The Generators (Hafenklang, 11.03.2016)

The_Generators_Hafenklang_ShredderMagAls erstes spielten die Toxic Vapors, von denen wir eigentlich nur eine Motörhead– und eine Tote Hosen-Coverversion mitbekamen (zum Glück nicht mehr). Danach spielten die engagierten Lamplighters, die gute 40 Minuten lang im Hafenklang einheizten und geradlinigen Punkrock aus dem Hut zauberten. Die Jungs gaben sich wirklich Mühe, aber leider wollte der Funke nicht so richtig auf’s Publikum überspringen.
Das änderte sich schnell als die Generators die Bühne erklommen und mit „Burning Ambition“ zeigten, wer live die Hosen anhat. Es reihten sich Hit an Hit („Tyranny, „Plastic Roses“, „Dead at 16“, etc.) und spätestens bei „City of Angels“ wurde überall im Saal das Tanzbein geschwungen. Zwischendrin fiel eine Gitarre aus, der Bassist kämpfte mit Kleinigkeiten (Vitamin C-Mangel und abreißendem Bassgurt), aber alles im Allem war das eine gute Show, so wie die letzten Jahre eigentlich immer. Das obligatorische Cock Sparrer-Cover durfte auch nicht fehlen und diesmal neu im Gepäck: ein Social Distortion-Cover mit anmoderierter Anekdote, daß Mike Ness ja der Nachbar vom Sänger ist. Und wer weiß, vielleicht treffen sich die beiden ja manchmal auf einen gemeinsamen Spieleabend? Fazit: Auf die Generators ist live immer Verlass (auch wenn die letzten Studioalben ein wenig durchschnittlich daherkamen.)

Beach Slang (Milla, 07.02.2016)

Nach grandiosem Album nun noch die grandiose Tour: Wer Beach Slang am letzten Sonntag im Milla verpasst hat, solle sich hiermit in den Allerwertesten beissen! Auch wenn die Jungs auf Philadelphia viel zu bescheiden sind, das jemals zu zugeben, hier sind echte Profis am Werk. Sänger James Alex (den einige vielleicht noch von der 90iger Pop-Punk Band Weston kennen) hat an diesem Abend allen gezeigt, wie man als Frontmann das Publikum mitnimmt. Nach der Ansage „tonight I’m going to get drunk totally on purpuse“ und ein paar geexten Bier wurde der Schalk aus dem Nacken von der Leine gelassen. Solche Entertainer-Qualitäten habe ich das letzte Mal bei Biff Malibu von Gluecier erlebt.  1000 % sympatisch gab es zwischen den Lieder nun unter stetigem Gekicher konsequent Quatsch und (tatsächlich glaubwürdige) Liebesschwüre an Publikum und die eigene Band. Dazu Wahnsinns-Songs mit voller Energie (der Mann singt auch live, wie man es sich von CD nicht zu erhoffen mag, und ein Schlagzeuger, der mit viel Gefühl, sein Schlagzeug zu Kleinholz haut), schwitzend und glücklich wurde das Publikum nach diversen Zugaben nach Hause entlassen. Von Beach Slang will man in Zukunft noch viel mehr hören!

 

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Parkway Drive, Architects, Thy Art Is Murder (Zenith, 23.01.16)

Ins Zenith komme ich nicht so oft, und das, obwohl Freimann eigentlich schon ziemlich geil ist. In diesem Fall hatten Parkway Drive geladen, die sich über die Jahre zu einer Riesenband gemausert haben, die mal eben locker 5.000er Hallen vollmacht. Das Publikum war auf unterhaltsamste Weise gemischt (von Wikinger-Metalern bis zum Turnbeutel-Hipster mit Vollbart alles da), die Tattoo-Quote hoch, nur Strech-Ohringe scheinen nicht mehr ganz so zu boomen (allein unser Verdienst!). Losgelegt haben Thy Art Is Murder, mit neuem Sänger und auf hohem Niveau. Die haben schön stumpf die Hölle heraufbeschworen, ausgezeichnet! Als nächstes kamen die Architects aus UK. Die sind bisher komplett an mir vorbeigegangen und ich weiss jetzt auch warum: Solides Metalcore-Handwerk, aber leider ohne Raffinesse. Egal, die Stimmung war gut und wurde durch die Musik in der Umbaupause (Toto, Foreigner, Journey, Bosten, Queen, etc.) soweit aufgeheizt, dass ich sogar Zeuge von 2 Polonaisen werden durfte (in meiner Erinnerung hatten alle Tänzer ein Wacken-Shirt an, aber vielleicht täusche ich mich da auch). Dann kamen endlich Parkway Drive und haben eine Profi-Mega-Rockshow mit Pyrotechnik und allem Drum-und-Dran hingelegt, wofür sie ordentlich abgefeiert wurden. Die Jungs haben sich wirklich von kleinen Hallen (remember: Vorgruppe von Shai Hulud vor 50 Leuten im Feierwerk) auf die großen Stages hochgespielt. Wohlverdient, es sei ihnen gegönnt, aber so ganz mein Ding war es diesmal nicht, bei Mitklatschen fremdl ich immer ein bisschen. Für alle Germanistik-Studentinnen unter unseren Lesern – und das sind bestimmt einige – sei mir daher ein Zitat von David Forster Wallace gegönnt: „Schrecklich amüsant, aber in Zukunft ohne mich“.

 

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(c) Martin Liebl

K.I.Z. (BigBox Kempten, 28.11.15)

Jaja, die Shredders gehen musikalisch auch mal fremd und darum haben wir das Gucci-Bandana aufgeschnallt, den Hummer mit den 24″ Rims aus der Garage geholt und sind nach Kempten in die BigBox (eine hässliche Riesen-Allzweck-Halle im guten alten Vertreter-Kongress-Style) gefahren, um uns die Berliner „Skandal-Rapper“ K.I.Z. anzuschauen. Die haben nicht nur mit einem schicken Bühnenbild mit überlebensgroßen Statuen von sich selbst und einer DJ Kanzel im Panzer Design überzeugt, sondern auch mit einem Best of aller Ihrer Hits zu den Themen Pimmel, Koks, Scheiss Staat, Hip-Hop, Hartz 4 Lifestyle und was sonst noch so falsch läuft. Dazu haben über 6.000 (!) Fans fleissig mitgebounct (ich finde ja, so mit dem gehobenem Arm mitwippen, hat doch leider immer ein bisschen was von Reichsparteitag) und wir haben trotz unserer doch recht fortgeschrittenen Alters, die ein oder andere Breakdance-Einlage hingelegt. Ein guter Abend!

Bane (Feierwerk, 30.11.2015)

20 Jahre waren Bane eine Bastion der Bostoner Hardcore Szene, nun lösen sie sich auf. Das letzte Konzert in München war darum ein Pflichttermin, Bane sind live immer eine Bank gewesen und wenige Bands kommen so sympathisch rüber. Darum war es auch halbwegs voll und Bane haben mit einer Abschiedsträne im Auge zum letzten Mal ihre immer extrem mitreissende Version von punklastigem Hardcore von der Kette gelassen. Was soll ich sagen? Die sind (waren) einfach saugut. Wir werden Euch vermissen!

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H2O, Death By Stereo (LOGO, 19.07.2015)

Bis auf die Knochen verregnet und etwas verspätet kam ich im LOGO an. Death By Stereo waren schon mitten im Zerstörungswahn und zerlegten die Bühne. Die Jungs aus Orange County hatte ich überhaupt nicht mehr auf dem Zettel, aber was heute Abend geboten wurde war sensationell (also, nicht verpassen): der Sänger verausgabte sich komplett und kam nicht mehr nach, sich ein Wasser oder Bier nach dem anderen über den Kopf zu schütten, die beiden Gitarristen spielten feinste Metal-Einlagen direkt vor der Bar und kurz vor Schluss wurde noch „Raining Blood“ von Slayer zum Besten gegeben – gesungen vom Berserker-Bassisten. Fantastisch!
Nach einer kurzen Verschnaufpause enterten H2O zu dicken Hip Hop-Beats die Bühne und spielten sich professionell durch 20 Jahre Bandgeschichte. Das LOGO bestand mittlerweile nur noch aus Schweiß und Bierdampf – die Stimmung war durchweg großartig nur gegen Ende hin wurde es leider ein bisschen zäh, da Toby Morse das Publikum vor jedem Song befragte, was denn als nächstes gespielt werden soll. Das ist ja erstmal ein netter Zug, aber die meisten waren damit komplett überfordert, bzw. nannten Songs die an diesem Abend schon einmal gespielt wurden. So zog sich das von einem Lied zum nächsten unnötig in die Länge, aber das ist meckern auf hohem Niveau. H2O-GO!

 

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Get Dead (Unter Deck, 22.07.2015)

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Astreine Vorstellung, die Get Dead hier abgegeben haben. Während die Herren aus SF es auf Platte unverzerrter und country-lastiger angehen lassen, haben sie hier live eine ordentliche Schippe Achtziger-Hardcore draufgepackt, was sehr gut funktioniert hat.

Disgrace & Twitching Tongues (Rockhaus, 30.06.2015)

Ausflüge zu Konzerten ins Ausland (diesmal Salzburg) sind immer lehrreich und weil sowohl Disgrace, als auch Twitching Tongues mit den letzten Alben gut vorgelegt haben, haben wir uns eines Dienstagabends aufgemacht Richtung Süden. Das Rockhaus ist ein in den Fels gehauener Schlauch für Rockkonzerte (yeah, Wortspiel!). Es war leider recht leer, die Vorband hat schwach angefangen, sich dann aber ganz ok warm gelärmt, aber die Attraktion waren natürlich die 5 Burschen aus Kalifornien, die mit kleinem Stellungswechsel zwei großartige Band bestreiten. Disgrace waren dann auch ausgezeichnet, zwar keine Megashow, aber haben ordentlich reingebolzt und mit ihrem downtempo-Gemoshe ziemlich Gas gegeben (yeah, Wortspiel!). Der Wechsel zu Twitching Tongues geht so: Bassist und Gitarrist tauschen Instrumente, der Sänger hängt sich die zweite Gitarre um und ein anderer Sänger wird aus dem Metal-Käfig geholt. Leute, das ist mal effizent, oder? Twitching Tongues haben schon einen recht einfallsreichen Sound: Metal, Progrock aber immer im Geiste des Hardcore, ob das live mal gut geht? Tut es, die Jungs sind Profis! Bei nächster Gelegenheit unbedingt auschecken, von dieser Gang hören wir sicher noch mehr. Zu Erwähnen ist noch der lokale Tanzstil: Am Rand rumstehen, leicht mit dem Oberkörper mitmoshen und dann ca. alle 2 Lieder unvermittelt für 5 Sekunden mit Shaolin-Jumpstyle-Breakdance-Moves um sich prügelnd auf die andere Seite springen (Handstand-Überschlag mit einer Hand – ich hab’s gesehen…), dann wieder rumstehen. Warum?

 

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The Dwarves (Strom, 05.05.15)

Weil die Dwarves schon immer ein Garant für gute Stimmung waren, mussten wir natürlich auch in München das Konzert auschecken. Einziger Haken: Ich war mit meinen 52 Jahren nicht nur der Jüngste im Publikum, es waren auch generell kaum Leute da! Wieso, verdammt?! Darum hier nochmal für unsere jungen Leser: Die Dwarves waren um die Jahrtausend-Wende der heisse Shit, haben einige legendäre Alben aufgenommen (inbesondere vorzuheben „The Dwarves come clean“ mit 12 Granaten in 21 Minuten) und sich durch allerlei Unfug (Nacktheit, masslose Übertreibung, Blut, etc.) und grossartige Kurz-Live-Auftritte definitiv einen Platz in der Punkrock Hall-of-Fame erspielt. Also, hingehen, das nächste Mal!! Das Konzert war dann auch super, besonders hervorzuheben sei hier das Outfit von Blag, das nur aus Shirt und XXS-Herrenunterhose bestand und bestens mit grauen Haaren und Wampe hamonierte. Ja, die sind super Typen, schon alles runtergebolzt, zwischen drin eine Lobhymne auf sein „enormous“ Genital gehalten und ab von der Bühne. Münchner Szenelegende Anti durfte zwei Lieder singen und Nick Oliveri (zwischenzeitlich mal für Bass, Koks und Freundin-schlagen bei Queens of the Stone Age angeheuert…) scheint auf Punkrock-Bewährung zu sein und gibt sich scheinbar ernsthaft Mühe, seine Auflagen zu erfüllen (wirkte NÜCHTERN, plaudert NETT mit Publikum nach dem Konzert und HILFT bei Auf- und Abbau).The Dwarves_shreddermag

The Dwarves (Hafenklang, 24.04.15)

Skandal! Ein Dwarves-Konzert ohne HeWhoCanNotBeNamed? Warum nur? Wrestlingmaske in der Reinigung? Blasen-entzündung? Schreibmaschinenkurs an der VHS? Wir werden es nie erfahren. Dafür war zu meiner Überraschung Ur-Dwarves-Bassist Nick Oliveri mit am Start. Und zwar nackt. Mit Chucks. Aber moment mal, müsste der nicht gerade im Knast sitzen? Egal. Gespielt wurde 40min – keine Überraschung – und das in gewohnter Dwarves Qualität. Leider ohne Prügelei mit dem Publikum dafür mit größenwahnsinnigen Zwischenansagen von Blag Dahlia: „The Dwarves. 85 years of rock’n’roll. Much respect.“ Unter’m Strich ein kurzweiliger Auftritt mit diversen Hits und ordentlich Energie. Gerne wieder.

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Warum im Vordergrund zwei Flaschen Wasser stehen weiß niemand.