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Auch in den letzten zwei Monaten haben sich Stimilion mal wieder ordentlich reingehängt, wenn’s darum ging München mit Punkrock zu versorgen. Als erstes mal ein dickes Lob an die jeden Mittwoch im Titty Twister stattfindende Stimilion Punkrock Bamboule. DJ Chrissi („Der DJ Tomekk des Punkrock“) beweist hier jeden Mittwoch einen erstklassigen Musikgeschmack. Und live durfte man die Band dort auch schon bewundern. Daher: wer am Mittwoch nicht ins Titty Twister kommt, ist ein Arsch!

 

Gerockt hat auch die Release-Party des neuen Albums (Rezension nachfolgend) am 7. Juni in der Bongo Bar und das bestimmt nicht nur deshalb, weil wir heimlich Schnaps in die Bowle geschüttet haben. Wir sind gespannt, was die Jungs von Stimilion momentan schon wieder alles aushecken…

 

Stimilion – In And Through The Fight (Dragstar Records)

stimilion_shreddermagEndlich haben es unsere Münchner Kindl mal geschafft ins Studio zu gehen – heraus kam ihr erstes Album, welches auf den ersten Blick durch das lässige Artwork überzeugt. Sobald die CD läuft, dröhnt einem auch schon schöner Punkrock entgegen, der einigen californischen Bands nicht sehr unähnlich klingt… So zieht es sich auch dann straight weiter durch das ganze Album. Heraus fallen hier allerdings der Mitgröhl-Ohrwurm „Stimilion“ und die gelungene Rembrands-Coverversion „I’ll be there for you“, bei der sicher jeder Punkrocker seiner Freundin mit Tränen in den Augen eine Dose Adelskrone schenken würde. Textlich bewegen sich die Jungs im Thema Freundschaften und Beziehungen, die meistens einen traurigen Eindruck hinterlassen. Mit „Sorry, sold out“ (coole Lyrics übrigens) wird der gute alte Sellout abgehakt, so wie es sich nunmal für eine gestandene Punkrock-Band gehört. Am Ende entdeckt man noch die Ballade „Mike Ness vs. Me“, die selbigen hoffentlich ermutigen wird auch mal wieder ein Album zu schreiben (aber bitte nicht solo!). Ein relaxtes Punkrock-Album, daß aber für meinen Geschmack aber viel zu glatt produziert wurde. Auch ein bißchen Power von vergangenen Auftritten könnte nicht schaden…trotzdem weiter so, Munich Rock City! Das Teil bekommt ihr bei www.stimilion.com für faire 25,- DM (incl. Porto)… kaufen!

luckypunch_shreddermagThe Lucky Punch – Four Aces Are Hard To Beat (Punchin‘ Productions) Sehr gut! Turbo-Babe, Spielkarten, Autos, zerissene Jeans ois dabei, was ma so braucht für’n Rock! Das Cover treibt die Erwartungen schon in die richtige Richtung. Die vier Aces aus München haben gerade den Blinker reingehauen und entern nun die Rock’n’Roll-Überholspur. Mit schönen Poser-Gitarren (schönen Gruß von den Hellacopters) und ordentlicher Alk&Zigaretten-Kreischstimme heizen sie konsequent auf Ihrem eigens im blutüberströmten Lungfull-Studio produzierten Mini-Album in Richtung Rockthrone. Diese CD kriegt Ihr in alter Punk’n’Roll-Manier übers Internet (www.theluckypunch.com). Munich Rock City kick ass!

rollins_shreddermagRollins Band – Get Some, Go Again (DreamWorks)
Rollins ist mit neuer aber nicht unbekannter Band zurück: Mother Superior dürfte Althippies und Stonerrockern schon ein Begriff sein. Gekonnt klauen sich Mr. Workout und sein neues Begleittrio auf „Get Some – Go Again“ durch die gesamte Rockgeschichte von den Siebzigern bis heute. Angefangen bei Led Zeppelin-Zitaten über Black Sabbath-Doomorgien oder Stonerrock der Neunziger ist alles vertreten. Nicht einmal vor Guns’n’Roses wird halt gemacht und das „Monster“-Riff einfach dreist aus „Paradise City“ entnommen. Trotzdem klingt jedes Element im Rollins-Kontext nach etwas Neuem und nicht nach billigem Abklatsch, wobei sein Gesang mal an Lemmy, mal an den neuerdings heiseren Danzig erinnert. Außerdem bleibt er auf dieser Platte auch seinen Punkwurzeln treu („You Let Yourself Down“) und setzt zum Schluß noch einen lustigen Spoken-Word-Funk-Jazz-Track drauf

myherodiedtoday_shreddermagMy Hero Died Today -The City Will Pay For This (Schematics)
Die Münchner Heroes machen ab sofort die Stadt mit ihrem ersten full-length Album unsicher! Und das nicht zu knapp, denn hier wird gerockt, bis die Fetzen fliegen! Ihre typische Kombination aus Hardcore gepaart mit Noise-, Metal- und Rockelementen bringt nun mal immer frischen Wind in die Stadt, sei es live oder eben auf CD. Dieses Teil ist extrem energiegeladen, dafür zeigt sich vor allem Sänger Marco mit seiner powervollen Stimme verantwortlich, aber am Besten Ihr überzeugt Euch selber von diesem Brett. Mehr Infos gibt es unter: www.myherodiedtoday.com oder Marco Walzel, Altöttingerdtr. 6a, 81637 München. Ansonsten schreibt an: kidsinthepit@compuserve.com!

victory_shreddermagV.A. – Victory Style 4 (Victory)
Der neue Label-Sampler bietet einen aktuellen Überblick über das Programm des New Yorker Labels. Wer hätte es erwartet, die meisten der 23 Tracks sind Hardcore (vertreten hier unter anderem Snapcase, Cause for Alarm, Integrity, Earth Crisis, Hatebreed oder Blood for Blood). Damit es nicht einseitig wird, haben sich noch ein paar Ska- und Punk-Nummern dazwischen gemogelt. Die Qualität der einzelnen Tacks schwankt zwar, aber die Guten überwiegen doch und bei 10 Mark gibt es eh keine Diskusion, ob Victory Style 4 eine sinnvolle Anschaffung ist. Rein in den Laden und holt Euch diesen perfekten Soundtrack für die alte Hardcore-Disziplin Straßenkampf.

gadjits_shreddermagThe Gadjits – Wish We Never Met (Hellcat)
Im Gegensatz zum letzten wurde das neue Album nicht von Tim Amstrong (Rancid) produziert. Mehr relaxter Ska, mehr OldSchool-Rock’n’Roll, weniger Punk ist das Ergebnis. Ein lockerer Offbeat, schiebende Keys und jede Menge Ohrwürmer gesungen mit wunderbar aufmüpfiger Stimme und verstärkt durch die oberlässigen weiblichen Backing Vocals geben dem Album einen durchweg positiven Vibe. Ein bisschen weniger sanft hätte zwar auch nicht geschadet, aber so ist’s auch gut, wer’s hart braucht kann ja S.O.D. hören, die Gadjits sind eher was für fette BBQ-Sessions in der prallen Sonnen (mit viel Bier).

dwarves_shreddermagThe Dwarves – The Dwarves Come Clean (Epitaph)
Zwei schaumbedeckte Schnecken und ein nackter Luft-Rückenbürste-spielender Gnom in der Ecke auf dem Cover zwingen zum Reinhören – was bei 21 (!) Minuten Musik auch schnell geht. Nun gut, mag da mancher sagen, ist halt Punkrock! Allerdings bringt diese Weisheit nichts, wenn das Preis-Dauer-Verhältnis komplett scheiße ist. Die Dwarves aber machen das scheinbare Missverhältnis gemäß dem alten Deppen-Spruch „Qualität statt Quantität“ wirklich wieder wett. Ganz im Gegensatz zu manch anderer Band auf Epitaph findet sich nämlich auf dem neuen Output der Zwerge nicht nur melodiöser Mitsing-Punk mit Rock’n’Roll-Einschlag und Hitfaktor a la „Better Be Women“. Nein, zur leichtverdaulichen Durchschnittspunker-Kost gesellt sich zur Abwechslung auch mal ein wenig Pseudo-Industrial wie in „Over You“, was man unter Umständen sogar als Primal Scream Verarschung (XTRMNTR!) sehen könnte oder ein Machwerk namens „River City“, bei dessen Speedrock-Gebolze mit Kopfstimmen-Kreischgesang man unwillkürlich an Nashville Pussy denken muß. Ansonsten beherrschen rotziger, aber melodischer Beach-Boys-Gesang und furztrockene Punkrockriffs das Bild, auch wenn sich mal die ein oder andere Countrygitarre („Come To Where The Flavour Is“), etwas Elektrogeblubber oder Roboterstimmen aus dem Weltraum einschleichen. Insgesamt bleibt alles Punk, schnell wie Zeke, melodisch wie No Fun At All und abwechslungsreich wie kaum eine andere Band dieser Liga.

entombed_shreddermagEntombed – Uprising (Threeman)
Obwohl sie aus der schwedischen Musikszene nicht wegzudenken sind, haben sie vom großen Skadinavien-Rock’n’Roll-Kuchen (zur Zeit im Angebot) erst ein kleines Stück abbekommen. Doch das kann sich bald ändern, denn Entombed legt mit Uprising nun ein Album vor, dass vor erstklassigstem Schweine-Bolz-Rock mit Auf’s-Maul-Faktor 10 nur so strotzt. Ja aufpassen, dass keine gute Laune aufkommt, heißt es da. So unverfroren draufgehauen hat seit „Supershitty To The Max“ von den Hellacopters kaum jemand mehr. Trotz Deathmetal-Roots geht Uprising mehr in Richtung Hardcore und ist dabei angenehm zeitgemäß. Kauftip zum in schlechte Laune reinsteigern – haut rein!

 

hellcat_shreddermagV.A. – Give ‚Em The Boot II (Hellcat)
Sampler, die Zweite: Diesmal haben wir Hellcat Records im Visier. Hellcat ist als Unterlabel von Epitaph schwerpunktmäßig für Ska und rauhen Street-Punk zuständig. Neben Rancid, die gleich dreimal vertreten sind, findet sich hier unter anderem auch Material von den Dropkick Murphy’s, U.S. Bombs, The Gadjits, The Slackers, Choking Victim, Hepcat und Jamaikas Dancehall-Rocker Buju Banton. „Give ‚Em the Boot II“ garantiert einem ein Stunde abwechslungsreiche Musik in gewohnt hoher Epitaph-Qualität. Da auch dieser Sampler zehn Mark kostet, ist er außerdem der ideale Wegweiser beim Alben-Kauf.

millencolin_shreddermagMillencolin – Pennybridge Pioneers (Burning Heart)
Da isses, das neue Album der Everybody’s-Darlings, und auch hier saß Brett Gurewitz hinterm Mischpult. Man könnte sagen, Millencolin sind jetzt älter und reifer geworden, aber wer kann das schon beurteilen, wenn er die Jungs gar nicht persönlich kennt. Tatsache ist, dass das Album ruhiger zur Sache geht und abgeklärter klingt, als die vorhergehenden Alben. Auf den ersten Blick eine recht zahnlose Angelegenheit, aber nach ein paarmal hören, haben sich alle Melodien und sämtliche Texte im Kopf festgefressen. Millencolin haben sich weiterentwickelt und alten Zeiten nachzuheulen ist Blödsinn, denn auch ohne Punkrock-Knüppel legen sie mal wieder ein cooles Album hin.