The Scandals – Time Machines (Gunner)
The Scandals – Time Machines (Gunner)
Die Scandals spielen melodischen Punkrock mit schicker Reibeisenstimme. Musikalisch tauchen Parallelen zu den ganz frühen The Gaslight Anthem auf – allerdings ohne deren Bruce Springsteen-Einfluss – dafür aber mit leichtem Folk- und Bouncing Souls-Einschlag. Insgesamt kommt das Album ganz solide daher, wobei ich mir noch die eine oder andere Ecke und Kante mehr gewünscht hätte. Aber vielleicht wollen die Herren das ja garnicht. Es muss ja auch Alben geben wo man nicht reflexartig auf die Straße rennt und alles anzündet, sondern faul auf der Couch sein Feierabendbier trinkt… (Und welchem Schlaumeier aufgefallen ist, daß alle genannten Bands aus New Jersey stammen und vielleicht deshalb ein Wenig ähnlich klingen, der bekommt von uns einen Sonnenblumen-Stempel ins Punker-Fleißheftchen.)
INVSN – s/t (Unter Schafen Records)
INVSN – s/t (Unter Schafen Records)
Dennis Lyxzén schlägt wieder zu! Nach Refused, Int. Noise Conspiracy, AC4 und unzähligen weiteren Bands ist dem Mann anscheinend immer noch nicht langweilig. Im Gegenteil: mit INVSN (sprich Invasion) wagt er sich in 80er Indierock/New Wave-Gefilde vor und präsentiert ein äußerst authentisches und vor allem stimmiges Album. Kein Wunder, denn genau genommen ist das schon Album #3 der Band – es wurde also heimlich geübt (damals noch als „Invasionen“ und mit schwedischem Gesang). Heute wird auf englisch gesungenen und theoretisch könnte damit der internationale Durchbruch gelingen, aber nur falls der feine Hr. Lyxzén parallel nicht drei andere Bands gründet und sich in Terminstress verzettelt. Anspieltipps sind „Down In The Shadows„, „God Has Left Us Stranded“ und „Distorted Heartbeats„.
Nike SB App / Tricks of the week / 10.2015
INVSN – Down In The Shadows
INVSN – Down In The Shadows
The Dwarves (Hafenklang, 24.04.15)
Skandal! Ein Dwarves-Konzert ohne HeWhoCanNotBeNamed? Warum nur? Wrestlingmaske in der Reinigung? Blasen-entzündung? Schreibmaschinenkurs an der VHS? Wir werden es nie erfahren. Dafür war zu meiner Überraschung Ur-Dwarves-Bassist Nick Oliveri mit am Start. Und zwar nackt. Mit Chucks. Aber moment mal, müsste der nicht gerade im Knast sitzen? Egal. Gespielt wurde 40min – keine Überraschung – und das in gewohnter Dwarves Qualität. Leider ohne Prügelei mit dem Publikum dafür mit größenwahnsinnigen Zwischenansagen von Blag Dahlia: „The Dwarves. 85 years of rock’n’roll. Much respect.“ Unter’m Strich ein kurzweiliger Auftritt mit diversen Hits und ordentlich Energie. Gerne wieder.

Social Distortion (Sporthalle, 17.04.15)
Social Distortion (Alsterdorfer Sporthalle Hamburg, 17.04.15)
Von der Arbeit nach Hause gehetzt, noch schnell die schwangere Frau eingepackt und los in Richtung Sporthalle. Dort angekommen kämpften wir uns schnell durch Fischbrötchen-, Pizza– und Popcorn-Stände um einen geeigneten Sitzplatz abzugreifen. Ja, Sitzplatz, wie gesagt: die Frau ist schwanger.
Der
Grund für den Ausflug: Mike Ness lud zum 25. Jubiläum des selbst betitelten Albums „Social Distortion“. Und getreu dem Konzept wurden uns auch gleich „So far away“, „Let it be me“, Story of my life“ und „Sick Boys“ um die Ohren gehauen – abgesehen vom mies abgemischten Großraumdisko– Sound – sehr, sehr schön. Nach diesem fantastischen Auftakt war jedoch schnell die Luft raus: Mike Ness verlor sich in viel zu langen Rock-Soli und einer Setlist aus mittelmäßigen Songs (wer will denn bitteschön „Misery Loves Company“ von der ersten Mike Ness-Soloplatte hören? Niemand!). Im Zenit der Langeweile prasselte ein künstlich in die Länge gezogenes „Drug Train“ auf uns herab (Gitarrensolo, ihr wisst schon) nur um zu beweisen, daß Songs, die auf Platte scheiße sind, auch live nix können. Zum Glück hatten wir Sitzplätze.
Doch weiter im Programm: Mike Ness erzählte uns,wie cool es ist in deutschen Hotels untergebracht zu sein, denn dort sind die Frühstückseier inklusive und total lecker, der spinnt doch! Kurz darauf flog ihm dank falscher Tonlage das Rolling Stones-Cover „Wild Horses“ um die Ohren, aber zum Glück hatten wir ja Sitzplätze (hatte ich das schon erwähnt?). Am Ende des zähen Programms konnte der obligatorische Hit „Don’t drag me down“ auch nix mehr retten und als Zugabe gab’s wie immer „Ring of fire“, damit auch der dümmste Fan noch einmal mitsingen darf. Heieiei. Mike Ness, du bist zwar ein cooler Hund, aber das war leider nur Mittelmaß. Das nächste Mal bitte ein paar knackigere Songs auswählen und nicht mit unnötigen Rock-Soli posen.

Tipp
Erinnert sich noch jemand an Brody Dalle? Genau. Das war diejenige, die uns eine Zeit lang mit ihrer Band den Distillers hervorragend unterhalten hat. Die Alben „Sing Sing Death House“ und „Coral Fang“ sind nach wie vor großartig, aber danach kam leider nix mehr. Ah doch, der damalige Ehemann Tim Armstrong (ihr kennt ihn vielleicht von GZSZ) wurde vor die Türe gesetzt und gegen Josh Homme (Marienhof) eingetauscht. Ende.
Aber das Shredder Mag wäre nicht das Shredder Mag, wenn wir keine adäquate Alternative für euch parat hätten: Louise Distras heißt die gute. Als gebürtige Engländerin hat sie sich traditionell den Protestsongs verschrieben und bietet auf ihrem Debütalbum „Dreams From The Factory Floor“ eine ordentliche Portion Kampfgeist und Wut. Die kommt dank 1a-Reibeisenstimme und Akkustikgitarre (Billy Bragg lässt grüßen) auch verdammt authentisch rüber. Selbstverständlich ist das immer schön „Working Class“-fixiert und direkt aus dem Herzen. Enjoy:
https://www.youtube.com/watch?v=CnveBCzuSBA
H2O-What Happened (feat. Lou Koller & Matt Skiba)
Ein Klassiker zwischendurch:
H2O – What Happened (feat. Lou Koller & Matt Skiba)
kramt im Archiv
Liebe Kinder, lasst euch eins gesagt sein: Finger weg von Klingelton-Abos! Auch wenn ein Punk-Label dahintersteckt.

Konzertreviews (Hamburg)
The Movement, Top Buzzer (27.09.14, Knust)
Da ich The Movement bisher immer verpasst habe ging ich an diesem Abend mit besonders hohen Erwartungen ins Knust. Und wurde leider völlig enttäuscht. Das gesamte Konzert fühlte sich wie ein internes Battle zwischen Sänger/Gitarrist Lukas Scherfig (als Solo-Soul-Künstler unter „Lukas Sherfey“ unterwegs) und dem Rest der Band an. Der feine Herr preschte munter mit 200 km/h voran, während seine Kollegen müde hinterher hechelten. Dementsprechend holprig war der Sound. Eigentlich bin ich ja ein großer Fan von „Band spielt ihre Songs live doppelt so schnell wie auf Platte“, aber das war leider nix. Beim heimlichen belauschen eines „Experten-Gesprächs“ an der Bar erfuhren wir, daß der aktuelle Bassist gar nicht vom original Line-Up ist, sondern eher eine Art Schülerpraktikant darstellt (zumindest optisch). Na gut, vielleicht war das mit ein Grund für das wackelige Zusammenspiel – die Hauptschuld liegt meiner Meinung nach aber eindeutig bei Mr. Scherfig. Der spinnt doch. Der kann doch nicht einfach das gesamte Set an sich reißen und einen auf Alleinunterhalter machen. Das nächste Mal bitte einen Gang runter schalten und ein bisschen mehr Teamgeist mitbringen.
OFF!, Cerebral Ballzy (14.10.14, LOGO)
Meine Herren, in letzter Zeit konnte man ja viel über die Live-Performance der Hype-Teenies aus New York lesen, aber was an diesem Abend geboten wurde spottet jeder Beschreibung. Das war ein dermaßen planloses und untightes Rumgebolze – kaum auszuhalten. Die einzelnen Bandmitglieder spielten ihren jeweiligen Stiefel autistisch runter (Motto: schnell und unkoordiniert) und der Sänger hätte am Besten direkt zu Hause bleiben sollen. Da macht es ja nix wenn man dicht auf dem Bett liegt und nix auf die Reihe kriegt – vor einem Publikum eher schlecht. Schade eigentlich, denn die Band überzeugt mich auf Platte eigentlich schon. Aber egal, denn nach den ersten 10 Sekunden OFF! sah die Welt wieder anders aus: Routine meets Power meets Entertainment. Keith Morris und seine Mannen enterten die Bühne und ließen den Bluthund von der Kette: Hardcore zum Anfassen, laut, echt und geradeaus. Sehr, sehr gut. Schöne Anekdote: die Band spielte die ersten 10 Sekunden von Wasted an, nur um im selben Atemzug klarzumachen: „Tonight no Black Flag, no Circle Jerks, no Redd Kross.“ Vielen Dank dafür. Es gibt einfach zu viele Bands sich das Leben zu leicht machen und sich auf dem Ruf und Erfolg von „damals“ ausruhen.
Pascow, Disco Oslo, Fluten (01.11.14, Knust)
Im Kartenvorverkauf gepennt und direkt bestraft worden. Also keine Mini-Clubtour für mich, sondern ein halbes Jahr warten und ab ins Knust (was ja von der Größe eigentlich auch noch vertretbar ist). Dort angekommen gab es erstmal keine Überraschungen: Vorband(s) wie so oft verpasst, im Publikum viele Tagtraum-, Turbostaat- und Feine Sahne Fischfilet-T-Shirt-Träger und hier und da ein paar Meter Dreadlocks die im Raum verteilt rumhingen. Dann ging’s auch schnell zur Sache, denn Pascow ließen sich nicht lange bitten den Saal zu sprengen. Hier wurde durchgehend das Gaspedal durchgedrückt und einmal quer durch die Bandhistorie geballert. Das Publikum feierte dementsprechend mit, die Bühne war voll von Stagedivern, der Moshpit schön gefüllt und das Bier floss in Strömen. Also für jeden etwas dabei!
entdeckt
Neulich in der Stadt unterwegs gewesen und dieses wunderschöne Exemplar entdeckt: ein Bad Religion-Tourposter von 1993. Unberührt, ohne Kratzer und nicht mal im Ansatz überklebt. Nicht schlecht, immerhin hat das Ding schon über 20 Jahre auf dem Buckel. Das Shredder Mag rät: durchhalten und weiter so! Auf das sich eines Tages ein paar Aliens fragen, was diese zwei saublöden Hunde auf der Tür sollen…

macht den Nazi-Style-Check
Das Nazis unkreative Würste sind haben sie ja schon beim Klauen der Skinhead-Mode bewiesen (mehr zum Thema: der Shredder Mag-Skinhead Report). Vor ein paar Jahren kam dann die miese 1:1-Kopie des „Schwarze Block“-Looks. Und jetzt? Der Nazi von heute macht auf jung und hip, dann klappt’s auch bei der Singlebörse, oder mit dem Nachbarn. Unfassbar. http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/kulturjournal/Style-Check-Was-ist-eigentlich-Nipster-Mode,nipster102.html

(via NDR2.de)
Alte Ausgaben
Hach – das waren noch Zeiten, als wir unser komplettes Taschengeld in die Copy-Oase gesteckt haben: die Shredder Mags wurden vom Latzhosen-tragenden Hippie-Inhaber höchstpersönlich und einzeln von Hand kopiert, brühwarm aus dem Canon NP 6137 gezogen und anschliessend mit einem Küsschen veredelt. Ja ja, 1000 Stück pro Ausgabe waren da schon eine kleine Herausforderung für R. Schmelcher (Namen geändert). Heute, im digitalen Zeitalter, läuft das natürlich anders: unsere Praktikanten twittern und posten live von Konzerten, Reviews lassen wir direkt von Spotify schreiben und generell ist alles besser. Wer sich den alten Kram dennoch anschauen möchte klickt auf die jeweilige Ausgabe. Love and Peace, Eure Shredders.
Ausgabe #20, August 2006

Voll knisternder Erotik kommt die neue Ausgabe daher, unter anderem mit kniffligen Rätseln, einem Interview mit Münchens neuster Hardcore-Hoffnung und allerlei kulinarischen Spezialitäten.
AFI – Decemberunderground
AFI – Decemberunderground
Band knüpft mit diesem Album nahtlos an „Sing The Sorrow“ an, wobei dieses Mal noch auffälliger in Richtung Mainstream geschielt, um nicht zu sagen geglotzt, wird. Vermehrt eingesetzte Pop- und 80’er Jahre-Synthie-Elemente sorgen für Massentauglichkeit und sogar The Cure oder Depeche Mode Fans werden bei diesen Hymnen auf ihre Kosten kommen. Sänger Davey Havok garantiert zwar wie immer für Gänsehaut, dieses Album wird aber ziemlich sicher den einen oder anderen „alten“ Fan vergraulen…
Versus The Mirror – Home (Equal Vision)
Versus The Mirror – Home (Equal Vision)
Wie entspannend bei dem ganzen langweiligen Screamo-Kram, wenn ein paar junge Burschen die Schminke einfach mal in Muttis Kulturbeutel ruhen lassen und der Sänger einfach mal nur brüllt und nicht singt – obwohl man musikalisch schon in der Ecke „Hardcore mit Gefühl“ zu Hause ist. Durchgehend hohe Qualität, gut in Szene gesetzt, auch wenn der Superhit noch fehlt. Aber kommt bestimmt bald!
Backyard Babies – People Like Us… (EMI)
Backyard Babies – People Like Us… (EMI)
Retro at it’s best! Nach dem Burner „Total 13“ und zwei faden Alben melden sich die Schweden-Rocker zurück und werden endlich wieder meinen hohen Ansprüchen gerecht. Dabei räubern sie sich durch die gesamte Stadienrock-Geschichte von KISS bis Bon Jovi, aber nie ohne den mittlerweile wirklich gefestigten Backyard Babies-Sound und ohne zu langweilen. Ein schönes Album!
Red Can Festival 06 – Compilation (Red Can)
Red Can Festival 06 – Compilation (Red Can)
Die liebevoll und äußerst aufwendig gestaltete 7″-EP mit 4-farb. Siebdruckcover, geprägter Hülle und Einleger, repräsentiert anlässlich des Festivals 2006 (leider schon vorbei) einen übersichtlichen und informativen Querschnitt des münchner Labels. Jeweils ein unveröffentlicher Track der lokalen Bands Purren, Mitote, The Nine und The Subrosa Falcon Association rockt sich durch gitarrenlastigen, teilweise eckigen Post-Punk und macht Appetit auf mehr. Weiter so, mehr Infos auf: www.red-can.com
The Blackout Argument – Munich Angst (Engineer)
The Blackout Argument – Munich Angst (Engineer)
Diese Jungs wollen nach ganz oben und mit dieser 5 Track EP wäre der Grundstein dafür definitiv gelegt! Beim sensationellen Artwork angefangen, über die saubere Produktion bis hin zur Musik, überzeugen die Jungs hier in vollem Maße. Wie ein roter Faden zieht sich hier der eiserne Wille, etwas mit der Band zu bewegen und daran zu glauben, durch. Musikalisch bewegt man sich im klassischen Ping-Pong zwischen krachendem Hardcore und süßen Melodien: Druckvolle Moshparts, geschrieene Vocals und treibende Gitarren blasen dich einfach um, während dich der glasklare Gesang im Refrain auffängt und die Sonne und das Herz aufgehen lässt. Dieses Prinzip geht vor allem dank der fabelhaften gesanglichen Leistung auf und stellt für mich das Markenzeichen von BOA dar. Sie schaffen es, brutal Emo, ohne Emo zu sein und wer kann das schon von sich behaupten?









