Shredder mag geht an die Börse!

With Full Force  Festival – Vom 23. bis zum 26. Juni besuchte eine hochkarätige Delegation das beliebte Festival in Deutschlands Osten.

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Ein cooles LineUp voll mit Hardcore und Punkrock lockte uns dieses Jahr in den Osten. Natürlich ist uns hinter der Grenze erstmal der Reifen geplatzt. Shredder Mag-Boxenstop-Zeit: 17.5 sec. Cooler Weise war der Parkplatz direkt am Gelände, daher kein Shuttlebus-Streß. Nach kurzer Diskussion, durften wir sogar unseren Gas-Kocher mit reinnehmen (toll!) und unser Lager aufschlagen. Am Freitag ging’s gleich los mit Brightside. Danach Liberator (nicht verpassen, wenn Ihr mal Gelegenheit habt) und Bombshell Rocks, die beide mit fittem Profisound aufgewartet haben. Der Gitarrist von Bombshell Rocks steht übrigens im Guinessbuch für die größte Gitarre der Welt. Madball waren saugeil, allerdings war’s im Pit so staubig, dass man während des Konzerts zu Teil nichts mehr gesehen hat und man danach ein gutes Lunge-ist-mit-Zement-ausgegossen-Feeling hatte. Die Band direkt danach haben wir uns wegen Kater und Sonnenstich gespart. Abends hat dann nur noch Metal-Schrott gespielt. Iron Maiden haben live (?) gespielt – der Bassist von Basilisk (Melodic-Gothic-Power-Metal ja ja…), den wir kennenlernten, fand’s „einfach genial“, wir fanden’s einfach beschissen. Im Zelt startete danach die „Knüppelnacht“. Als erstes lernten wir eine Lektion im „Mit-Haarausfall-und-Geheimratsecken-Rotor-Bangen“ vom Sänger der Metalproleten „Asphyx„. Weil wir es gerade so lustig fanden, haben wir uns noch die Schweden-Death-Metaler Marduk angeschaut. Brav geschminckt, den Rücken voll mit Satanisten-Scheiß-Tattoos haben sie reingeknüppelt, dass es schlimmer nicht ging. Der Sänger ist übrigens so ein Asso, dass er wahrscheinlich seinen Freunden Geld klaut. Soviel zu Freitag. Samstag Früh 12 Uhr aufstehen und im Regen erstmal eine Munich-represents Paulaner-Dose trinken, um den Tag stilgerecht zu beginnen. Der Regen hörte bald wieder auf und Ignite finden an zu spielen. Die waren richtig gut (wie immer). U.S. Bombs waren auch cool. The Exploited waren einfach nur alt. Richtig ab ging’s dann wieder als Gluecifer, die unangefochtenen Götter des Rock’n’Roll-Posing, gespielt haben. Den nächsten Proleten-Award nach Marduk haben sich Skarhead verdient. Nimmt man den beiden Shoutern (zusammen etwa 370 kg) die Worte „New York“, „Hardcore“ und „Skarhead“, bleibt leider kaum noch was übrig. Kein Posing sondern Qualität boten die alten Hardcore-Haudegen von Agnostic Front. Da sollten sich Skarhead mal eine Scheibe von abschneiden. Biohazard waren überraschender Weise saugeil und featurten dann auch Roger Miret und Wattie von Exploited, die noch am Bühnenrand rumlungerten. In der Nacht haben wir uns dann Hardcore Superstar (eine Mischung aus Oasis, Backyard Babies und New Kids On The Block) angeschaut, die live besser waren als erwartet. Der Sonntag war irgendwie planlos. erst fiel uns auf, dass die Dropkick Murphy’s gar nicht mehr auf dem LineUp-Plan standen und dann ging uns das Bier aus. Dazu war ätzende Aufbruchstimmung und die Ordner haben uns Angst gemacht (mehr als Marduk), nachdem einem von ihnen beim Löschen eines Zelt-Müllberges fast eine explodierende Gas-Kartusche ans Hirn geflogen wäre. Darum haben wir uns nur noch die wiedervereinten Spermbirds angeschaut, uns Slayer gespart (wir konnten auch keine Metaler mehr sehen) und uns in den Reiserückverkehr gen Westen gestürzt. Alles in allem war es ein cooles Festival. Komisch nur, dass es immer komisch gerochen hat, obwohl die Dixies ständig geleert wurden. Vielleicht lag’s am nahen Bitterfeld? Wer weiß…
Schöne Grüße noch an den Hurgl, der in einem Karton geschlafen hat, und an die Weißenburger-Skate-Crew, die am letzen Tag beim vom-Autodach-die-Heckscheibe runter-skaten selbige geshreddert haben. Skate & Destroy!

Editorial
Mitte Mai, linkes Bein: seit einem Monat eine fette Schürfwunde am Knie (Ollie verbauert), 10 mittelgroße blaue Flecken auf dem Schienbein, die Kickflips hätten werden sollen oder vom letzten Konzert stammen. Rechtes Bein: Blauer Fleck über die ganze Breite vom halben Schienbein bis unter den Knöchel (good ol‘ Sick of it All-Moshpit), ansonsten nur noch ein beim anschieben schmerzender Zeh (FS 180° dumm aufgekommen). Wenn ich so mit kurzen Hosen irgentwo auftauche, werde ich gleich mal ausgelacht und für blöd erklärt. Ob ich denn total bescheuert sei und was ich damit erreichen will. Verdammt noch mal, ich haue mir doch nicht absichtlich mit dem Hammer auf’s Bein. Sowas passiert halt. Wer das nicht versteht, kann Punkrock- und Hardcore-Konzerte ja meiden, sein Skateboard in die Ecke stellen und sich ein Dreirad kaufen. Ich kann’s nicht. Diese Ausgabe des Shredder Mags geht auf jeden Fall an alle anderen, die noch den einen oder anderen blauen Fleck vom vom letzten Pit oder dem letzten nicht geschafften Trick mit sich rumschleppen. Haut rein!

Nächste Ausgabe mit Gimmick:

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Sid Vicious oder Tom Cruise?

luckypunch_shreddermagThe Lucky Punch – Four Aces Are Hard To Beat (Punchin‘ Productions) Sehr gut! Turbo-Babe, Spielkarten, Autos, zerissene Jeans ois dabei, was ma so braucht für’n Rock! Das Cover treibt die Erwartungen schon in die richtige Richtung. Die vier Aces aus München haben gerade den Blinker reingehauen und entern nun die Rock’n’Roll-Überholspur. Mit schönen Poser-Gitarren (schönen Gruß von den Hellacopters) und ordentlicher Alk&Zigaretten-Kreischstimme heizen sie konsequent auf Ihrem eigens im blutüberströmten Lungfull-Studio produzierten Mini-Album in Richtung Rockthrone. Diese CD kriegt Ihr in alter Punk’n’Roll-Manier übers Internet (www.theluckypunch.com). Munich Rock City kick ass!

rollins_shreddermagRollins Band – Get Some, Go Again (DreamWorks)
Rollins ist mit neuer aber nicht unbekannter Band zurück: Mother Superior dürfte Althippies und Stonerrockern schon ein Begriff sein. Gekonnt klauen sich Mr. Workout und sein neues Begleittrio auf „Get Some – Go Again“ durch die gesamte Rockgeschichte von den Siebzigern bis heute. Angefangen bei Led Zeppelin-Zitaten über Black Sabbath-Doomorgien oder Stonerrock der Neunziger ist alles vertreten. Nicht einmal vor Guns’n’Roses wird halt gemacht und das „Monster“-Riff einfach dreist aus „Paradise City“ entnommen. Trotzdem klingt jedes Element im Rollins-Kontext nach etwas Neuem und nicht nach billigem Abklatsch, wobei sein Gesang mal an Lemmy, mal an den neuerdings heiseren Danzig erinnert. Außerdem bleibt er auf dieser Platte auch seinen Punkwurzeln treu („You Let Yourself Down“) und setzt zum Schluß noch einen lustigen Spoken-Word-Funk-Jazz-Track drauf

myherodiedtoday_shreddermagMy Hero Died Today -The City Will Pay For This (Schematics)
Die Münchner Heroes machen ab sofort die Stadt mit ihrem ersten full-length Album unsicher! Und das nicht zu knapp, denn hier wird gerockt, bis die Fetzen fliegen! Ihre typische Kombination aus Hardcore gepaart mit Noise-, Metal- und Rockelementen bringt nun mal immer frischen Wind in die Stadt, sei es live oder eben auf CD. Dieses Teil ist extrem energiegeladen, dafür zeigt sich vor allem Sänger Marco mit seiner powervollen Stimme verantwortlich, aber am Besten Ihr überzeugt Euch selber von diesem Brett. Mehr Infos gibt es unter: www.myherodiedtoday.com oder Marco Walzel, Altöttingerdtr. 6a, 81637 München. Ansonsten schreibt an: kidsinthepit@compuserve.com!

victory_shreddermagV.A. – Victory Style 4 (Victory)
Der neue Label-Sampler bietet einen aktuellen Überblick über das Programm des New Yorker Labels. Wer hätte es erwartet, die meisten der 23 Tracks sind Hardcore (vertreten hier unter anderem Snapcase, Cause for Alarm, Integrity, Earth Crisis, Hatebreed oder Blood for Blood). Damit es nicht einseitig wird, haben sich noch ein paar Ska- und Punk-Nummern dazwischen gemogelt. Die Qualität der einzelnen Tacks schwankt zwar, aber die Guten überwiegen doch und bei 10 Mark gibt es eh keine Diskusion, ob Victory Style 4 eine sinnvolle Anschaffung ist. Rein in den Laden und holt Euch diesen perfekten Soundtrack für die alte Hardcore-Disziplin Straßenkampf.

gadjits_shreddermagThe Gadjits – Wish We Never Met (Hellcat)
Im Gegensatz zum letzten wurde das neue Album nicht von Tim Amstrong (Rancid) produziert. Mehr relaxter Ska, mehr OldSchool-Rock’n’Roll, weniger Punk ist das Ergebnis. Ein lockerer Offbeat, schiebende Keys und jede Menge Ohrwürmer gesungen mit wunderbar aufmüpfiger Stimme und verstärkt durch die oberlässigen weiblichen Backing Vocals geben dem Album einen durchweg positiven Vibe. Ein bisschen weniger sanft hätte zwar auch nicht geschadet, aber so ist’s auch gut, wer’s hart braucht kann ja S.O.D. hören, die Gadjits sind eher was für fette BBQ-Sessions in der prallen Sonnen (mit viel Bier).