Shredder Einlauf #11 Odyssee im Deutschen Museum

 

shreddermag_shredder einlauf_logoOktober 2005: Die Menschheit hat in den letzten 100 Jahren zweifelsfrei ziemlich rangeklotzt. Man muss nur eine Großstadt in der westlichen Hemisphäre betreten und merkt es sofort. Will man hier nun z.B. ein idyllisches Stillleben malen und hat darum extra seine Staffelei nebst Ölfarben mehrere Kilometer hinter sich her geschleppt, wird man enttäuscht feststellen: Die moderne Welt taugt schwerlich als Motiv. Beton, Strassen, Häuser, Menschenmassen, Fernseher, Autos, Flugzeuge, Ampeln, Internet – die moderne Technik steht an jeder Ecke und winkt hektisch mit beiden Armen. Nun gut, denkt man sich, Stillleben sind eh beschissen, und zückt nichts ahnend sein Handy, um sich mit einem Freund zum Saufen zu verabreden. Was nun passiert, ist zutiefst faszinierend: Man öffnet sein winziges Foto-UMTS-Lifestyle-Handy (das mit den witzigen Klingeltönen), durch einen Sensor wird der Druck der Finger in elektronische verwertbare Information umgewandelt, woraufhin das Handy über digitale Funksignale einen großen Computer kontaktiert, der wiederum eine Verbindung zum Gesprächspartner aufbaut. Als wir dessen Stimme „Was iss, alte Sau?“ sagen hören, ist uns kaum bewusst, dass diese Stimme in dessen Telefon erst in Nuller und Einser konvertiert wurde, die dann einmal durch die halbe Münchner Luft flogen, nur um in unserem Handy in mikroskopisch kleinen elektrischen Schaltkreisen wieder in menschliche Sprache verwandelt zu werden. Nahezu in Echtzeit. Der Hammer!

 

Der Hammer? Halt, halt, stopp, stopp! Das ist nicht der Hammer, sondern unendlich, saumässig uninteressant. Was das kleine blöde Scheissteil so macht, damit ich mich verabreden kann, geht mir – gelinde gesagt – am Arsch vorbei. Technik langweilt! So, und wer Probleme mit diesem Statement hat, dem sei gesagt: Das ist nicht unsere rein subjektive, persönliche Meinung! Weit gefehlt: In Wirklichkeit haben wir für diese Aussage einen kompletten (sonnigen) Samstag hart recherchiert, um nun felsenfest sagen zu können: Wir haben uns intensiv mit der modernen Technik beschäftigt und sind uns ganz, ganz, sehr sicher, dass sie wirklich ehrlich furchtbar öde ist! Im Deutschen Museum waren wir nämlich. Stundenlang. Auf der Suche nach der Faszination von Ingenieurskunst und Erfindergeist…

 

13:20 Uhr
Gutgelaunt und nur moderat restalkolisiert treffen wir uns vor dem Deutschen Museum. Nachdem wir die ersten beiden Hürden, nämlich Kasse (Eintritt € 7,50, mit Rentnerausweis € 9,00) und Garderobe (hier unterbricht Mareen W. für nur 0,50 € die Lektüre des neuen „Zillo“ und nimmt unsere Jacken entgegen), elegant hinter uns gelassen haben, verschaffen wir uns erst mal einen Überblick. Alles klar, die Führung im berühmten Bergwerk ist erst um 13:45 – haben wir also gute zwanzig Minuten. Immer noch gutgelaunt und echtes Interesse heuchelnd betreten wir also die erste beliebige Abteilung, denn unser Vorsatz ist, heute einmal alles (!) anzuschauen. Nun gut, die Abteilung „Erdgas“ ist vielleicht kein guter Einstieg und Begriffe wie „Kalzinat-Koks“, „HC-Kerosin“, „Iso-Perton“, „Extratöle“ und „Hartparafine“ nichts für den nüchternen Wissensmagen. Also weiter in die Abteilung „Metalle“ (Metals). Hier stinkt’s nach keine Ahnung was und die Hälfte der Knöpfe an den Versuchsaufbauten funktioniert nicht. Nun gut, wenigstens lernen wir, dass „Metall = Kristalle“ und dass „…bei Gießbeginn die Kokille mit einem Kaltstrang verschlossen wird.“ (Stranggießmaschine der Kreisbogenbauart, Concast Standart AG Zürich). So so. Weiter zu den Werkzeugmaschinen. Hier stinkt’s schon wieder. Wir identifizieren die Gerüche: Öl, Schweiss, Scheisse und frischer Rosmarin. Ausser, dass eine Maschine zum „Hobeln und Stossen“ (Waldrich Coburg) uns kurz ein zotiges Lächeln entlockt, ist auch hier nichts los. Genauso in der Abteilung „Kraftmaschinen“, wo wir wenigstens nicht mehr ganz alleine sind und so einen freundlichen Ost-Inguscheten dazu überreden können, ein Posing-Foto von uns zu machen.

 

13:44 Uhr
Huch, die Zeit vergeht ja wie im Flug – schnell zum Flöz! Hier warten schon ein paar Leute. Komische Leute. Mit gelben XXL-Pollundern. Egal, da kommt auch schon der Bergwerksführer, der einen possierlichen Kittel trägt und uns genauso temperamentvoll mit „Glück auf!“ begrüßt, wie der letzte Furz eines 250 Jahre alten Systemadministators. Nun gut, wir reissen uns zusammen und betreten das Schaubergwerk, aber nach 5 Minuten („St. Barbara schützt Bergleute vor jähem Tod!“, „Pochen heißt zertrümmern!“) reicht’s. Schnell weg! Wär’ doch gelacht, wenn wir den Ausgang nicht auch ohne den Kittelheini finden. Wir dringen also tiefer in die Eingeweide des Bergwerks vor und werden mit dem Geruch „alte Tiefgarage“ belohnt. Ein schwarzer Pfeil auf schwarzem Grund weißt uns den Weg. 13:55 Uhr Wir betreten einen hellen Raum mit dem Motto „Tagebau“. Hier bekommen wir endlich die „Geologie des niederrheinischen Braunkohlereviers“ zu Gesicht, was uns aber nur ein unmotiviertes „ Schalke 04 – die Scheiße vom Revier!“ von den Lippen lockt.

 

13:56 Uhr
Eine Minute weiter kommen wir in den Genuss eines sogenannten „Blindschachtbohrers“, der – wer hätte es geahnt – todlangweilig ist. Unsere Stimmung schwebt knapp über dem Nullpunkt und wir schimpfen leise vor uns hin. Den anderen Museumsbesuchern scheint unsere Unzufriedenheit auch aufzufallen, sogar ein kleines Scheisskind äfft Valentins „So ein verfickter Riesenmüll!“ nach, so dass dieser vor Schreck, beim Versuch unsere Mitschrift auf das Tagebaumodell zu legen, selbiges mitten hinein wirft. Das Kind freut sich umso mehr (ob es das Bergwerk jemals verlassen hat, ist nicht dokumentiert…) und wir müssen mit blöder Räuberleiter-Rettungsaktion das Papierchaos aus dem Modell fischen. Naja, zumindest haben wir bei diesem Vorgehen zwei Häuser im Modell platt gemacht. Immerhin! Wir folgen dem Weg weiter in den „Steinsalz-Kammerabbau Wieliczka, 18 Jhd.“ und werden erneut mit überflüssigem Wissen über „Hartsalz“ und „Kalzinit-Salz“ überschüttet. An der tiefsten Stelle im Flöz wird ordnungsgemäß einer stehen gelassen, ich denke mal, der zieht dort frühestens nach ca. 2 Wochen wieder raus, haha! 14:10 Uhr Kohlrabenschwarz verlassen wir das Bergwerk und ein lauter „Elektroknall“ lockt uns zum mit ätzenden Physik-Spongos und besoffenen Wiesen-Italienern prall gefüllten Vorführsaal der Starkstromtechnik. Der „Moderator“ erläutert gerade den folgenden „Blitzableiter-Versuch“, bei dem stattliche 900000 V in einen Holzstock gejagt werden sollen. Vielversprechende Ankündigung, mageres Ergebnis: Alles was es zu hören gibt, ist ein kläglichem „Piff“-Geräusch, das auch von einem furzenden Meerschweinchen hätten stammen können. Na toll!

 

14:15 Uhr
Übelst enttäuscht schlendern wir zur Abteilung „Luftfahrt“ und siehe da, um 14:16 Uhr begegnet uns endlich das erste interessante Ausstellungsstück: die russische Rückkehrkapsel Sojus 29! Was daran so spannend war, wissen wir leider nicht mehr, vermutlich sah das einfach ganz gut aus. Ein paar Boeings weiter stossen wir auf einen Dornier-Flugsimulator, der von einem kleinen scheiss Besserwisser-Kind bedient wird. Die kleine Sau sitzt im Cockpit und kommt sich endgeil vor, während er so durch die Luft fliegt, dabei hat der doch überhaupt keine Ahnung! Wir löchern ihn deshalb strafend mit Fragen, die ein paar Ecken zuvor auf großen Erklärungstafeln standen: „Wie misst man eigentlich die Wirkungsweise der Landeklappen?“, „Sind die Messergebnisse nur begrenzt gültig?“ oder „Wie definiert man den superkritischen (transonischen) Flügel?“. Erst als der neumalkluge kleine Depp weint, stolzieren wir triumphierend davon, in die…

 

14:27 Uhr
…Abteilung „Physik“. Die hässliche Fratze der Naturwissenschaften grinst uns schämisch in Form eines Rennrad-Hologramms an (geht’s eigentlich noch langweiliger?) . Kurz darauf spüren wir den heißen Atem des Rutherford’schen Streuversuchs im Nacken und als Krönung gibt’s beim Franck-Hertz-Versuch einen super ausgefallenen Windows-Standard-Bildschirmschoner zu sehen. Oh je, da müssen wir wohl jetzt durch. Nicht unweit der Gamma-Spektroskope, weckt eine fette Deutsches Museum-Mitarbeiterin unser Interesse (endlich mal!), indem sie irgendwas in einer Glasvitrine rumfummelt. Bei unauffälliger Profi-Privatdetektiv-Annäherung stellen wir fest: die gute Frau surft mit einem Computer-Ausstellungsstück im Internet (!) und als ob das nicht schon schlimm genug wäre, nein, sie bietet auch noch bei eBay auf Geigen! Die Schmerzgrenze ist hiermit eindeutig überschritten. Wir hauen ab!

 

14:31 Uhr
Im 100Jahre-Einstein-Raum prasselt ein großer 100Jahre-Einstein-Vortrag auf uns nieder, dem gespannt hundert 100jährige Oberstudienräte („Physik“, mit Vollbart und Pullunder) lauschen, als gäbe es nicht Spannenderes (Habt ihr eigentlich schon mal gefickt? Solltet Ihr echt mal austesten!). Einsteins Ätherstudien – was soll denn das? Gutes Entertainment wird endlich im Zuge einer Veranschaulichung der Relativitätstheorie geboten: In einem dunklen Raum mit großer Leinwand, kann man mit 99% Lichtgeschwindigkeit auf einem Fitnessrad durch die Altstadt von Memmingen oder durch den Eiffelturm brettern. Endlich mal ein wenig Abwechslung in dem tristen Museums-Alltag!

 

14:42 Uhr
Doch zu früh gefreut: Die Abteilung „Musikinstrumente“ bringt uns wieder zurück auf den Boden der Tatsachen, bzw. des Deutschen Museums. „Die Lochstreifenrolle – Musik in Perfektion“, das Rhythmusgerät „Rhythm“, oder „die Kurvenscheibe: das Geheimnis des Vogelzwitscherns“ sind an Langeweile kaum zu überbieten, ähnlich geht es uns mit dem Orgamat (der Tastengitarre) und dem Piano-Orchestrion (Pianofortefabrik Gebrüder Zimmermann), das ja bekanntermassen Pianisten und Drummer ersetzt. Weiss doch eh jeder. Gähn. Zur Krönung spielt uns ein 100jähriger Museums-Orgel-Hobbit auf einem Scheißklavier (mit 30 verschiedenen verstellbaren Klangarten, die alle gleich klingen) ein Schlaflied…

 

14:53 Uhr
Mit ordentlich Sand in den Augen erreichen wir die Abteilung „Chemie“, die uns als erstes Highlight die Halbwertszeit von Hassium (9,3 sec.) präsentiert. Respekt! Die nächsten Minuten vertreiben wir uns mit bahnbrechenden Versuchsaufbauten, die nach langer Recherche eigentlich nur schlappe drei Ergebnisse aufweisen können: Wenn man mittels Knopfdruck Flüssigkeiten im Reagenzglas vermischt, ändert sich entweder die Farbe, es stinkt oder es passiert nix. Beispiele gefällig? Der große „Ionentauscher-Versuch“, „Salzverbindungen“, „Brennstoffzellenaufbau“ oder „Komplexverbindungen im Allgemeinen“. Wie bitter kann das Leben sein? Gegen Ende dieser Abteilung, gelingt es uns aber dennoch, ein kleines Lächeln über die Lippen zu bringen. Zur Demonstration der „Galvanisierung“, scheute das Deutsche Museum anscheinend keine Kosten und Mühen, denn ein riesiges Poser-Motorrad stellt sich uns, samt traditioneller Südstaatenflagge, in den Weg. Der Untertitel: „Harley Davidson – verchromtes Lebensgefühl!“. Hier einen schönen Gruss an Wolfgang Viereck!

 

15:04 Uhr
In der Abteilung „Pharmazie“ passiert nichts, lediglich ein junges Pärchen informiert sich heimlich über die Pille danach und nach dem wir einige überdimensionale Zellen, Hormone und seltsame Molekülen überwunden haben, erreichen wir den AIDS-Info-Stand, der mit Unterschriften von Gianna Nannini, Rammstein, Die Toten Hosen und anderen Stars geschmückt ist. Komisch, wussten gar nicht, dass die AIDS haben. Die Erkenntnis „Nerven leiten den Schmerz“ lässt uns zwar kalt, aber nach dem bis dato angesammelten Datenmüll, sehen wir uns gezwungen, unseren Hirnen eine wohlverdiente Pause zu gönnen.

 

15:15 Uhr
Im SB-Restaurant „Alfons EinsStein“ werden standesgemäss zwei „Cappos“ und zwei Himbeersahne für den Schnäppchenpreis von 10 € verschlungen. Hier ist die Welt noch in Ordnung: Alte Rentnerpärchen essen alte Bratwürste mit alten Pommes, Kinder kaufen sich überteuerte Süßigkeiten und die gestressten Familienväter ziehen sich ihr erstes Weißbier am Tag rein. Eine echte Oase. Gut so. 15:30 Uhr Nach der kleinen Pause und mit Kuchenkrümeln in den Mundwinkeln führt unser Weg in die Abteilung „Brücken- und Wasserbau“. Hier stinkt‘s gewaltig nach Chlor und verdammt einschläfernd ist es auch noch. Neben „Future-Brücken-Animationen“ bekommen wir Staudämme aller Art unter die Nase gerieben, wobei das grossartige Thema „Spannbeton – die Idee!“ eindeutig das reizloseste ist.

 

15:36 Uhr
Weiter zur Abteilung „Kutschen und Fahrräder“, die definitiv den Höhepunkt der Tristesse darstellt, denn wie ein Fahrrad aussieht, wussten wir schon und Kutschen sind eh beschissen.

 

15:36 Uhr und 9 sec.
Im Obergeschoß betreten wir die Abteilung „Raumfahrt“, hier herrscht selbstverständlich absolute Schwerelosigkeit! Unsere Hirne schweben herrenlos in unseren Köpfen umher, deswegen können wir bis auf zwei Begriffe („Audiometer Audio Elbe“, „WEB Präcitronic“) auch nichts weiter über diese Abteilung sagen.

 

15:51 Uhr
Die Abteilung „Drucktechnik“, „Papierherstellung“ und „Glasbläserei und Keramik“ nützen wir, um per Schnelldurchlauf wieder klar im Kopf zu werden. 15:51 Uhr und 1 sec. Mit frischem Geist betreten wir die „Altamira-Höhle“, jedoch nur für einen Augenblick, denn hier ist es dunkel, öde und irgendwie stinkt es nach muffligem Komposthaufen! Da kann ich ja auch mal den ganzen Tag nackt in der Paul-Heyse-Unterführung rumlaufen, bringt mir genauso viel!

 

15:51 Uhr und 10 sec.
Nach dem Aufstieg auf’s Dach begegnet uns der „Sonnenuhrgarten“ und wer denkt, solche Geräte seien einfach zu entschlüsseln, weit gefehlt! Die Sonnenuhren, die man aus Film und Fernsehen kennt, ähneln diesen Biestern kein bisschen. Ein Haufen Koordinaten führen zu irgendwelchen Punkten, die man dann mit einer ausgefeilten Technik, auf seltsame Art und Weise zusammenrechnen muss, um dann die Uhrzeit zu bekommen. Da schau ich doch lieber auf meine Rolex. Der einzige Vorteil am „Sonnenuhrgarten“ ist die gute Aussicht auf München, sonst gibt es hier nichts zu holen. 16:07 Uhr Die Abteilung „Amateurfunk“ (mehr Infos auf: www.aatis.de) bietet nicht gehaltvolleres Entertainment. Als wir auf einer Tafel „Amateurfunk für Behinderte“ lesen, wissen wir, hier sind wir definitiv falsch und verlassen schnell den Raum.

 

16:12 Uhr
In den Abteilungen „Astronomie“, „Zeitmessung“, „Masse und Gewichte“, „Telekommunikation“ und „Lebensmitteltechnik“ liegen endgültig unsere Nerven blank! Ist das langweilig. Langsam nervt’s! Schnell weg hier! Wie kann man sich nur für so einen Riesenscheiss interessieren?

 

16:18 Uhr
Zum Glück kommt endlich die Abteilung „Informatik“, in er wir mit offenen Mündern, wissbegierig jedes einzelne Detail aufsaugen, alle Ausstellungsstücke fotografieren und nicht mehr ansprechbar bzw. in spannende Fach Diskussionen vertieft sind!

 

18:18 Uhr
Kurz vor der Schließung des Museums, erreichen wir das „Foucaultsches Pendel“ im Erdgeschoß, bei dem ein besoffener Rentner uns den Versuchsaufbau zu erklären versucht. Dieses Unterfangen wenden wir dank unserer hart erarbeiteten Zivi-Skills souverän ab und überlassen den Typ seinem Schicksal.

 

18:23 Uhr
Zwei Abteilungen („Schweissen und Löten“ und „Boote“) liegen noch vor uns. Wir passen! Es reicht. Keine Kraft mehr. Interesse sowieso nicht. Also kriechen wir in Richtung Ausgang. Endlich. Schwindlig und wissens-paralysiert betreten wir den Vorhof und gehen schwankend in den „Museums-Shop“. Vielleicht finden wir hier noch was Lustiges, über das wir uns das Maul zerreissen können. Aber bereits auf den ersten zwei Metern im Laden müssen wir feststellen: Nein, wir können nicht mehr, das Deutsche Museum hat uns fertig gemacht! Von der modernen Technik gefickt – ohje, nicht besonders gut für’s Punker-Image.

Zwei Wochen später: Der Samstag abend war gelaufen. Eigentlich wollten wir in einer Kneipe alles Wissen wieder mit grossen Mengen aus unseren Köpfen spülen, konnten aber nur im Binärcode bestellen und sind darum (und mit Recht) schon bald wieder rausgeflogen. Erst eine 10tägige Technik-Abstinenz (Handy in den Kericht, MauMau statt Fernsehen und nur Akustik-Mukke hören – was das schlimmste war) konnte uns wieder eingermassen in die alte Shredder-Einsatzbereitschaft versetzen. Arrgh, die scheiss moderne Technik! Wir wussten ja vorher schon, dass die kein Mensch braucht, aber dass die Recherchen uns so fertig machen, mein lieber Herr Gesangsverein! Wir hoffen, Ihr glaubt uns, ansonsten: Das Deutsche Museum hat jeden Tag ab 9 Uhr (Achtung: am 14. Dezember nur bis 14 Uhr!!) geöffnet. Viel Vergnügen…

Shredder Einlauf #10: Mode

 

shreddermag_shredder einlauf_logoZugegeben, blind zu sein, ist vermutlich mitunter schon ein wenig unpraktisch. Die Orientierung im Alltag ist erschwert, Snowboarden oder Skaten kann man ziemlich vergessen und Pornos gucken verkommt zum albernen Bumsgeräusche-Erlebnis. Eines bleibt einem jedoch erspart: Man muss sich nicht täglich mit der Scheisse auseinandersetzen, die ein Grossteil der Bevölkerung als Kleidung trägt. Das Thema Mode bleibt aussen vor. Ja, es kann einem egal sein. Egal! Uns geht es da schon anders. Egal, ob bei der samstäglichen Shopping-Tour zum Dallmayer (bei der Qualität von Lebensmitteln machen wir keine Abstriche), abends im P1 oder mitten am hellichten Tag, irgentwo in einer beliebigen Strasse (z.B. auf dem Weg von zu Hause zum Aston Martin-Händler), überall schlägt einem der in hässliche Kleidung manifestierte schlechte Geschmack mit voller Wucht ins Gesicht, beziehungsweise auf den Magen. Kleinste Wege verkommen zur Deppen-in-Scheissoutfits-Safari.

 

Nun, seit Jahren probieren wir immer wieder im Shredder Mag einzelne Aspekte des Themas Mode aufzugreifen und so unseren werten Lesern zu helfen, die schlimmsten Fehler zu vermeiden. Doch seien wir ehrlich: Viel haben wir damit nicht erreicht. Immer noch sehen wir fast täglich Leute mit Schlüsselbändern, T-Shirts mit Sprüchen, dummen Bärten,… es ist ein Trauerspiel! Doch, die Hoffnung stirbt zuletzt, darum hier ein weiterer Versuch im Kampf gegen den schlechten Geschmack und beschissenes Aussehen. Vielleicht der letzte, bevor wir uns resigniert und verbittert in unsere Chalets im Tessin zurückziehen, das Haus nicht mehr verlassen und lustlos und übellaunig die uns noch verbleibende Zeit mit südamerikanischen Unterwäsche-Models totschlagen.

 

Fangen wir mit einem steten Quell komischer Kleidung an: der Jugendkultur. Jugendliche wollen sich von der Erwachsenenwelt und untereinander unterscheiden. Darum organisieren sie sich ganz nach Neigung in Gruppen, die gemeinsame Hobbies und Werte teilen, und achten peinlich genau darauf, dass sie a) anders als Erwachsene und Mitglieder anderer Gruppen und b) exakt wie alle anderen in der eigenen Gruppe aussehen. Dies treibt mitunter ziemliche Blüten, die wir nun ausreissen und am Boden zertreten wollen.

 

Fairerweise geht es mit der Jugendkultur los, der wir uns am nähesten fühlen an: Der gute alte Punk verkommt bei Konzerten leider regelmässig zur Klon-Veranstaltung. Folgende Prototypen fallen ins Auge: Der Schicki-Punk (gepflegt-asslig, mehr Accessoires als eine Oma Porzellanpuppen auf dem Sofa, hat schon mal ein Lied „The Clash“ gehört und kauft seit dem alles an Buttons und Aufnähern, was man von denen so kriegt), der Skinhead (hier kann man sich besonders stereotyp kleiden, z.B. einfach mal ein Fred Perry-Shirt zu Hochwasser-Jeans anziehen – wow!), der Skater (nach Möglichkeit alles von Vans oder Volcom und die Hose nicht zu eng), der Rocker (dunkle Jeans, Stiefel, Schleim in den Haaren, viele Ketten, Tätowierungen) und der Hardcore-Typ (Mischung aus Skater und Skinhead). Bevor nun der Einwand kommt, wir von der Shredder Redaktion wären selbst nicht ganz gefeit, Elemente der oben genannten Outfits in unser Äusseres zu integrieren, wechseln wir schnell das Thema und hacken lieber auf den Alternative-Grunge-Spastis rum, denn die kann wirklich keiner leiden und geben damit ein prima Opfer ab. Also meine lieben eine-Mark-Kurt-Cobains mit verlauster Scheiss-Zottelmatte: Schlechter Körpergeruch und ungewaschene Haare sind kein guter Weg, um seine Verachtung für die Gesellschaft auszudrücken, ein Ziegenbart ist nicht freaky, sondern für Wichser, und auch Wolle Petry und Axl Rose tragen zerrissene Jeans. Darum unser Vorschlag zur Güte, eine Kippe könnt Ihr Euch noch drehen, dann aber marsch ab in Bett und morgen brav ein neues Leben angefangen!

 

Besonders alberne Kleidung tragen die Anhänger einer weiteren Jugendkultur: die HipHopper. Unserer Interesse an HipHop (ist ja übrigens nicht nur Rap, sondern auch Breakdance und Grafitti – wusstet Ihr das schon…) sollte hinlänglich bekannt sein, unsere Meinung zum zugehörigen Kleidungsstil wird hiermit nachgereicht: Das kalte Kotzen kommt uns, wenn wir diese kleinen, beschissenen HipHop-Proleten und Pausenbrot-Gangster sehen. Immer schön einen auf Pimp machen, rumprotzen und sich in der Gruppe stark fühlen. Wow, gute Leistung, Jungs! Dazu im scheiss XXXL-Frottee-Trainingsanzug-Schlabber-Look rumgammeln und sich gegenseitig einen reinclappen, wie cool man doch wieder ist. So ein lächerlicher Aufzug gewinnt höchstens bei einer Pyjama-Party einen Preis: den des größten Arschlochs nämlich. Uns regen auch immer wieder die 17jährigen Hasenbergl-Prolls auf, die mit spärlichem Schnauzer im C&A-Anzug einen auf oberlässigen Westcoast-Champagner-Hustler machen, sich in Wirklichkeit aber mit „Dr. Katlenberger Erdbeer-Schaumwein“ für 1 Mark die Rübe wegballern. Geht’s noch ärmer? Allein schon die Marken : Pelle Pelle (was?!), Southpole, Karl Kani (der berühmte Designer aus New York – ahhhhh!). Geht‘s noch beschissener? Um das Ganze abzurunden, werden an beiden Ohren Plastik-Brillianten (sog. „Bling-Bling“) zur Schau gestellt, nicht zu vergessen die riesigen Goldketten und die Ghetto-Strümpfe (Anti-Thrombose?), als Kopfbedeckung. Wer so rumläuft, ist immer und definitiv ein Arschloch. Wir gehen hier nur nach den äußeren Werten? Gut erkannt!

 

Von einer weiteren Gruppe, dachten wir eigentlich, dass sie längst ausgestorben wäre: Die Raver. Aber es gibt sie noch und sie schau‘n auch immer noch gleich aus. Hässlich nämlich. Kaum eine Jugendkultur gibt sich soviel Mühe, sich Outfits dermassen an den Haaren herbei zu ziehen. Um so absurder, um so besser – ein echter Höhepunkt der Jugendkultur. Stellt Euch Samstag Abend an den Ostbahnhof und geniesst die Aussicht. Wahnsinn! Unglaublich! Die männliche Fraktion (mind. 1.80m, max. 40 kg, ungesunder grau-grün-gelb-fahler Teint) picklige, gepiercte Teeniegesichter, riesige trompetenförmige Arschloch-Hosen und „Stachelrucksäcke“. Die Frauen (max. 1.50m, max. 30 kg oder min. 130 kg, ungesunder grau-grün-gelb-fahler Teint) trumpfen mit 30 cm Plateausohlen, den obligatorischen Pickeln (vom vielen Ecstasy, ha ha) und allerlei Flokati auf. Dazu (Geschlecht egal) lustige Frisuren, bei denen bunt gefärbte Stacheln in den Himmel starren und sich dabei wünschen, aus jemand anderes Kopf zu wachsen, und die Kleidung nach Möglichkeit aus Materialien, die für Kleidung gar nicht geeignet sind: Neopren, Teflon, Asbest, Kryptonit oder einfach mal die gute alte Alu-Folie. Liebe Raver, weiter so, Ihr seht zwar scheisse aus, tragt jedoch wenigstens zu unserer Erheiterung bei.

 

Der Spaß hört aber ganz schnell wieder auf, wenn man einem Atomic-Café-Pseudo-jetzt-Magazin-Intellekto-Penner über den Weg läuft! Wie kann man denn freiwillig ein braunes Cord-Sakko mit noch brauneren Flicken am Ellenbogen, darunter eine (stinkende) Adidas-Trainingsjacke (weil vom Kleidermarkt) und dazu am besten alte Sneaker (wie Adidas „Gazelle“ – sind wir im Zoo?) oder original Turnschuhe von der Bundeswehr tragen? Verstehen wir das falsch, die wollen doch eins auf die Fresse, oder? Aber damit nicht genug, der ständige „Ich bin eh viel geiler, als ihr alle, weil ich studiere Germanistik (oder ähnlichen Scheissdreck) und hab Kafka und Hesse unter’m Kopfkissen“-Gesichtsausdruck tut sein übriges, genau wie die obligatorische, dicke Hornbrille und die selbstgedrehten „American Spirit“-Zigaretten (oder mindestens NIL). Dieses „ausgefallene“ Outfit und leichte Züge von Arroganz, würden gerne als Understatement und Individualität gewertet werden und sollen zeigen, dass diese Penner einen „eigenen“ Kopf haben. Hm, diesen soll ihnen doch bitte einfach mal jemand abschlagen…
Und wenn wir schon von blöden Germanistik-, Komperatistik- oder Theaterwissenschafts-Studenten reden, dann widmen wir uns doch gleich dem gesamten Studentenpack. Über eine große Gruppe gleich gesinnter, die Juristen und BWLer nämlich, müssen wir uns mal näher unterhalten, denn die denken auch ganz gerne mal, sie wären was „ganz besonderes“. Warum? Sind gefälschte Ralph Lauren-Komplettoutfits (aus Rimini für 10 Euro) oder rosa Poloshirts mit hochgeklapptem Kragen (wichtig: NIEEEE den Kragen hochklappen! Wieso auch?) etwa DER Renner? Sind Männer, die Caprihosen tragen, auch nur ansatzweise sexy? Kann man Pullis noch dümmer tragen, als locker über die Schultern hängend? Muss man rumlaufen, als wolle man gleich zum Golfen oder zum Segeln? Unsere Antwort: Nein.

 

Die Großfamilie der Nerds – also alle Anhänger der technischen Studiengänge – kommt, wenn man es genau nimmt, mit einen einzigen Kleidungsstück aus: dem Anorak! Dieses modische Meisterwerk kombiniert auf spektakuläre Art und Weise, das Praktische mit… ja mit was eigentlich? Um so mehr Bändsel, Reißverschlüsse und Taschen, um so besser! Ich muss nicht noch erwähnen, dass der gemeine Anorak ausschliesslich in den Farben „senf“, „flieder“, „Flitzekacke“ oder „mittelgrau“ erhältlich ist, oder? Mit 100%iger Sicherheit kann man darunter einen Fleece-Pulli entdecken. Über diesem Gesamtkunstwerk baumelt dann der gute alte „TU München“-Rucksack, den man eigentlich schon am ersten Studientag verbrannt haben sollte, oder wahlweise werden die Studienunterlagen und die neuste Ausgabe der „CB-Funk World“ im schnieken Handkoffer im Platinen-Design herumgetragen. Ihr kleinen miesen Arschlöscher!

 

Kommen wir nun zu den restlichen, übrig gebliebenen Jugendlichen und „Junggebliebenen“. Diese Kandidaten lassen sich weniger durch ihre mittels Kleindung zur Schau getragene Gruppenzugehörigkeit identifizieren, als durch den dringenden Wunsch (bitte, bitte, bitte, bitte), irgendwie „stylisch“ auszusehen. Der dezentere Fan elektronischer Musik zum Beispiel erfreut sich an sogenannter „Clubwear“. Wir nennen diesen Typ mal der Einfachheit halber mal „dummes Medien – Arschfick – Drecksficker – Huren – Klugscheisser – kurzer – Pimmel – Möchtegern – Metro – Arschloch“. Merkmale der männlichen Exemplare wären da in etwa: ärmellose Hemdchen, dicke Holzketten, Stylo-Sonnenbrillen (z.B. mit Farbverlauf – seit 10 Jahren der heisseste Mode-Geheimtipp…), hellblaue Jeans mit „abgefahrenen“ Taschen, Stickereien und Nähten, riesige Gürtelschnallen, das obligatorische Schlüsselband (Wie oft sollen wir es denn noch sagen?), silberne Nikes oder Puma-sieht-aus-wie-ein-Fussballschuh-ist-aber-keiner-Scheisso-Latschen und – aber darauf kommen wir später noch einmal zu sprechen – Meshback-Caps. Die weiblichen selbst-ernannten „Stylerinnen“ zeichnen sich vor allem dadurch aus, möglichst wenig an zu haben (was aber eigentlich schon wieder ganz OK ist).

 

Tja, irgendwann ist auch die Jugend vorbei und der „Ernst des Lebens“ (der ganz nebenbei übrigens meinen Sack fressen kann) fängt an. Naja, eines Tages erwischt es einen, man landet in einer beschissenen Firma (die z.B. Fugendichtungen für Lüftungsanlagen herstellt), muss arbeiten und stellt sich – wahrscheinlich zu ersten Mal – in seinem kümmerlichen Leben die Frage: „Was ziehe ich an?“. Doch hier gilt eine einfache Gesetzmässigkeit: Wer als Student schon scheisse aussah, der langt auch im Beruf zielsicher ins Fettnäpfchen. Und so entsteht es dann – ein Panoptikum hässlicher „Business-Kleidung“: Die bunte Fliege (gern getragen von Wahlforschern und Chefvolkwirten), Schnallen-Lack-Leder-Slipper mit Bommeln an den Füssen von Osram-Angestellten („Hey, die sehen auch zu meinen Armani-Karotten-Bügelfalten-Jeans chic aus.“) und Informatiker, die auch noch mit 40 so aussehen, als hätte ihnen Mutti die Kleidung rausgelegt (was – heilige Scheisse! – wahrscheinlich meist sogar auch noch die Wahrheit ist). Bankkaufmann-Azubis beweisen in schlechtest sitzenden, bordeauxfarbenen Arsch-Sakkos am Schalter ebenso wie angehende Sekretärinnen, die sich in ätzende 100%-Polyester-Kostüme zwängen und krampfhaft versuchen, gut und kompetent auszusehen (momentan angesagt: das Modell „Presswurst“), stilsicher null Geschmack. Ach ja, falls jemand gerade zu schnell gelesen hat, kein Problem, wir weisen noch mal darauf hin: die Farbe Bordeaux ist generell immer tabu! Scheissfarbe! Aber hallo!

 

Der harte Arbeitstag geht zum Glück auch im schlechtesten Outfit vorbei und schläft man zu Hause nicht sofort auf dem Sofa vor einer Wiederholung „Golden Girls“ ein (was ein Leben!), lauert ein Feierabend voller langweiliger gesellschaftlicher Verpflichtungen oder langweiliger Rendezvous mit langweiligen Sexualpartnern in spe auf einen und damit eine weitere Klippe der Modewelt, die erfolgreich umschifft werden möchte: die Abendgarderobe. Ein zugegebenermassen schwieriges, aber nicht unlösbares Thema. Der Großteil der Bevölkerung ist jedoch hoffnungslos überfordert, wenn ein Geschäftsessen, die Hochzeit des besten Kumpels oder der 50. Hochzeitstag der Eltern auf der Agenda stehen. Manch (vermeintlich) cleverer Kopf löst das Problem im Handumdrehen mit einem Frack. Falls man nicht gerade zufällig Konzert-Pianist oder amtierender Pinguin-Wettbewerb-Vize-Weltmeister ist, leider fast immer falsch. Wer uns nicht glaubt, dass Fracks nicht gut sind, der sei darauf hingewiesen, dass sowohl Thomas Gottschalk, als auch der gute alte Dieter „Diddi“ Thomas Heck stets im Frack auftreten. Und die beiden sind… na…. kommt Ihr drauf? Am härtesten trifft es die Kleinen unter uns, die vor einem „besonderen Anlass“ von Mutti so richtig „rausgeputzt“ werden. Tja, wenn die Eltern schon nix drauf haben (er im roten Sakko mit gelben Tüchlein in der Brusttasche, sie im türkisen Rüschen-Inferno), haben auch die Kinder nix zu Lachen. Diese armen Schweine werden dann von Mutti in ein riesiges, farbiges Sakko gesteckt, der obligatorische Seitenscheitel darf nicht fehlen, so dass der Rest der Familie den ganzen Abend über den „jungen Mann“ redet und staunt, wie erwachsen er doch schon ist. Im Regelfall sehen aber die Gastgeber am beschissensten aus, da immer zu wenig Zeit fürs Styling eingerechnet wird und den Gästen dann in Bademantel, mit Lockenwicklern im Haar, die Tür geöffnet wird. Besonders krass sind Hochzeiten, wie man sich in den Auslagen von Fotogeschäften (Abteilung: Hochzeitsbilder) überzeugen kann: 160kg-Sachbearbeiterinnnen träumen im kitschigen rosa-schiller-Plastik-Prinzessinnen-Outfit (Farbe: „plexiglass“) von der großen Liebe, während der Bräutigam im fiesen rot-grün schillernden Anzug (so ein glänzender Ätzo-Stoff – keine Ahnung wie der heißt – aber Ihr wisst hoffentlich, was wir meinen) mit besticker Weste und (klar) Schnauzer, eine ähnlich schlechte Figur abgibt. Ein Traum!

 

Nach der Hochzeit ziehen die Jahre ins Land, von heute auf morgen kommen die Wechseljahre und die Braut von damals denkt: „Jetzt muss ich mich mal verändern!“. In dieser Phase brauchen diese Frauen dann extra beschissene Outfits, die total „abgefahren“ wirken sollen und „mal was anderes“ sind. Dazu zählen lustige Brillen (z.B. achteckige Gläsern im dreieckigen Rahmen), unsymmetrische Frisuren, übertrieben lange Ohrringe (selbstverständlich nur EINER) und total „freche“ Kombinationen wie z.B. einen Rock über der Jeans tragen oder Pullis mit nur EINEM Ärmel. Wir empfehlen, die Frustration über die Nichtigkeit des Seins entweder zusammen mit einem qualifizierten Therapeuten zu bearbeiten oder einfach Tabletten-abhängig zu werden, aber nicht, zum Schaden der Umwelt in dummer Kleidung auszuleben. Der „freche“ Kleidungsstil ist bei Männern eher selten, aber das wird durch ein anderes Patentrezept für schlechtes Aussehen wett gemacht, das seine Ursprünge in den 90er Jahren hat und von uns mal „Andreas Türk-Style“ getauft wird (ganz nebenbei, ist der nicht mittlerweile wegen Vergewaltigung im Knast?). Dazu benötigt man lediglich einen Anzug (C&A reicht dicke) und ein übertrieben knalliges Hemd (gerne türkis, lila oder orange und schön weit offen lassen) mit 70iger-Jahre-Riesenkragen, den man dann gewitzt über den Kragen des Sakkos schlägt , so dass dieser komplett verschwindet. Wie lustig! Kein Talkmaster, der etwas auf sich hielt, kam ohne diesen modischen Fauxpas aus! Halt: Mir fällt spontan Arabella Kiesbauers „Kartoffelsack-Faltenrock mit Fellstiefeln und wallender Rüschenbluse“ oder Hans Meisers „Grau-in-grau-in-grau-Langweilo“-Outfit ein, aber das sprengt hier eindeutig den Rahmen. Wir wollten das alles nur der Vollständigkeit halber erwähnt haben, heutzutage trägt eigentlich niemand mehr so ein total dummes ein Talkmaster-Outfit – bis auf wenige Ausnahmen: Big Brother-Deppen, Comedians oder Schlagersänger pflegen dieses Tradition schon noch mit Ehrgeiz. Fällt Euch da was auf?

 

Vom Schlagersänger ist’s nicht weit zum Musikantenstadel und zur Wies’n – unsere nächsten Tatorte, denn: es geht um Lanshausmode. Ihr wisst schon diese Möchtegern-Tracht-Fantasia-Scheisse. Hier ist es mal wieder nötig ein generelles Verbot auszusprechen: Landhausmode geht garnicht! So ein Müll: Klamotten aus alten DDR-Postsäcken mit tollen Kordeln und Lederapplikationen, sau-unmotiviert mit irgendwelchen Frakturschriften bedruckt (Aufschrift: Wurstsalat, Ammergauer Postillion 1746 oder Lech am Inn (!)…) sind einfach nur blöd und überflüssig. Genauso wie diese ekligen über 50 Jährigen Sonnenstudio-Exjunkie-Schabraken in Leder-Landhaus-Hot-Pants, die einem nach 21:30 Uhr auf der Wiesen zu Nahe kommen. Bäh! Ach so, noch was: wer sich im übrigen nicht als CSU-Burschenschafts-Affe outen möchte, sollte auch die Finger vom Trachtensakko lassen.

 

So ein Stress. Da hat man sich schon mal ein wenig Urlaub am Meer verdient. Doch auch hier das selbe Bild. Neben viel nackter Haut (die man meist lieber nicht sehen würde) fallen einem hier vor allem Männer in String-Badehosen auf. Ein besonderr Trend bei jüngeren Semestern: Sobald ein Strand in der Nähe ist, machen alle Klamotten-mässig schön einen auf lässigen Surfer (hahaha, wir auch), aber keiner kann’s.

 

Grandiose Überleitung zu Sportbekleidung! Hier gilt gerne mal die Devise: funktional (wobei die Funktionalität in der Regel in der Marketing-Abteilung und nicht im Versuchslabor ersonnen wurde) und bunt. Besonders bei Radkleidung geht’s voll ab. Wer kennt nicht die 50jährigen Penner, die sonntags die Landstassen auf Ihren 6.000€-Atom-Rennrädern unsicher machen und 43-farbige Trikots mit 5-farbigen Helmen und 9-farbigen Radlerhosen tragen. Überhaupt:: Radlerhosen, bzw. Leggins (bei Joggern gern gesehen) haben eh schon mal prinzipiell nicht an Männerbeinen zu suchen. Wo sollen denn da die Geschlechtsorgane hin? Ah, verstehe: Welche Geschlechtsorgane… Aber: Wer fleissig joggt, muss wenigstens nicht auf der Würdeleiter in den Keller steigen und im Übergrössen-Laden unter dem Motto „Dick & Chic“ oder „Modische Kleidung für starke Frauen“ kaufen. Hier die traurige und ungeschminkte Wahrheit: Kleidung, von der behauptet wird, sie würde Fettsein kaschieren, brandmarkt meist den unglückseligen Träger, als mit seiner Figur unzufrieden, macht ihn aber leider nicht mal optisch dünner.

 

So jetzt reicht’s aber langsam! Beim Schreiben wird einem noch mal so richtig bewusst, was einem da tagtäglich eigentlich alles zugemutet wird! Und weil das Inferno, was die meisten schon bei der Wahl von Hose und Oberteil anrichten, noch nicht schlimm genug ist, gibt es auch noch so etwas wie Accessoires. Die machen alles immer noch viel schlimmer machen, z.B. kleine Ansteck-Teddybären auf dunkelgrünen Spiesser-Mänteln (seinerzeit tatsächlich gesehen bei einem Mädchen in der Nachbarklasse). Schockierend! Viel populärer ist aber der Mist, der mit Kopfbedeckungen gebaut wird! Wir greifen nur zwei Kategorien auf: 1. witzige Kopfbedeckungen (z.B. Wies’n-Hüte im Fass-Design, Cap mit Solarzelle und Ventilator, unzählige bunte und kein bisschen witzige Raceboarder-Plüsch-Kopfbedeckungen mit tausend Bommeln,…). Noch mal für alle, die beim Shredder Mag-Artikel über „lustigen T-Shirts“ nicht aufgepasst haben: Kleidung ist kein Ort für Witze. Witze erzählt man sich, man trägt sie nicht! 2. Kopfbedeckungen, die mal sau-in waren, es aber schon lange nicht mehr sind, von ewig-Gestrigen aber immer noch getragen werden (Cowboy-Hut: in 1998, Meshback-Cap: in 2000). Wenn Ihr den Schmarr‘n schon nur tragt, weil’s mal in war (und einen anderen Grund, in Mitteleuropa abends in der Disse einen Cowboy-Hut zu tragen, kann ich nicht erkennen), dann gebt Euch wenigstens die Mühe und tragt das Zeug nur so lange, bis es auch der hinterletzte Depp beim H&M kaufen kann.

 

Ein weiteres Accessoire ist der Gürtel. Hier haben uns schon viele Dinge in den Augen gebrannt, doch wir wagen uns nicht auf’s Glatteis und massen uns ein Urteil an, denn: Von Gürtel haben wir vom Shredder Mag keinerlei Ahnung. Unsere Hosen (so wir denn welche tragen) halten dank Augustiner-Bauch und Dauererektion auch ohne Gürtel! Nur bei einem Aspekt sind wir uns trotzdem sicher: Bitte nix an den Gürtel dran machen (Handy, Leatherman, Kotelett) – dafür gibt es Taschen.

 

Schlimm, schlimm, schlimm. Man kann soviel falsch machen! Genau das denken sich auch die sogenannten „Normalos“. Hier wird scheinbar „nicht so viel Wert auf teure Markenkleidung“ gelegt und vorsichtshalber nur bei Konen und im Hertie von der Stange gekauft. Zum Glück kann man diese Sachen ja prima miteinander kombinieren, so dass man fast nie auf GENAU dasselbe Outfit trifft, das man gerade selbst trägt. Es hat den Anschein, als wollen diese Menschen durch ihr Handeln, dem angesagten Modediktat aus Film, Fernsehen und Hochglanz-Zeitschriften trotzen, als legten sie keinen Wert auf Äusserlichkeiten (wo schliesslich auch die inneren Werte das sind, was zählt… jaja). Doch leider steckt hinter dieser Einstellung meist kein cleverer Schachzug wider die Oberflächlichkeit, sondern Einfallslosigkeit, Unkreativität und Langeweile. Liebe Freunde, wir wissen, es ist knifflig, aber Ihr macht es Euch nun wirklich zu einfach!

 

Für alle, die nun überfordert sind und gar nicht mehr wissen, was sie tragen sollen, wollen wir nun zum Schluss noch die Shredder-Patentlösung geben, aber zuerst muss noch eine Grausamkeit erwähnt werden. Wir wollten es uns ersparen, uns drum drücken, doch es hilft nichts: der Partnerlook kann nicht unerwähnt bleiben. Uns fehlen die Worte. Nichts fällt uns dazu ein. Warum?

 

So, jetzt aber noch ein Outfit, dass man immer tragen kann, zu Hause, im Büro, auf Parties – immer sieht man darin gut aus und gemütlich und preisgünstig ist es auch: das gute alte Stüberl-Asso-Outfit. Jeans mit Gummizug, buntes Hemd (Polyester-Bauwoll-Mischgewebe) und dazu eine Lederweste. Oder einfach mal im Trainingsanzug. Oder für die Maskulineren unter uns mit UncleSam-BodyBuilding-Hose und Bomberjacke. Eins dieser drei Outfits passt zu jeden, darum keine faulen Ausreden mehr und schnell auf zum Woolworth… Die schlechtgekleideten Zeiten sind vorbei!

Euer Cosmopolitan Mag

Shredder Einlauf #9: Fernsehen

 

shreddermag_shredder einlauf_logoWenn ein Tag nicht so anfängt wie er sollte, merkt man das meist bereits beim Aufwachen. Statt um 6:30 vom „Kikeriki“ des Weckers im superwitzigen Hahn-Design geweckt zu werden, mit einem „Hallo, schöne Welt!“ auf den Lippen mit einem Sprung von seinem Yuppie-Bett mit Nicki-Bettwäsche auf das Yuppie-Laminat seines Yuppie-Schlafzimmers zu wechseln, um jung und dynamisch sein Tagwerk als Bankkaufmann oder Produktionsingenieur bei Osram zu beginnen, wacht man einfach irgendwann auf, fällt dank Presslufthammer-Kopfschmerzen sofort wieder ins Koma und kriecht dann eine Stunde später auf dem Zahnfleisch zur nächsten Wasserquelle, um die Wüste Gobi aus dem eigenen Mund zu vertreiben, wobei einem langsam dämmert, dass 11 Bier vielleicht auch gereicht hätten.

 

Nun gut, etwa 20 Minuten später liegt man wieder im Bett, die Dehydration und das Platzen der Blase gerade noch mal abgewendet, und weiss nur eines ganz genau (und das ist nicht der genaue Ablauf des letzten Abends): Dieser Tag ist verschissen! Ganz sicher! Was also tun, wenn die entfesselte Bewegungsunfähigkeit auf die blanke Unproduktivität trifft? Ahh, wie wäre es denn mit Fernsehen, dieser grandiosen Erfindung des letzten Jahrhunderts, geschaffen, um einem graue Tage mit ansprechender Unterhaltung zu erhellen? Ort der in bewegliche Bilder gebannten Phantasie, Quell von Wissen, Abenteuer und Kurzweil! Man schaltet also seinen Fernseher ein und ab dem Moment ist eines nun wirklich endgültig klar: Der Tag ist verschissen!

 

Dank Kabelanschluss stehen einem binnen etwa 4,2 Millisekunden mindestens 30 Sender zu freien Auswahl (davon immerhin 23 in einer Sprache, der man auch mächtig ist). Kann eigentlich nichts mehr schief gehen! Denkt man. Die Entscheidung für den ersten angesteuerten Sender fällt leicht: Man nimmt einfach ARD, das in jedem aufrechten deutschen Haushalt „auf die 1 programmiert“ ist. Und was erblicken die ebenso hoffnungsvollen, wie verquollenen Augen: der Presseclub. Fein! Also schnell auf’s ZDF: hier zeigt die bei rheinländischen Langzeitarbeitslosen äusserst beliebte Spasscombo „De Höhner“ im ZDF-Fernsehgarten (Fernsehgarten?) gerade, was eine heisse Bühnenshow ist.

 

Grausam, aber immerhin Entwarnung, die Sendung wird nicht von Wolfgang Lippert oder dem alten (100? 200?) Menschenfresser Dieter Thomas Heck moderiert, sondern von einem unbekannten weiblichen Zombie (vermutlich „Miss Darmstadt 1982“). Dank Shaolin-verdächtiger Umschalt-Skills wird aber noch im kurzen Moment zwischen dem gerade unvermittelt ausgeklungenen Hit-Medley und der darauf folgenden Moderation ziellos umgeschaltet und man landet in der bunten Welt des Privatfernsehens. Bunt ist hier leider aber gerade nur die Kleidung der Talkshow-Gäste. Lila Krawatte zu bordeauxrotem Sakko? Aber hey, das sieht doch scheisse aus!

 

Doch der optische Eindruck verblasst schnell hinter dem Wortschwall, den der so bekleidete Mann (etwa Mitte 30 und bestimmt mit ganz ganz schlechter Sozialperspektive behaftet) unter Tränen und auf Knien (aber man kniet doch nur in Knastduschen und nie freiwillig!) auf eine sehr unansehnliche, aufgedunsene, sauerkraut-dauergewellte und betont schlecht gekleidete (Jeansweste und so) ostdeutsche Mitbürgerin loslässt: „….bababa…noch eine Chance…bababa….nicht so gewollt…bababa….Liebe….bababa…und die Kinder….bababa….“! Genau wie gesammelte Mimik entgleitet einem im selben Moment der Glaube an das Gute im Menschen. Warum? Warum, warum, warum muss es sowas geben? Können diese armseligen Kreaturen nicht einfach in ihren Löchern bleiben, und dort still und unglückselig verenden? Und wenn sie nun schon das Bedürfnis haben, uns mit ihrem Antlitz die Laune zu verderben, warum hindert man sie nicht daran, sondern im Gegenteil bietet ihnen noch ein Forum dafür? Verflucht seist du, oh Privatfernsehen!

 

Und so läuft der Fernseher den lieben langen (und verschissenen) Tag, man hangelt sich von einem Programm zum Nächsten, anstatt einfach abzuschalten und etwas zu Vernünftiges zu unternehmen (z.B. wenigstens mal „an die frische Luft gehen“ oder auf ein paar Dornkaart ins nächste Stüberl schlendern). Bei diesem Durchschalt-Terror (sog. „Zappen“ – welches Arschloch hat denn das schon wieder verbrochen?) kommt schnell der kleinste gemeinsame Nenner ALLER Sender ans Tageslicht: alle Moderatoren auf der gesamten Welt sind beschissen! Warum lässt man Leute in der Öffentlichkeit auftreten, die wahlweise nicht einmal ihren Namen buchstabieren können, weder lustig noch begabt sind oder einfach nur scheisse aussehen?

 

Warum dürfen Rentner, wie oben genannter Dieter Thomas Heck, Jürgen Fliege (der ist ja auch noch Pfarrer – ich glaub‘s ja nicht) oder Hans Meiser ungestraft ihren Senf ablassen? Warum schickt man Personen wie Ingo Dubinski, Frauke Ludowig oder Harry Wjinford auf die Mattscheibe, die optisch höchstens einem Komposthaufen Konkurrenz machen? Warum werden geistige Leuchten wie Mola Adebesi, Thomas Hermanns, Sonja Kraus oder Jochen Busse auf die Bevölkerung losgelassen, die nichts, aber rein gar nichts drauf haben? Ich weiß es nicht, aber anscheinend muss man als Moderator nur sehr magere Skills und einen äußerst niedrigen IQ vorweisen… Noch mehr Beispiele gefällig? Ulla Kock am Brink, Joachim Bublath, Arabella Kiesbauer, Marianne & Michael, Ulli Potofski, Vera am Mittag (was ist das denn für ein dummer Nachname?), Ramona Leiß, Johannes B. Kerner, Kai Pflaume, Jörg Pilava, Barbara Eligmann – jaja, die Liste ist lang.

 

Getoppt werden Moderatoren nur von einer kleine, aber nicht zu verachtende (oder eben doch) Sorte TV-Deppen: die Assistenten. Was muss man studiert haben, um beispielsweise, in Fall von Maren Giltzer, Buchstaben beim Glücksrad umdrehen zu können? Was für Fähigkeiten besitzt ein „Preis ist heiß“-Walter ausser Gewinne und Fragen vorleseb? Was kann Stefan Raabs „Show-Praktikant“ Elton, außer dick sein? Es gibt wie so oft im Leben keine Antwort und man lässt den Fernseher besser so lange aus, bevor diese Frage nicht beantwortet ist. Die öffentlich manifestierte Meinung, dass „das Fernsehen doch immer schlimmer wird“, ist nicht nur seit Schwarzeneggers „Running Man“ zu vernehmen, hält aber komischerweise niemanden davon ab, weiterhin tagelang vor der Glotze zu hängen.

 

Auch wenn Fernsehen eigentlich immer gleich dumm ist, wird diese Dummheit doch auf verschiedene Arten transportiert. Fangen wir ganz von vorne an: in unserer Jugend. Die 80iger waren voller Schrott und lehrten uns schon damals, dass es im Fernsehen nichts Anständiges gibt. Da wurden doch tatsächlich Hamster ins Rennen geschickt, um kommentiert und gefeiert von „Funny“ Mike Krüger, zum Held der Nation zu werden (remember „4 gegen Willi“?). Auch nicht zu vernachlässigen: Sendungen, in denen Schulklassen in unmöglichen Wettbewerben gegeneinander antraten und sich zum Deppen machten. Da hätten wir „Supergrips“ und „Flip Flop“ im Angebot (übrigens: der damalige Moderator von Flip Flop, Claus Kruesken, tauchte Jahre später aus der Versenkung auf, um im Werbeblock „Ford Aktuell“ zu moderieren, oh je Leben verbauert…).

 

Und wenn man schon Wettbewerbe zwischen Schulklassen startet, warum dann Sackhüpfen-zu-zehnt-in-einem-Sack oder ähnlichen Schmarrn und nicht amüsantere Disziplinen, wie mit-abgebrochenen-Glasflaschen-auf-einander-einhacken? Die damalige Comedy-Welle bahnte sich als „Spaß am Dienstag“ an und war damals schon nicht lustig, genau so schlecht das Musikfernsehen mit Vorreitern wie „Formel Eins“ und „Wurlitzer“. Über Sendungen wie „Mini-ZIB“ (Friss scheisse, Quaxi!), „Forsthaus Falkenau“, „Praxis Dr. Bülowbogen“, „Hugo Run!“, „Liebling Kreuzberg“ oder „Na sowas!“ schweigt des Dichters Höflichkeit…

 

Doch zurück ins Jahr 2005. Hier kommt einem schon beim Überfliegen des Fernsehprogramms das lauwarme Kotzen! Es scheint, als drehe sich alles nur um das große Motto „Comedy“! Haben die Leute im Leben denn so wenig zu lachen, dass sie sich mit so einen Scheisse zufrieden geben müssen? Das Wort „Comedy“ kann man getrost mit „nicht lustig“ übersetzen, denn was diese Arschlöcher da abliefern, ist unserer Vorstellung nach von Witzigkeit und Unterhaltung so weit entfernt, wie die Shredder-Redaktion von der Teilnahme an der Eiskunstlauf-WM. Liegt die deutsche Durschnittsmesslatte in Sachen Witzigkeit und Kreativität wirklich so tief, so dass man sich bei diesem Programm herzhaft auf die Schenkel klopfen muss und vor lachen nicht mehr kann? Wie verblödet muss man denn sein, um sich über flaue Unterhaltung und maue Witzemacherei á la „Quatsch Comedy Club“, „Oliver Pocher“, „Atze Schröder“, „Ladykracher“ oder „Mensch Markus!“ vor dem Fernseher zu kringeln?

 

Mir kommt einfach nur der Dünnschiss aus den Ohren und ich musste noch nie, ja noch NIE, auch nur EINE Sekunde annähernd schmunzeln, bei diesem Arschgeigen. Jawohl Arschgeigen! Ihr scheiss Comedy-Arschlöcher! Ich kann gar nicht sagen, wie ich Euch hasse, bitte verpisst euch mit eurem dummen Drecks-Humor! (Ich vergaß, über die ganze Karnevalsscheise á la „Mainz wie es singt und lacht“ zu reden, aber bevor es so weit kommt, lieber schnell das Thema wechseln sonst meldet sich mein Magengeschwür wieder.)

 

Ein weiteres grosses Übel sind definitiv die sog. „Soaps“ wie z.B. „GZ/SZ“, „Marienhof“, „Unter Uns“ oder die „Lindenstraße“. Hier wird einem das „ganz normale Leben“ vorgegaukelt, in Wirklichkeit handelt es doch um konstruierte Scheisse, die niemals passiert. Oder kennt ihr Karl-Simon, den gepiercten schwulen Behinderten, der ein Verhältnis mit seiner älteren schwangeren Cousine Andrea (die ist übrigens heroinsüchtig, immer wieder mal lesbisch und dann doch nicht, wenn’s ins Drehbuch passt, und seit Jahren im Knast) hat? Nein? Na also.

 

Hauptsache blöde Geschichten erfinden, die sich um Alltagsschmarrn, geheime Liebschaften, Intrigen, Streit, Ärger, aber auch „Hoffnung“ (wann kriegt der kleine Michi endlich die lang ersehnte Taschengelderhöhung?) drehen. Das einzig positive an Soaps ist, dass wenn ein Schauspieler nach Jahren ausscheiden will, er sterben oder spurlos „verschwinden“ muss. Sehr lobenswert, einer weniger.

 

Von ähnlich niedriger Qualität sind „Arzt-„ oder „Krankenhaus-Soaps“ wie z.B. „Emergency Room“ oder „Dr. Stefan Frank – der Arzt dem die Frauen vertrauen“. Was interessiert mich der Katheter, die Gürtelrose oder der picklige Hintern von irgendwelchen fremden Menschen? Ich hab Zivildienst gemacht, danke, das reicht. Sehr gut sind auch Autopsie-Shows, bei der sich Nekrophile lustig einen runter holen können…

 

Eins der dunkelsten Kapitel der nicht nur deutschen Fernsehgeschichte, sind die „Reality-Shows“. Wird jeder, der von einem Kamerateam begleitet wird, automatisch interessant und sehenswert? „Ärger im Revier“ oder „Unterwegs beim Ordnungsamt Olpe“ sind gute Beispiele, die zeigen, dass dies nicht der Fall ist. Die Könige dieser Disziplin sind definitiv die „Big Brother“-Idioten, die gelangweilt in irgendwelchen Containern, in Ostdeutschland (vermutlich Nähe Gorleben) rumsitzen und sich anschweigen oder Unterhaltungen auf Bodensatz-Niveau führen.

 

Geht´s noch ärmer? Sollte mir mal extrem langweilig sein, werde ich mir noch eher die längst überfällige Steuer 2003 zur Brust nehmen, als diesen Gammlern beim Nichtstun zu zu sehen. Weitere Beispiele dieser Kategorie wären das „Girls-“ oder „Dschungelcamp“ wahlweise auch „Die Burg“. Hier spielen zwar Immerhin C-Promis mit, aber denen beim rumsitzen zu zu sehen, ist auch nicht weiter unterhaltsam.

 

„Taff“, „Extra“, „Die Akte“, „Exclusiv“ oder „Life!“, das sind die großartigen Boulevardmagazine, die dummerweise immer genau dann laufen, wenn man den Fernseher einschaltet. Hier wird grundsätzlich nur über belanglosen Promi-Dreck berichtet (Michael Schumachers neue Super-Villa in Ost-Monaco, Mooshammers goldene Dildo-Sammlung, Joschka Fischers neue Fitness-Methoden oder über das aktuelle Buch von Michaela Schaffrath aka Gina Wild, die ganz gerne seriös werden möchte…). Alle andere Themen sollen Aktualität, Exklusivität oder „was ganz Verrücktes“ vermitteln, sind aber stinklangweilig: Brustvergrößerung, Basejumpen vom höchsten Gebäude der Welt, das Haus ohne Ecken usw… Das sind Themen, über die noch nie jemand Bescheid wissen wollte und das wird auch die nächsten 100 Jahre so bleiben.

 

Ein wenig aus der Mode gekommen, nach wie vor aber total überflüssig, sind „Talk-Shows“. Dass bei den Darstellern (wir bringen die Wahrheit ans Licht: meist nur gecastete Schauspieler) nur gähnende Leere im Kopf herrscht, genauso wie bei den Leuten, die sich das anschauen, wissen wir alle. Die Hochphase der „Arabellas“, „Sonjas“ und „Bärbels“ dürfte erfolgreich überwunden sein, deswegen gleich weiter zu den „Gericht-Shows“ oder ähnlichem Schrott, die an die Stelle besagter Talk-Shows getreten sind. Hier gibt´s, kreativ wie man halt beim Fernsehen so ist, wieder einmal gecastete Leute, die auf´s Neue auf langweiligen Themen herumkauen. Vollkommener Schwachsinn, wer interessiert sich denn für die „Verurteilung“ des kleines Alex, der seinem Freund die Scheisse aus den Windeln klaute? Gähn. Gähn. Gähn.

 

Eine andere Ausgeburt der TV-Großkonzerne sind „Gewinn-Shows“, die dem Zuseher als „Wer wird Millionär“, „Glücksrad“, „Ruck Zuck“ oder dem „Familienduell“ (ist der Moderator nicht Alkoholiker und elendig verreckt?) rund um die Uhr serviert werden. So ein Blödsinn hat doch im Fernsehen nichts verloren, wer macht sich denn bitteschön für ein minimales Zusatztaschengeld vor laufender Kamera zum Deppen? Leider ziemlich viele, aber will ich dabei auch noch zu schauen? Wenn wenigstens die Gewinne ein wenig ausgefallener waren.

 

Statt einem Traumurlaub für die ganze Familie in Bulgarien (natürlich „alles inkl.“) hätten wir lieber z.B. das Erbe der Augustiner Brauerei, ein Zimmer im Unterwasser-Hotel auf Lebenszeit oder einfach mal ehrliche 60 Mio Euro als Siegprämie. Unter diesen Umständen würde ich vielleicht sogar auch mitmachen, aber wenn´s weiterhin nur um ein paar madige Euros geht oder besagte Scheiss-Reisen, die dem Sender eh nicht wehtun, weil die Werbepause mindestens das 10fache einbringt, nein danke.

 

Als eifriger TV-Konsument kann man ausserdem feststellen, dass spät nachts immer mehr Sender ein sog. „Quiz“ schalten, in dem großbrüstige Frauen extrem leichte Pipi-Fragen stellen: „Was ergibt 4 mal 4?“, „Welches Wort passt nicht in die Reihe: Salami, Gelbwurst, Ölfilterspinne oder Schinken?“ oder einfach der Klassiker „Nennen Sie uns die Unterschiede vom rechten zum linken Bild“. Auch dieses System ist schnell durchschaut: Anrufer bei 14 Euro/min möglichst lange in der Leitung halten und grundsätzlich nie jemanden antworten lassen, wie schlecht ist das denn bitte?

 

Mindestens genau so arm sind „Erotiksendungen“ („Peep!“, „Liebe/Sünde“). Die Berichte über die neuesten Sextrends (beim Sex Mozart hören, Pimmel in Schampus tauchen und ablecken lassen, Erdbeer- und Sahnespiele…gähn…) oder die witzigsten Sexspielzeuge (Kondome in Tele Tubbies Form, Liebeskugeln von Tchibo…) kann man sich doch getrost sparen. Die wahnsinnig ausgefallenen Sex- und Beziehungstipps (wenn’s nicht mehr klappt, dann unbedingt mal Sex im Aufzug probieren, oh Mann!) fallen ebenso in die Kategorie überflüssig. Wer sich beim Sex dumm anstellt, dem ist mit so einer Sendung auch nicht geholfen.

 

Dann mal lieber ab ins Kloster, abends heimlich unter der Bettdecke wixen und noch mal darüber nachdenken, wie es denn so weit mit einem kommen konnte! Eine Alternative wären die „Sexy Sport Clips“, die ab ca. 23:00 auf DSF laufen. Die billigen Ostmädels, die sich auf Tennisplätzen oder Autorennstrecken zwischen ferngesteuerten Autos ausziehen (um darüber zu schreiben, mussten wir uns das natürlich ein paar mal anschauen) sind leider alles andere als „sexy“ und mit „Sport“, hat das auch recht wenig zu tun…

 

Mittlerweile dürfte doch für fast jeden was dabei sein, und damit unsere Besserwisser auch nicht zu kurz kommen und in der Schulpause wieder mal uninteressante Scheisse ablassen können, wurden zum Glück „Wissenssendungen“ erfunden. In Formaten wie „Galileo“ oder „Welt der Wunder“ werden solche Deppen ziemlich gut bedient, der Inhalt eignet sich hervorragend zum blöd aufposen: „Wie kommt das Gemüse in die Dose?“ (Der Besuch bei Bonduelle in Thüringen), „Wie entsteht ein Erdbeben / eine Fata Morgana / ein Waldbrand?“ oder „Warum ist ein Chamäleon überhaupt ein Chamäleon?“ sind doch Themen, die niemanden auf der Welt interessieren (der Klassiker: Zombienerds zeigen im Telekolleg, wie man die Länge einer Hypothenuse berechnet – yeah!). Interessante Themen wären mit Sicherheit: „Wie kommt eigentlich die ganze Scheisse ins Fernsehen?“ oder „Hat der Moderator eigentlich schon mal gefickt?“, aber uns fragt ja keiner.

 

Im Fernsehen kann es eigentlich jeder Vollidiot zu etwas bringen, ein gutes Beispiel sind wieder mal unsere geliebten Promis. Ist ja egal, was man kann (in der Regel nix), aber Hauptsache eine Show wie den „Red Nose Day“ oder die „Afrika-Spendengala“ moderieren. Schon komisch, wenn ein Axel Schulz oder eine Verona Feldbusch durch die Sendung leiten, sich 100 mal versprechen und ständig in die falsche Kamera glotzen. Was soll das denn? Nerven diese Menschen nicht allein schon durch ihre pure Anwesendheit? Aber nein, da muss noch ein dünnes Sendungskonzept drum gesponnen werden, damit der dumme Konsument sich auch noch freut.

 

Ein gutes Beispiel ist Hugo Egon Balder, der andauernd irgendeine Chart-Show moderiert, das nächste Mal: „Die besten Hits für Tage an denen man Durchfall hat“ oder „Die grössten Hits, bei denen der zweite Buchstabe des Schlagzeugers ein K ist“. Mit dabei sind die üblichen Scheiss-selber-Sender-Promis, die für eine Mark als Studiogäste kommen und „voll die Party feiern“. Spezialisten hierfür sind: Oli. P, Axel Schulz (schon wieder), Otto, diverse Comedy-Deppen und so weiter. Spezialist für unqualifizierte Kommentare ist auch Roberto Blanco, der taucht doch überall grundlos auf und versucht Stimmung zu machen (z.B. bei der Eröffnung des neuen REWE in Milbertshofen oder in besagten Boulevard-Magazinen). Man könnte den doch mal vor laufender Kamera zusammenschlagen, weil „Ein bisschen Spaß muss sein“, oder nicht?

 

Zu guter Letzt noch ein paar Sendungen, bei denen uns einfach die Worte fehlen: „Frauentausch“, „Schnulleralarm“, „S.O.S. – die Heimwerkersendung“, „Herzblatt“, „Home Shopping Europe“, „Money Trend“, die „Simpsons“ (ja, wir finden die beschissen!), „Der Frauenknast“, „Alarm für Cobra 11“, „Nur die Liebe zählt“ oder einfach reisserische Tiersendungen aus dem Outback, bei denen die millionste supergiftige Würgemonsterschlange gezeigt wird (langweilig). Früher gab es mal eine österreichische Tiersendung, dort wurden sabbernde und verwahrloste Haustiere verschenkt, die natürlich nicht stubenrein sind – geht´s noch?

 

Über einen ganz großen Industriezweig, das Musikfernsehen, wollen wir erst gar nicht sprechen. MTV und VIVA sind stinklangweilig und in Wirklichkeit reines Werbefernsehen und wer schaut sich denn freiwillig Werbung an, wohl niemand, oder?

 

Ihr seht, Fernsehen ist leider echt für den Arsch! Also, seid gewarnt, auch wenn die Verlockung bisweilen gross ist, schaltet den Scheiss-Fernseher erst gar nicht ein. Lasst es, es bringt nichts!

 

In diesem Sinne: Grüße und „Turn off your TV and go skateboarding!“
Euer Shredder Mag

 

PS: Wusstet Ihr, dass man von zu viel fernsehen, viereckige Augen bekommt? Vorsicht, Vorsicht.

Shredder Einlauf #8: Der ganz normale Wahnsinn des Lebens

 

shreddermag_shredder einlauf_logoAlso ob es nicht genug wäre, dass ich seit ein paar Tagen auf einem Ohr nichts höre und es pfeift wie ein Teekessel: gestern bin ich vorm Fernseher eingeschlafen. Heute wache ich auf. Unter den Fernseher und den Teekessel mischt sich ein neues Geräusch. Klingt wie unsere neue Klingel.

 

Ich mache auf. Der Gerichtsvollzieher. Er fuchtelt mit ein paar Unterlagen vor meiner Nase herum. Der Wind macht mich langsam wach. 508,16 Euro. Umsatzsteuer 3 Quartal 2004. Das erste, was ich sage ist „Ausweis“. Klar fährt er mich gerne zur Bank. Schön. Ich ziehe mir einen Pulli über und wir fahren also dahin. Ich setze mich zu ihm ins Auto und gebe ihm das Geld. „Leider kann ich sie nicht zurückfahren, ich bin nämlich schon beim nächsten“ aha, ich laufe also im Pulli zurück nach Hause. Es ist nicht gerade warm.

 

Briefkasten. 40 Euro Schwarzfahren. 300 Euro neue Zahnarztrechnung. Als ob die 1812,40 Euro von vor 2 Wochen nicht genug gewesen wäre. Also erst mal einen Kaffee und vor den PC. Immer dieser Teekessel auf dem linken Ohr. Ich mache 10 Minuten rum. Absturz. Nichts geht mehr. Der Rechner fährt nicht mehr richtig hoch. Ich mache einen ram-check. Aha. Ab dem 157 MB alles im Arsch. Ram ausgebaut. Fahrkarte gekauft. Das ist wichtig. Heute ist so ein Tag, da sollte ich auf keinen Fall schwarz fahren. Natürlich kontrolliert keiner.

 

Ich fahre in die Schillerstraße wo mein PC-Dealer ist. „Neueröffnung asiatische Spezialitäten“. Nach einigem Suchen finde ich einen anderen, der mir sdram für Laptops verkaufen würde, hätte ich nur meinen Laptop dabei. Sie verkaufen nämlich nicht mehr Laptop-ram ohne Tests. Aha.

 

Ich fahre also zurück ins Westend. Von weitem sehe ich schon eine Frau ungelenk auf mich zustolpern. Die Witterungsverhältnisse machen ihr sehr zu schaffen. Das wäre mir eigentlich recht egal, würde nicht ein 60 Kilo Pitbull an ihrer Leine ziehen. Jetzt ist es soweit. Wenn sie genau auf meiner Höhe ist, wird sie stolpern. Der Hund wird erschrecken und sich in meinem Bein verbeißen. Ist doch klar. Ich überlege kurz, ob ich ihm das linke, oder das rechte Bein hinstrecke. Das linke, weil das recht ist mein Standbein. Ich bin sehr verwundert, als alles gut geht.

 

15:30 Termin beim Ohrenarzt – 17:15 komme ich dann dran. Erst mal zum Hörtest. Das rechte Ohr ist 1A, die Kurve eine gerade Linie durch alle Frequenzbänder. Die Kurve des linken Ohres sieht ungefähr so aus wie der Aktienkurs von Borussia Dortmund. Aha, eine Entzündung. Normalerweise keine große Geschichte, bei mir allerdings ist der Fall anders gelagert. Die Entzündung drückt auf die Härchen. alles ist ganz akut. Er bläst mir erst mal in die Nase, während ich „Coca Cola“ schreien soll.

 

Danach 250 Milliliter Fusion. wenn’s morgen in der früh nicht besser ist, dann überweist er mich in die Klinik, um das Trommelfell aufschneiden zu lassen und die Entzündung abzusaugen. Kennt ihr das? du hörst Klinik und plötzlich ist alles gar nicht mehr so schlimm. Man fragt sich sogar, warum man mit so einer Lapalie überhaupt auf die Idee kommt, die Ärzte zu belästigen. Er hofft, dass die Härchen sich wieder aufrichten, normalerweise würden sie das. Es besteht aber das Risiko, dass der Ton für immer bleibt. er zeigt mir ein Bild mit gesunden Härchen und eines, das ungefähr so aussehen soll, wie meine. Ich muss lachen. Er versteht das nicht ganz, aber ich kann nicht anders.

 

Auf zur Schillerstraße zwecks dem Laptop. der Verkäufer von vorher ist natürlich nicht mehr da. Der neue Verkäufer baut 3 verschiedene Arbeitsspeicher in meinen Laptop ein. Keiner geht. der vierte geht dann und kostet 100 Euro. Nix 65. Das System fährt aber immer noch nicht ganz hoch. Ich zahle und gehe, weil ich keinen Bock mehr habe. Nach ein paar Harddisk-Checks bringe ich dann den Rechner doch noch auf Vordermann. das passt irgendwie gar nicht in den Tag. Was hat das zu bedeuten? Nach ein paar Minuten wird mir klar warum. Ich sollte heute noch feststellen, dass die Datei, an der ich nun seit einer Woche gearbeitet habe, nun kaputt ist.

 

Morgen ist ein anderer Tag. Da wird alles gut. Ich bin mir sicher.

Shredder Einlauf #6: Weihnachten

 

shreddermag_shredder einlauf_logoSo liebe Kinder,

 

passend zur „Stillen Zeit“, widmen wir uns dem Mythos des Christkindes. Ihr denkt wohl immer noch, dass dieses Wesen schneeweiße Nachthemden trägt, einen halben Meter über dem Boden von Kinderzimmer zu Kinderzimmer schwebt, nur um nebenbei einen großen Haufen Geschenke unter’m Weihnachtsbaum zu deponieren. Doch weit gefehlt, diese Version ist feinste christliche Propaganda und von der Wahrheit weit entfernt! Das Shredder Mag bringt wieder mal die ganze Wahrheit ans Tageslicht und zeigt Euch, wie’s wirklich abläuft an Weihnachten. Erfreut Euch nun an der original Weihnachtsgeschichte mit original Christkind:

 

Weihnachten 2004 in München/Giesing: Wir befinden uns in einer schimmligen Altbauwohnung in der Nähe des 60er Stadions. In den Ecken stapeln sich, umringt von Adelskrone Plastikflaschen, diverse Pizzakartons mit der Aufschrift „Mexiko“, prall gefüllte Bio-Müllbeutel und hoffnungslos überfüllte Aschenbecher. Die verrauchte Luft, die unmotiviert blinkende Lichterkette am Fenster und die vergilbte Dartscheibe vermitteln ein authentisches Stüberl-Flair, wie´s im „Sowieso“ oder in „Berta´s Steheck“ nicht besser sein könnte.

 

Durch die schlecht schliessenden und immer geschlossenen Jalousien kämpfen sich vereinzelte Sonnenstrahlen, wir folgen ihnen ins Schlafzimmer, in dem wir eine unansehnliche Person, bekleidet mit an der Seite schnürbarer Lederhose und mit nacktem Oberkörper in Segmüllers „Young Living“ Bettenparadies erkennen können. Wie ein Zitteraal beim Balzverhalten krallt es sich in die ockerfarbene Bettwäsche „Wyoming“ und stößt in regelmäßigen Abständen einen gequälten Seufzer aus, gefolgt von unscheinbar leisen Fürzen, die, wie jeder weiß, atomar stinken.

 

Aus der eindeutigen Zusammensetzung dieses Duftes kann man schnell schließen: da war gestern wohl Bier im Spiel: Prost! Das schmerzverzerrte Gesicht und die dunkelbraunen Cowboy-Stiefel, die immer noch an den Füssen weilen, weisen ebenfalls auf einen Rausch hin, der erstmal ausgeschlafen werden muss. Leider aber wird die scheinbare Ruhe plötzlich jäh durch ein Handy mittels Yamba!-Rattensound aus dem zerknüllten Seidenblouson unterm Schreibtisch verdrängt: „Ratttttt, Rattttt, Rattttt!“, doch keine Regung ist zu vernehmen. Dank der fabelhaften Einstellung „Ansteigender Rufton“ im Samsung „Schwuletto“ erreicht der Lärmpegel binnen kürzester Zeit die Durchschlagskraft eines mittelgroßen Manowar-Konzertes und unser Bierfreund öffnet langsam ein Auge: starre Junkie-Pupillen vermitteln der Eindruck, er habe die Situation nicht wirklich verstanden. Nach regungslosen 5 Minuten scheint die Murmel im Hirn endlich ins Loch gefallen zu sein und unser Held wankt mit unsicheren, Flamingo-artigen Schritten in Richtung des kreischenden Taschentelefons. „Jaaahhhh… haallo?“, scheppert es aus seinem Reval-filterlos-geshredderten Rachen. „Klick…“. „Aufgelegt…verdammt.“ Die verbleibende Nummer auf dem Display signalisierte ihm den verpassten Anruf seines Vaters: Josef. „Was will denn der Alte schon wieder?“, grübelte er. Doch dann fiel es ihm wie Schuppen von den Augen „Heute ist Weihnachten, verdammt!“ Jedes Jahr das gleiche Spiel: das ganze Jahr über gibt es nichts zu tun und dann, an dem einen mickrigen Tag, wo es drauf ankommt, liegt das Christkind mit einem Mordskater im Bett…

 

So langsam kam ihm wieder die Erinnerung. Zehn oder elf Jahre muss es her sein. Er saß damals in „Benno’s gemütlichen Eck“ und trank das siebte Herrengedeck, als sein bis dato nicht besonders glamouröses Leben eine überraschende Wendung nahm. Seit 5 Jahren war er arbeitslos (seinen Job als Maschinenschlosser verlor er, weil er einem Kollegen während der Arbeit im Rausch eine Hydraulikfräse auf den Fuß fallen lies und diesen zerquetschte). Sein Alltag bestand seit dem weitgehend aus Stüberlbesuchen, wo er das karge Arbeitslosengeld in alkoholische Getränke investierte. An diesem einen Abend – es kam gerade „Wind of Change“, sein Lieblingslied von den Scorpions – setzte sich ein grauhaariger Penner neben ihm, der sich ihm als Gott vorstellte und unterbreitete ihm ein Angebot, das abzuschlagen, ihm schwer fiel: 236,40 EUR (natürlich schwarz) sollte er monatlich erhalten und das einzige was er dafür tun musste, war einmal im Jahr (an Weihnachten nämlich) die Geschenke verteilen und ab und an Petrus zum Einschlafen eine Geschichte vorlesen. 236,40 EUR – das waren in seinem Stamm-Stüberl 98,5 Weißbier, 103,4 Boonekamp oder 60 Toast „Hawaii“! Er nahm an.

 

Als er bereits beim ersten Weihnachten merkte, daß der Job doch nicht so einfach war, und ihn darauf sofort hinschmeißen wollte (wie er das schon immer bei der ersten kleinen Schwierigkeit zu tun gewöhnt war), machte er die unerquickliche Bekanntschaft mit der göttlichen Rechtsabteilung, die ihm einen Vertrag auf Lebenszeit unter die Augen hielt, den er scheinbar im Suff unterschrieben hatte, und ihn daraufhin- nur um zu unterstreichen, dass man es ernst meinte – herzhaft zusammenschlug. Seitdem war es jedes Jahr die selbe Tragödie, denn er war von nun an das Christkind und trug die alleinige Verantwortung für die Auslieferung der Geschenke.

 

Doch nun weiter mit der Geschichte: Unser Christkind setzt sich mit seinem unsicheren Flamingo-Restalkohol-Gang in Richtung Klo in Bewegung, kommt aber bereits nach 2 Metern wieder zum stehen, weil er sich mit dem Fuss in einem Kleiderberg verheddert hat und fast auf’s Maul fällt. Sein Blick hingegen fällt in den Flur und damit auf die große eBay-Geschenkelieferung von vor 2 Wochen, die heute zu verteilen ist. Massenhaft Playstations, „Pelle Pelle“-Stirnbänder, Handyzubehör, DVDs, Drogen und WWF-Kalender stapeln sich dort. Im Kofferraum seines VW Scirocco warten weitere Kartons und die Rückbank ist ebenfalls vollgestopft. Ein „Scheisse“ entfährt ihm und ihm dämmert langsam, wie es auch dieses Jahr dazu gekommen war, dass er wieder alle Arbeit auf die letzte Sekunde schieben muss. Alles fing gestern ganz harmlos im „Prellbock“ an…

 

Er wollte sich eigentlich nur „auf ein Bier“ (ja ja…) mit seinem Grundschulfreund Recht Knuprecht treffen, doch daraus wurde nichts und aus einem Bier wurden 5, die Schnäpse nicht mitgerechnet. Leicht angetrunken und ohne große Widerrede setzte Recht seine Idee, noch spontan auf´s „Gerethereth“-Konzert (eine Epic-Metal-Band aus der Nähe von Rosenheim) in die Elser-Halle zu gehen, durch. Gesagt getan. Die S-Bahn-Haltestelle Ostbahnhof stellte den Wendepunkt in der Geschichte des Abends dar, denn das Christkind, nennen wir es der Einfachheit halber mal „Chris“, ist dank Zwischenbier im „Karacho“, einer Flasche Weg-Apfelkorn und gutem Fasanengarten-Home-Grown nicht mehr richtig aufnahmefähig. Das Erinnerungsvermögen ist ab diesem Zeitpunkt höchst angeschlagen und existiert nur noch als allseits bekannte „Diashow“ im Kopf. So ähnlich könnte der restliche Abend verlaufen sein: Eintritt 14 Euro. Bier. Vorband beschissen, nochmal Bier. Hauptband, einfach nur genial! Deswegen Bier. Extrem-Rotorbangen. Schwindlig. Bier. Konzert aus. Tankstelle. Ramazotti! Bier. Carazza. Heimweg. Nachtbus vollkotzen. Aus.

 

Doch damit nicht genug, beim Rotorbangen muss wohl die Halskette, an der sein Autoschlüssel hing, gerissen sein, denn auf seiner spärlich behaarten Hühnerbrust verbreitete sich gähnende Leere. Eine gekonnt rasante Handbewegung unter sein ärmelloses Poison-Longsleeve bestätigt seine Vermutung: der Schlüssel ist weg! Jetzt muss sofort ein Masterplan her, sonst gehen, so wie´s letztes Jahr beinahe passierte, die Hälfte aller Kinder an Weihnachten leer aus und erneuter Besuch der göttlichen Rechtsabteilung (beim letzten Mal konnte er erst nach 12 Tagen wieder ohne Schmerzen sitzen) steht ins Haus.

 

In dieser Situation scheint die letzte Rettung Hr. Habermann, der Kunstpark-Hausmeister, zu sein, den er noch vom Zivildienst im Babylon kannte. So manches verloren gegangene Accessoire vom Vorabend tauchte wie von Geisterhand in seiner Schlamperkiste wieder auf und sorgte für große Erleichterung bei zahlreichen im-Rausch-Sachen-Verlierern. Da rennt er auch schon los, der Chris. An diesem Punkt spulen wir in der Geschichte vor und blenden an folgendem Punkt wieder ein: nach illegalem Einsteigen in die Schlamperkisten-Area und erfolgreichem Schlüsselfund (dank blinkendem Nazareth-Logo an der Halskette) stolpert unser Heiliger über schlecht positioniertes Altglas und ruft damit Wachhund Agnes auf den Plan. Die von Hormonen überschäumende Hackfleisch-Bulldogge lässt sich dieses Schnäppchen natürlich nicht entgehen und verwandelt mit gezieltem Biss Chris‘ Slayer-Waden-Tattoo in den aktuellen Linienplan der 27er Tram. Blutüberströmt und mit keifendem Köter am Beim, entfernt er sich zügig aus dem Kunstpark, in Richtung Harlachinger Krankenhaus.
Unterwegs kann er den Hund per Grundsatzdiskussion davon überzeugen, loszulassen, denn als Christkind „hat man ja ’nen Job zu machen“. Falls das jetzt dem einen oder anderen Leser seltsam vorkommen sollte, nicht wundern, unser Protagonist beherrscht die Hundesprache perfekt. Im Harlachinger Krankenhaus angekommen, wird Chris´ Krankenversicherungs-Karte der „12 Apostel“ erst belächelt, schließlich doch akzeptiert und so geht es einen Steinwurf von der Notaufnahme entfernt, direkt auf den OP-Tisch. OP-Schwester S druckst erst ein bisschen herum, bis sie die Schreckensnachricht über ihre Lippen bringt: „Dein Tattoo können wir höchstens nur noch in Form von Sylt wieder zusammenflicken… viel schlimmer ist aber, dass die Valium-Junkies von Station 3c den Narkose-Schrank geplündert haben… Da es sich hier aber um einen Notfall handelt, bieten wir, auch für Kassenpatienten, kostenlos die „Delirium by Jägermeister“-Methode an.“ In dieser Disziplin ist er ja gut, der Chris. Bereitwillig setzt er besagte Flasche an, den Rest könnt Ihr Euch denken. 3 Promille und 1 Operation später steht Chris benebelt auf der Strasse.

 

Jetzt aber schnell zum VW Scirocco und die Geschenke verteilen! Doch soweit kommt´s nicht: Beim nächsten Dönerstand gibt´s auf diese OP erstmal das Tagesmenü (incl. 0,3l Uludag), welches in drei Bissen vernichtet wird, dem übrig gebliebenen Narkose-Rausch aber in keinster Weise entgegenwirkt: Der abschließende Jägermeister-injected Rülps schwängert die Luft mit dem Promillewert, den wahrscheinlich nicht einmal die gesamte F.C. Bayern-Südkurve an Sylvester um Punkt 12 zusammenbringt…

 

Am Auto angekommen legt Chris erst das Alice Cooper Tape, dann der Rückwärtsgang ein. Falsche Reihenfolge! Denn laute Musik + Rückwärtsgang + besoffen = grober Unfug. Und da haben wir auch schon den Salat: mit gehörig Schmackes bumst er amateurhaft dem hinter ihm geparktem Ford Ka in die Front. Zum Glück fährt just in dem Moment ein voll beladenes bayrisches Six Pack vorbei, welches ohne mit der Wimper zu zucken den Blinker setzt und neben dem Haufen Blech anhält. Ein kleiner schnauzbärtiger Beamter lehnt exakt 5 sec. später, samt dauergewellten Plastik-Blondine, an seinem Fenster.

 

„Den Führerschein ham´s wohl im Lotto gewonnen, oder? Haha! Steingen´s bittschön aus und zeigen´s mir ihre Papiere.“ schallt es aus dem Gesetzesrachen. „Auch das noch…“ brummt Chris in sich hinein. Um der bevorstehenden Misäre zu entkommen, hilft nur noch ein verbaler Frontalangriff, der (so denkt Chris) völlig überzeugend rüberkommt: „Also jetzt erstmal halblang! Ich bin immerhin das Christkind und was fällt ihnen eigentlich…“. „Blasen! Und zwar sofort! Bei der Fahne… schämen sie sich nicht?“ kontert das Schnauzergesicht. Kleinlaut nimmt Chris dem Blasebalg entgegen. An dieser Stelle zahlt sich wieder mal die langjährige Erfahrung im „betrunken nach Hause fahren und blasen“ aus, denn die Mischung aus dem noch schnell in den Mund geschobenen Fishermans Friend, einem Atom-Rülps und (generell) starken Döner-Mundgeruch lassen den Wert auf göttliche 0,38 Promille sacken. Verdutzt, nein, dass ist das falsche Wort, saublöd schauen sich die Gesetzeshüter an und zucken mit den Schultern. „Nun gut.. äh… des passt scho. Aber des nächste Mal sind’s dran.“

 

Daraufhin gibt Frollein Blond auch noch ihren Senf zum Besten: „Was haben sie eigentlich vorhin mit Christkind g’moant? Wissen´s, mein Sohn, der Gernot, wünscht sich doch schon seit langem die Chris De Burgh „Innocent Dreams“-Fanbox und da wollt ich fragen ob sie nicht vielleicht billiger…“. AAHHHHHHH! Ersparen wir uns diese Schmach. Nach aufgenommenen Personalien und ausgefülltem, 12-seitigem Unfallsprotokoll, setzt Chris, leicht lediert, seine Reise fort. Daheim angekommen entwirft er den Routenplan: die gesamte Innenstadt, plus Wolfratshausen, Dachau, Germering, Markt Schwaben und Oberschleissheim stehen auf dem Plan. „Das sollte in 5 Stunden zu schaffen sein.“ Zur Unterstützung wird der mittlerweile aus dem Koma erwachte Recht Knuprecht, der langjährig als UPS-Fahrer tätig war, engagiert. Dank ihm und Kenwood-Navi, entwickelt sich diese Geschenkeauslieferung doch noch zum Besten. In guter alter „Paper-Boy“ Manier wird einfach an den entsprechenden Häusern vorbeigefahren und die Geschenke im hohen Bogen aus dem Fenster hinaus katapultiert. Man glaubt es kaum, am Ende sind alle Geschenke ausgeliefert und Chris lässt sich, nach dem er seinen Gehilfen im „Zum Zum“ abliefert, zufrieden auf seine Couch fallen. „So ein Scheisstag… nur Deppen unterwegs.“ Doch zu früh gefreut: der anfangs erwähnte, grauhaarige Penner, steht mit zornigem Gesicht in der Tür.

 

Verwundert stammelt Chris: „Äh… hi.“ Daraufhin legt er sein Sonntagsgrinsen auf, faltet er seine Hände zu zwei Pistolen, „schiesst“ in die Luft und versucht die angespannte Stimmung durch folgende Sprüche zu lockern : „Na, alles cool am Swimmingpool? Äh… alles Roger im Kambodscha? Alles lässig in Jurassic…“ Wer hättes es gedacht, der Watschenbaum fällt um und Gott schleift Chris mit blutiger Nase zu seinem VW Scirocco. Jetzt fällt ihm dieses seltsame Etwas, dass unschuldig unter dem Beifahrersitz hervorblitzt, auf. Wir wissen alle, was das heisst: Mission fehlgeschlagen! Bei näherer Betrachtung entpuppt sich das komische Ding als die liebevoll, in Plastikfolie eingepackte, Chris De Burgh „Innocent Dreams“-Fanbox. Oh jeh, die göttliche Rechtsabteilung wartet…

 

Und während wir aus der Ferne noch vereinzelte Schreie vernehmen können, verabschiedet sich das Shredder Mag an dieser Stelle und wünscht allen, wenn auch einige Tage verspätet: Frohe Weihnachten!

Shredder Einlauf #5: Das Internet

 

shreddermag_shredder einlauf_logoLieber User,

 

im Kreuzfeuer der knallharten Shredder Mag-Recherche, steht heute das unendlich große, anonyme Etwas namens Internet (kommt übrigens von „inter“ = lat. „zwischen“ und „networking“ = engl. „vernetzen“). Ja genau, dieses ungreifbare Bündel Cyberspace, dass seit einigen Jahren die gesamte Welt verwirrt und zum „globalen Dorf“ zusammenschrumpfen lässt. Das Internet – die Businessperspektive der „New Economy“, Tummelplatz für Heerscharen von Arschlöchern und schier unendliche Informationssammlung in einem… Doch fangen wir ganz von vorne an. Das Internet enstand – wie hoffentlich jeder weiß – im Kalten Krieg als Folge des Wettrüstens zwischen Ost und West. Damals war man ständig auf der Suche nach einem für eventuelle Krisenzeiten vorhergesehenen Kommunikationssystem. Das gelang erstmals ca. 1957 der amerikanischen Forschungseinrichtung „ARPA“ (Advanced Research Projects Agency), die erfolgreich 16 Rechner vernetzte (wow!). Die beiden ersten Anwendungen dieses sogenannten „APRANETS“ waren das „TELNET“ und „FTP“ und bald darauf wurden auch die entscheidenden Netzwerkprotokolle „TCP“ (Transmission Control Protocol) und „IP“ (Internet Protocol) erfunden. Nach weiteren spannenden Tüftelleien (SATNET, PRNET, LANGEWEILENET) kam dann endlich, im Jahre 1976, das erste „UUCP“ (Unix-to-Unix-Protocol) zustande (uns fällt ein Stein vom Herzen) und dann entwickelte man …blabla… …gähn… und überhaupt … militärischer Datenaustausch … dann irgendwann über „MILNET“ …uaah… „ARPANET“ wird durch „NSFNET“ abgelöst …schnarch… und dann hat jemand die Hyperlinks erfunden, durch die das „WWW“ (World Wide Web) entstand und damit war dann halt das scheiss Internet da, ok?

 

Doch was ist eigentlich das Schlimme am Internet? Keine einfache Fragen, aber mit Sicherheit sind ein Faktor, bestimmte Menschen, die das Internet benutzen. Nehmen wir also erst mal die klassischen „Internet-User“ unter die Lupe, vor denen wir ohne Internet wahrscheinlich verschont geblieben wären.

 

Um die größten Klischee-User abzuhaken, widmen wir uns gleich mal den Nerds. Jeder kennt welche oder hatte wenigstens in der Schule ein paar schöne Exemplare sitzen (hoffentlich nicht direkt neben sich, denn dann ist man mit hoher Wahrscheinlichkeit selbst einer). Nerds zeichnen sich gewöhnlich durch ihre extrem ungeselligen Hobbies (z.B. Löten oder „Computern“) aus und sind entweder spindeldürr und picklig oder fett und auch ätzend. Beide Kategorien schmücken sich mit schlecht sitzenden Kassengestellen auf der Nase und sind mit großer Wahrscheinlichkeit schlecht angezogen (sowas wie türkiser Nicki-Pulli in die senfgelbe Karottenhose gesteckt, dazu aubergine-farbener Anorak) und haben ganz sicher noch nie gefickt. Kurz nachdem das Internet erfunden war, konnte man für einige Zeit, wenn man ganz still war, leise Freudenschreie aus den Kellern der Republik hören, denn der neue Tummelplatz für technische Spielereien garantierte, dass die Nerds auch für die nächsten 20 Jahre das Haus nicht zu verlassen brauchten. Ergänzende Hobbies zum stundenlangen vor-dem-Computer-sitzen sind ausgeflippte Dinge wie DVD, Pizza bestellen und nicht-Ficken (aber das haben wir, glaube ich, schon erwähnt). Man kann über die Nerds sagen, was man will, aber dieser Schlag Mensch ist eigentlich völlig ungefährlich, da er sich selten im öffentlichen Raum bewegt, dort schnell seine Artgenossen erkennt und dann meistens auch unter sich bleibt. Sollte man jedoch Opfer eines Gesprächs zweier Nerds werden, dann Gnade einem Gott! Langweiliger geht´s schwer: HTML und Java, C++ und POP3-Server, schnell ´nen fixen Update oder doch lieber neues Dual-Motherboard? Tipps zum Computer-neu-Aufsetzen, Internet-Varianz-Accelerator, Backbone-Verschleiss, die gute v1.2f-Toolbox oder lieber ein wenig 29bit-Technologie? Gerne auch mal Gepose mit CPU-Takt-Raten oder der gigantischen Upload-Brandbreite der neuen ADSL Flatrate, aber nie Gepose über den Aufriss am Vorabend (Ihr wisst schon warum…). Schlimm, schlimm, aber wenigstens scheinen sich die Nerds selbst mit ihrer kläglichen Existenz abgefunden zu haben.

 

Die nächste Gruppe, die – ohne dass man nach ihnen gefragt hätte – durch das Internet auf die Welt gespült wurden, sind die ganzen Business-Arschlöcher der sogenannten New Economy. Das sind die schleimigen Karriere-Typen, die mit einem irgenteinem Service-Portal für irgendeinen Scheiss sauviel Geld machen wollen, ständig darüber reden, den ganzen Bankkredit sofort in einen Audi TT stecken und mittlerweile – satanseidank – wieder ganz kleinlaut beim Penny Regale einräumen. Leider sind Marotten, wie schnell mal von unterwegs mit dem Handy ins Internet und die Börsenkurse abchecken, bestehen geblieben. Ist zwar sauteuer und wird auch nicht gemacht, weil man die Kurse jetzt unbedingt wissen müsste, sondern einfach nur, weil die technische Möglichkeit dazu besteht. Hauptsache, man fällt auf und kann sich schön wichtig machen. Immer dabei sind posige Fremdwörter aus dem kleinen Marketing-1×1, wie Network Communications Operation Center, Managed Security Service Network, Bruttokapazität, Peak-Auslastung, Core-Network, Multi-Layer High Speed Switching, Average-Load oder Service-Level Agreement, die zwischen Business-Lunch und Anal-Sauna immer gerne ausgepackt werden.

 

Nicht fehlen darf dabei der neueste Palm, der bei jedem Scheiss mit einem „Das ist aber saupraktisch!“-Besserwisser-Arschloch-Gesicht „gezückt“ wird. Damit das mal klar ist: so ein Gerät braucht niemand! Was soll man denn damit? Möchte ich ständig mein gesamtes Adressbuch, die letzten 100 Kontoauszüge, tolle „Games“ wie Moorhuhn 4D und einen digitalen Kompass mit mir rumschleppen? Oder lieber schnell noch ein paar lustige (frisch aus dem Internet gezogene) Vidoeclips anschauen? Der Palm fällt in die selbe Kategorie wie die internetgesteuerte Kaffemaschine, deren Namen wie aus Rücksicht auf unsere jüngeren Leser heute jedoch mal verschweigen wollen.

 

Große Arbeit leistete das Internet, beim Heranzüchten der mit Abstand verachtungswürdigsten User-Gruppe: die Sex-, Fäkal- und Fetisch-Deppen. Im stillen Kämmerlein unbeobachtet auf 14-jährige in Schuluniform gesteckte Asiatinnen wixen, die sich´s ordentlich mit Doppel-Dildos besorgen? Das ist doch arm. Ebenfalls schwer zu ertragen sind auch alle weiteren Fetisch-Freunde. Wir haben lange recherchiert (es war schrecklich!) und können Euch hier die dümmsten und widerwärtigsten Fetische präsentieren. First of all: Anscheissen – wie könnte es anders sein? Dann Bock auf Frauen mit Gips, Omas (!), Fußlecken, Männer in zu engen Putzkleidern, Gummistiefel-Sex oder der berühmte Pomito-Tomaten-Sex auf Plastikbettwäsche. Des Weiteren Sex mit Tieren, Turnschuhen, Küchengeräten, exotischem Obst, Unterwäsche von Verwandten, Hackfleisch, Teddybären, Enzyklopädien… es reicht! Was ist bloß mit der Menschheit passiert? Gab es solche Menschen auch schon vor dem Internet? Man muss befürchten ja, aber das Internet ist auf jeden Fall schuld, dass diese Menschen sich nun untereinander austauschen können (darüber bitte nicht zu lange nachdenken!) und dieser Schrott an jeder Ecke erhältlich ist. Verdammt nochmal, da muss doch mal was getan werden!

 

Viel lieber, weil weit weniger schlimm, sind uns da schon die nächsten erwähnenswerten Gruppen an Internet-Benutzern. Da wären z.B. noch die älteren Semester unter uns, die zwar schon erste Anzeichen einer herben Demenz mit sich herumtragen, sich aber trotzdem einbilden, das Internet nutzen zu müssen. Dementsprechend kriegen sie überhaupt nichts auf die Reihe, laden ständig Dialer herunter und nerven ohne Unterlass ihre Mitmenschen. Also, wer nicht mal einen Videorekorder programmieren kann: Finger weg von komplizierteren Technologien! Ausserdem brauchen diese Menschen eigentlich eh kein Internet, da sie ihre Zeit besser dafür nutzen sollten, noch die letzten wichtigen Besorgungen vorzunehmen und sich auf den baldigen Tod vorzubereiten.

 

Da diese Bevölkerungsschicht eigentlich saulangweilig ist, gehen wir lieber gleich weiter zu welchen, die sich schon besser im Internet auskennen: Die Chat-Arschlöcher! Dieses Volk stellt eine Art Nerd-Splittergruppe dar, da sie sich das „Hobby: Internet“ teilen und im Alltag ebenfalls große Looser sind. Im Cyberspace jedoch geht – der hohen Anonymität sei dank – die Post ab! Zuerst wird sich schnell eine supercoole Identität geschaffen, um im Flirt-Chatroom als User „Latin-Lover24“, „SexMalSex“, „Superficker2000“ oder „29cm-Boy“ zu beeindrucken und dann kann man sich schön von seiner (oder irgenteiner) besten Seite präsentieren, um sich mit einer anderen Person (z.B. „Superchick18“ oder „MissWuppertal“) anzufreunden oder mehr. Da eh alle bescheissen, kann das erste reale Date aber schnell zur Enttäuschung führen. Schon bitter, wenn man mit „Sweet-Loverbabe“ verabredet ist, aber nur „hässliches Riesenarschloch“ auftaucht. Später kann man dann seinen (wahrscheinlich auch nicht besonders hübschen) Kindern erzählen: „Hey, wir haben uns im Netzt kennengelernt!“. Die Frage bleibt nur, warum diese Leute im „normalen“ Leben niemanden kennenlernen? Hm… Ein ähnliches Verhalten kann man bei den SMS-Chat-Spongos erkennen, die doch tatsächlich 3 Euro pro SMS zahlen – aber Mobiltelefone sind ein anderes Thema.

 

Super-Typen finden sich auch unter den Forums-Anhängern. Auch hier wird sich schnell ein cooles Alter-Ego („Oberchecker-Alex“ oder schlicht „Terminator“) geschaffen und dann munter über die grössten Nichtigkeiten diskutiert. Doch, was gibt es einsameres als Kommunikation mit Fremden über‘s Internet?
Etwas ebenfalls sehr einsames hat das sogenannte Internet-Gaming, ist dies doch die Möglichkeit für Menschen, die in der echten Welt nicht so gut zurecht kommen, Ihre ganze Zeit doch irgentwie loszukriegen. Solche Typen (zu 99% männlich) wohnen dann meist noch zu Hause, sind aber Mitglied im HalfLife-Clan „Killermachines“. Applauso! Ähnlich dumm sind Online-Spiele á la Pinguin-Weitwerfen, Bingo, Betrunken-Pinkeln oder „Fuchs, Du hast die Gans gestohlen!“.

 

Zuletzt wollen wir noch auf etwas zu sprechen kommen, von dem wir auch nur über das berühmte „Hören-Sagen“ wissen: Es soll auch Menschen geben, die über´s Internet studieren. Warum?

 

Wenn man sich so die verschiedenen Gruppen von Nutzern des Internets ansieht, wird einem dann auch schon langsam klar, warum es da so scheisse zugeht. Das kann so ja auch nichts werden! Die Beschissenheit der User manifestiert sich vor allem in der sogenannten „Homepage“. Allein das Konzept der Homepage an sich zeigt schon die Richtung an: Menschen, für die sich in der Realität schon niemand interessiert, pumpen das Internet mit Infos über sich und ihre Interessen voll. Das kann doch unmöglich aufgehen!  So nutzen einige ganz besondere Spezialisten das Internet ausgiebig, um ihre fragliche Persönlichkeit darzustellen. Ein schönes Beispiel dafür findet Ihr auf www.moosy.de. Der Betreiber dieser Seite ist sich nicht zu schade, seinen Lebenslauf als „Technische Daten“ ins Netz zu stellen. Und wer hätte das gedacht, er wiegt auch noch 780 N! Ha ha, wie lustig. Doch damit nicht genug, denn seine Hobbys sind „Elektronik und die Telekommunikation“, weiter heisst es „Ich bin ein begeisterter Fan von allen Dingen rund um den Mobilfunk und verbringe Nachmittage damit, in der Gegend herumzufahren und die Mobilfunk- Basisstationen von T-D1, D2 privat, E-Plus und VIAG Interkom zu suchen.“. Das ist doch der pure Wahnsinn! Wen interessiert das? Vor dem Internet gab´s so etwas einfach nicht. Doch nun gibt es eine Basis, auf der sich jeder x-beliebige Penner produzieren kann. Das muss aufhören! Ein weiters Schmankerl gibt´s auf www.string-emil.de – und dreimal dürft Ihr raten: Ist das ein Riesenarschloch? Das Repertoire an beschissenen Homepages ist schier unendlich, so dass auf alles einzugehen, hier den Rahmen sprengen würde. Ausserdem müssen wir beim Schreiben auch ein wenig auf unsere gute Laune achten und reden darum sofort über etwas anderes.

 

Ein Eldorado ist das Internet auch für Schnäppchenjäger. Nicht nur, dass „Schnäppchen jagen“ eh schon beschissen genug wäre, nein, im Internet wird diese Handlung häufig noch mit dem Zusatz „ist doch saupraktisch“ kombiniert. Die Frage ist nur, ob sich der Sack Zwiebeln von eBay, bei dem man stolze 8 Cent gespart hat und den es ausserdem auf der Strassenseite gegenüber auch gibt, wirklich gelohnt hat? Auktionshäuser wie eBay zeigen uns eh mal wieder die hässliche Fratze des Wahnsinns der Menschheit. Nicht nur dass uns die ganzen alleinstehenden Frauen („Powerseller“) auf den Sack gehen, die sich mit dem Verkauf von „hochwertigem Holzspielzeug“ ein zweites Standbein geschaffen haben. Nein, wie immer im Internet wird man auch ständig beschissen oder wenigstens für dumm verkauft. Komisch, dass jede Durchschnitts-Platte, die ich mir ansehe, plötzlich „ultra-rar“, „sehr selten“, „schon vergriffen“ oder die „XY-Japan-Pressung“ in „mangofarbenem Vinyl“ ist und damit „nur für Sammler“ und doppelt so teuer.
Der grosse Hype seit ein paar Jahren (und auch bei Schnäppchenjägern gern gesehen) sind so genannte „Download-Stationen“, wie Kazaa, Napster oder eDonkey. Diese verleiten alle möglichen Deppen dazu streng gemäss dem Grundsatz „Quantität statt Qualität“ alles herunter zu laden, was geht. Was aber nützen mir 150 GB MP3s, wenn 99% davon beschissen sind? Hauptsache umsonst, wie geil! Ich nehme mir doch auch nicht jede Bild-Zeitung von kostenlosen Abo-Ständen mit oder probiere jedes scheiss Schnittchen im Supermarkt.
Als letztes noch ein Wort zu eMails. Das mit den eMails hat sich anfangs ja ganz gut angelassen und hat auch den ein oder anderen praktischen Moment hervorgebracht, aber mittlerweile haben 90% aller Mails das Betreff „Wanna enlarge your Penis?“, „Wanna buy extrem billigen Toner?“, „Wanna see mother and uncle fucking?“. Meine lieben Damen und Herren Versender, ein für alle Mal: Die Antwort ist Nein!

 

So, jetzt reicht’s! Wir hoffen, Euch ein wenig die Augen geöffnet zu haben, damit Ihr jetzt endlich auch mit ruhigem Gewissen sagen könnt: Ja, das Internet ist beschissen! Da aber alles Schlechte auch sein Gutes hat, zum Schluss noch der allereinzige Vorteil des Internets: Man kann das Shredder Mag auch lesen, wenn man keine Papierversion mehr ergattert hat! So, und jetzt bitte sofort den Computer ausschalten und raus in die Realität.

Shredder-Einlauf #4: Shredder Mag geht einkaufen!

 

shreddermag_shredder einlauf_logoWollte man in der Urzeit an benötigte Waren kommen, musste man entweder jagen und sammeln oder schwer das Basteln anfangen. In unserer heutigen Welt ist das anders organisiert: Supermärkte bieten alles feil, was man so für’s Leben braucht. Das einzige was man tun muss, ist einkaufen zu gehen, was zwar um einiges ungefährlicher, aber nur wenig vergnüglicher ist, als einem stinkenden Mammut hinterher zu rennen. Was genau das Unangenehme an einem solchen Einkauf ist, soll das folgende Beispiel zeigen. Wir betreten also einen Supermarkt.

 

Das erste, was unsere Aufmerksamkeit weckt, ist die Musik. Ihr wisst schon, diese elendige Scheissmusik, die es immer in Supermärkten zu hören gibt. Ich hasse Meat Loaf und Gershwin ist ein Arschloch! Ich möchte gefälligst zu Slayer einkaufen gehen, aber nein, solche einfachen Wünsche werden einfach ignoriert. Nun gut, als erstes wollen wir natürlich zum Alkohol. Der ist allerdings unsinnigerweise nicht direkt am Eingang, sondern irgendwo im Supermarkt versteckt. Also vorbei am Obst und schon hat man einen schönen Beweis dafür, dass unsere Gesellschaft aus den Fugen geraten ist und das richtige Mass dabei verloren ging: Warum gibt es hier mindestens 8 verschiedene Sorten Äpfel (Golden Delicious, Gala, Boskop, Elstar, Pink Lady – die spinnen doch – Granny Smith, Braeburn, Santa Maria)? Nun ja, die haben halt verschiedene Geschmacksrichtungen, werden nun einige Apfel-Fans antworten. Dazu nur soviel: Wenn es nach mir ginge, gäbe es nur eine Geschmacksrichtung für Äpfel: nämlich „Apfel“. Als nächstes kommen wir am Essig vorbei (weisse Trauben, rote Trauben, Walnuss, Kräuter, 7 Kräuter, Apfel, Sherry, Zitrone, Limone, Basilikum, Heidelbeere, Rhabarber) und an der Amerika-Ecke. Es muss so 1995 gewesen sein, als irgendein Marketingdepp die Idee hatte, dass eine Ecke, in der man nur spezielle amerikanische Produkte kaufen kann, den Absatz fördern würde. Seitdem hat jeder Supermarkt, der auf sich hält, eine Amerika-Ecke, in der man Peanut-Butter (igitt), Campells Tomato Soup (gähn), Cheddar aus der Tube (wie praktisch) und Tortillia Chips für 3,90 € kaufen kann. Marketing-Depp: Wir hassen Dich!

 

Endlich kommen wir am Alkohol-Regal an. Achtung, hier ist höchste Vorsicht geboten! Denn auch wenn bei oberflächlicher Betrachtung alle Flaschen ähnlich sind, gibt es gehörige Unterschiede. Gute und von uns empfohlene Getränke sind (vom guten Augustiner Bier mal abgesehen): Schwarze Weizen Frühstückskorn, Jagdlikör „Flintenstolz“ oder Scharlachburger Meisterbitter, falls es mal gesund zu gehen soll auch Dr. Demuth’s Pepsinwein oder der gute alte Cattlenburger Clostertrunk (stehen neben Klosterfrau Melissengeist). Auf keinen Fall bitten wir, folgende Produkte zu kaufen: Alkopops (ja, alle!), Grossmutters Schokogeheimnis (bitte melden, wer dabei nicht an Windeln denken muss), Testarossa („Himbersaft mit einer Note Himbeergeist“) oder die braunen Flaschen mit den auf vergilbt gemachten Etiketten mit viel Gold (Old Canada, Attaché, Veterano, Dujardin Imperial, Chantré Cuvillée), denn – auch wenn uns die Namen Stil und hohes gesellschaftliches Ansehen vorgaukeln – Branntwein trinken nur Penner!

 

Was ist neben Saufen das liebste Hobby der Shredder-Redakteure? Backen, natürlich! Also, nachdem wir den Einkaufswagen mit Schnapps vollgeladen haben, ab in Richtung Backwaren. Juchee! Leider macht man auf dem Weg dorthin die Bekanntschaft mit einer weiteren höchst unangenehmen Erscheinung in Supermärkten: Leute, die einem im Weg stehen. Das geht ganz einfach: Man suche sich die schmalste Stelle im Supermarkt, gehe zielstrebig darauf zu und bleibe dort einfach unvermittelt stehen, um dann mit saudummen Gesichtsausdruck etwa 2 Minuten nichts zu tun. Wenn ich eines hasse, sind es Leute die mir aus reiner Dummheit im Weg stehen! Besonders häufig tun dies zwei Arten Menschen. Erstens Rentner (im Wagen: Rotessa und Mildessa Kraut, eine Dose Königsberger Klöpse, 2 Kassler und das neue Heft „Dr. Norden“), denen ich wegen ihres fortgeschrittenen Alters bereit bin, zu verzeihen, und zweitens die schlimmere Gruppe: junge Mütter. Niemand kann einem mit einem solchen Selbstverständnis im Weg stehen wie junge Mütter (und nimmt dank Kinderwagen dabei so viel Platz weg). Die denken scheinbar, bloss weil sie ein Kind auf die Welt gebracht haben (Kunststück! Das Kind nach dem 9. Monat drinnen zu behalten, wäre eine Leistung, die mir Respekt abfordern würde.), können sie sich jetzt aufführen, wie sie wollen, und wenn man sie dann unflätig beschimpft, sehen sie dies nur wieder als einen Beweis für unsere ach so kinderfeindliche Gesellschaft. Weit gefehlt, ich habe nichts gegen Kinder, aber viel gegen Deppen. Besonders eng wird’s vor dem Süssigkeiten-Regal, wo sie gerade jede Menge Süssigkeiten (mit viel Milch) einkaufen – natürlich nicht für sich, sondern für die lieben Kleinen (jaja). Also an den Müttern vorbeigequetscht, werden wir endlich mit dem Anblick der Backwaren entschädigt und laden den Wagen mit Sahnesteif, Backlets („die essbare Backform“), Käsekuchen-Hilfe, Agatin & Gustin und Schokoletto („der erste Guss zum Streuseln“) voll. Ha, fast den Hefeteig-Garant vergessen – schnell in den Wagen damit!

 

Damit haben wir eigentlich alles und machen uns auf den langen, beschwerlichen Weg zur Kasse („Trail of Tears“). Ein „Möchten sie mal kosten?“, das von einer übermotivierten, weil vorher langzeitarbeitlosen Hausfrau oder einem hässlichen jungen Mann ohne Schulabschluss, dafür mit Polyester-Anzug in unsere Richtung geschleimt wird, reisst uns aus unseren finsteren Gedanken. Ein Probierstand lädt ein, ein Produkt, das sich schlecht verkauft (warum nur?), zu probieren. Hier finden sich Produkte wie „Sieben himmlische Weichkäse-Variationen“ (Classic, Hawaii, Mediterranéo, Griechisch, Fiesta Mexicana, Asia und Fitness) oder der „Siebenbürgener Kesselflitzer“. Während eine dicke Frau schon die vierte Portion „probiert“, antworten wir nur mit einem knappen „Verpiss Dich mit Deiner Scheisse, Du Arschloch!“ und gehen weiter – bis uns wieder jemand im Weg steht. Diesmal ist es ein junger Mann in Hanfkleidung mit kurzen Haaren nebst einem langen „Schwänzchen“, das links hinten seinen Ursprung hat, und einem „4YOU“-Lederrucksack (im Wagen: 1 Apfel – wahrscheinlich „Pink Lady“, ein Riesen Fitnessbrot, ein Glass Natur-Artischockenpaste und Kippen). Dank der Körperbeherrschung eines Shaolin schaffen wir es, uns auch an diesem Studenten vorbei zu quetschen, nicht ohne ihm dabei „wie zufällig“ den Ellbogen in die Rippen zu hauen.

 

Unsere durch diese Gewalttat etwas gebesserte Laune wird prompt wieder verdorben, als uns eine Ansammlung von Produkten, die ein weiterer Beweis für die Verdorbenheit der Menschheit sind, ins Blickfeld kommt: die Fertigessen. Die Werbung gaukelt einem vor, dass die Schnellebigkeit unserer Zeit Produkte wie den Curryking (geschnittene Currywurst in rotem Matsch) oder Bratkatoffeln aus der Dose (ja, das gibt es wirklich) erfordern würde und tatsächlich findet man ein riesiges Repertoire dieser Scheisse in jedem Supermarkt. Es kommt noch schlimmer: Kassler Braten „Hausgemacht“ (ich stehe ja mehr auf Essen, das Open Air zubereitet wird…), Bistrosalat „Spargel/Schinken“ oder „Toast Hawaii“, der berühmte Frikadellen-Star oder lieber eine Packung Kohlkönig gefällig? Im Tiefkühler herrscht ähnliche Tristesse: Gyrospfanne „Gyros satt!“, Hühnerfrikasse (was ist das eigentlich?) und Rührei-Brot beherrschen das traurige Bild.

 

Schnell weg hier und hin zu einigen interessanten Fakten rund um den Supermarkt… Allgemeinwissen „Supermärkte“: Wusstet Ihr schon, dass Supermärkte immer gegen den Uhrzeigersinn organisiert sind? Günstige Produkte sind übrigens schwerer zu erreichen als teure und im Online-Shopping liegt ja die Zukunft! Früher hingegen gab es gar keine Supermärkte, sondern sogenannte „Tante Emma-Läden“. Beim Weitergehen ertappen wir den bereits erwähnten Studenten bei einer klassischen Supermarkt-Aktion. Dieser stellt sich bei der Betrachtung eines Glases „Balkan-Salat“ ungeschickt an, so dass dieses Glas in Scherben auf dem Boden endet. Nun der Klassiker: Ein verschämter Blick über die Schulter überprüft, ob er gesehen wurde. Dann schiebt er den Balkan-Scherben-Salat mit dem Fuss auf Alibi ein wenig zusammen, um dann mit gespielter Gleichgültigkeit den Ort des Geschehens zu verlassen. Unser Tipp an die Leser: Besonders Spass macht diese Aktion mit Kirschgrütze „Cherry-Dream“ und Pastatraum „Bolognese“!

 

Die Kasse ist nun fast erreicht, nur eine Hürde gibt es noch zu nehmen: die Drogerie-Abteilung. Hier gibt es mit Abstand die grösste Scheisse zu kaufen. Alles ist nämlich neuerdings mit der in einer findigen Marketing-Abteilung ersonnen „Kraft des Aktiv-Sauerstoff“ oder kurz „Oxy-Energie“ versetzt! Die bemitleidenswerten Menschen, die so etwas kaufen, sind die selben die auch Angst vor Gefrierbrand, Glas-Korrosion, Lochfrass oder der Rechtschreibreform haben, immer eine dicke Rolle Küchentücher „Dick und Durstig“ zur Hand haben und an Dinge wie „Byzantiner Königsnüsse“ oder die „Carmagnola-Minze“ glauben. Um diese Menschen (man kann sie recht gut am gebückten Gang und dem nervösen Funkeln in den Augen erkennen), sowie um die ganze Drogerie-Abteilung macht man nach Möglichkeit einen Riesenbogen.

 

Endlich kommen wir an der Kasse an und müssen mit Freude feststellen, dass in der Schlange vor uns nur vier Leute stehen. Die Wartezeit verbringen wir mit der Analyse der Sachen, die diese einkaufen: Als erstes in der Reihe steht ein Rollerblader (der natürlich mit Rollerblades einkaufen geht) mit dem neuesten Fotohandy in der Hand, einer modischen 3/4tel Hose und moderner Fun-Frisur, der scheinbar für eine Non-Alkohol-Fitness-Party mit ein paar anderen Arschlöcher eingekauft hat: Neben diversen Flaschen Saft fällt uns vor allem eine Flasche „Frühschlückchen“ und die gute „Aloé Colada“ von Frankenbrunnen ins Auge. An Platz zwei steht eine alte Bekannte: die Dicke vom Probierstand, die sich gerade ordentlich selbst bescheisst (belädt das Band gerade mit einer Kombination aus ätzenden Lightprodukten und Fleischsalat). Dahinter steht ein Proll „Typ Versicherungsvertreter“ mit Boss-Jeans, lila Hemd, Lederslipper (mit Bommel) und Fönfrisur „Matula“, dessen Pläne leicht zu durchschauen sind (im Wagen: drei Flaschen Asti Spumante, ein Packung „Trüffelkreation Edle Mischung“, die Supersonderangebot-CD „Love Feelings“ von der Kasse, ein Raumdeo „Emotion“, eine Packung Kondome mit Noppen und eine Packung Kleenex). Die grösste Freude erregt allerdings der Herr direkt vor uns, der – schnell als Nachbar identifiziert – nachdem er lediglich eine Bratensülze und die neue Coupé mit sich trägt, sofort in ein Gespräch mit Thema „Die letzten Einkäufe vor den Feiertagen“ verwickelt wird. Nur vier Leute vor einem, hatte man sich gefreut, doch wir haben die Rechnung ohne die Kassiererin, die (dem Stereotyp vollstens gerecht werdend) hässlich und langsam ist. Der grösste Teil der Wartezeit vergeht mit ihrem Kampf mit dem Etikett des siebten von acht identischen Light-Joghurts der Dicken. Dazu nervt sie mit penetrantem dämlichem Geschwätz. Kassiererinnen der Welt: Maul halten und schnell Kassieren ist die Devise!

 

Nach etwa 2 Jahren Warten sind endlich wir an der Reihe. Auf die Fragen „Sammeln Sie Punkte auf Ihrer Bonuskarte?“ (Welche Bonuskarte?) und „Brauchen Sie einen Kassenzettel?“ antworten wir mit der bereits am Probierstand bewährten Floskel, zahlen mit einem 500 EUR-Schein und dann nichts wie raus! Aus eigener Erfahrung kann wohl jeder sagen: Einkaufen ist beschissen! Auch wenn einem zwischendurch diverse Spässchen á la Student-in-die-Rippen-boxen oder Flasche-Bier-exen-und-wieder-leer-ins-Regal-stellen gelingen, auf Dauer gesehen macht einkaufen relativ wenig bis gar keinen Spass. Es wird einfach immer anstrengender, sich gegen den von Marketingdeppen, Kauf-Psychologen und Supermarkt-Architekten kalkulierten Konsum zu wehren. An jeder Ecke stapeln sich die größten Drecksprodukte und man wird von Sprüchen wie „Aus der TV-Werbung“ oder „Kauf eins – nimm 5!“ überhäuft. Das ist doch scheisse! Deswegen nehmt unseren guten Rat: geht nie wieder einkaufen! Wir ernähren uns übrigens seit dem letzten Einkauf von unserem selbst angepflanzetem Gemüse, trinken selbst gebrannten Schnaps und gehen ab und zu auf die Jagd. Man glaubt´s kaum, im Englischen Garten gibt’s noch das eine oder andere Karnickel…

 

Euer Shredder Mag

Shredder Einlauf #3: Prominente

 

shreddermag_shredder einlauf_logoEgal, ob man (in der Hoffnung, dass vielleicht gerade eine alte Folge „Praxis Bülowbogen“ wiederholt wird) den Fernseher einschaltet, den Blick in eine tagesaktuelle Zeitung wirft oder auf dem Klo in der neuen Ausgabe von „Wild & Hund“ oder „BravoGirl“ blättert, immer drängelt sich eine Gattung Mensch mit ungestümer Penetranz in unsere Aufmerksamkeit: Die Prominenten.

 

Überall liegen Sie in den Medien wie Zecken auf der Lauer, um sich feige auf unsere Nerven und unsere gute Laune fallen zu lassen und diese genüsslich auszusaugen! Es ist ein Skandal, welcher Stellenwert diesen Menschen in unserer Gesellschaft eingeräumt wird. Dies sei ein für alle mal gesagt!

 

Prominente gibt es wie Sand am Meer und in unterschiedlichsten Erscheinungsformen. Von Lokalprominenz bis zum Superstar – eins haben sie gemeinsam: Sie gehen uns nicht wenig auf den Sack! Darum haben wir uns hier nun vorgenommen einige Gruppen von Prominenten gezielt herauszugreifen, um unserem Ärger Luft zu machen. Das ist zwar mühsam und erfordert Nerven aus Stahl, aber wer sollte es tun, wenn nicht wir vom Shredder Mag? Also, los geht’s…

 

Fangen wir mit dem Prototyp des überflüssigen Prominenten an: Dem Promi, von dem eigentlich niemand genau weiss, warum er berühmt ist. Er hängt in Talk-Shows rum, macht Werbung für Marmelade, eröffnet Supermärkte und Autobahnraststätten, tritt hin und wieder in einem Teppichhaus auf und wenn er einen besonderes guten Tag hat, überreicht ihm der Bürgermeister von Treuchtlingen den goldenen Schlüssel zur Stadt. Doch offene Fragen bleiben: Warum genau kennt jeder Roberto Blanco? Was genau war das letzte, das Bürger Lars Dietrich aufgestellt hat? Hat die Menschheit Jürgen Drews irgendetwas zu verdanken? Warum darf der dicke Mooshammer immer und überall seinen Senf zu allem abgeben? Und warum fangen alte Frauen gleich immer hektisch zu tuscheln an, wenn Ron Williams den Saal betritt? Wie es scheint, eines der letzten grossen Rätsel der Menschheit.

 

Schwenken wir gleich zum anderen Extrem: der Megastar. Der Megastar ist total ausgeflippt, mindestens 10x geliftet, hat eine 93-Zimmer-Villa („Irgentwasland“) in Beverly Hills, hält sich einen Elefanten namens „Junior“ oder wenigstens ein paar Geparde, hat eine treue Fanbase in Malaysia, sammelt Buddhas aus massivem Gold mit Platinwindeln, lässt zum Frühstück Kornspitz mit dem Hubschrauber kommen, besitzt einen mit Champagner gefüllten Pool hatte schon mal eine Audienz beim Papst (Wir erblassen vor Neid!) und das wichtigste: Natürlich hat er schon Vorkehrungen getroffen, sich nach seinem Tode entweder in einem Mausoleum aus Perlmutt begraben zu lassen, bzw. lässt sich einfach einfrieren, in der Hoffnung… aaargh!!!….ich muss kotzen!

Passend zu diesen berühmten Menschen gibt es eine weitere und besonders erbärmliche Kategorie: Promis, die erst Promis sind, seit sie sich von einem anderen Promi haben bumsen lassen. Wir möchten ein paar Frage in den Raum stellen: Was hat Verona Feldbusch berühmt gemacht? Naa? Welchen Posten hatte der Mann von Maria Carey bei Sony Music? Hmm? Warum haben wir Veronika Ferres seit ihrer Scheidung von ihrem Produzenten-Macker in keiner Hauptrolle mehr gesehen? Und? In was hat Jenny Elvers noch mal promoviert? Verdammt, ich komm einfach nicht drauf! Solche Promis sind erst monatelang auf der Titelseite der Bunten zu finden, bringen dann eine eigene Modekollektion oder ein Parfüm raus, auf das die Welt gewartet hat und landen letztendlich bei SuperRTL, wo sie The Dome oder den „Frauentausch“ moderieren. Wenn sie clever sind, lassen sie sich gleich von ihrem Promi-Macker schwängern und kassieren ordentlich Alimente. Darum, liebe männlichen Promis, ergeht folgender Tipp (for free!) von uns an Euch: Beim Sex mit unbekannten Damen in Besenkammer, Gebüsch oder auf der Yacht eines Freundes: immer nur Arschfick!

 

Wird dies nicht beachtet, kommt es zu einer Schwangerschaft und eine neue Plage der Menschheit ist im Anmarsch: das Promi-Kind. Promi-Kinder koksen mit 14 und können in der Regel nichts. Dennoch betonen sie ständig, dass Sie das „alles ganz ohne die Hilfe ihrer Eltern geschafft“ haben. Ja was denn eigentlich? Den peinlichen JackAss-für-ganz-Arme-Verschnitt vom Sohn von Uschi Glass? Die echt unter die Haut gehenden Schmuse-Hits von Enique Iglesias? Die Internet-Pornos von Paris Hilton? Kinder, Kinder! Geht mal lieber schön zur Schule, macht danach brav eine Lehre (was anständiges: Metzger oder Krankenschwester oder so) und dann sucht Euch einen Job. Damit wäre uns allen mehr geholfen und auch ihr selbst habt eine Aufgabe, der ihr vielleicht gewachsen seid.

 

Mit den Promi-Kindern haben die TV-Promis eines gemeinsam: Auch sie können in der Regel erschreckend wenig. Wobei so ganz stimmt das nicht: Helmut Zerlett kann Heimorgel spielen, Maren Giltzer kann grosse Buchstaben umdrehen, Susan Stahnke kann ablesen, Slatko kann singen und schauspielern, der Küblböck kann nur singen, der Walter (der von „Der Preis ist heiss!“ natürlich!) kann Produkte anpreisen und Nils Bokelberg… äh… der kann sich fehlerfrei mit verbundenen Augen die Schuhe binden!

 

Wenn wir schon dabei sind noch ein paar Worte zu Promis aus Deutschland im Allgemeinen: die sind nun wirklich zweite Klasse. Till „Hollywood“ Schweiger, Claus-Jürgen Wussow, Uli Wickert – die kennt doch schon in der Schweiz keine Sau mehr!

 

Ganz schlimm sind auch Adlige. Die sind immer die grössten Spiesser – oder noch schlimmer: haben ein Delfin-Tattoo und fahren Rollerskates – und sind nur deshalb bekannt, weil irgendein Vorfahr im Jahre 1432 ein paar Bauern oder Rittersleute übertölpelt und dabei deren Ländereien abgestaubt hat, die seine Familie seitdem nicht mehr hergegeben hat. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen! Ja wo sind wir denn? Dass ganze Jahr hängen sie dann bei der Jagd, in Kanzleien oder auf Charity-Veranstaltungen ab und wenn einer heiratet ziehen sie sich ein paar Reifröcke oder Fantasie-Uniformen an und spielen „Wir haben 2004 – na und?“.

 

Da sind uns die Promis, die die berüchtigte „traurige Berühmtheit“ erlangt haben, schon erheblich lieber. Da steckt meist wenigsten noch ein bisserl Action dahinter. Matthias Rust fliegt 10.000 km in einer Cessna bis nach Moskau! So ein Depp. Der Kannibale von Hessen isst einen Menschen bei lebendigem Leibe und filmt sich dabei! Ist der ätzend. Das „Klonschaf Dolly“ ist das erste geklonte Schaf (wie der Name schon wage erahnen lässt!)! So ein Scheisstier. Der Elefantenmann ist soo dick, dass er von seinem eigenen Gewicht zerquetscht wird! Was für ein Looser. Ihr seht, die traurige Berühmtheit hat einen hohen Unterhaltungswert, ist aber leider ein verdammt undankbarer Job, wie auch folgendes Stück Zeitgeschichte belegt: DER ERSTE AFFE IM WELTALL! Ohne dass ihn jemand gefragt hätte, wird er in eine hässliche Ostblock-Raumkapsel gesteckt und ins All geschossen. Sein Bild geht um die Welt, er ist ein Star! Und dann? Bei der Landung fängt seine Raumkapsel Feuer und die zuständigen Raumfahrttechniker holen noch nicht mal einen Feuerlöscher. Madig, madig.

 

Noch lustiger sind in der Regel nur noch echte Promis, die es richtig cool verbauert haben. Rob Pilatus und Fab von Milli Vannilli zum Beispiel. Heute ein Star, morgen schon Crack-abhängig und Tankstellenräuber – schnell kann’s gehen. Und der gute alte Möllemann, dem zu Ehren wir fordern, dass die Redewendung „Ich glaub, ich mach ´nen Mölleman!“ ab sofort von allen Lesern in den aktiven Wortschatz für halbschariges sich-aus-dem-Staub-machen übernommen werden muss! Super auch der Selbstmord von Rex Gildo (aus dem ersten Stock auf eine Wiese springen und trotzdem sterben!). Ha, ha, ha, das ist Slapstick! Cool in den Sand gesetzt hat es auch der Motivationsguru Emile Ratlebrand („Tschakka!“) der mittlerweile pleite und wegen Betrug im Knast sitzt (Tja, man kann alles schaffen, wenn man es nur will…). Da keimt in einem doch schon wieder ein zarter Glauben an die Gerechtigkeit auf! Klassisch auch die Karriere der „Porno-Queen“ Sybille Rauch (War das nicht die aus „Stewardess im Samenstress“?), die mittlerweile in einem Wohnwagen auf einem assligen Campingplatz wohnt und auf’s allererbärmlichste um die Aufmerksamkeit der RTL-Boulevard-Sendungen buhlt (Beispiel gefällig? Gerne: Sie tollt mit einem etwa 200 Jahre alten, angeblichen Millionär am Strand herum und skandiert: „Ich habe meine grosse Liebe gefunden!“). Welch Trost, wenn einem Prominente wenigstens auch mal zur Freude gereichen.

 

Weil wir nun schon viel zu viel Zeit, als gut ist, auf Prominente vergeudet haben, sollten wir schnell zum Ende kommen. Doch zum Schluss wollen wir noch ein Geheimnis lüften, das bis zum heutigen Tag im Shredder-Hochsicherheitstresor im 39. Untergeschoss des Shredder Buildings gleich neben Teilen des Bernsteinzimmers, Napoleons Pimmel, der Schwarzen Mauritius (übrigends noch seltener als die Blaue) und den signierten Bundhosen Albrecht Dürers gelagert wurde, nämlich, welches die drei grössten Promis der Weltgeschichte sind: Jesus, Hilter und Elvis (die kennt nun wirklich jeder!).

 

Euer (berühmtes) Shredder Mag

Shredder Einlauf #2: Festivals

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Der Sommer naht, die Vögel plärren von den Dächern, die meisten Mädels laufen nicht mehr in schwer zu durchschauenden Schurwoll-Rüstungen rum, der eine oder andere Idiot trinkt seine „Vanilla Latte Macchiato“ für 8,50 wieder im Freien und wir, was machen wir? Seit wir der Krippe entflohen sind, zieht es uns immer wieder raus aus der Stadt, direkt auf eines der für junge Erwachsene wie uns vorgesehenen OpenAir-Festivals. Die Aussicht auf eine gute Zeit mit seiner Crew, ebenso guter Musik und Bier zum Frühstück ist einfach zu verlockend. Leider jedoch müssen unsere vom Wetter gegerbten Augen Jahr um Jahr feststellen, dass einiges an retardiertem Volk sichtlich überfordert ist, wenn es um die erfolgreiche Planung, Durchführung und Nachbereitung eines Festivalbesuchs geht. Doch das Shredder Mag wäre nicht das Shredder Mag, wenn es diesen armen Hascherln nicht mit guten Rat und verbindlichen Verhaltensregeln unter die Arme greifen würde. Darum hier für eben diese armen Seelen einige Punkte, die unbedingt befolgt werden sollten, um sich nicht als Vollmongo, Depp oder gar Riesenarsch zu outen…

 

Auswahl
Die erste und wichtigste Entscheidung lautet immer noch: „Auf welches Festival soll ich überhaupt fahren?“. Hier gibt es keine richtigen oder falschen Entscheidungen, sondern nur gute oder schlechte. Eine schlechte Entscheidung wäre beispielsweise, auf’s „Rock im Park“ zu fahren. Begründung wirklich nötig? Nun gut: Mehrere 100 Euro Eintritt langweilen genauso wie Zeltnachbarn, die den ganzen Tag lang die neue Hosen-CD (Skunk Anansie, Guano Apes,…) hören, oder ein Überangebot an diversem Scheißdreck (Internetcafé, Achterbahn, Feuerspucker, Live-Piercing,…) und zu guter Letzt spielt auch noch Otto Waalkes Samstag Abend auf der Hauptbühne (als Vorgruppe für die Söhne Mannheims oder Emmerson, Lake & Palmer). Oh je. Für weitere schlechte Entscheidungen stehen zielsicher das „Chiemsee Reggae Open Air“ (Hippiescheisse) oder das „Taubertal-Festival“ (StammActs wie Such A Surge oder die Banana Fishbones sprechen eine deutliche Sprache…) zur Verfügung. Eine gute Entscheidung wäre etwa auf’s Dynamo oder WithFullForce zu fahren. Die Premiere des Berlinova-OpenAir letztes Jahr vermochte ausserdem zu überzeugen.

 

Nahrung
Hat man sich dann endlich entschieden, kommt auch schon die nächste Frage auf: „Was nehme ich mit?“. Nun gut, wenn’s ums Essen geht, gibt’s ein ganz einfaches Prinzip: bitte keine dumme Scheisse essen. Gar nicht gehen so z.B. Hühnerfrikassee „Arschloch“ mit Reis (zum im Wasserbad erwärmen…), Fisch-Frühstück-Mexico oder Muttis vorgekochtes Gulasch. Warum nicht auf bewährte Klassiker wie Nudeln mit Sosse oder Brot mit was drauf zurückgreifen? Eine große Ausnahme stellt hier der Alkohol dar, denn komischerweise schmecken auf Festivals die schlimmsten Schnäpse am Besten! Enzian, Frühstückskorn, der Phantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Also: Einpacken!

 

Equipment
Was braucht man ausser Essen und Trinken noch an einem Festival? Zelt, Iso, Schlafsack, Kleidung, Ghettoblaster, Musik und evtl. noch einen Baumarkt-Pavillion für die Festival Homebase (bitte unbedingt den Allerbilligsten nehmen). Fertig. Leider gibt es immer wieder Experten, die mit riesigen Anhängern ihr gesamtes Wohnzimmer auf den Zeltplatz schleifen oder sich extra sauteures Festival-Equipment zulegen. Wozu? Ebenfalls sinnlos sind selbst-designte Gruppen-T-Shirts. Wir sind doch nicht am Ballermann! „NRW-Terrorfront“ oder „I Survived Rock im Sarg 2001“ (sic!) stärken zwar das Gruppengefühl, outen einen dann aber auch zielsicher als Riesenarsch.

 

Platzwahl auf dem Festivalgelände
Eigentlich ein müssiges Thema, aber für alle, die es immer noch nicht begriffen haben: Dixies stinken nach Scheisse, 40 Minuten Fußmarsch zur nächsten Bühne sind deutlich suboptimal und an Durchgangsstrassen sieht man sich den ganzen Tag mit dummen Witzemachern konfrontiert, mit denen man eigentlich gar nichts zu tun haben will. Alle anderen Plätze sind ok.

 

Verhaltensgrundsätze während des Festivals
Die goldene Regel (wie so oft): Sich nicht zum Deppen machen! Auch wenn zu folgender Aussage kein gesellschaftlicher Konsens besteht: Man kann auch Spaß haben und seine Würde dabei behalten. Zurückgebliebene Drecksnerds rennen immer noch „Helga!“ schreiend über’s Gelände. Falsch! Andere Spezialisten schütten sich als Zeichen ihres stark eingeschränkten Verhaltensrepertoires ihr eigenes Bier über den Kopf. Falsch! Ebenso Falsch: Klischeebehaftetes SchlammCatchen. Ist (wenn überhaupt) maximal 2 Minuten lustig und dann? Ha? Dämmerts?. Ganz schlimm auch die „Ficken: eine Mark!“-Looser. Hahaha, wie toll, mit dem Wort „Ficken“ schockieren zu wollen und dabei mit seiner unausgeglichenen Sexualität Hausieren zu gehen… Besonders auf den Sack gehen uns ausserdem die „Heute ist MEIN Tag“-Festival-Touristen. Daheim immer schön einen auf brav machen und kaum ist man auf einem Festival angelangt, muss man auch schon allen zeigen, was für ein verrückter Hund man doch ist. Dazu gehören: die noch „gute“ Jeans abreissen, spontan Bier ins Essen schütten, Erde anzünden oder einfach mal laut Furzen. Wow! Das sind dann auch meistens die, die sich Rüstungen aus leeren Bierdosen bauen (habt Ihr eigentlich nichts Besseres zu tun?) und dann abends im Techno-Zelt abspacken. Schlimm, schlimm. Hütet Euch ausserdem von Tattoo-Zelten. Die halbe Stunde im Rampenlicht steht in keinem Verhältnis zum betrunken ausgesuchten Aristocat oder 08/15-Tribal. Schlimmster von der Redaktionsmitgliedern gesichteter Fall: Zwei Dampfer auf dem Bauch. Super Idee!

 

Drogenmissbrauch
Grundsätzlich ist übermässiger Konsum ein willkommenes Verhaltensmuster auf Festivals. Doch auch hier gibt es einige Ausnahmen. Fangen wir beim Alkoholkonsum an: Ein Bier zum Frühstück hebt die Lebensfreude und stärkt die Sprungkraft, von Trinkbräuchen á la Trichtersaufen jedoch ist dringend abzusehen! Das Trinken direkt aus der Dose hat sich bewährt, alles andere ist viel zu bemüht und damit scheisse. Dabei bitte keine Oberrheinischen Trinksprüche oder Pfälzer Trinkrituale mit der ganzen Gruppe brüllen. Hier gilt das selbe wie für das Tragen identischer T-Shirts (s.o.) und ausserdem können echte Männer auch alleine trinken (echte Frauen natürlich auch). Den größten Schatten besitzen aber immer noch die Vollidoten, die einen Katheter-Beutel voller Bier mit auf’s Bandgelände nehmen und denken, sie wären superclever. Man trinkt doch nicht aus Pisse-Behältern! Wer Zivildienst gemacht hat, kann das sicher verstehen, alle anderen mit einem Funken Sinn für Ästhetik sicher auch. Andere Drogen sollten massvoll konsumiert werden (zur Erinnerung: Nicht zum Deppen machen!), beim Kiffen bitte darauf achten, dass man nicht das ganze Festival ausschliesslich in seinem Zelt rumsandelt und alle Bands verpasst, und Strychnin ist keine Droge, sondern giftig.

 

Festivals als Werbeforum
Leider hat der Kapitalismus Festivals wegen der interessanten Zielgruppe schon lange für sich entdeckt. Das ist nicht schön, stört aber nicht weiter, wenn man zwei kleine Regeln beachtet. Erstens: Keinen (!) Festival-Promo-Scheiss mitmachen! Dazu zählen der lustige Festival-Friseur ebenso, wie an einem „verzaubertem“ Seil hochklettern, Bull-Riding, seine Seele für eine Packung kostenlosen Tabak verhuren oder ähnliches. Zweitens: Nichts (!) auf Festivals kaufen. Mario’s-Ratten-Pizza für 6,50 Euro, einen original indianischen Traumfänger, einen Batik-Schlafsack oder gar ein Festival-T-Shirt (denkt an Eure Würde…) braucht kein Mensch.

 

Nachbereitung
Zuerst mal sollte man nach Beendigung nach Hause fahren und nicht einfach im Dreck liegen bleiben (siehe Dynamo). Also schnell Zusammenpacken und los. Dabei keine wertvollen Sekunden verlieren! Das wichtigste von allem aber: so schnell es geht, das dumme Festival-Bändchen vom Arm reißen! Denn: Was bei Wolfgang Petry scheisse aussieht, wird seine Wirkung auch bei Euch nicht verfehlen.

 

So, das sollte erst mal das Wichtigste gewesen sein. Also bitte noch ein paar mal durchlesen und immer dran denken: Wer bereits einen unserer Tipps in den Wind schlägt, wird am nächsten Festival wieder zu der Gruppe Scheisstypen gehören, die kein Mensch bestellt hat. Wer noch Antworten auf spezielle Fragestellungen des Festivalbesuchs braucht, wende sich bitte an uns, wir helfen gerne.

 

Dann mal los und viel Spaß auf der Festival-Saison 2004
Euer Shredder Mag

Shredder Einlauf #1

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Man hat uns gebeten ab sofort, hier im großartigen southspace.com die Rubrik „Shredder Einlauf“ zu leiten, mit der Aufgabe, alle schlimmen Dinge, mit denen wir uns täglich rumschlagen müssen, an den Internet-Pranger zu stellen. Und weil es uns ein wichtiges Anliegen ist, Haß und Zwietracht zu verbreiten, machen wir das doch gerne. So, womit fangen wir an? Dass Kid Rock ein Scheißtyp ist, dass die ganzen R’n’B-Schniksen jetzt auch Nietengürtel tragen (Dürfen die das?) und dass Hausaufgaben „voll abnerven“? Langweilig, langweilig, langweilig. Bevor wir uns also blindem Populismus hingeben (später gerne), fassen wir doch erst mal der eigenen Szene prüfend von hinten an den Sack:

 

– Woher kriege ich das Formular, um meinen Punker-Ausweis verlängern zu lassen und wie werde ich eigentlich Mitglied in der Punkrock-Style-Polizei?

 

– Ist es cool und wichtig, beim Pogen wie Henry Maske auszusehen?

 

– Warum werde ich immer nur von Punks mit Haartönung und Accessoires im Wert von mindestens 120.000 EUR angeschnorrt und später angemacht, dass ich nicht „Punk genug“ bin?

 

– Welche Münchner Bands rocken wirklich so, wie sie sich’s auf die Stirn schreiben? Und welche Kneipen?

 

– Wann muss ich mich eigentlich entscheiden, ob ich lieber Skatepunk, Streetpunk, Orignalpunk, Rock’n’Roller, Skinhead oder Hardcore-Typ sein will?

 

– Wie viel stellen eigentlich die Leute auf, von denen die meiste Pöbelei kommt?

 

– Ist Lächeln „Punk“?

 

– Ist es schlimm, dass ich Abi habe?

 

Hm, sehr sehr schwierig. Wenn Ihr Antworten habt, publiziert sie doch bitte hier im Forum, wir kapitulieren und schreiben dann doch lieber über Jeanette Biedermann. Die glaubt doch wirklich, dass ihr auch nur eine Person, das neue im großen September-Marketing-Meeting abgesegnete Rock-Image abkauft. Man sollte sich halt mal lieber doch nicht von einem beschissenen Medienarsch mit Mode-Iro und „Smirnoff Ice“-Schlüsselband, das lässig aus der „Punk Royal“-Cargo-Arschloch-Hose hängt, beraten lassen, sondern besser von Duane Peters oder wenigstens Axl Rose. „Rocking on heavens floor“ – das ist doch kein Titel für ein Lied, sondern der Werbeslogan der „Jungen Christen Erlangen/Fürth“?

 

Bleibt nur die grausame Ahnung, dass genau die ihre Zielgruppe sind. Iss mir schlecht!