Parkway Drive, Architects, Thy Art Is Murder (Zenith, 23.01.16)
Ins Zenith komme ich nicht so oft, und das, obwohl Freimann eigentlich schon ziemlich geil ist. In diesem Fall hatten Parkway Drive geladen, die sich über die Jahre zu einer Riesenband gemausert haben, die mal eben locker 5.000er Hallen vollmacht. Das Publikum war auf unterhaltsamste Weise gemischt (von Wikinger-Metalern bis zum Turnbeutel-Hipster mit Vollbart alles da), die Tattoo-Quote hoch, nur Strech-Ohringe scheinen nicht mehr ganz so zu boomen (allein unser Verdienst!). Losgelegt haben Thy Art Is Murder, mit neuem Sänger und auf hohem Niveau. Die haben schön stumpf die Hölle heraufbeschworen, ausgezeichnet! Als nächstes kamen die Architects aus UK. Die sind bisher komplett an mir vorbeigegangen und ich weiss jetzt auch warum: Solides Metalcore-Handwerk, aber leider ohne Raffinesse. Egal, die Stimmung war gut und wurde durch die Musik in der Umbaupause (Toto, Foreigner, Journey, Bosten, Queen, etc.) soweit aufgeheizt, dass ich sogar Zeuge von 2 Polonaisen werden durfte (in meiner Erinnerung hatten alle Tänzer ein Wacken-Shirt an, aber vielleicht täusche ich mich da auch). Dann kamen endlich Parkway Drive und haben eine Profi-Mega-Rockshow mit Pyrotechnik und allem Drum-und-Dran hingelegt, wofür sie ordentlich abgefeiert wurden. Die Jungs haben sich wirklich von kleinen Hallen (remember: Vorgruppe von Shai Hulud vor 50 Leuten im Feierwerk) auf die großen Stages hochgespielt. Wohlverdient, es sei ihnen gegönnt, aber so ganz mein Ding war es diesmal nicht, bei Mitklatschen fremdl ich immer ein bisschen. Für alle Germanistik-Studentinnen unter unseren Lesern – und das sind bestimmt einige – sei mir daher ein Zitat von David Forster Wallace gegönnt: „Schrecklich amüsant, aber in Zukunft ohne mich“.
(c) Martin Liebl
Diss des Monats – Arschloch-Streichler
Der Diss des Monats geht heute an den wohl seltsamsten Einbrecher der Welt. Dieser junge Mann ist nicht etwa hinter iPhones, Gucci-Taschen oder edlem Silberbesteck her. Nein. Er bricht nur aus einem einzigen Grund ein: er möchte den Arsch der jeweiligen Hausbesitzer streicheln. Dann macht er sich wieder aus dem Staub. Tsts.
(via TZM Leak)
Red City Radio – s/t (Gunner)
Red City Radio, die kleine Midtempo-Schwester von Hot Water Music ist wirklich eine ganz sympathische: sie kratzt und beißt nicht und sie zieht nicht an den Haaren. Statt dessen kuschelt sich der aus den Jahren gekommene Teenager am Lagerfeuer an deine Schulter und krault dir den Vollbart. Dazu gibt es gebratene Marshmallows am Stock, umwoben von tollen Melodien und einer mächtig emotionalen Stimme. Der perfekte Stoff für einen aufregenden Ausflug auf’s Land, incl. Sonnenuntergang. (Empfehlung der Redaktion: nehmt dieses Auto.)
Scheißtattoo-Report – Teil 2
Liebe Kinder, wie schon vor über 10 Jahren gilt auch heute noch: Überlegt Euch gut, was Ihr Euch tattoowieren lasst, wie falsch man liegen kann, wenn man sich ein Motiv ausdenkt, zeigt leider oft erst die Zeit. Bei folgenden Tattoos war aber schon im Moment des ersten Nadelstichs klar: Scheissidee!
Teenage Bottlerocket mit neuem Drummer
Gute Nachrichten aus Wyoming: Es geht weiter! Nachdem Drummer und Gründungsmitglied Brandon Carlisle letztes Jahr überraschend verstarb war es unklar ob sich die Band gleich mit in die ewigen Jagdgründe verabschiedet. Aber dann kam alles anders, denn mit Darren Chewka wurde wohl auf die Schnelle adäquater Ersatz gefunden – das offizielle Statement der Band gibt es auf ihrer Website. Daumen hoch!
Moro Moro Land – Through (via Bandcamp)

Ich muss zugeben, ich habe von der russischen Hardcore-Szene keine Ahnung. Umso erfreuter war ich, als ich über dieses Juwel gestolpert bin: Moro Moro Land aus Nizhny Novgorod, 400 km östlich von Moskau an der Wolga gelegen, geben mit ihrem zweiten Minialbum ein erfreuliches Lebenszeichen ab. Eine äußerst gelungene Mischung aus Hardcore und Crust mit ordentlich Black Metal Gitarren und Drumming teils englisch, teils russisch gesungen (was die ganze Angelegenheit für westlich Ohren noch eine gute Portion rauer macht). Man merkt, hier gibt es genug Wut über die politische Situation, die einen Kanal sucht. Abgerundet wird das Ganze von einem schönen Cover von Nirvana’s „Something in the way“. Empfehlung!
Mel T. Eyes – Releaf (Acuity)

Heilbronn war uns ja bisher eher für seinen Blauen Trollinger und Robert Mayer’s „Ersten Hauptsatz der Thermodynamik“ bekannt. Mel T. Eyes fügen neben einem Bandnamen, der mit den Spice Girls nichts zu tun hat, eine neue interessante Facette hinzu: Höchst amtlichen melodischen Hardcore mit einer Produktion in Dolby-10000-Megasound Auflösung. Hut ab! Gerade die vielen Downtempo-Parts haben eine Wahnsinns-Dynamik, da kommt echt Freue auf. Unbedingt auschecken!
Hollow Sons – Famine and Thirst (Let It Burn)
Die Hollow Sons sind ein Projekt von verdienten HC-Recken, die wir aus verschiedenen Bands, wie z.b. The Blackout Argument, kennen und die sich munter über Deutschland und Italien verteilen. Mit Famine & Thirst haben die Burschen dann auch gleichmal ihr gesammlte Erfahrung in einen Topf gehauen und einen richtigen Knaller abgeliefert. Straight und ohne jeden Kitsch wird einem hier 17 Lieder lang ein Statement vor die Füsse geklatscht, das neben rauchenden Trümmern eigentlich nur noch ein Grinsen im Gesicht hinterlässt. Auch wenn die Herren sich als Erben von Bands wie Cro-Mags und Blacklisted sehen, klingt das Album für mich angenehm europäisch (mir fallen Raised Fist und Rise&Fall ein) und hechelt nicht irgendwelchen US-Idolen her. Bleibt nur zu hoffen, dass sich hier nicht auf den Lorbeeren ausgeruht wird und aus dem Projekt eine feste Band wird, die schnell Tour und mehr Stoff nachlegt!
World Be Free – Shake the Ghost
Die neue Hardcore-„Supergroup“ mit Mitgliedern von Terror, Judge, Gorrila Biscuits, Strife und Envy. Das Demo könnt ihr euch hier als Kassette vorbestellen. Old-School.
The Offspring und das große Business
Sieh an, sieh an: Laut Billboard.com haben die Herren von The Offspring die Rechte an ihren Aufnahmen für schlappe 35 Millionen US-Dollar an Round Hill Music verhökert. Pretty fly for a white guy, findet ihr nicht auch?

Das lustige daran ist: die Rechte der Songs aus der Epitaph-Zeit bleiben bei Epitaph, also die Alben „Smash“ und „Ignition“. Sehe ich das falsch, oder hat Round Hill Music nur den Schrott gekauft?
Gedenkfeier für Lemmy

An alle Motörhead-Fans:
Nach Lemmys Begräbnis heute Nacht könnt ihr alle noch einmal gemeinsam und virtuell auf ihn anprosten. In seiner Lieblingsbar „The Rainbow“ am West Hollywood Sunset Strip wird eine Gedenkfeier stattfinden, die auf dem Motörhead YouTube-Kanal im Livestream übertragen wird. Hier das Statement der Band dazu:
„Family and close friends will observe a service at Forest Lawn Memorial Cemetery, Hollywood, commencing at 3pm PST and ending at 4.30pm. With such limited space available on-site, we respectfully ask that you don’t attend the cemetery… but we want you ALL to be a part of this, so we are setting up a live feed of the service via the internet on Motörhead’s official You Tube channel. So wherever you are, PLEASE get together and watch the service with fellow Motörheadbangers and friends. GO to your favorite bar, or your favorite club, make sure they have access to an internet connection and toast along with us.“
In Deutschland wird die Gedenkfeier zwischen 2 und 6 Uhr morgens zu sehen sein, also Wecker stellen, Kutte anziehen und in Ruhe ein Fläschchen Schnaps aufmachen. RIP Lemmy.
im Paparazzi-Modus
2016 startet mit „verrücktem“ Gossip: Fat Mike heiratet seine Bondage-SM-Erotik-Maus Soma Snakeoil top secret in Las Vegas. Natürlich im roten Latex-Brautkleid. Also er, der fette Michel, nicht sie. Das war’s auch schon. Mehr Infos hier.

(via Instagram)
Abteilung Bettwaren
Weihnachten ist vorbei und wieder gab’s nur eine neue Blockflöte, ein schickes neues Sweatshirt von S.Oliver und „Darm mit Charme“ von Jean Pütz. Schnell alles rein in den Mistkübel und mit den 50 € von Opa Adi was Anständiges kaufen, z.B. dieses abgehackter Pferdekopf-Kissen. Da hat auch der Partner was von, super!

Silvesterparty
Während ihr bereits Massen an Gammelfleisch-Fondue verschlungen habt und euch halbnackt in Aperol Spritz-Orgien in den Armen liegt, sitzen wir besinnlich und unaufgeregt in der Shredder-Zentrale, gießen etwas Blei und arbeiten an der neuen Ausgabe. Frohes Neues!

Adventskalender-24-The Clash-London Calling

The Clash – London Calling
Epic, 1979
Vergesst die Sex Pistols, hier kommt das UK-Punkrock-Überalbum! Warum? Weil The Clash hier eine Vielfalt an Musikstilen und Ideen in 19 Lieder quetschen, die sich weit über alle Schubladen erhebt, und dabei sowohl revolutonär und tanzbar sind. Joe Strummer R.I.P.!
Hit: Hateful
Baroness – Purple (Abraxan Hymns)
Eine bunte Mischung aus klassischem Hard Rock, Sludge und Prog verarbeiten die frisch durch Tourbus-Unfall traumatisierten und in neuer Formation wiederauferstandenen Baroness zu einer höchst ansprechenden Platte. Auf Purple sind die Herren nicht wirklich hart, eher detailverliebt vertrackt, die Stimmung hymnisch. Manchmal sogar Jazz-angehaucht, aber ohne zu verkopft zu wirken, und dann noch klassische Rock-Zitate ohne jede Peinlichkeit. Was soll man sagen, da ist einiges los, am besten hört Ihr’s Euch selbst an…
Adventskalender-23-Rancid-… And Out Come the Wolves

Rancid – … And Out Come the Wolves
Epitaph, 1995

Rancid spielen sich mit diesem Album ein für allemal, in die Punkrock-Champions League. Das Geheimrezept: Die Mischung macht’s. Durch die ab und zu eingestreuten Ska-Elemente und eher tanzbaren Nummern bekommt man hier ein bombiges Paket an Hits, das eigentlich nie langweilig wird.
Hit: Ruby Soho
Adventskalender-22-Social Distortion-White Heat White Light White Trash
Social Distortion – White Heat White Light White Trash Epic, 1996

Die Messlatte für Rock’n’Roll-lastigen Punkrock. Mike Ness und seine Mannen bieten einen Sog aus Gitarren, Singalongs und erschütternd ehrlichen Erkenntnissen aus einer Welt, in der auch Outcasts einen Platz suchen.
Hit: I Was Wrong













