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Punishable Act – Anit-Vision (Hardboiled) 
Ein neuer Stern am deutschen Hardcore-Himmel? Weit gefehlt, die Berliner Prügelknaben machen schon seit ganz lange die Bühnen der Republik unsicher, allerdings hatte man zwischendurch eine längere Pause eingeschoben, die mit „Anti-Vision“ nun auf’s Vortrefflichste beendet zu sein scheint! Dem guten alten Knüppel-Hardcore wird hier exzessiv gefrönt, ohne dass man sich hinter den Kollegen von Agnostic Front, Blood For Blood oder Madball zu verstecken bräuchte. Freddy aus letzterer Band steuert dann in einem Track auch ein bisschen Gebrüll bei. Extra Lob hat der Sänger für seine fast Yuppicide-verdächtige Stimme verdient! Also, kauft das und im März sind sie dann auch mit Agnostic Front auf Tour…

converge_youfailme_shreddermagConverge – You Fail Me (Epitaph) 
Ich habe im Vorfeld ja schon einiges über dieses Album gelesen: Dank des Wechsels zum „Major“ Epitaph wurde von Ausverkauf gemunkelt und noch schlimmer, „You Fail Me“ sei „melodisch“. Das melodischste Album von Converge vielleicht, aber in welche Sphären, liebe Rezensenten, ist Euer Hörverständnis mittlerweile vorgedrungen, dass Ihr bei dieser Musik an das Wort „Ausverkauf“ auch nur denken könnt! Düsterster Lärm, ordentliches Gemoshe, lieber eine Harmonie zu wenig als zu viel, permanente Breaks und „Gesang“ irgentwo zwischen Tod & Verderben und dem Gebell eines sehr wütenden Hundes. Anfangs sehr anstrengend, später fühle ich mich fast versucht, das schlimme Wort „genial“ zu benutzen. Auf jeden Fall extrem gut!

Interview – Eric Marcelino von den Sex Positions

Wie in der letzten Ausgabe angekündigt, haben wir den Sex Positions ein wenig nachgestellt und konnten Gitarrist Eric Marcelino zu einem nicht besonders langen Interview bewegen:

 

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S: Where are you from and what’s your musical and personal background?

Sex Positions is from Boston, Massachusetts. We are a group of kids that love to play hardcore music that pushes the boundries.

S: How would you describe your album?

E: Glamour Punk meets Wham!

S: How was working with Kurt Ballou from Converge as a producer?

E: Kurt is awesome, he has a bunch of tricks up his sleeve. I cant see us recording with anyone else after doing this album with him.

S: What factors in your opinion make up good hardcore music?

E: Originality, I hate hearing the same rehash. Take shit to the next level and dont waterdown music just to have a „band“ and to „play shows“.

S: What records inspired you most?

E: The Nerve Agents – Butterfly Collection, Ink & Dagger, any Scissor Sisters or New Order

S: What are your plans for the future concerning the Sex Positions?

E: Tour the full US, Tour Europe, put out another LP, you’ll probably see us on the Top of the Pops

S: One last message to our readers, please!

E: Go out and buy the „Sex Positions“ – self titled Full Length CD on Deathwish,Inc. in stores now!!!

Paint The Town Red – Home Is Where The Hate Is (JTTP)

pttr-_shreddermagDass die Münchner in die Hardcore-Oberliga wollen, war bereits beim ersten Release klar und mit diesem Album sind sie angekommen. Eine äusserst agile Dampfwalze überrollt einen da, meine Fresse! Die alte Hardcore-Gleichung Wut+Frustration=Energie geht voll auf und in die Beine und endlich gibt’s auch mal ein bisschen Double-Bassdrum zu hören. Das ist der Soundtrack der Sommers, auf den ich gewartet habe!

Spermbirds – Set An Example (Common Thread)

spermbirds_shreddermagUnsere alten Herren aus Kaiserslautern haben sich wieder mal aufgerafft und knallen uns in Originalbesetzung, d.h. Lee Hollis darf wieder ins Mikro brüllen, ein dermaßen gutes Album vor’n Latz, so daß man aus dem Staunen nicht mehr rauskommt. Die in den 80’ern mit „Something to Prove“ und „Noting is Easy“ in schwindlige Höhen katapultierte Messlatte in Sachen Hardcore/Punkrock kann hier durchaus erreicht werden, der alte Zorn und die Energie sind auf jeden Fall noch vorhanden. Endlich mal eine Runion, die nicht stinkt, oder nur auf die offensichtlich schnell verdiente Mark schielt. Das Ganze erscheint auf Common Thread Records, dem bandeigenen Label, das einmal mehr ein 100%iges Spermbirds-Brett garantiert, und nicht eine von „Musik-Marketig-Experten“ kalkulierte, weichgespülte Kacke. Haut ordentlich rein, kaufen bitte jetzt!

Sex Positions (Death Wish)

sexpositions_shreddermagWer zum Teufel steckt hinter dieser Band? Name noch nie gehört, keine Anhung, wo die herkommen, nur die Info, dass Kurt Ballou (Converge) als Produzent tätig war, lässt sich dem Booklet entlocken. Die Musik ist am ehesten als Hardcore zu bezeichnen, allerdings mit diversen Einflüssen von Deathmetal bis Punk und mit zeitweise starkem experimentellen Charakter (nicht zuletzt dank diversen Interludes aus allerlei digitalen Störgeräuschen). Ziemlich klar hingegen ist, dass diese Band ohne Ende bolzen kann, wenn ihr danach ist – was häufiger vorkommt… Auf jeden Fall lässt dieses Debüt Grosses erhoffen, erinnert es doch nicht selten an Bands wie Refused oder At The Drive-In. Wir bleiben dran…

pttr_riseandfall_shreddermagPaint The Town Red / Rise & Fall – Weapons (JTTP)
Als kleiner Vorgeschmack auf die kommenden Alben der Bands gibt es diese Split-EP. PTTR starten mit zwei für sie typischen NewSchool-Hardcore-Brechern. Keine Überraschungen, aber viel Power. Rise & Fall lassen lieber ein wenig Komplexität weg und setzen dafür auf mehr Geschwindigkeit und Metalriffs, was ebendfalls voll aufgeht. Na, dann können wir uns ja mal entspannt zurücklehnen und auf die Alben freuen…

Shredder Mag - Buchtipp: American Hardcore

american_hardcore_shreddermagWas der Autor Steven Blush hier auf über 300 Seiten niederschreibt, sollte definitiv in keiner Hardcore/Punk-Sammlung fehlen. Die Hochphase des amerikanischen Hardcore Punk, die sich zwischen 1980 bis 1886 abspielte, wird aus den Augen des damaligen Konzertveranstalters, College-Radio-DJs und Indie-Label-Besitzers detailliert zusammgengetragen und, den Umständen entsprechend, glaubwürdig kommentiert.
Das Buch besteht aus vier großen Unterkapiteln, das umfangreichste, zweite Kapitel, behandelt die einzelnen lokalen Szenen wie L.A. (+ Orange County), San Francisco, Washington D.C., Boston, New York, Texas und den mittleren Westen. Hier durchleuchtet der Autor insbesonders die Geschichten der einzeln „Szenegrößen“, wie die der Misfits, Black Flag, Bad Brains oder der Dead Kennedys, was mich besonders freut. Man bekommt ausserdem die Chance, sein Wissen über die Philosophie des Hardcores, die Einstellung der damaligen Kids und weiteren, nicht wegzudenken Themen, wie z.B. „D.I.Y.“ aufzufrischen. Eine kleine Geschichtsstunde also. Selbstverständlich kommen auch unzählige Beteiligte von damals zu Wort und berichten aus längst vergangenen, aber dennoch legendären Tagen. Sehr lobenswert, weil mit viel Mühe zusammengsammelt: die umfangreiche Diskographie am Ende des Buches. Ein weiters Schmankerl bieten die zahlreichen Abbildungen rarer Photos, Plakate und Flyer aus der guten alten Zeit, das alles klassisch in schwarz/weiss gehalten. Wer Henry Rollins in jungen Jahren mit Vollbart, oder Glenn Danzig mal ohne Bierbauch und Lederkluft sehen möchte, dem kann ich dieses Buch nur wärmstens empfehlen! „American Hardcore – A Tribal History“ – Feral House, ISBN 0-922915-71-7

Interview – Robert Ehrenbrand von BoySetsFire

Zwei, drei Lieder von BoySetsFire sollte nun mittlerweile jeder mitsingen können, weniger hingegen wissen, dass die Band nach dem Austieg des alten Bassisten, den aus München stammenden Robert Ehrenbrand ins Boot geholt haben. Wir haben ihn befragt, wie es dazu kam, wie das so ist und was da noch kommen wird.

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S: Fangen wir vorne an, was hast Du getrieben, bevor Du bei BSF eingestiegen bist?

R: Vor meinem Einstieg bei BSF habe ich bereits einige Tourneen als Roadie mit ihnen absolviert. Musiktechnisch habe ich vor BSF in der Berliner Band „The Pyro Tale“ gespielt und zeitgleich akkustische Auftritte mit verschiedenen Leuten gemacht, u.a. eine England-Tour mit Ricky Robinson (jetzt bei „Steel Rules Die“). Davor war ich Gitarrist bei der Münchner Hardcore Band „My Hero Died Today„.

S: Wie kam es dazu, dass die Wahl auf Dich viel?

R: Ich bin mit den anderen Mitgliedern von BSF bereits seit vielen Jahren sehr eng befreundet, seit „My Hero Died Today“ damals auf ihrer ersten Europa-Tournee im Vorprogramm gespielt haben. Der Kontakt ist nie abgerissen und nachdem Rob die Band verlassen hat und das während einer Europa-Tour geschah, dauerte es etwa 10 Minuten, bis mich der Rest der Band gefragt hat. Ich habe mich dann mit Rob hingesetzt und ihn um seine Meinung gebeten und er sagte, er würde sich freuen, wenn ich sein Nachfolger werden würde. Dann habe ich zugesagt, 17 Lieder in einem Tag in Budapest gelernt und am nächsten Tag ebendort meinen ersten Auftritt mit der Band gespielt. Es ging alles sehr schnell, aber ich wusste, dass ich es versuchen will, weil ihre Musik plus die Freundschaft mit allen Mitgliedern mir die Entscheidung abgenommen hat. Es klingt käsig, aber diese Band ist wie eine Familie aufgebaut und das habe ich bereits als Roadie so empfunden, davon ein Teil sein zu dürfen, war einfach grosses Glück für mich…

S: Wie darf man sich Deinen „Rockstar-Alltag“ vorstellen? Immer unterwegs, immer auf Tour?

R: Das Wort Rockstar ist sehr weit von der Realität entfernt. Drei der Jungs arbeiten derzeit ganztags auf dem Bau, um Ihre Familien zu ernähren. Ich habe den grossen Luxus, sehr geringe Lebenshaltungskosten zu haben, aber auch ich habe zeitweise für die gleiche Baufirma geschuftet. Wie ein Rockstar habe ich mich da nur in der Mittagspause gefühlt, haha… aber es stimmt schon, wir waren letztes Jahr bestimmt 9 Monate auf Tour und ich habe natürlich schon das Gefühl, dass nur sehr wenig verdient zu haben, ich habe ja zum Erfolg der Band nichts beigetragen. Ich versuche dann einfach, immer den bestmöglichen Auftritt zu spielen und eine gute Zeit zu haben. Mehr kann ich nicht tun.

S: Was war die größte Umstellung für Dich?

R: Die grösste Umstellung war natürlich, von den mir wichtigen Menschen und meiner Familie oft weit entfernt zu sein, aber ich liebe es, Musik zu machen, und habe immer auf den Moment gewartet, lange auf Tour sein zu dürfen oder länger als drei Tage in einem Studio sein zu dürfen. Beschwerden wirst Du deshalb nicht von mir hören, eher ein breites Grinsen. Ich versuche halt nur, meine Familie und meine Ex-Freundin in Berlin so häufig zu besuchen, wie es mir zeitlich und finanziell möglich ist.

S: Und was war die prägenste Ehrfahrung seit dem?

R: Die prägenste Erfahrung ist für mich, mit den anderen vier Musik zu machen und gemeinsam aufzutreten… ich kriege immer noch Gänsehaut, wenn ich Nathan und Chad zusammen singen höre und das, obwohl ich mit Nathan zusammen wohne und ihn sogar in der Dusche oder beim Kochen singen höre. Das und die gesamte Australien-Tour, die ein einziges tolles Erlebnis war – trotz der vielen Kater, haha…

S: Ist es schwer, sich in einer schon fest bestehenden Band zu „etablieren“?

R: Das kommt wohl immer auf die jeweilige Person an… die anderen haben wirklich auf jedem Stück des Weges versucht, mir alles so einfach wie möglich zu machen. Wahrscheinlich, weil sie wussten, was ich für ein Sensibelchen bin, haha… im Ernst: Nichts ist nur einfach und ich musste gerade beim gemeinsamen Songschreiben schon erst mal lernen, wie BSF als musikalisches Kollektiv funktioniert, aber wir waren immer alle offen miteinander und dann kann fast nichts schief gehen. Mal sehen wer der nächste Basser wird… ; )

S: Inwiefern bist Du beim Schreiben von neuen Stücken eingebunden?

R: Ich habe genau wie jeder andere in der Band Songideen und sogar Textideen eingbracht. Wir haben alles gemeinsam erarbeitet.

S: Wann kommt eigentlich das neue Album?

R: Das wollte ich Dich gerade fragen… ich hoffe im Herbst.

S: Alt werden mit BoySetsFire? Wie sind Deine Zukunftspläne?

R: Ich werde mein Bestes geben und versuchen, möglichst lange mit den Jungs Musik zu machen… ich glaube, alles passiert aus einem Grund und somit kommt’s, wie es kommen soll. Wir werden sehen… außerdem werde ich versuchen, soviel es geht nebenher zu arbeiten, also sprich meine anderen musikalischen Vorlieben zu verarzten.

S: Hast Du noch eine Botschaft für unsere Leserschaft?

R: Danke an alle, die auf die Shows im letzten Jahr gekommen sind… unterstützt außerdem so gut es geht die sehr, sehr guten deutschen Acts, die sich wirklich nicht hinter US-Bands verstecken brauchen… ich denke da an die Beatsteakes, La Par Force, Jettison, Tagtraum und so weiter… und unterstützt das „MORE BEER FOR NATHAN MOVEMENT“.