Wer kann sich noch an die Gadjits erinnern? Bitte Hand hoch. Die haben vor ein paar Jahren eines meiner all-time-favourite Ska-Alben auf Hellcat Records veröffentlicht, um dann irgendwie unbemerkt in der Versenkung zu verschwinden. Jahre später läuft das Album “Revenge” der Architects bei mir rauf und runter. Klassischer Punkrock mit einer ordentlichen Ladung Blues in den Venen, astreine Sing-alongs und ordentlich mitreissend, ein super Album, von Anfang bis Ende gut. Das sind die Gadjits! Die selben Leute, mit neuem Namen und neuer Musik, nur der Arschtritt-Faktor ist gleich geblieben und gewaltig hoch. Die spinnen doch! Können doch nicht einfach Namen und Musikstil wechseln und ungebremst weiterrocken! Moment. Warum eigentlich nicht? Wir haben den Frontmann befragt:
S: Please introduce yourself! What’s your mission? B: My name is Brandon Phillips…I play guitar and sing in the Architects. My mission is to inspire sub-gentlemanly behavior in the male members of the crowd and lust in the females. :) My mission is also to make a punk/rock record that even I, myself would buy.
S: Most of you played at The Gadjits. Did you get bored of playing ska? B: Maybe a little of it was boredom…mostly it was excitement about the new things we were learning about and incorporating into the band. I don’t know if the „last“ gadjits album is available in Germany, but it was a straight up rock & soul record. No ska at all. Now that we are all Architects full-time, and the Gadjits are a distant memory, we have a side project where we all play nothing but old skatalites and toots covers. We still love ska, always did…just had to make a seperate band for it.
S: How’s it going with the new band? Very there big changes concerning the audience? B: Some people got mad at us about the new band…fuck them. Mostly people have been really great. We are still really wild on stage so people don’t know what to think sometimes. :)
S: You recorded your great album „Revenge“ very fast this happen by chance or is this part of your concept? B: All part of the plan. We wanted the album to sound very live.
S: What do you think are your biggest influences? B: The Who and AC/DC are huge with us…also, Stiff Little Fingers…were all still big Rancid fans and I’m sure that they have rubbed off on us a little.
S: Are you already planning to record a new album? B: Yeah…we are writing it right now. We are a little more than halfway done with the writing. Songs are better this time around…more to sing along with.
S: One last „good advice“ for our readers, please! B: Never ever tell the cops where the drugs are.
Hach – das waren noch Zeiten, als wir unser komplettes Taschengeld in die Copy-Oase gesteckt haben: die Shredder Mags wurden vom Latzhosen-tragenden Hippie-Inhaber höchstpersönlich und einzeln von Hand kopiert, brühwarm aus dem Canon NP 6137 gezogen und anschliessend mit einem Küsschen veredelt. Ja ja, 1000 Stück pro Ausgabe waren da schon eine kleine Herausforderung für R. Schmelcher (Namen geändert). Heute, im digitalen Zeitalter, läuft das natürlich anders: unsere Praktikanten twittern und posten live von Konzerten, Reviews lassen wir direkt von Spotify schreiben und generell ist alles besser. Wer sich den alten Kram dennoch anschauen möchte klickt auf die jeweilige Ausgabe. Love and Peace, Eure Shredders.
AFI – Decemberunderground
Band knüpft mit diesem Album nahtlos an „Sing The Sorrow“ an, wobei dieses Mal noch auffälliger in Richtung Mainstream geschielt, um nicht zu sagen geglotzt, wird. Vermehrt eingesetzte Pop- und 80’er Jahre-Synthie-Elemente sorgen für Massentauglichkeit und sogar The Cure oder Depeche Mode Fans werden bei diesen Hymnen auf ihre Kosten kommen. Sänger Davey Havok garantiert zwar wie immer für Gänsehaut, dieses Album wird aber ziemlich sicher den einen oder anderen „alten“ Fan vergraulen…
Versus The Mirror – Home (Equal Vision) Wie entspannend bei dem ganzen langweiligen Screamo-Kram, wenn ein paar junge Burschen die Schminke einfach mal in Muttis Kulturbeutel ruhen lassen und der Sänger einfach mal nur brüllt und nicht singt – obwohl man musikalisch schon in der Ecke „Hardcore mit Gefühl“ zu Hause ist. Durchgehend hohe Qualität, gut in Szene gesetzt, auch wenn der Superhit noch fehlt. Aber kommt bestimmt bald!
Backyard Babies – People Like Us… (EMI) Retro at it’s best! Nach dem Burner „Total 13“ und zwei faden Alben melden sich die Schweden-Rocker zurück und werden endlich wieder meinen hohen Ansprüchen gerecht. Dabei räubern sie sich durch die gesamte Stadienrock-Geschichte von KISS bis Bon Jovi, aber nie ohne den mittlerweile wirklich gefestigten Backyard Babies-Sound und ohne zu langweilen. Ein schönes Album!
Red Can Festival 06 – Compilation (Red Can) Die liebevoll und äußerst aufwendig gestaltete 7″-EP mit 4-farb. Siebdruckcover, geprägter Hülle und Einleger, repräsentiert anlässlich des Festivals 2006 (leider schon vorbei) einen übersichtlichen und informativen Querschnitt des münchner Labels. Jeweils ein unveröffentlicher Track der lokalen Bands Purren, Mitote, The Nine und The Subrosa Falcon Association rockt sich durch gitarrenlastigen, teilweise eckigen Post-Punk und macht Appetit auf mehr. Weiter so, mehr Infos auf: www.red-can.com
The Blackout Argument – Munich Angst (Engineer) Diese Jungs wollen nach ganz oben und mit dieser 5 Track EP wäre der Grundstein dafür definitiv gelegt! Beim sensationellen Artwork angefangen, über die saubere Produktion bis hin zur Musik, überzeugen die Jungs hier in vollem Maße. Wie ein roter Faden zieht sich hier der eiserne Wille, etwas mit der Band zu bewegen und daran zu glauben, durch. Musikalisch bewegt man sich im klassischen Ping-Pong zwischen krachendem Hardcore und süßen Melodien: Druckvolle Moshparts, geschrieene Vocals und treibende Gitarren blasen dich einfach um, während dich der glasklare Gesang im Refrain auffängt und die Sonne und das Herz aufgehen lässt. Dieses Prinzip geht vor allem dank der fabelhaften gesanglichen Leistung auf und stellt für mich das Markenzeichen von BOA dar. Sie schaffen es, brutal Emo, ohne Emo zu sein und wer kann das schon von sich behaupten?
No God Innocent – On Bleeding Knees (DIY) Wann gab’s denn den letzten Satz heiße Ohren? Naja, musikalisch gesehen meine ich. Wer es nicht mehr weiß, soll sich diese 12 Münchner Knüppeltracks anhören und mir danach sagen, ob der Watschenbaum umgefallen ist, oder nicht! Hier wird geradeaus in die metallische Hardcore-Kerbe gehauen – zweistimmige Gitarren, Double-Bass-Attacken und heiseres Gebrüll sorgen für derbes Entertainment im heimischen Wohnzimmer! Die Titelnamen „Count Your Days“, „Fire Of Resistance“ oder „On Bleeding Knees“ lassen wenig Interpretationsspielraum und geben die düstere, kritische Marschrichtung der Band vor. So weit ich weiß, haben die 5 Jungs das Album im eigenen Studio aufgenommen, selber produziert und so ganz ohne Plattenfirma, im klassischen DIY-Style, veröffentlicht. Respekt, davon sollten sich diverse Leute dringendst eine Scheibe abschneiden!
New York Dolls – One Day It Will Please Us To Remember Even This (Roadrunner) Also, schauen wir uns mal die Fakten an: Die New York Dolls hatten als Prä-Punk-, Glam-Rock-Aushängeschild in den frühen Siebzigern ein paar sehr kredible Alben. Dann gab’s ein paar Umbesetzungen und eine ordentliche Ladung Heroin (Johnny Thunders R.I.P.) und bald war garnix mehr zu hören. Fast 30 Jahre lang – und jetzt wird’s gruselig – bis es 2004 eine Reunion mit den Resten der Band gab, die nun – und jetzt kriegt man richtig Angst – auch noch ein neues Album aufgenommen haben. Oh Gott, oh gott, denkt man sich und kriegt die Bilder der wahrlich würdelosen Sex Pistols-Reunion nur schwer aus dem Kopf. Doch dann das: das neue Album der New York Dolls ist nicht nur gänzlich unpeinlich, sondern auch einfach ziemlich gut. Ganz relaxt und ohne Rumgepose oder falsche Ambitionen hat man sich im Studio getroffen und das getan, was man am besten kann: einfach ein paar Songs aufnehmen. Wer die Stones nicht ganz scheisse, Glam ok und Iggy Pop gut findet, kann hier dermassen bedenkenlos zugreifen, dass man wirklich den Hut vor den alten Knackern ziehen möchte!
Nouvelle Vague – Bande A‘ Part (Rough Trade) Die verrückten Franzosen können es einfach nicht lassen! Auf’s Neue reißen sie ihre Lieblingssongs der Spät-Siebziger und Früh-80er komplett auseinander um sie danach seelenruhig durch den Chanson-, Bossa Nova-, Jazz-, Latin-, Was-weiß-ich-Fleischwolf zu drehen, komplett neu zu arrangieren und interpretieren. Extremer akustischer Wahnsinn, wenn Buzzcocks-Evergreen „Ever Fallen In Love“ oder Billy Idols „Dancing With Myself“ dank zuckersüßer Frauenstimme sanft und elegant auf einen niederprasselt und man am liebsten mit einem Glas Cognac in der einen, dicker Zigarre in der anderen Hand, anfangen möchte, leicht im Takt mit zu wippen. Bleibt natürlich die Frage offen, ob man Klassiker dieses Kalibers derart verwursten darf, aber hier machen wir der Originalität halber mal ein Ausnahme. Traditionalisten sollten lieber die Finger davon lassen!
NOFX – Wolves In Wolves Clothing (Fat Wreck) Hurra! NOFX bringen ihr 250igstes Studioalbum raus und das ist saugut! Wie machen die das? Hier stimmt alles: Obwohl die Lieder musikalisch zu 100% den altbekannten NOFX-Style haben, klingt das Album durchgehend frisch und ordentlich Gas geben konnten die Jungs ja eh schon immer. Und textlich gibt es die perfekte Mischung aus World’s-Biggest-Kindsköpfe-Power und bissigster Sozialkritik – und das, ohne dabei verbissen zu klingen. Der Bible-Belt, das Musik-Business, die amerikanische Regierung, blöde Pseudo-Lifestyle-Globalisierungsgegner – alle werden hier auf’s Lustige abgewatscht und das durchgehend mitsing-tauglich. Das hier ist wirklich sowas wie die Essenz von dem, was NOFX so gut macht!
Liebe Norddeutsche, dass Ihr nicht allzuviel von Bier versteht, wissen wir, aber könntet Ihr Euch bitte ein wenig mehr zusammenreißen und unter dem Label „Radler“ nicht so eine Scheiße verkaufen?
Auch wenn der ADAC uns etwas anderes weiss machen will: Die Säulen legendärer Urlaube sind nicht etwa „Planung, Kosten, Sicherheit“ sondern „Freibeutertum, relaxte Mitreisende & Saufen mit Einheimschen„!
Aaah, muss man sich doch nicht um alles selbst kümmern! Die coolen Hunde vom VICE Magazine(ein gutes Magazin aus Kanada) haben eine Style-Bibel herausgebracht, die für jeden Menschen, der den öffentlichen Raum betritt, zur Prüfungsliteratur gehören sollte. Auf hunderten von Seiten haben die Autoren unzählige Bilder von sehr gut, bzw. sehr schlecht gekleideten Mitbürgern zusammen getragen (ach so, der Titel des Buches ist übrigens „DOs & DON’Ts„) und drücken sich nicht davor, eindeutige Statements zum Styling der auf diesen Bildern festgehaltenen Menschen abzugeben. Da wir vom Shredder Mag nur sehr schlecht englisch können, sind uns leider nicht alle verwendeten Unflätigkeiten geläufig, was wir aber übersetzen konnten, ist brilliant, beleidigend, stets zu 100% auf den Punkt und sehr sehr lustig. Am besten kauft Ihr Euch einfach auf der Stelle ein Exemplar (und für Euren besten Freund auch gleich noch eins mit, weil der sieht ja mal echt beschissen aus)!
Früher konnte man sich noch auf unsere deutsche Fußball Working Class verlassen: ca. 90% grinsten uns mit wuchtiger Matte und gepflegtem Schnauzer an und sahen einfach scheiße sympathisch aus. Heute ist alles anders, man blickt in H&M-Verkäufer-, oder in Marc O’Polo Schicki-Micki-Gesichter und fragt sich wohin das ganze enden soll. Naja, vielleicht geh‘ ich erst mal im Handyworld-Kuranyi™ shoppen und danach ins Schweinsteigers™auf ein Erdinger Champ?
Stylerkarre des Monats: Citröen CX Endlich kommen wir dazu, auch mal ein französisches Auto zu würdigen (gar nicht so einfach): Ja, der Citröen CX ist ein super Auto! Ab 1974 und dann ganze 15 Jahre lief der vom Band und war – zumindest anfangs – ziemlich heiss. Schaut Euch die Felgen an! Wir empfehlen einen frühen CX „Pallas“ mit höchst pornographischer 70ies-Lounge-Lederausstattung, Walzen-Tacho und langem Radstand – am besten in Gold. Der eigentlich Trick an dieser Karre ist aber das berühmte hydropneumatische Fahrwerk, dank dem man Strassen nicht entlang fährt, sondern schwebt. Wir durften uns bei einem Nachfolgemodell mal davon überzeugen, dass man damit selbst bei 40 cm Neuschnee noch wie in einem Raumschiff durch’s Allgäu bügeln kann… Geiles Teil!
Da hat’s doch mal wieder irgendjemand im Vorstand verbockt, oder wie kann es sonst zu der neuen Hörbuchreihe „Reading Stars“ (Eichborn Verlag) kommen? In dieser Serie tragen „hochkarätige Stars aus der Musikwelt“ (jaja…) ihre Lieblingslektüre vor. Nun gut, sollten mir Mike Ness, Duane Peters oder der Danzig eine Gute-Nachtgeschichte vorlesen, meinetwegen. Den Startschuss für diese Aktion liefern aber ganz andere Kaliber, denn keine geringeren Deppen als Sabrina Setlur und H.P. Baxxter (ja, der Vollprolet von Scooter!) machen hier den Anfang. Das macht bestimmt Spass, wenn zwischen den Sätzen diverse Schmankerl á la „Move your ass“ oder „Rödelheim Ole Ole“ ans Tagelicht kommen und man am liebsten den CD-Player zum Fenster rauswirft. Was soll denn das? Ich lass mir doch auch nicht von Stevie Wonder die Zeitung vorlesen, oder von Hulk Hogan die Nägel feilen… Bitte bei der Sache bleiben.
Turbojugend, es reicht! Was damals als gute Idee begann, ist heute nur noch die in Jeans geschneiderte Unkreativität. Eigentlich hätte es so schön sein können: Ein wilder Haufen Turbonegro-Fans mit der Mission, die Welt in Chaos und Party versinken zu lassen. Doch es kam ganz anders: Rotgesichtige Langweilo-Möchtegern-Typen kaufen sich für 100 Euro nicht nur eine Turbojugend-Jacke, sondern auch gleich noch ein super Image, um fortan bei jeder Gelegenheit alle (mittlerweile bis zu Erschöpfung bekannten) Turbonegro-Klischees herunterzubeten. Allerdings nur in der Gruppe, denn für Alleingänge reicht das Selbstbewusstsein meist nicht aus. Und um sich mal selbst was auszudenken, fehlen die Ideen. Zu manchen kann das Leben schon gemein sein.
Editorial OK, OK, OK, OK. Die letzte Ausgabe ist schon wieder ein halbes Jahr her, aber na und? Was habt Ihr denn eigentlich das letzte halbe Jahr so gemacht? Na? Studiosus? Amt? Jakobsweg abgepilgert? Oder Nix? Also, sagen wir: unentschieden. Wir hätten’s ja gerne früher rausgebracht, aber der Valentin hatte Jans Telefonnummer verlegt und der Jan ruft eh nie an, geschweige denn mal zurück. Egal. Hier die neue Ausgabe!
München – Heute nehmen wir uns die Herren von The Blackout Argument genauer unter die Lupe. Stellvertretend für die Band antworten uns ChrisZ (Git.) und Sinan (Voc.) per E-Mail.
S: Ihr habt die Band vor ca. einem Jahr gegründet, heute steht ihr mit festem Line-Up und einer ordentlichen EP auf den Bühnen Süddeutschlands und Österreichs. Ging ja ganz schön schnell, was? C: Ja irgendwie ging in der Tat alles sehr schnell. Die Bandgründung ist noch nicht mal ein Jahr her. Unsere erste Show haben wir am 25.3. in München gespielt und in den darauf folgenden 2 Monaten gleich 20 weitere, u.a. in Österreich, Italien, der Schweiz und natürlich D-Land. Die EP ist auch raus und wir arbeiten gerade am Album. Für uns war von Anfang an klar dass wir mit der Band Gas geben wollen. Natürlich freuen wir uns trotzdem sehr darüber dass es auch so klappt wie wir uns das vorgestellt hatten.
S: Wie seid ihr auf Engineer Records gekommen? C: Wir haben die Songs an einige Label geschickt mit denen wir uns vorstellen konnten zusammen zu arbeiten. Das Feedback war sehr positiv, allerdings wollten die meisten Labels sofort ein Album machen und keine EP. Hinzu kam das Problem dass viele Labels erst gegen Ende 2006 hätten veröffentlichen können, was uns zu lange war. Engineer Records hatten Lust ein Kleinformat zu veröffentlichen und auch die Ressourcen es sofort zu machen, weshalb wir uns letztendlich für sie entschieden haben.
S: Gab es Gründe, die EP nicht auf deinem eigenen Label Let It Burn Records, zu veröffentlichen? C: Der Hauptgrund war, dass ich keine Lust hatte/habe in eine Doppelrolle zu schlüpfen, also zugleich Label-Boss und Band-Mitglied zu sein. Gerade wenn es darum geht einen Deal zu vereinbaren ist das eine schwierige Situation und Konflikte sind vorprogrammiert. Außerdem ist es für mich spannend zu sehen wie andere Labels arbeiten und das ganze einfach mal vom „anderen Ende“ aus wahrzunehmen, ich denke ich kann für mich und Let It Burn Records da viel rausziehen.
S: Mir ist von Anfang an euer gelungenes Artwork aufgefallen, wer ist dafür zuständig? C: Vielen Dank! Die Grafiken für die Website wurden von einem schwedischen Designer namens Burning West erstellt, das CD-Artwork ist eine Kooperation von Angry Blue aus den Staaten und Dirk von Independent Intensio.
S: Grundsätzlich macht ihr auf mich einen sehr motivierten und entschlossenen Eindruck, was wollt ihr mit der Band erreichen? C: Entschlossen ist ein gutes Wort, ha ha ha. Nein im Ernst, wie bereits bei der ersten Frage erwähnt war es für uns immer klar dass wir mit der Band vorankommen wollen. Es gibt viele Bands für die es cool ist 4-5 Shows im Jahr in der Region zu spielen und halt zu proben/Songs zu schreiben. Für uns ist das nichts, wir wollen raus kommen, spielen spielen spielen, professionell Musik aufnehmen und unters Volk bringen etc. Ein konkretes Ziel haben wir uns nicht gesteckt und im Endeffekt macht so etwas auch wenig Sinn, da sich die Dinge eh immer von alleine entwickeln. Uns ist es nur wichtig dass wir nicht stagnieren und uns die ganze Sache immer Spaß macht, wobei diese beiden Dinge eng miteinander verknüpft sind.
S: Ab wann kann man mit einem Full-Length Album rechnen? C: Wir sind jetzt gerade dabei den Songs den letzten Schliff zu verpassen und werden im Juli/August aufnehmen. Gemischt wird das ganze dann im Oktober. Vorab wird es schon eine kleine Pre-Production geben wovon wir auch ein oder zwei Songs ins Internet stellen werden. Was den tatsächlichen Veröffentlichungstermin angeht kann ich überhaupt nichts sagen da das definitiv vom Label abhängt und wer das sein wird steht noch nicht fest. Ich denke aber mal Ende 2006/Anfang 2007 ist realistisch.
S: Ihr seid teilweise aus Bands wie Flyswatter und Paint The Town Red hervorgegangen, was ist mit den jeweiligen Bands passiert? C: Paint The Town Red haben sich letztes Jahr aufgelöst. Nachdem wir um die 15 Line-Up Wechsel hinter uns hatten war irgendwann die Luft raus und wir haben im September 2005 unsere Abschiedsshow gespielt. Marco der ehemalige Gitarrist von PTTR hat mit Heartbreak Kid eine coole neue Band an den Start gebracht, genau wie Seb (ehem. Bassist) mit Within Walls. Beide unbedingt auschecken! Bei Flyswatter hat sich (außer dem Line-Up) nicht viel geändert. So weit ich weiß arbeiten sie auch gerade an einem neuen Album.
S: In der letzten Ausgabe berichteten wir über das Demo deiner anderen Band Jaws! Was ist daraus geworden, bzw. bleibt dafür überhaupt noch Zeit? C: Ha ha, ja vielen dank noch mal für das Review! Jaws haben sich aber auch aufgelöst. War sozusagen ein kurzes Vergnügen. ;-)
S: Laut der Bandinfo ist euer Sänger „one of Germanys youngest scenestars“, was macht ihn denn dazu? C: Wer hat DAS denn geschrieben!!?? ;-) Spaß… Sinan unser Sänger ist halt ein kleines Multitalent und macht extrem viel für die Szene. Neben seinem Sänger-Job bei The Blackout Argument spielt er noch Gitarre bei For Heavens Sake, macht coolen Grafik-Shit, hat eine kleine Booking Agentur (Penguins Collapse) und veranstaltet in Wangen Shows. Er ist mit vollem Herzblut und viel Leidenschaft dabei was sich inzwischen auch rumgesprochen hat. Vielleicht deswegen „scenestar“ ;-)
S: Hat euer Bandname irgendeinen speziellen Hintergrund, bzw. gibt es ein Schlüsselerlebnis, dass ihr als euer/dein persönliches „Blackout Argument“ bezeichnen könnt? C: Der Bandname bezieht sich tatsächlich auf ein persönliches Erlebnis. Ein Streit/Konflikt an den ich mich sicher mein ganzes Leben erinnern werde.
S: Was ist eure „Munich Angst“? C: „Munich Angst“ drückt ein Gefühl der Bedrücktheit und tiefer Verunsicherung aus, das eine Großstadt wie München bei einem Individuum hervorrufen kann. Besonders als Anhänger einer Subkultur sind Gefühle wie Ausgrenzung und Isolation in einer konservativen Gesellschaft quasi vorprogrammiert. Unsere Texte setzen sich mit diesen und anderen Emotionen und der Art und Weise damit umzugehen auseinander.
S: Zum Thema München: Die meisten Leute schimpfen ständig auf die Stadt, ich finde aber, hier ist schon einiges an Konzerten, Bands, Kneipen geboten. Wie seht ihr das? C: Ich stimme dir zu, und selbst wenn es nicht so wäre, wäre drüber schimpfen nicht die richtige Strategie. Gerade wenn man unzufrieden ist mit dem was um einen herum passiert sollte man nicht rum-meckern sondern etwas daran ändern. Keine coolen Shows in deiner Stadt? Dann lad doch einfach deine Lieblingsbands ein und veranstalte Shows! Keine coolen Bands? Dann such dir ein paar Leute die das genauso sehen und starte was! Ich denke gerade München ist ein super Beispiel dafür dass es funktioniert. Wenn ich zurückdenke, vor 2-3 Jahren sah es in München echt mau aus. Inzwischen gibt es einfach eine ganze Menge coole Bands, neben den bereits erwähnten Heartbreak Kid noch Ghostchant, Pequod, Blank Promise, No God Innocent, From Constant Visions, Lofi-Inferno, etc. Außerdem sind jede Woche Shows aus allen denkbaren Sparten und jede gute Band macht früher oder später mal in München Stopp. Aber auch was Gastro betrifft kann sich München inzwischen echt sehen lassen. Kneipen wie das Kings’n’Queens oder Restaurants wie das Cafe Kopfeck sind ein gutes Beispiel für Leute die nicht nur lamentieren sondern tatsächlich etwas auf die Beine Stellen!
S: Wie steht ihr zu anderen Münchner Hardcorebands, kann man untereinander die im Hardcore so oft zitierte „Unity“ spüren, oder macht jeder sein eigenes Ding? C: Also es ist auf jeden Fall besser als früher, und ich habe auch das Gefühl dass die „Segregation“ was die Clubs betrifft langsam ein wenig aufbricht. Früher gab es halt „Kafe-Kult“-Bands, die dann nur im Kafe-Kult gespielt haben und „Backstage-Bands“ die nur dort Shows bekommen haben. Inzwischen geht es kreuz und quer, egal ob Kafe-Kult, Sunny Red, Backstage oder sonst wo. Das spricht auf jeden Fall auch für das Publikum, man ist einfach mehr „open minded“ und schaut auch mal über seinen Tellerrand hinaus was bei einer kleinen Szene wie hier in München wirklich wichtig ist.
S: Wollt ihr überhaupt in die Hardcore Schublade gesteckt werden? Zum Teil geht ihr ja doch sehr melodisch und emotional zu Werke. C: Ich sehe The Blackout Argument auf jeden Fall als Hardcore-Band nachdem sich der Begriff „Hardcore“ ja nicht über eine bestimmte Musikrichtung sondern über eine gewisse Ideologie definiert. Unsere Arbeitsethik und unser Selbstverständnis sind eng mit der Idee „Hardcore“ verknüpft. Und Emotionen und Hardcore schließen sich in keinster weise aus, ganz im Gegenteil. Für mich war „Hardcore“ immer auch die Möglichkeit Gefühle egal ob positiv oder negativ zu kompensieren und mit anderen Leuten zu teilen. Musikalisch halte ich nicht viel von Schubladen und ich hoffe auch dass die Leute unsere Songs mit offenen Ohren und Herzen anhören und sich nicht durch irgendwelche Reviews, Artworks, Scenetalk oder sonst was abschrecken lassen.
S: Wie stark orientiert ihr euch an traditionellen Hardcore Werten, wie z.B. D.I.Y., Veganismus, Straight Edge…? C: Bei solchen Fragen kann man immer schlecht für die ganze Band sprechen, da würdest du sicherlich von jedem eine andere Antwort bekommen. Deshalb schreibe ich jetzt mal nur von mir. Für mich sind Dinge wie Vegetarismus oder Straight Edge nach wie vor präsent und spielen in meinem Leben auch eine große Rolle. Auch der DIY-Gedanke ist, gerade wenn man eine Band neu startet, von zentraler Bedeutung. Ich bin froh dass ich diesen ganzen Shizzle kennen gelernt habe und dass es mich als Mensch und Musiker geprägt hat. S: Den DIY-Gedanken habe ich glücklicherweise früh von meinen Brüdern eingetrichtert bekommen. Als ich 10 war glaube ich, waren sie Vorstände des örtlichen JuZe’s. Sie waren türkische Punks, die ihr Ding durchgezogen haben, Grenzen brachen und dennoch ihr Abi zu Ende brachten. Das hat mich sehr geprägt und mich immer wieder gepusht. „Punk“ hieß für mich auf eigenen Beinen stehen zu können, sich selbst zu informieren, kreativ zu sein. Es besser machen zu können als die Masse. Die Erfahrungen daraus bewahren einen vor der totalen Abhängigkeit. Etwas selbst zu erschaffen ist einfach ein Super Gefühl und geben einem die Chance eigene Vorstellungen einfacher zu realisieren.
S: Was hälst du von der Gorilla Biscuits Reunion und der bevorstehenden Tour? Ausverkauf? Alter Aufguss? C: Frag mich noch mal wenn ich die Show gesehen habe. Es ist immer schwierig im Vorfeld zu sagen ob so was Sinn macht oder nicht, das entscheidet sich tatsächlich auf der Bühne. Ich habe schon eine Menge Reunion-Shows/Touren gesehen und es war eigentlich jedes Mal eine Überraschung. Von Youth Of Today hatte ich mir zum Beispiel einiges erwartet und war dann extrem enttäuscht. Bold waren so ein Zwischending, auf der einen Seite haben sie es sehr cool rüber gebracht, auf der anderen Seite war’s aber irgendwie nicht so richtig überzeugend. Was aber auf jeden Fall echt der Hit war: Die Path Of Resistance Tour! Meine Fresse, das war einfach der pure Spirit und hat richtig Spaß gemacht! Auf Gorilla Biscuits bin ich wie gesagt sehr gespannt. Die Band zählt nach wie vor zu meinem absoluten Favourites, was natürlich die Gefahr in sich birgt, dass es ne Enttäuschung wird sie live zu sehen. Na ja, abwarten!
S: Die Lyrics sind sehr persönlich ausgefallen und handeln von Verlusten und verhängnisvollen Erlebnissen, hängt das irgendwie mit eurem Privatleben zusammen? C: Natürlich tut es. Alle Texte die ich schreibe (und ich kann da auch für Sinan unseren Sänger sprechen) sind mit persönlichen Erlebnissen verknüpft. Anders könnte ich das auch nicht. Ich denke auch dass der Lese/Hörer das merkt. Nehmen wir zum Beispiel mal eine Band wie Bullet For My Valentine. Mal abgesehen davon dass die Typen einfach unsympathisch sind, kaufe ich ihnen nicht eine einzige ihrer Textzeilen ab. Für mich sind das nur beliebig aneinandergereihte Phrasen die nur einen einzigen Zweck erfüllen und zwar dass sie zur Musik passen. Wenn man dagegen eine Band wie Most Precious Blood anhört dann spürt man in jeder Zeile und mit jedem Wort dass er Sänger seine Texte LEBT. Auch wenn man MPB live auf der Bühne sieht gibt es keinen Zweifel daran dass die Inhalte der Songs authentisch sind. Für mich ist das unglaublich wichtig wobei es da keine Rolle spielt ob eine Band persönliche/emotionale Texte hat, politische oder von Szene-Kram singt. Wenn ich das Gefühl habe dass es ehrlich und von ganzem Herzen ist habe ich großen Respekt davor. S: Texte schreiben gleicht irgendwie einer Form der Eigentherapie. So fühlt es sich zumindest jedes Mal an ;) . Es hilft bestimmte Vorkommnisse anders zu betrachten und das geht einfacher wenn man über sich und seine Erlebnisse schreibt.
S: Im Booklet zitiert ihr Marianne Williamsons „Our greatest fear“, die christlichen Passagen habt ihr schön unter den Tisch fallen lassen. Sollte man den Text also eher philosophisch verstehen? C: Die Textzeilen von Marianne Williamson passen wie die Faust aufs Auge zu dem was wir mit „Munich Angst“ sagen wollen. Wir haben darüber gesprochen ob wir den Text in seiner ursprünglichen Form belassen und somit riskieren missverstanden zu werden oder ob wir die christlichen (oder besser spirituellen) Passagen rauszulassen. Nachdem es für die Essenz/Message des Textes keinen Unterschied macht, haben wir uns für letzteres entschieden. S: Die Worte geben einem ohne die fehlenden Passagen mehr. Es ist einfacher sich damit auseinander zusetzten als wenn Religion mit ins Spiel kommt. Das war bei der Entscheidung ausschlaggebend. Den Text habe ich das erste Mal, leicht abgeändert, in dem Film „Coach Carter“ gehört. Er hat mich bewegt und passte einfach in meine damalige Verfassung. Ich habe Chris davon erzählt, er fand es richtig gut und schon war’s geritzt.
S: Welche 5 Platten nehmt ihr mit ins Grab?
C: Da kann ich wieder mal nur für mich sprechen: Life Of Agony „Rive Runs Red“, Strife „Through and Through“, Therapy? „Troublegum“, Bad Religion „No Control“ und Trial „Are these our lives?“. S: Poison The Well „The Opposite Of December , auf jedenfall. Ansonsten puh! From Autumn To Ashes „Too Bad, You’re Beautiful, Underoath „The Changing Of Times , Hopesfall „No Wings To Speak Of/The Satellite Years und It Dies Today The Caitiff Choir.
Anti-Flag – For Blood And Empire (Sony/BMG) Eigentlich war ich nie so der Über-Anti-Flag-Fan (fand die eher „ganz nett“ als „unglaublich“), aber das neue Album überzeugt mich vollkommen. Unverblümte Gesellschaftkritik wurde selten so catchy und mitreissend verpackt. Ob Medien-Propaganda, die menschen-verachtende Agrar-Politik der W.T.O oder der entfesselte Kapitalismus, Anti-Flag haben zu allem etwas zu sagen. Trotz des halb erhobenen Zeigefingers und der sehr hymnisch-kämpferischen Verpackung ist das Album ein echter Party-Garant, denn erstens gehen die Lieder allesamt gut ab, zweitens ist für ordentlich Abwechslung gesorgt und drittens haben sie Recht mit dem was sie sagen. Die werden viele, viele Alben verkaufen. Verdient!
Haie sind ja sehr gefährliche Tiere und da wir das Risiko lieben, haben wir neben einem Interview mit Shark Soup auch noch ein CD-Review von Jaws im Heft. Ausgleich bieten gechillte Rubriken und einige extra-relaxte Artikel.