New York, Rio, Tokyo

Shredder Mag expandiert nach Übersee!

Uebersee_Records_Logo_shreddermagH a n n o v e r – Der Shredder-Geheimdienst hat wieder mal ein kleines, vorbildliches Label aufgespürt, das sich auf den Import von hervorragenden Bands spezialisiert hat. Grund genug für ein Interview mit Henning von Übersee-Records.

S: Wie lange gibt es euch schon?

H: Die erste Scheibe kam am 15.11.02, aber wir haben Anfang 2002 angefangen.

S: Wie gross ist Euer Team?

H: 5 Leute (Maren, Tim, Alex, Holger und Henning)

S: Aktuelle Releases?

H: Am 2.5. kommt KARAMELO SANTO „Los Guachos“, vorher kamen: Los Calzones „Plastico“ 21.02.03, Un Kuartito „No Pares! Non Stop“ 15.11.02, V.A. „Echte Übersee Records – Finest latino Ska and Punk From The Americas“ 15.11. Was da noch kommt – schauen wir mal, aber es wartet noch einiges!

S: Wo bekommt man Eure Platten?

H: Naja, hoffentlich überall ;) Also über die EFA und ihre Export-Partner stehen die CDs eigentlich in ganz Europa in den Läden, also zumindest können sie schnellstens geordert werden.

S: Eure Philosophie?

H: Also erst mal: „Die Welt ist ein Dorf!“ Auswahlkriterium für die Bands ist grob gesagt: sie müssen uns gefallen und „Europa muß sie brauchen“, d.h. wir wollen immer was ganz besonderes über’n großen Teich holen.

S: Kontakt?

H: www.uebersee-records.de, contact@uebersee-records.de

S: Habt ihr eigentlich auch was „ordentliches“ gelernt?

H: Na logo, wir sind zwar auch fast alle mehr oder weniger gescheiterte Musiker, aber nebenbei haben wir auch total seriöse Jobs gelernt: vom Industriekaufmann über Diplom-Ökonomen und Mediengestalter ist alles dabei… Und die brauchen wir auch, damit wir Übersee finanzieren können.

S: Wie kommt man auf die Idee ein Label zu gründen?

H: Wir haben eh alle schon ewig auf die ein oder andere Art mit Musik zu tun und wenn niemand anderes diese Bands rüber holt, dann müssen wir’s halt machen ;)

S: Habt Ihr Bekannte in der deutschen „Labelszene“ die Euch geholfen haben, das alles aufzubauen. Kennt „man“ sich überhaupt, oder macht jeder sein eigenes Ding?

H: Beim Label-Aufbau direkt hat uns eigentlich niemand geholfen, aber das wüssten wir zum größten Teil auch selber. Aber na klar kennt man schon die ein oder anderen Leute in der „Labelszene“. Auf jeden Fall hilft man sich auch wo man kann, schließlich wollen wir ja alle nur gute Musik unter die Leute bringen. Konkurrenz gibt es zwar auch, aber die ist bei den befreundeten Labels/Leuten nur auf dem Papier!

S: Kann man davon leben?

H: Ein ganz klares NEIN. Also wenn wir gut sind, spielen wir die Kosten wieder rein. Wer ein Label wegen der Kohle gründet kommt aber eh nicht über den ersten Release raus, weil man dann langsam merkt wie schwierig es wirklich ist! Deswegen arbeiten wir, um uns Übersee leisten zu können. Wenn’s irgendwann genug abwerfen sollte, sind wir aber na klar sofort dabei!

S: Deine persönlichen Top-10-Platten ever (die nicht auf eurem Label sind)?

H: Die Reihenfolge ist beliebig, aber ich denke mal: MANU CHAO – Clandestino, SOCIAL DISTORTION – White Light, White Heat, White Trash, HOUSEMARTINS – London 0-Hull 4, MANO NEGRA – Patchanka, BRIAN SETZER – Dirty Boogie, JOHNNY CASH – Americana 3: Solitary Man, FUGAZI – Repeater, PROPAGANDHI – Less Talk More Rock, GOOD RIDDANCE – A Comprehensive Guide To Modern Rebellion, BILLY BRAGG – The Internationale, DESCENDENTS – Everything Sucks (T’schuldige, aber sind leider 11 geworden… )

S: Bestes Konzert ever (nicht selbst organisiert)?

H: SUICIDAL TENDENCIES mit der „Light, Camera, Revolution-Tour“ in Rochester (NY State) 1990!

S: Worauf seid ihr besonders stolz, welche Band habt ihr „entdeckt“ bzw. nach Deutschland gebracht?

H: Schwierige Frage, aber KARAMELO SANTO sind definitv eine der Bands gewesen, warum wir überhaupt damit angefangen haben und die sind uns allen sehr ans Herz gewachsen! Musikalisch und menschlich absolute Weltklasse!!

S: Seid ihr oft auf Bandsuche, d.h. im Ausland auf Konzerten? Vor allem in Lateinamerika?

H: Leider viel zu selten, aber meistens übernimmt das Alex (Neid!!)

S: Was wird es in Zukunft von Euch geben?

H: Wir haben genug Bands, für 2 Jahre auf dem Roster, also ist alles wieder mal nur eine Frage des Geldes… Aber wir kriegen mittlerweile so viele interessante Bands angeboten, daß wir es kaum erwarten könne sie alle rüber zu holen! Im Moment wollen wir eigentlich pro Jahr so ca. 6 CDs machen.

S: Wo seht ihr euch in 10 Jahren?

H: Weniger Haare als jetzt kann ich ja zum Glück kaum mehr kriegen! Unser Traum ist es erst mal davon leben zu können! Wenn’s in 10 Jahren nicht geklappt hat, dann machen wir halt zusammen Musik. Davon dürfte man dann zwar auch nicht leben können, aber als taube Enddreißger kriegt man auch schon wieder den Mitleidsbonus…

S: Und weil’s gerade so gut passt: ein Kommentar zum Krieg:

H: FUCK BUSH! Mehr sollten Leute wie wir da drüber nicht sagen müssen, weil wir alle einen Scheiß von dem wissen, was da wirklich abgeht! Das was wir wissen macht mir allerdings richtig Angst! Ansonsten fällt mir nur Un Kuartito’s Plattentitel von 1997 ein: „SAL A LA CALLE“ – Geh raus auf die Straße!!

rogermiret_disasters_shreddermagRoger Miret And The Disasters – Same (Hellcat) Nach den Bastards, den Mescaleros, den Invaders, den Hunns und etlichen mehr, kam nun auch der Agnostic Front-Shouter auf die Idee, ein paar Hansel um sich zu scharen und ein Solo-Album aufzunehmen. Der Hardcore-Hauptschulabschluss ist ja bekanntermassen seit Jahren mit einem glatten Einser bestanden, der ehrgeizige Herr aus New York wollte es aber nochmal wissen und drückte auf ein weiteres die Schulbank, um endlich das heissbegehrte Streetpunk-Abitur zu meistern. Den Leistungskurs Tattoowieren und Gröhlen schaffte er auf anhieb, in HSK (Heimat- und Saufkunde) enttäuschte er nie und das ebenso wichtige Fach Punk-Geschichte schloss er mit grossem Erfolg ab. Besonders hier sieht man wieder, das der kleine Roger immmer gewissenhaft seine Hausaufgaben erledigte! Enormes Auseinandersetzen mit alten 77’er Punkhelden, absolvieren eines guten Artworks und das Covern des genialen Cocksparrer-Klassikers „England belongs to me“ sind nur weitere Gründe wofür wir dem kleinen Mann aus Brooklyn das Streetpunk-Abitur verleihen und das Album mit dem Prädikat „wertvoll“ auszeichnen. Danke und bis auf weiteres!

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Wilde 13 – Alle$…und noch mehr! (Punkrockets), – Rockets on Eddi (Promo-CD, Eigenproduktion)
Rosenheim rockt! Zuerst haute uns das bayrische Punkrock-Quartett ihre 7″ um die Ohren, jetzt die brandneue 3-Track-CD. Alles in allem gibt’s geradlinigen Punkrock auf den man sich verlassen kann. Das ganze schön schnell eingespielt, mit kritischen Texten (deutsch und englisch) versehen und abwechslungsreich gestaltet. So langsam finden die Jungs ihren Stil, ihr Motto dabei: „Immer auf die Zwölf“! Wer sich davon überzeugen möchte geht schnellstens auf: www.wilde13music.de, bestellt die 7″ bei www.punkrockets.com oder schaut sie sich am besten mal live an!

pistolgrip-shreddermagPistol Grip – The Shots From The Kalico Rose (BYO)
Voller Erwartungen fuhr ich letztens zum Oxymoron-Konzert im Feierwerk. Die Enttäuschung des Abends waren nicht nur die 13 Euro Eintritt, sondern auch die langweilige, blutleere Show der Nürnberger-Bratwurst-Streetpunks. Den einzigen Lichtblick hier boten die angehenden Herren aus Los Angeles, die eigentlich „nur“ als Vorband geladen waren. Aufgrund ihrer soliden Show gleich mal das Debutalbum gekauft und siehe da, beim ersten anhören im CD-Player fehlt nicht die geringste Spur ihrer Liveenergie und Spielfreude! Californischer Streetpunk im Sinne der Generators wird geboten: sehr mitreissend und vorantreibend, was vor allem am druckvollen, eigenständigen Gesang liegt. Verstärkt durch das bodenständige Soundgerüst eine wirkungsvolle Kombination um dir die, vor allem U.S.A.-kritischen Texte, entgegenzuhämmern. Hier wird mit allen abgerechnet, oh mein Gott sind die gut. Bin mal gespannt was es in den nächsten Jahren noch so von ihnen zu hören gibt, sollte das so weiter gehen, muss sich so mach andere „bekannte“ Band mal ordentlich zusammenreissen um nicht plötzlich wieder nur als Vorband zu spielen. Ein neuer Wind kommt auf!

transplants_shreddermagTransplants (Hellcat)
Dieses Album ist eine große Überraschung und wüsste man nicht, wer dahinter steckt, würde man nie drauf kommen: Tim Armstrong (Rancid), ein unbekannter Typ aus dem AFI-Umfeld und der Blink-Drummer Travis Barker, wobei letzterer wohl den kleinsten Teil beigetragen hat. Auf diesem Album dominieren nämlich Drumloops, zu denen gesungen und gerappt (sic!) wird. Musikalisch schwankt das ganze zwischen alten BeastieBoys, Rancid, Drum&Bass und Sucidal Tendencies (diese Umschreibung ist genauso schwammig, wie das Album abwechslungsreich). Die AFI-Tattoo-Shouter-Assel entpuppt sich hierbei als echtes Talent. Ist das der Shape of Punk to Come? Von mir aus gerne!

revolvers_shreddermagThe Revolvers – A Tribute To Chliches (People Like You)
Diese Fraktion aus dem Ruhrpott entstieg der Asche der Public Toys und den Überresten von District, falls es jemand interessiert. Fakt ist jedoch, dass dieses Album mächtig rockt und alle die auf Rock’N’Roll-Glampunk und Leopardenfell stehen, glücklich macht. 13 Songs die im Backyard Babies-Format nach vorne gehen, versüssen einem den verregneten Sonntag, ein schönes Artwork sorgt obendrein für gute Stimmung. Tracks wie „Rock’n’Roll Babylon“ oder „Do You Have The Time“ könnten bald schon zu Rennern auf dem Riot-Dancefloor avancieren, eine Kleinigkeit stört mich allerdings: die Revolvers haben zwei Sänger, von denen es nur einer gut beherrscht. Ausserdem kommt manchmal auch versteckt der Deutschland-Bonus dazu, wenn es um die Texte und die Aussprache geht – Ruhrpott-Realschul-English rules! Das alles rückt durch den hervorragenden, handwerklich sauber bewältigtem Sound aber wieder in den Hintergrund und macht dieses Album zu einem ernst gemeinten Kauftipp!

suicidemachines_shreddermagThe Suicide Machines – Steal This Record (Buena Vista Entertainment)
Das vierte Album released und das Chaos ist auf den ersten Blick wieder mal sehr gross. Beim ersten Mal durchhören bleibt irgendwie garnichts hängen, nur die „It’s the end of the world as we know it“-Coverversion mit Background-Gebrüll von Toby Morse (H2O) zieht seine unaufhörlichen Bahnen im Grosshirn. Der Rest, ein Mix aus etlichen Jarhren Bandgeschichte und 3 Alben, entwickelt sich erst nach mehrmaligen Hören zu einer gelungenen Zusammenstellung. Die Jungs aus Detroit machen es einem auch wirklich nicht leicht, von agressiven High-Speed-Punkrock, Hardcore-Einflüssen, Ska, „Hard Rocking Sounds“ bis hin zu Raggae ist alles vertreten und wild durchgeinandergewürfelt. Das offizielle Statement auf ihrer Homepage: „…we summarized all sound to one big recipe…“ ist in diesem Fall sehr treffend. Eins haben alle Songs aber definitiv gemeinsam: grossartigen Melodien werden hier präsentiert die im Unterbewusstsein immer wieder auftauchen, entsprechende Größe zeigen und nicht mehr so leicht abzuschütteln sind. Alles in allem ein verwirrtes, wenn doch cooles Album. Neueinsteiger lieber mal mit „Destruction By Definition“ anfangen.

radio69_shreddermagRadio 69 – Reality Punk (Knock Out)
Diese Band beweist, das Schweden mehr als nur Knäcke-Brot, Burning Heart und ABBA zu bieten hat. Nicht das eben genanntes schlecht wäre (vor allem ABBA…), aber der jeweilige Zenit scheint doch schon leicht überschritten zu sein. Nicht hingegen der von Radio 69, denn die Jungs präsentieren mit ihrem 2 Album ein frisches, wenn aber auch traditionelles Stück Musik, das sich mit Oi! oder Streetpunk wohl am besten beschreiben lässt. Man könnte auch sagen Musik zum Biertinken und mitgröhlen! Die Mannen aus Oxledsvägen machen auf „Reality Punk“ alles richtig, textlich Anti-sehr-viele-Sachen, musikalisch an älteren Dropkick Murphys orientiert würde ich sagen. Mit „Someone’s Gotta Die“ von Blitz wird die kostenlose, auf Punkplatten immer gern gesehene, Bonus- Coverversion abgehakt. Artwork stimmt auch, was will man mehr? Jetzt müssen die Jungs nur noch live beweisen das sie ihr Handwerk verstehen, worüber man sich keine grossen Gadanken machen müsste.

Lebenshilfe

blagdahlia_shreddermag

Das Leben steckt voller Fallen und Unsicherheiten. Immer wieder muß man Hürden überwinden und oft scheint es kein Ein noch Aus zugeben. Für einige besonders schwere Probleme des Alltags konnten wir einen echten Experten gewinnen, uns Tipps für das richtige Vorgehen zu geben. Kein geringerer als Blag Dahlia, der Sänger der Dwarves, gab uns Antworten auf dringliche Fragen, die das Tor für ein einfaches und erfolgreiches Leben bilden:

S: If there’s a girl I really like but she doesn’t even look at me, what can can I do to make her think I’m the coolest guy ever?

BD: Completely change your personality omitting any hint of your actual thoughts, feelings or desires.

S: At a party I call a guy „funkin‘ asshole“. One second too late I realize, that he’s 7 ft tall and heavyweight-boxer. What can I do to save my life?

BD: Explain that he is actually appearing on your new hidden camera reality show, laugh it off and get him a drink. Then run.

S: How do I become a real punk?

BD: Go to prison and get fucked up the ass.

S: Tell us some original Dwarves-Sextricks?

BD: Never perform cunnilingus for any reason. Lie alot.

S: What’s the best excuse when I don’t want to go to work/school in the morning?

BD: Taxoplasmosis.

S: What records should I play on a romantic rendevous?

BD: Johnny Mathis Greatest Hits or God Bless Tiny Tim.

S: There is a big party and everyone is invited – but me, cause I puked on the hostess on last year’s party. How do manage to get in?

BD: Blackmail.

S: My parents force me to go to church every sunday. What can I do to make these 2 hours more entertaining?

BD: Fantasize about the comely young lass two pews down.

S: What can I do to get rich?

BD: Get off the internet.

rancid_nofx_shreddermagNOFX / Rancid – Split (BYO)
Ein Split-Album dieser beiden Bands wäre unter normalen Umständen ganz nett aber sicher nicht weltbewegend. Die Tatsache das sie sich jeweils gegenseitig covern macht die Sache doch wesentlich spannender. NOFX starten mit „I’m The One“, nach und nach folgen „Olympia WA“ und „Tenderloin“ auf der Reise durch den Fat Mike-Fleischwolf. Heraus schiessen überzeugende flotte Punksongs, der Geniestreich gelingt jedoch mit Covern von „Corozon De Oro“ und „Radio“: bei beiden Songs wird nämlich der Spiess umgedreht, das eine erwacht als Punkrockzombie, das andere als lockere Reggae-Version. Dann tauchen Rancid auf die mal wieder beweisen das sie zur assligeren Sorte Punkern in Californien gehören. Es macht schon Spass „Moron Brothers“ oder „Bob“ als dreckigen Rancid-Bastard zu erleben, dazu kommt ein „Don’t Call Me White“ mit der Jägermeisterstimme von Matt Freeman der auch Fat Mikes Bassparts in Grund und Boden spielt. Ein Highlight unter vielen auch „The Brews“, bitte schnell kaufen und unbedingt ans Neongrüne-Low Budget-Cover denken!