, der Gernot, wünscht sich doch schon seit langem die Chris De Burgh „Innocent Dreams“-Fanbox und da wollt ich fragen ob sie nicht vielleicht billiger…“. AAHHHHHHH! Ersparen wir uns diese Schmach. Nach aufgenommenen Personalien und ausgefülltem, 12-seitigem Unfallsprotokoll, setzt Chris, leicht lediert, seine Reise fort. Daheim angekommen entwirft er den Routenplan: die gesamte Innenstadt, plus Wolfratshausen, Dachau, Germering, Markt Schwaben und Oberschleissheim stehen auf dem Plan. „Das sollte in 5 Stunden zu schaffen sein.“ Zur Unterstützung wird der mittlerweile aus dem Koma erwachte Recht Knuprecht, der langjährig als UPS-Fahrer tätig war, engagiert. Dank ihm und Kenwood-Navi, entwickelt sich diese Geschenkeauslieferung doch noch zum Besten. In guter alter „Paper-Boy“ Manier wird einfach an den entsprechenden Häusern vorbeigefahren und die Geschenke im hohen Bogen aus dem Fenster hinaus katapultiert. Man glaubt es kaum, am Ende sind alle Geschenke ausgeliefert und Chris lässt sich, nach dem er seinen Gehilfen im „Zum Zum“ abliefert, zufrieden auf seine Couch fallen. „So ein Scheisstag… nur Deppen unterwegs.“ Doch zu früh gefreut: der anfangs erwähnte, grauhaarige Penner, steht mit zornigem Gesicht in der Tür.

 

Verwundert stammelt Chris: „Äh… hi.“ Daraufhin legt er sein Sonntagsgrinsen auf, faltet er seine Hände zu zwei Pistolen, „schiesst“ in die Luft und versucht die angespannte Stimmung durch folgende Sprüche zu lockern : „Na, alles cool am Swimmingpool? Äh… alles Roger im Kambodscha? Alles lässig in Jurassic…“ Wer hättes es gedacht, der Watschenbaum fällt um und Gott schleift Chris mit blutiger Nase zu seinem VW Scirocco. Jetzt fällt ihm dieses seltsame Etwas, dass unschuldig unter dem Beifahrersitz hervorblitzt, auf. Wir wissen alle, was das heisst: Mission fehlgeschlagen! Bei näherer Betrachtung entpuppt sich das komische Ding als die liebevoll, in Plastikfolie eingepackte, Chris De Burgh „Innocent Dreams“-Fanbox. Oh jeh, die göttliche Rechtsabteilung wartet…

 

Und während wir aus der Ferne noch vereinzelte Schreie vernehmen können, verabschiedet sich das Shredder Mag an dieser Stelle und wünscht allen, wenn auch einige Tage verspätet: Frohe Weihnachten!

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