pttr_riseandfall_shreddermagPaint The Town Red / Rise & Fall – Weapons (JTTP)
Als kleiner Vorgeschmack auf die kommenden Alben der Bands gibt es diese Split-EP. PTTR starten mit zwei für sie typischen NewSchool-Hardcore-Brechern. Keine Überraschungen, aber viel Power. Rise & Fall lassen lieber ein wenig Komplexität weg und setzen dafür auf mehr Geschwindigkeit und Metalriffs, was ebendfalls voll aufgeht. Na, dann können wir uns ja mal entspannt zurücklehnen und auf die Alben freuen…

Shredder Mag - Buchtipp: American Hardcore

american_hardcore_shreddermagWas der Autor Steven Blush hier auf über 300 Seiten niederschreibt, sollte definitiv in keiner Hardcore/Punk-Sammlung fehlen. Die Hochphase des amerikanischen Hardcore Punk, die sich zwischen 1980 bis 1886 abspielte, wird aus den Augen des damaligen Konzertveranstalters, College-Radio-DJs und Indie-Label-Besitzers detailliert zusammgengetragen und, den Umständen entsprechend, glaubwürdig kommentiert.
Das Buch besteht aus vier großen Unterkapiteln, das umfangreichste, zweite Kapitel, behandelt die einzelnen lokalen Szenen wie L.A. (+ Orange County), San Francisco, Washington D.C., Boston, New York, Texas und den mittleren Westen. Hier durchleuchtet der Autor insbesonders die Geschichten der einzeln „Szenegrößen“, wie die der Misfits, Black Flag, Bad Brains oder der Dead Kennedys, was mich besonders freut. Man bekommt ausserdem die Chance, sein Wissen über die Philosophie des Hardcores, die Einstellung der damaligen Kids und weiteren, nicht wegzudenken Themen, wie z.B. „D.I.Y.“ aufzufrischen. Eine kleine Geschichtsstunde also. Selbstverständlich kommen auch unzählige Beteiligte von damals zu Wort und berichten aus längst vergangenen, aber dennoch legendären Tagen. Sehr lobenswert, weil mit viel Mühe zusammengsammelt: die umfangreiche Diskographie am Ende des Buches. Ein weiters Schmankerl bieten die zahlreichen Abbildungen rarer Photos, Plakate und Flyer aus der guten alten Zeit, das alles klassisch in schwarz/weiss gehalten. Wer Henry Rollins in jungen Jahren mit Vollbart, oder Glenn Danzig mal ohne Bierbauch und Lederkluft sehen möchte, dem kann ich dieses Buch nur wärmstens empfehlen! „American Hardcore – A Tribal History“ – Feral House, ISBN 0-922915-71-7

Interview – Robert Ehrenbrand von BoySetsFire

Zwei, drei Lieder von BoySetsFire sollte nun mittlerweile jeder mitsingen können, weniger hingegen wissen, dass die Band nach dem Austieg des alten Bassisten, den aus München stammenden Robert Ehrenbrand ins Boot geholt haben. Wir haben ihn befragt, wie es dazu kam, wie das so ist und was da noch kommen wird.

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S: Fangen wir vorne an, was hast Du getrieben, bevor Du bei BSF eingestiegen bist?

R: Vor meinem Einstieg bei BSF habe ich bereits einige Tourneen als Roadie mit ihnen absolviert. Musiktechnisch habe ich vor BSF in der Berliner Band „The Pyro Tale“ gespielt und zeitgleich akkustische Auftritte mit verschiedenen Leuten gemacht, u.a. eine England-Tour mit Ricky Robinson (jetzt bei „Steel Rules Die“). Davor war ich Gitarrist bei der Münchner Hardcore Band „My Hero Died Today„.

S: Wie kam es dazu, dass die Wahl auf Dich viel?

R: Ich bin mit den anderen Mitgliedern von BSF bereits seit vielen Jahren sehr eng befreundet, seit „My Hero Died Today“ damals auf ihrer ersten Europa-Tournee im Vorprogramm gespielt haben. Der Kontakt ist nie abgerissen und nachdem Rob die Band verlassen hat und das während einer Europa-Tour geschah, dauerte es etwa 10 Minuten, bis mich der Rest der Band gefragt hat. Ich habe mich dann mit Rob hingesetzt und ihn um seine Meinung gebeten und er sagte, er würde sich freuen, wenn ich sein Nachfolger werden würde. Dann habe ich zugesagt, 17 Lieder in einem Tag in Budapest gelernt und am nächsten Tag ebendort meinen ersten Auftritt mit der Band gespielt. Es ging alles sehr schnell, aber ich wusste, dass ich es versuchen will, weil ihre Musik plus die Freundschaft mit allen Mitgliedern mir die Entscheidung abgenommen hat. Es klingt käsig, aber diese Band ist wie eine Familie aufgebaut und das habe ich bereits als Roadie so empfunden, davon ein Teil sein zu dürfen, war einfach grosses Glück für mich…

S: Wie darf man sich Deinen „Rockstar-Alltag“ vorstellen? Immer unterwegs, immer auf Tour?

R: Das Wort Rockstar ist sehr weit von der Realität entfernt. Drei der Jungs arbeiten derzeit ganztags auf dem Bau, um Ihre Familien zu ernähren. Ich habe den grossen Luxus, sehr geringe Lebenshaltungskosten zu haben, aber auch ich habe zeitweise für die gleiche Baufirma geschuftet. Wie ein Rockstar habe ich mich da nur in der Mittagspause gefühlt, haha… aber es stimmt schon, wir waren letztes Jahr bestimmt 9 Monate auf Tour und ich habe natürlich schon das Gefühl, dass nur sehr wenig verdient zu haben, ich habe ja zum Erfolg der Band nichts beigetragen. Ich versuche dann einfach, immer den bestmöglichen Auftritt zu spielen und eine gute Zeit zu haben. Mehr kann ich nicht tun.

S: Was war die größte Umstellung für Dich?

R: Die grösste Umstellung war natürlich, von den mir wichtigen Menschen und meiner Familie oft weit entfernt zu sein, aber ich liebe es, Musik zu machen, und habe immer auf den Moment gewartet, lange auf Tour sein zu dürfen oder länger als drei Tage in einem Studio sein zu dürfen. Beschwerden wirst Du deshalb nicht von mir hören, eher ein breites Grinsen. Ich versuche halt nur, meine Familie und meine Ex-Freundin in Berlin so häufig zu besuchen, wie es mir zeitlich und finanziell möglich ist.

S: Und was war die prägenste Ehrfahrung seit dem?

R: Die prägenste Erfahrung ist für mich, mit den anderen vier Musik zu machen und gemeinsam aufzutreten… ich kriege immer noch Gänsehaut, wenn ich Nathan und Chad zusammen singen höre und das, obwohl ich mit Nathan zusammen wohne und ihn sogar in der Dusche oder beim Kochen singen höre. Das und die gesamte Australien-Tour, die ein einziges tolles Erlebnis war – trotz der vielen Kater, haha…

S: Ist es schwer, sich in einer schon fest bestehenden Band zu „etablieren“?

R: Das kommt wohl immer auf die jeweilige Person an… die anderen haben wirklich auf jedem Stück des Weges versucht, mir alles so einfach wie möglich zu machen. Wahrscheinlich, weil sie wussten, was ich für ein Sensibelchen bin, haha… im Ernst: Nichts ist nur einfach und ich musste gerade beim gemeinsamen Songschreiben schon erst mal lernen, wie BSF als musikalisches Kollektiv funktioniert, aber wir waren immer alle offen miteinander und dann kann fast nichts schief gehen. Mal sehen wer der nächste Basser wird… ; )

S: Inwiefern bist Du beim Schreiben von neuen Stücken eingebunden?

R: Ich habe genau wie jeder andere in der Band Songideen und sogar Textideen eingbracht. Wir haben alles gemeinsam erarbeitet.

S: Wann kommt eigentlich das neue Album?

R: Das wollte ich Dich gerade fragen… ich hoffe im Herbst.

S: Alt werden mit BoySetsFire? Wie sind Deine Zukunftspläne?

R: Ich werde mein Bestes geben und versuchen, möglichst lange mit den Jungs Musik zu machen… ich glaube, alles passiert aus einem Grund und somit kommt’s, wie es kommen soll. Wir werden sehen… außerdem werde ich versuchen, soviel es geht nebenher zu arbeiten, also sprich meine anderen musikalischen Vorlieben zu verarzten.

S: Hast Du noch eine Botschaft für unsere Leserschaft?

R: Danke an alle, die auf die Shows im letzten Jahr gekommen sind… unterstützt außerdem so gut es geht die sehr, sehr guten deutschen Acts, die sich wirklich nicht hinter US-Bands verstecken brauchen… ich denke da an die Beatsteakes, La Par Force, Jettison, Tagtraum und so weiter… und unterstützt das „MORE BEER FOR NATHAN MOVEMENT“.

strike_anywhere_shreddermagStrike Anywhere – Exit English (Jade Tree)
Die Jungs aus Richmond haben es sich mit ihrem Debüt-Knalleralbum selber schwer gemacht. Wie sollten sie das noch toppen? Sehr schwierige Frage, die sie mit ihrem zweiten Album leider nicht beantworten können. Zwar wird hier auch auf das Patenrezept „Heavy Punkrock meets Explosive Hardcore“ zurückgegriffen, die etwas glatt ausgefallene Produktion bremst allerdings ein bisschen. Spielen aber immer noch in der 1. Liga, keine Angst!

nine_killingangels_shreddermagNine – Killing Angles (Burning Heart)
Dieses Album sollte dann nun aber endlich zu ewigem Ruhm ausreichen! Die Schweden haben noch mal die Essenz aus Ihrem letzten (schon sehr zu empfehlenden) Album „Lights Out“ destiliert und mittels fettester Produktion endgültig ihre Nische zwischen Kyuss und Entombed (mit denen sich ja neuerdings sogar der Proberaum und das letzte Lied des Albums geteilt wird) etabliert. Unterm Strich heisst das, die Stimme ist noch assliger und breiter, die Riffs sind noch markanter, es steckt noch ein wenig mehr Tod und Verderben in den Texten und alles ist noch ein wenig schnörkelloser geraten. Nur eines sollte der Sänger nicht tun: Singen. Macht er aber auch nur einmal und der Rest ist ohne Einschränkungen hervorragend!

Shredder Mag - Konzert Review

Grosse Verdienste um unsere Abendgestaltung hat sich Join The Team Player Records bzw. das angegliederte Avocado Booking erworben, die Munich Hardcore City regelmäßig mit höchst ansehnlichen Veranstaltungen versorgen und daher lobend erwähnt werden sollen:
Ein echter Knaller war das Konzert von Darkest Hour (19.10., Backstage Club), die ein für alle Mal bewiesen haben, wer die Könige sind. Zusätzlich aufgewertet wurde dieses Konzert durch die 2-Mann-Vorband Suppression, die auf den ersten Blick sehr unterhaltsamen, auf den zweiten Blick aber auch sehr hervorragenden Schizo-Hardcore beisteuern konnten. Damit nicht genug, denn am 12.11. spielten (diesmal in der Backstage Halle) die schwedischen Todesrocker Nine, die Münchner Hardcore-Messlatte Paint The Town Red und die grandiose Hope Conspiracy. Wer das verpasst hat, ist selbst Schuld und sollte schleunigst Besserung geloben!

Interview – Strange Days Of Chaos

strangedaysofchaos_shreddermagWer nicht ganz mit Scheuklappen durch die Münchner Hardcore-Landschaft stolpert, der sollte sich eigentlich schon mal von den live-Qualitäten von Strange Days Of Chaos überzeugt haben können. Wir haben den Frontmann Peter zur Lage der Nation befragt:

S: Wer steckt hinter Strange Days Of Chaos?

P: Peter (Gesang, 27), Martin ( Bass, 27), Andi (Gitarre, 25), Michael (Gitarre, 24) und Philipp (Drums, 20)

S: Warum sollte man in einer Hardcore-Band spielen?

P: Es ist unsere Musik, die wir hören, und außerdem macht es Spaß; selbst Sound zu machen. Was dazu kommt, ist, dass unsere Fähigkeiten für ´ne Metalband nicht reichen. Dann gibt´s natürlich auf Konzerten immer lecker Essen und Freigetränke.

S: Wie würdet Ihr Euren Sound beschreiben?

P: Brachial, metallisch, komplex, energie-geladen, unkonventionell, markant und modern, eine emotionale Gratwanderung zwischen Sehnsucht, Schmerz und Wut.

S: Welches sind Eurer Meinung nach die besten Alben der Musikgeschichte?

P: Carcass – Heartwork, S.O.D. – Bigger Than Devil, Helloween – Keeper Of The Seven Keys Pt. 1 & 2, Slayer – Reign In Blood, In Flames – alles, Atreyu – Suicide Notes And Butterfly Kisses, Sepultura – Arise, Metallica – alles bis einschließlich der Schwarzen (alles was danach kam ist für´n Arsch), Dillinger Escape Plan – alles, Coalesce – alles, Megadeath – Rust In Peace, Deviate – Thorn Of The Living, Mr. Bungle – alles, Ryker’s – Ground Zero, Converge – Jane Doe, Obituary – World’s Demise, Death – alles, Sick Of It All – Scratch the surface, Machine Head – Burn My Eyes, Testament – Low,…

S: Was mögt Ihr überhaupt nicht?

P: Nazis, Bevormundung, Unterdrückung, Weihnachtslieder, George Bush, High-Society-Fratzen, Neue Deutsche Rechtschreibung, Fanatismus (Religion, Fussball, Politik, usw.), CDU/CSU, Edmund „Wir haben die Wahl gewonnen“ Stoiber, Bürokratie, Rechnungen, jedes Ministerium, Laberbacken, Microsoft, Apple, Siemens, Spam-Mails, Tekkno, Volksmusik/Schlager, das neue Stadion, Öl-Industrie, Sexismus, Leute die ihre Instrumente zerschlagen, Dieter „Deutschland sucht den Superstar“ Bohlen, männliche Groupies.

S: Welches waren die besten Konzerte, die Ihr bis dato gespielt habt?

P: Februar ´03 – Bring It To Life im Feierwerk, April `03 mit Give Up The Ghost, Paint The Town Red und Watch It Bleed im Kafe Kult, August ´03 mit Integrity im Backstage, September ´03 – 8. Munich Hardcore Festival im Kafe Kult, November ´03 – CD-Release, 6. Geburtstag und Hennings Abschiedskonzert im A5

S: Was möchtet Ihr mit Eurer Band unbedingt noch erleben?

P: Bundreine Gitarren, Tour (Japan), Label, Festivals (Open Air), Tourbus, weibliche Groupies

S: Und bitte noch eine Abschlußweisheit!

P: Ich versuch mich doch nur wie zu Hause zu fühlen!!!!!!

himsacountingtragedy_shreddermagHIMSA – Counting Tragedy And Desaster (JTTP)
Und eine weitere Hardcore-Band, die aber Metal macht und zwar mit richtig üblem Gitarren-Gewixe. So werden unter anderem die beiden großen Metal-Disziplinen 2stimmiges Riff und 2stimmiges Solo mit Bravour gemeistert. Für alle, die früher mit Kutte rumgelaufen sind, sofort zu empfehlen, für alle anderen auch, weil die Jungs wirklich höchst-anständigen Lärm fabrizieren. Sehr gut!

silentdriverockdesign_shreddermagSilent Drive – Rock H Design (JTTP)
Die Bostoner Band legt auf ihrer Debüt-EP vier Songs vor, die durchweg begeistern können. Eigentlich abwechlungsreiche und dichte Rocksongs, die aber dank unüberhöbarem Hardcore-Einfluß weder cheesy, noch belanglos klingen, sondern – wie sich das gehört – anständig wütend und direkt von Herzen kommend. Ein Mischung, die nicht nur sofort mitreißt, sondern auch die Freude auf das kommende Album schürt!