gimmegimmes_shreddermagMe First And The Gimme Gimmes – Blow In The Wind (Fat Wreck Chords)
Das Fat Wreck-Allstar Team mit der Mission, die größten Hits der Vergangenheit durch den Punkrock-Shredder zu drehen, ist zurück. Nach zahlreichen Martinis mit Olive haben sie sich entschlossen, sich diesmal das Liedgut der Sixties vorzunehmen. Und so gibt es u.a. die alten Gassenhauer „Blowin‘ In The Wind“, „Runaway“ und „Who Put The Bomp“ auf doppelter Geschwindigkeit zu hören. Bei Cat Stevens „Wild World“ lassen sie Mr. Big weit hinter sich und auch sonst kann man den Herren in den braunen Anzügen nur gratulieren, dieses Album rockt mehr denn je! Sehr gut sind auch die gewollt schlecht versteckten Zitate, die sich die Band bei The Clash oder den Ramones zusammengeklaut haben. Sehr schön!

fuelforlife_shreddermagThe Turbo A.C.’s – Fuel For Live (Nitro)
Gradheraus, das dritte und langerwartete Album der New Yorker Speedfreaks lässt keine Wünsche offen! Wieder einmal also beehren uns die Turbo A.C.’s mit einer hochexplosiven Mischung aus Punkrock, Rockabilly und Surfguitar. Im Vergleich zum legendären Vorgänger „Winner Take All“ ist es ein wenig Punk-lastiger produziert. Wie man es von ihnen kennt uns liebt, gibt es jede Menge Mitgröhl-Passagen á la Misfits und Texte über das Rock’n’Roll-Outlaw-Dasein. Mitgeholfen im Studio hat der gute alte Roger Miret von Agnostic Front und das dieser Mann weiß, was er macht ist ja hinreichend bekannt. Also in den Plattenladen gehen und singen: „I want it all, I’m coming through the wall, I want it all, and I want it now!“

Shredder Mag - Grundwissen, Teil 2 (Jan)

rockettorussia_shreddermagRamones – Rocket To Russia (Warner, 1977)
Wie man den Medien entnehmen konnte verstarb Joey Ramone vor kurzem an seinem Krebsleiden – möge er in Frieden ruhen. Ich brauche ja wohl jetzt nicht noch zu erwähnen das seine Band die Ramones schon zu Lebzeiten eine Legende waren! Was die Jungs aus New York da abzogen war einfach der Wahnsinn – nur drei Akkorde im Hirn und los geht’s! Die Punkrocker, die steht’s mit schlechten Frisuren, abgefuckten Chucks und zerfetzten Jeans durch die Gegend rannten waren von der ersten Stunde an dabei, brachten Unmengen von Alben heraus und beeinflussten unzählige Bands. Auch live begeisterten sie stets ihr Publikum, mit dreifacher Geschwindigkeit und mindestens 5 Songs am Stück etablierten sie ihre one, two, three, four!-Shows und verbreiteten so ein weltweites Ramonesfieber. Diese „Ramonesmania“ wird meiner Meinung nach am besten auf dem „Rocket To Russia“-Album demonstriert, denn Songs wie „Rockaway Beach“, Sheena Is a Punkrocker“ oder „Teenage Lobotomy“ zeigen deutlich auf, wer für die Punkrock-Bewegung erheblich mitverantwortlich war.

 

 

walkamongus_shreddermagMisfits – Walk Among Us (Ruby 1982)
Die Misfits faszinieren mich auf Grund mehrerer Tatsachen: erstens sind sie die Band mit dem coolsten Outfit und zweitens, die Band mit dem coolsten Sound. Ihr eigenwilliger Friedhofsstyle, sei es bei ihren Texten, Covern, T-Shirts oder einfach nur an ihnen selber wurde oft kopiert, wie heißt es aber so schön: nie erreicht! Doch nicht nur das, sondern auch ihr konsequent durchgezogener Do-It-Youself-Gedanke, der Fiend-Club und Ihre Aggressivität auf der Bühne machten sie zu einem Phänomen der späten 70’er/ frühen 80’er Jahre. In insgesamt nur 6 Jahren Bandgeschichte kam beachtlich viel Material zusammen, die gelungenste Zusammenstellung von Songs erschien als „Walk Among Us“-LP und beeinhaltet unter anderem Titel wie „I Turned Into a Martian“, „Skulls“ und „Astro Zombies“ die den typischen Misfits Punk’n’Roll-Stil mit seinen unglaublichen Backgroundchören am Besten aufzeigen.

 

 

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Pennywise – Pennywise (1991, Epitaph)
Sogenannte Melodycore- oder Skatepunk-Bands gibt es wie Sand am Meer, da sind wir uns einig. Die einen sind mehr die anderen weniger wegweisend… Pennywise zähle ich definitiv zu der ersteren Gattung! Ein Grund dafür nicht nur ihr zweites, selbstbetiteltes Album. Als dieses Brett im Jahre 1991 (!) erschien konnte man nach vergleichbaren Bands schon mal ein Weilchen suchen, zu professionell und konsequent gingen die Jungs da zur Sache. Die Spieldauer der 14 Tracks von 31 min. gibt schon mal die Richtung vor: sauschneller melodischer Punkrock dröhnt aus den Boxen, doch damit nicht genug– gepaart mit eingängigen Chören und geschickt platzierten Breaks entwickelten sie einen eigenen Sound der heutzutage von vielen Bands imitiert wird. Spätestens hier fallen die spielerischen Qualitäten von Pennywise auf: sie bolzen die Songs einfach nur so runter, ohne aber nur eine Sekunde verhaspelt oder unorientiert zu klingen. Die Tracks werden dem Zuhörer druckvoll und präzise serviert, so wie man es auch von allen folgenden Alben kennt.

 

 

fearlove_shreddermagYuppicide – Fear Love (1991, Wreck-Age)
Yuppicide gegen die ganze Welt! Auf diesem Album wird mit jedem abgerechnet der ihnen nicht in den Kram passt. Angeprangert wird hier vor allem die Fake-(Yuppie)-Welt mit ihren Statussymbolen und Gucci-Kleidchen, andererseits die Regierung mit ihren Lügen, leeren Versprechungen, Genversuchen usw. Ein großer Teil der Songs dreht sich um Identitätsprobleme, die Aussichtslosigkeit des Alltags, oft in Verbindung mit Geld (welches meistens nicht vorhanden ist) oder einfach nur um Misstrauen gegenüber allen Menschen dieser Welt. Die Stärke der Band liegt aber nicht nur in den provokanten Texten, sondern auch ganz klar beim Gesang von Jesse Jones. Ein so rauher und knallharter in-your-face Orkan, triefend vor Hass jedoch motivierend und mitreißend zugleich habe ich selten gehört. Diese Power wird von einem astreinen Hardcore-Gerüst getragen und erreicht so zielsicher dein Zentrales Nervensystem und sämtliche Teile des Großhirns.

 

 

spineofgod_shreddermagMonster Magnet – Spine Of God (1992, Glitterhouse)
Dave Wyndorf und seine Mannen beschreiben dieses Album wie folgt: „It’s a satanic drug thing you wouldn’t understand“ und damit haben sie auf Anhieb verdammt recht, denn dieser Drogenrock- eine Art Garagensound vermischt mit klassischem 70’ies- und Bikerrock- spinnt zuerst nur in den MM-Köpfen herum. Zu viele Effekte und Verzerrtes schwirren zusätzlich in der nebligen, psychedelischen LSD-Sphäre umher, die es dem Konsumenten etwas schwer machen alles greifen zu können. 8-minütige Reisen durch den Hallizunogenen-MM-Kosmos sind hier keine Seltenheit… Doch davon darf man sich nicht abschrecken lassen, einfach den Sound in sich reinsaugen und wirken lassen, dann fügen sich schon alle Verspulungen und Effekte mit dem Gitarren zusammen und ergeben ein unglaubliche Reise ins Jenseits. Dieses Album hebte Monster Magnet damals auf den Thron des Drogenrocks, heutzutage ein bisschen direkter und eingängiger aber immer noch genial.

 

 

tobecontinued_shreddermagAgnostic Front – To Be Continued (1992, Rough Justice)
Als ich mir dieses Album kaufte, faszinierte mich als ahnungslosen Teenager immer der Info-Text aus dem Booklet: „…a sound that combined the speed and energy of hardcore with the double kick drums and crunching riffs of metal and with the coming of the nineties and the passing of typical new york hardcore, agnostic front’s „One Voice“ has taken on an even more traditional metallic sound, bringing in a new level of energy and power!“ Wir haben es hier also mit einem Post-NYHC meets Metalriff auf 200 km/h zu tun- Songs wie „Victim In Pain“, „Your Mistake“, „Time Will Come“ oder der Klassiker „Crucified“ sprechen da für sich. Agnostic Front sind nun mal die Hardcore-Kings! Mich fasziniert vor allem die Atmosphäre die die Band von CD in dein Wohnzimmer transportiert, man ist irgendwann mal selber Teil einer New Yorker Straßenschlacht und brüllt die Refrains mit! Ob beim Schlägern oder im Tattoo-Studio, AF sind einfach nicht mehr aus der Hardcore-Szene wegzudenken.

 

 

cheatersandthecheated_shreddermagCause For Alarm – Cheaters And The Cheated (1996, Victory)
CFA geraten oft in Vergessenheit obwohl sie eine NYHC-Band der ersten Stunde sind, erklären kann ich mir das nicht. Sie kommen von Grund auf sympathisch rüber, da sie ohne jegliches Geschwätz a la DMS oder sonstigen HC-Stammtischparolen wie „Unity überall“ auskommen. In ihren Songs werden Themen wie Freundschaft, Politik oder Ignoranz zwar auch verarbeitet, aber auf eine intelligentere Art und Weise, da hier nicht nur wie bei vielen anderen HC-Bands, der bedeutungsschwangere Refrain rausgebrüllt wird. Hier werden ganze Geschichten erzählt die musikalisch erstklassig unterstützt, ein genialen Sound ergeben. Die Songs setzen sich aus straighten Riffs und schnellem verständlichen Gesang zusammen, teils gestärkt von überraschenden Rhythmuswechseln – Hardcore at it’s best! Im Booklet legt die Band zusätzlich allgemeine sozialkrititische Fakten auf den Tisch ohne einen jedoch gleich zum Krishna – oder Veganleben zu zwingen – so geht’s ja auch mal.

 

 

winnertakeall_shreddermagThe Turbo A.C.’s – Winner Take All (1997, Renate/ Cacophone)
Den Turbo A.C.’s macht man so leicht nichts vor: mit einer „Hatred and Proud“-Attitüde, einem exzellenten Rock’n’Roll-Styling sowie einem Killeralbum im Gepäck überfahren sie dich einfach! Da nützt auch anschnallen nichts, die Turbos geben Gas und blasen Dir ihren von Surfguitarren infizierten Punk’n’Roll mitten in die Fresse! Statements wie „Fuck you man you don’t understand i’m a radioactive garbage man- you get smashed you get in my way!“ sind mehr als nur ein leerer Songauszug– es ist ein Teil ihrer Lebenseinstellung und das merkt man äußerst schnell. Sie ziehen eben ihr Ding durch und lassen sich nicht von irgend jemandem reinreden – der Turbo Action Club steht solide mit beiden Beinen im Leben. Sie machen einfach das was sie wollen, bedenken keine Konsequenzen, hauen sich lieber schnell noch ein Glas Motoröl rein, bevor es mit der größten Coolness der Welt in den Sonnenuntergang geht.

Shredder Mag - Grundwissen, Teil 1 (Valentin)

suffer_shreddermagBad Religion – Suffer (Epitaph, 1988)
Dieses Album war die Initialzündung für die große Karriere, die Bad Religion damals bevor stand. Während zu dieser Zeit die meisten Punkbands noch mit dem guten alten Drei-Akkorde-Schema rumholzten, kamen die Herren um Greg Graffin und Mr. Brett plötzlich mit bestechend harmonischen mehrstimmigen Chorsätzen an, ohne dabei auch nur ein kleines Bißchen an Geschwindigkeit und Power einzubüßen. Ganz im Gegenteil, jedes (!) Lied entwickelt eine ungeheure Energie und setzt sich sofot im Kopf fest. Doch auch textlich ist dieses Album ein Meisterwerk. Mit der höchsten Fremdwortquote aller Punker und Texten, die ich ausnahmslos unterschreiben würde, hoben sich Bad Religion mit Leichtigkeit von den sonst so gerne gegröhlten Bier- und NoFuture-Klischees ab. Die Klangästhetik, die Bad Religion mit Suffer schuf, wirkt auch heute noch deutlich hörbar in vielen Punkbands fort. Kein Wunder also, dass dieses Album auch nach heutigen Maßstäben noch über alle Zweifel erhaben ist.

 

 

bloodsugarsexmagic_shreddermagRed Hot Chili Peppers – Blood Sugar Sex Magic (Warner, 1991)
Sicherlich sind den meisten zumindest zwei Stücke (Rappen leicht gemacht mit „Give It Away“ und das später von den All Saints g’scheid in den Sand gesetzte „Under The Bridge“) bekannt, da dieses Album für die Band den absoluten Durchbruch bedeutete. Das Schlagwort der damaligen Zeit war Crossover (was immer das heißen mag..) und so fällt es leicht, den ein oder anderen Rap zu verzeihen. Von bleibendem Eindruck hingegen ist die unglaubliche Spielfreude (erwähnt seien hier auch die bezeichnenden 74 Minuten Spielzeit) und Funkyness, die einem aus diesem Werk engegenschlägt. Man merkt, das diese Band ein Haufen Freaks ist, die ihr Leben nur der Musik verschrieben haben. Kein Wunder also, das die Band nach fast 10 Jahren Planlosigkeit (nach dem Ausstieg des ursprünglichen Gtitaristen wurden 1372, dies nicht brachten, verbraten und wohl jeder in der Band war mindestens einmal Heroin-abhängig) in Originalbesetzung mit „Californication“ wieder ein legendäres Album nachlegen konnte.

 

 

rageagainstthemachine_shreddermagRage Against The Machine (Sony, 1992)
Ein weiterer Meilenstein ist das erste Album von Rage Against The Machine. Den bekanntesten Track „Killing In The Name Of“ kennt wohl jeder und die anderen sind absolut ebenbürtig. Wer damals im richtigen Alter war und nicht zumindest ab und an mal ein heiteres „Fuck you I Won’t Do What You Tell Me“ auf den Lippen hatte, hat definitiv etwas falsch gemacht und ist heute mit großer Wahrscheinlichkeit BWL-Student. Was mich damals umgehauen hat und mich auch heute noch beeindruckt, ist die unglaubliche Power kombiniert mit einer riesigen Kreativität, die einem aus jedem Lied entgegenschlägt. Darüber hinaus war der Sound, den die Band etabliert, damals ein absolutes Novum. Diese Mischung aus Hardcore und Funk in Kombination mit Zack De La Rocha“s Sprechgesang und den seltsamen Sounds, die Tom Morello mit seiner Gitarren herstellt, ist nach wie vor einzigartig entzieht sich jeder Schublade. Eine wahrlich wegweisende Platte.

 

 

andoutcomethewolves_shreddermagRancid – …And Out Come The Wolves (Epitaph, 1995)
Mit diesem Album haben Rancid die Messlatte für alle Bands, die sich Streetpunk oder Punk mit Ska-anleihen verpflichtet fühlen, verdammt hoch gesetzt, denn hier findet man die perfekte Mischung. „…And Out Come The Wolves“ ist der beste Soundtrack für Im-Rinnstein-Sitzen ohne dabei auch nur einen Takt „Schieß-doch-Bulle“-Peinlichkeit zu beinhalten. Die Jungs wissen, wovon sie singen, das steht fest. Am Anfang noch ein wenig gewöhnungsbedürftig sind die wirklich assligen Stimmen der Herren Armstong und Frederiksen, doch schnell merkt man, dass alles andere keinen Sinn ergeben würde. Darüber hinaus hervorzuheben sind die zum Teil fast schon virtuosen Bassläufe und das unfehlbare Händchen der Band für Refrains, die zu gleichen Teilen zum Mitgröhlen, Tanzen und Vor-Freude-Weinen einladen. Kurz und gut, wer diese Platte nicht in seiner Sammlung hat, soll doch bitte schön das Maul halten, wenn’s um Punk geht.

 

 

andthecircusleavestown_shreddermagKyuss – …And The Circus Leaves Town (Elektra, 1995)
Ohne Kyuss ist es schwer vorzustellen, das es die Bands Queens Of The Stoneage, Unida, Fu Manchu oder Che geben würde, in denen die damaligen Mitglieder nach der Auflösung untergekommen sind. Immer noch geprägt vom Sound aus der Wüste sind jedoch weitaus mehr Bands als die erwähnten, denn Kyuss das waren (und sind es immern och) die unangefochtenen Kings des Stoner-Rock. Dementsprechend waren die Hauptbeschäftigungen der Band auch in der Wüste sitzen, Musik machen und halluziongene Drogen nehmen. Was dabei herauskam, ist bisweilen bleischwerer Rock mit vertrakten Arrangements zwischen schleppendem Groove und leichtfüßiger Verspieltheit, aber immer mit einem Schuss Klapperschlange. Die instrumentalen Parts überwiegen werden aber gelegentlich von sehensüchtigem und sehr ausdrucksstarkem Gesang unterbrochen. Ein leichtes im Sound von Kyuss komplett zu versinken.

 

 

whitelight_shreddermagSocial Distortion – White Light White Heat White Trash (Sony, 1996)
Das bis dato letzte Album der legendären Band rund um den lässigsten aller Rock’n’Roller: Mike Ness. Damals noch mit dem mittlerweile toten Dennis Danell an der Gitarre und Chuck Biscuits (remember Danzig…) am Schlagzeug. Das dieses Album nicht das Erstlingswerk einer Band sein kann, sondern das Ergebnis von über 10 Jahren Bestehen voller Rock’n’Roll-Livestyle ist, merkt man bereits mit dem ersten Takt. Die Texte sind abgeklärt ohne schulmeisterlich zu wirken, die Musik ist routiniert ohne auch nur eine Sekunde langweilig zu sein. Für mich eines der ehrlichsten und – auch wenn’s dumm klingt – ergreifensten CD, die ich habe. Hoffentlich bleibt das neue Social Distortion-Album (angekündigt seit Jahren…) nicht für alle Zeit ein Running-Gag. Zu guter Letzt noch eine Info für alle Schnäppchenjäger und Sparfüchse unter Euch: Diese CD wird – obwohl eigentlich unbezahlbar – mittlerweile meist für unter 20 DM verkauft. Also bitte blind kaufen und so oft hören bis es öde wird (schafft ihr eh nicht…).

 

 

sublime_shreddermagSublime – s.t.  (MCA, 1996)
Die legendäre letzte reguläre Veröffentlichung der Heroen aus Long Beach. Leider erlag der Sänger auf der anschließenden Tour seiner Drogensucht, was das jähe und tragische Ende dieser phantastischen Band bedeutete. Faszinierend an diesem Album ist, wie stilsicher und geschickt hier die unterschiedlichsten Stile (viel Punk, viel Ska, ein wenig Reggae/Dub, ein wenig Rock, ein bisserl Pop,…) vermischt werden und daraus eine sehr abwechslungsreiche und dennoch homogene Mischung entsteht, bei der man schon nach jeweils wenigen Takten sicher sagen kann, dass sie so nur von Sublime kommen kann. Die Texte drehen sich um den täglichen Wahnsinn des Lebens, wobei immer klar ist, dass insbesondere das Leben in Californien gemeint ist. Dem Album liegen eine relaxte Grundstimmung und viele positive Vibes zugrunde, auf denen aber nur allzu oft ein düsterer Schatten lastet …it is hard to understand life ain’t hitler’s materplan. Spätestens mit diesem Album setzte sich Sublime ein Denkmal.

 

 

therumble_shreddermagAbhinanda – The Rumble (Desperate Fight, 1998)
Echte Hardcore-Freunde kennen diese Band aus dem Refused-Umfeld hoffentlich sowieso, fleißige Shredder Mag-Leser aus dem Interview in der letzten Ausgabe und dem Rest sei es noch mal gesagt: Dieses Album ist ein echter Meilenstein und es ist eines der großen Rätsel meines Lebens, warum das nur so wenige Leute wissen. In jedem Lied steckt pure Energie und auch wenn diese Formulierung ausgeleiert ist und auch gerne mal für KPO-Hardtrance-Hymnen verwendet wird, in diesem Fall trifft sie den Punkt am Besten,denn das ganze Album kommt einem vor wie eine gewaltige Energie-Entladung. Abhinanda grindet alles nieder, was im Weg steht, dennoch ist der Noise-Faktor trotz ordentlicher Härte eigentlich relativ niedrig und auch die immer wieder überraschenden Breaks, lassen das Album intelligenter wirken als der Sound von Bands wie etwa den Oberbolzern Entombed, auch wenn man klanglich verwandt ist. Also bitte bitte unbedingt mal anhören, verdammt, ich meins doch nur gut!

thecartels_shreddermagThe Cartels – Kingpins (Lucky Seven)
Fast cars, fast girls, fast punkrock – yeah! Die Cartels sind unsere neue Punkrock-Hoffnung aus Canada, denn Ihr aktuelles/erstes Album rockt wie ein voller Kasten Bier und geht sofort ins Ohr, bzw. ins Maul! Auf die Fresse bekommt man hier eine Packung Sound á la Rancid oder Turbo A.C.’s, vermischt mit einem guten Schuss Ramones! Noch Fragen? Die Jungs haben schnellen Punkrock einfach drauf – wer sie vor kurzem im A5 gesehen hat konnte sich gleich auch mal von Ihrer coolen Liveshow überzeugen lassen. Textlich geht es hier natürlich um den scheiss Kater nach dem Aufstehen, Beziehungen, Schizophrenie und co., das Standardprogramm also. Bei „Jesus was a friend of mine“ (…until i stole his bread and drank his wine!) wird dem alten Heiland am hölzernen Kreuz ans Bein gepisst, bei „Fuck you“ allen beschissenen Ex-Freundinnen – was will man also mehr? Einziger Fehltritt: der Song „Nothing to do“, der einfach zu stark an „Avenues and Alleyways“ von Rancid erinnert, aber wir drücken hier noch mal ein Auge zu!

98mute_shreddermag98 Mute – Slow Motion Riot (Epitaph)
Die Herren aus Hermosa Beach sind mit Ihrem mittlerweile dritten Album zurück und konnten sich hierfür sogar einen Deal bei Epitaph erschleichen, da schau her! Das Label hat gewechselt, der Produzent, Manager und Chef-Schläger ist immer noch der selbe: kein geringerer als Pennywise-Monster Fletcher kümmert sich seit dem Debütalbum auf Theologien Records um die Band. Das hinterläßt natürlich gewaltige Spuren, denn beim Hören fallen mehrere typische Pennywise Riffs und Breaks auf, naja vielleicht ist sein Einfluß doch größer als der Band lieb ist. Wer nicht g’scheid Pennywise spielt bekommt wahrscheinlich eine auf’s Maul und von Fletcher möchte ich mir nun wirklich auch keine einschenken lassen! Trotz alledem hat sich die Bands technisch weiterentwickelt, so schnell und straight wie Pennywise muß man auch erstmal spielen können. Alle High-Speed-Punkrock-Fans können hier bedenkenlos zuschlagen, alle die mehr Eigenständigkeit erwarten sollten auf neue Pennywise-Album warten.

axlrose_shreddermagAxl Rose feat. Blockflötengruppe der Gesamtschule Böblingen – Blowin‘ in the Wind (Snakepit-Records)
Axl mal anders. Wer ihn aus der „Gunners„-Zeit noch als aufmüpfiges Rock-Rumpelstielzchen kennt, das schon mal ein Hotelzimmer kaputt gemacht hat (wow!), lernt jetzt den gefühlvollen Axl Alexandr Rosicz (sein Geburtsname) kennen. In einem epochalen 17-Minüter wird hier mit tatkräftiger Unterstützung von Ion Tiriac, der sein fabelhaftes Coming-Out als Dirigent und Arrangeur feiert, ein Ohrenschmaus der Extraklasse serviert. Vor allem Fans der Klaus Lage Band und „Traumhochzeit“ kommen voll auf ihre Kosten. Besonders gespannt darf man aber auf die live-Umsetzung dieses Liedes bei der geplanten Tour durchs Sauerland sein.

rageagainstthemachine_shreddermagRage Against the Machine – Renegades (Epic)
Das vierte und vorläufig letzte Album in Originalbesetzung ist ein Meisterwerk! Vielleicht kommen wir damit leichter über den Weggang von Frontman Zack De La Rocha hinweg, denn dieses Album ist mehr als ein gewöhnliches: Hier werden Interpreten wie Bruce Springsteen, Africa Bambaata, Bob Dylan oder die Rolling Stones gecovert – natürlich auf die klassische RATM-Art. Es wurden nur die Lyrics übernommen, der Sound total verfremdet und in ein eigenständiges typisches RATM-Soundgerüst umgeschrieben. Das Album besteht aus gleichen Teilen Hip Hop und Rock, wobei die Ballade „Beautiful World“ (Devo), der Punkbrenner „In my eyes“ (Minor Threat) und „Kick out the jams“ (MC5) Ihren ganz speziellen Reiz besitzen. Produziert wurde das alles von Producer-Guru Rick Rubin, der ja bekanntlich seinen Job auch recht gut macht. Bleibt nur zu hoffen, daß Zack’s Soloalbum ähnlich gelungen ausfällt und das der Rest der Band nicht, wie böse Zungen behaupten, mit dem Hasch-Penner B-Real (Cypress Hill) als Frontman weiter machen!

monstermagnet_shreddermagMonster Magnet – God Says No (Motor/ Universal)
Das MM eine hervorragende Rockband sind, brauche ich ja wohl keinem mehr zu erzählen. Allerspätestens seit ihrem Durchbruch mit „Powertrip“ und vergangenen Touren mit den Queens (OTSA) sind sie in aller Munde der weltweiten Rockszene. Jetzt ein neues Album: kann man sich wieder ohne Bedenken kaufen. 1 Stunde Sound, der allerdings im Vergleich zu Powertrip-Ergüssen ein wenig abwechslungsreicher ankommt. Von straighten, heavy Rocksongs über groovend, relaxte (Drogen-) Songs mit Surfgitarren- oder Orgeleinwürfen. Die Single „Heads Explode“ bolzt natürlich wieder geradeaus in die Eier, im Video tanzen halbnackte Frauen, alles brennt und Dave im Teufelskostüm, also wieder die klassischen MM-Roots!

turbonegro_shreddermagTurbonegro – Hot Cars And Spent Contraceptives (Bitzcore)
Ein neues Album der leider längst schon aufgelösten Deathpunks? Leider nicht, denn hier handelt es sich „nur“ um eine Wiederveröffentlichung ihrer Aufnahmen aus den Jahren 1991/92. Das macht aber nichts, denn dieses Stück Dreck macht mindestens genauso viel Spaß wie „Apocalypse Dudes“ oder andere Alben. Wem „Ass Cobra“ noch zu clean war (!) sollte hier mal unbedingt reinhören, denn das hier stellt die absolute Geburtsstunde des Osloer-Deathpunks dar: Rauher, assliger und vor Rotz triefender Punkrock, mit zu Teil schon typischen Turnonegro-Riffs, dröhnt hier aus den Boxen – noch keine Spur vom schwulen Rock’n’Roll-Denim Demon-Rendezvous with Anus-Gehabe! Auch mal schön.