Shredder Mag macht mal was anderes!

H a u p t b a h n h o f – Vom ewigen Champagner und Hummer bis zum Kotzen in München gelangweilt, beschlossen wir dieses Jahr an Silvester mal nach Berlin zu fahren.

Da der Bentley gerade in der Werkstatt war, kauften wir ein Schönes-Wochenende-Ticket der Bahn, und machten uns – mit Fahrplan (6x umsteigen, 9h) bewaffnet – auf den Weg. Das es voll werden würde, hatten wir gehört, doch da der Restalkohol vom Vorabend noch bis Regensburg reichte, war das Im-Gang-Sitzen OK. Hier stiegen wir in einen Zug, der uns nach Marktredwitz bringen sollte (habe bis heute noch keine Ahnung, wo das ist). Bis dahin lief alles gut, so daß wir bald in Marktredwitz am Bahnsteig standen und durch hysterisches „Wo-Sind-wir-hier-eigentlich“-Geschrei einer armen Seele, die später nackt abgeführt wurde, begrüßt wurden. Der nächste Zug hatte erstmal 30 min Verspätung, die Anschlußzüge konnten wir also schon mal knicken. Als er dann kam (hatte übrigens wie alle Züge an diesem Tag nur 2 Wagons) mußten wir feststellen, dass dieser so überfüllt war, dass niemand mehr rein ging. Madig. Der Infoschalter war zwar besetzt, aber geschlossen. Also, keine Experimente und brav auf den nächsten Zug warten.

 

Die folgenden 1,5h wurden uns durch den Mann mit der Beton-Optik, auf den nicht näher eingegangen werden soll, der Beobachtung diverser knast-tattoovierter Alkis, die mit uns warteten, sowie einer Horde junger Ost-Nazis, die den Bahnsteig mit eindeutiger Musik beschallten und die durch einen großen mitgeführten Stoffhasen schnell als Kuschel-Nazis identifiziert und zum Auslachen freigegeben werden konnten, versüßt. Als der Zug endlich kam (natürlich auch schon recht voll), prügelten wir uns rein und ergatterten noch zwei beschissene Stehplätze zwischen einer Sitzgruppe mit 4 Arschgeigen, die sich über Mittelaltermärkte unterhielten und stanken, und einer mit einem schlecht tattoovierten Knasti, seinem Sohn, der einen Käfig Nagetiere mit sich führte, einem, der fortan als Jungspund bezeichnet werden soll, sowie einem alten Mecklenburger Penner, der allen gleich ausführlich und ungefragt alles von seiner Jugend bis heute berichtete. Wäre zu ertragen gewesen, wäre der Zug gleich losgefahren. Tat er aber nicht, Lok im Arsch. Also erstmal 1,5h eingequetscht rumstehen, dummes Zeug hören und dem Penner beim 5-Bier-Trinken zuschauen. Als der Zug endlich anfuhr, stieg dem Penner auch prompt der ganze Alk zu Kopf, worauf er in voller Paranoia den Jungspund beschuldigte, kein Ticket zu haben. Das Ganze gipfelte darin, das der Penner ein schartiges Klappmesser zog und verlauten lies, den Jungspund nun aufzuschlitzen. Da er wirklich den Eindruck machte, nichts mehr verlieren zu können, eine ernstzunehmende Drohung. Schlimmers konnte der Knasti verhindern, der dem Penner anbot, ihm das Gesicht kaputt zu hauen, worauf dieser bei der nächsten Station fluchend das Feld räumte.

 

Sehr gut, nach 4h stehen endlich ein Sitzplatz. In Lichtenirgentwas konnten wir dann endlich diesen Scheißzug verlassen und in einen neuen leeren (!) umsteigen. Doch das Pech war uns Hold, wieder saßen wir bei einer Riesen-Arschgeige. Die nächsten 2 Stunden wurde uns etwa 100.000.000x versichert, dass wir es heute nie mehr nach Berlin schaffen würden, uns Geschichten vom toten Hund und von Dampflocks in der DDR erzählt, mit Eurostarter-Kits gepost und uns mit dem Satz „Kennt Ihr das?“ untermalt mittels eines mitgebrachten Nußknackers (!) frischgeknackte Walnüsse angeboten. Kurzgesagt, es war die Hölle und wir waren verdammt froh, als wir in Leipzig ankamen und die Info bekamen, dass wir als Ausgleich für die kaputte Lok ohne weiteres Umsteigen mit dem ICE nach Berlin fahren durften (mit uns natürlich auch die ganzen anderen Deppen aus dem Zug…). Statt wie erhofft gemütlich gepolsterte vor Laber-Attacken geschütze Sitzplätze, konnten wir noch zwei 1a Stehplätze in Nähe des Klos ergattern. Dumm, denn vor dem Klo versammelte sich binnen einer halben Stunde ein hirnloser Mob, der es sich zum Ziel gemacht hatte, bis Berlin alle, die auf dem Klo saßen, mit all den schönen Wörtern zu bedenken, die in der Grundschule verboten waren. Bsp. „Hey, hast Du da drinnen schon einen großen Haufen geschissen oder wixt Du?“, usw… Normalerweise schon schwer zu ignorieren, kosteten mich diese Deppen, die sich bis nach Berlin konsequent gegenseitig in immer schönere Fäkalregionen hochpushten, das letzte bisschen Kraft, so dass wir nach nunmehr insgesamt 13 Stunden Fahrt in Berlin angekommen, mehr vornüber aus dem Zug fielen, als austiegen.

 

Also, wenn Ihr mal billig nach Berlin wollt, dann fahrt ruhig mit dem Schöne-Wochenend-Ticket, aber nicht wenn’s sich abzeichnet, dass es voll werden könnte, und nur mit ausreichend Handfeuerwaffen und Drogen dabei, ansonsten nur was für ganz Harte!