gadjits_shreddermagThe Gadjits – Wish We Never Met (Hellcat)
Im Gegensatz zum letzten wurde das neue Album nicht von Tim Amstrong (Rancid) produziert. Mehr relaxter Ska, mehr OldSchool-Rock’n’Roll, weniger Punk ist das Ergebnis. Ein lockerer Offbeat, schiebende Keys und jede Menge Ohrwürmer gesungen mit wunderbar aufmüpfiger Stimme und verstärkt durch die oberlässigen weiblichen Backing Vocals geben dem Album einen durchweg positiven Vibe. Ein bisschen weniger sanft hätte zwar auch nicht geschadet, aber so ist’s auch gut, wer’s hart braucht kann ja S.O.D. hören, die Gadjits sind eher was für fette BBQ-Sessions in der prallen Sonnen (mit viel Bier).

dwarves_shreddermagThe Dwarves – The Dwarves Come Clean (Epitaph)
Zwei schaumbedeckte Schnecken und ein nackter Luft-Rückenbürste-spielender Gnom in der Ecke auf dem Cover zwingen zum Reinhören – was bei 21 (!) Minuten Musik auch schnell geht. Nun gut, mag da mancher sagen, ist halt Punkrock! Allerdings bringt diese Weisheit nichts, wenn das Preis-Dauer-Verhältnis komplett scheiße ist. Die Dwarves aber machen das scheinbare Missverhältnis gemäß dem alten Deppen-Spruch „Qualität statt Quantität“ wirklich wieder wett. Ganz im Gegensatz zu manch anderer Band auf Epitaph findet sich nämlich auf dem neuen Output der Zwerge nicht nur melodiöser Mitsing-Punk mit Rock’n’Roll-Einschlag und Hitfaktor a la „Better Be Women“. Nein, zur leichtverdaulichen Durchschnittspunker-Kost gesellt sich zur Abwechslung auch mal ein wenig Pseudo-Industrial wie in „Over You“, was man unter Umständen sogar als Primal Scream Verarschung (XTRMNTR!) sehen könnte oder ein Machwerk namens „River City“, bei dessen Speedrock-Gebolze mit Kopfstimmen-Kreischgesang man unwillkürlich an Nashville Pussy denken muß. Ansonsten beherrschen rotziger, aber melodischer Beach-Boys-Gesang und furztrockene Punkrockriffs das Bild, auch wenn sich mal die ein oder andere Countrygitarre („Come To Where The Flavour Is“), etwas Elektrogeblubber oder Roboterstimmen aus dem Weltraum einschleichen. Insgesamt bleibt alles Punk, schnell wie Zeke, melodisch wie No Fun At All und abwechslungsreich wie kaum eine andere Band dieser Liga.

entombed_shreddermagEntombed – Uprising (Threeman)
Obwohl sie aus der schwedischen Musikszene nicht wegzudenken sind, haben sie vom großen Skadinavien-Rock’n’Roll-Kuchen (zur Zeit im Angebot) erst ein kleines Stück abbekommen. Doch das kann sich bald ändern, denn Entombed legt mit Uprising nun ein Album vor, dass vor erstklassigstem Schweine-Bolz-Rock mit Auf’s-Maul-Faktor 10 nur so strotzt. Ja aufpassen, dass keine gute Laune aufkommt, heißt es da. So unverfroren draufgehauen hat seit „Supershitty To The Max“ von den Hellacopters kaum jemand mehr. Trotz Deathmetal-Roots geht Uprising mehr in Richtung Hardcore und ist dabei angenehm zeitgemäß. Kauftip zum in schlechte Laune reinsteigern – haut rein!

 

hellcat_shreddermagV.A. – Give ‚Em The Boot II (Hellcat)
Sampler, die Zweite: Diesmal haben wir Hellcat Records im Visier. Hellcat ist als Unterlabel von Epitaph schwerpunktmäßig für Ska und rauhen Street-Punk zuständig. Neben Rancid, die gleich dreimal vertreten sind, findet sich hier unter anderem auch Material von den Dropkick Murphy’s, U.S. Bombs, The Gadjits, The Slackers, Choking Victim, Hepcat und Jamaikas Dancehall-Rocker Buju Banton. „Give ‚Em the Boot II“ garantiert einem ein Stunde abwechslungsreiche Musik in gewohnt hoher Epitaph-Qualität. Da auch dieser Sampler zehn Mark kostet, ist er außerdem der ideale Wegweiser beim Alben-Kauf.

millencolin_shreddermagMillencolin – Pennybridge Pioneers (Burning Heart)
Da isses, das neue Album der Everybody’s-Darlings, und auch hier saß Brett Gurewitz hinterm Mischpult. Man könnte sagen, Millencolin sind jetzt älter und reifer geworden, aber wer kann das schon beurteilen, wenn er die Jungs gar nicht persönlich kennt. Tatsache ist, dass das Album ruhiger zur Sache geht und abgeklärter klingt, als die vorhergehenden Alben. Auf den ersten Blick eine recht zahnlose Angelegenheit, aber nach ein paarmal hören, haben sich alle Melodien und sämtliche Texte im Kopf festgefressen. Millencolin haben sich weiterentwickelt und alten Zeiten nachzuheulen ist Blödsinn, denn auch ohne Punkrock-Knüppel legen sie mal wieder ein cooles Album hin.

allsaints_shreddermag

All Saints – Pure Shores (Universal)
Nichts ahnend geht man in den CD-Laden, um zu sehen, was es so Neues gibt, und dann passiert das: Durch Zufall fällt der Blick auf das sonst so gemiedene Single-CD-Neuheiten-Regal und schwupps, man ist verloren. Die All Saints haben mal wieder eine neue Single draußen und zu allem Überfluß enthält diese auch noch ein Mini-Poster, auf dem die sonst schon recht ansehnlichen Damen in pornographischster Weise Eis lutschen. Also, rennt man sofort damit zur Kasse und dann ab nach Hause. Zu Hause als allererstes das Poster aufgehängt und die Single weggeschmissen. Na toll, wieder mal ist man der eiskalt berechnenden Plattenindustrie auf den Leim gegangen…

 

fumanchu_shreddermag

Fu Manchu – Kings Of The Road (Edel)
Fu Manchu haben sich dem Rock verpflichtet und sie machen Ihre Sache verdammt gut! Sämtliche Riffs brechen ab der ersten Minute mit einer dermaßenen Brachialkraft auf den Hörer ein, daß dieser das Gefühl hat, alle Instrumente würden permanent unter mehreren Tausend Volt stehen. „Kings Of The Road“ bietet eine perfekte Mischung aus Black Sabbath und Kyuss – nur irgendwie viel viel fetter. Erfreulich auch, wie gut sich diesmal Scott Hills Quäke-Shouterei ins Gitarrengewitter einpaßt, wenn er über’s Autofahren und vom Rock’n’Roll-Rabauken-Dasein singt. Fu Manchu werden es bei der nächsten Platte verdammt schwer haben, noch eins drauf zu setzen.

 

snapcase_shreddermagSnapcase – Designs For Automotions (Victory)
Nach langer Zeit endlich das neue Album. Snapcase sind erklärte Refused-Fans und was sie hier abliefern, kann durchaus mit „The Shape Of Punk To Come“ mithalten. New School-Hardcore, so druckvoll und kompakt, dass er Beulen in Beton schlägt. Mit „Designs For Automotions“ vertont Snapcase die Suche nach der eigenen Identität und Persönlichkeit. Wieviel des eigenen Handelns wird durch Dich selbst bestimmt und wieviel von außen eingeimpft? Die Band will uns zum Nachdenken bewegen, was wirklich zählt. Fast wie eine Zusammenfassung des Albums mutet daher die letzte Textzeile an: don’t refuse your mind.

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V.A. – Cheap Shots IV (Burning Heart)
Label-Sampler, die Erste: Cheap Shot IV gibt einen Überblick über das LineUp des schwedischen Labels Burning Heart. Die CD ist mit 25 Tracks von 24 Bands randvoll und ein sicherer Kauftip (kostet nach guter Punrock-Maier auch nur ’nen Zehner). Die Qualität die das zur Hälfte Epitaph gehörende Label hier an den Tag legt ist beeindruckend. Bei keinem Lied kann man sagen, es wäre irgendwie schlecht, und mindestens die Hälfte sind absolute Killer. Hätte ich zu viel Geld, wäre ich in den Plattenladen gegangen und hätte einfach von jeder auf dem Sampler beteiligten Band das aktuelle Album bestellt.

pietasters_shreddermag

The Pietasters – Awesome Mix Tape #6 (Hellcat)
Wieder mal eine CD, bei der der fleißige Mr. Brett seine Finger mit im Spiel hatte. Nach Bad Religion klingt es aber kein bisschen, denn die Pietasters schenken uns eine wunderbare Mischung aus Up- und Downtempo Skatracks, Kastagnetten+Bläserterror-Rockabilly und Punkrock à la Sublime. Textlich geht es um die Probleme des täglichen Lebens unter besonderer Berücksichtigung der weiblichen Bevölkerung. Das einzige was beim Hören dieser CD ein wenig unheimlich ist: Alles ist so wunderbar eingängig, dass man damit nicht mal hartgesottene Radio Energy-Fans aus dem Zimmer vertreiben kann. Aber egal, CD rein und der Sommer kann kommen.