Interview – Robert Ehrenbrand von BoySetsFire

Zwei, drei Lieder von BoySetsFire sollte nun mittlerweile jeder mitsingen können, weniger hingegen wissen, dass die Band nach dem Austieg des alten Bassisten, den aus München stammenden Robert Ehrenbrand ins Boot geholt haben. Wir haben ihn befragt, wie es dazu kam, wie das so ist und was da noch kommen wird.

robert_ehrenbrandt_shreddermag
S: Fangen wir vorne an, was hast Du getrieben, bevor Du bei BSF eingestiegen bist?

R: Vor meinem Einstieg bei BSF habe ich bereits einige Tourneen als Roadie mit ihnen absolviert. Musiktechnisch habe ich vor BSF in der Berliner Band „The Pyro Tale“ gespielt und zeitgleich akkustische Auftritte mit verschiedenen Leuten gemacht, u.a. eine England-Tour mit Ricky Robinson (jetzt bei „Steel Rules Die“). Davor war ich Gitarrist bei der Münchner Hardcore Band „My Hero Died Today„.

S: Wie kam es dazu, dass die Wahl auf Dich viel?

R: Ich bin mit den anderen Mitgliedern von BSF bereits seit vielen Jahren sehr eng befreundet, seit „My Hero Died Today“ damals auf ihrer ersten Europa-Tournee im Vorprogramm gespielt haben. Der Kontakt ist nie abgerissen und nachdem Rob die Band verlassen hat und das während einer Europa-Tour geschah, dauerte es etwa 10 Minuten, bis mich der Rest der Band gefragt hat. Ich habe mich dann mit Rob hingesetzt und ihn um seine Meinung gebeten und er sagte, er würde sich freuen, wenn ich sein Nachfolger werden würde. Dann habe ich zugesagt, 17 Lieder in einem Tag in Budapest gelernt und am nächsten Tag ebendort meinen ersten Auftritt mit der Band gespielt. Es ging alles sehr schnell, aber ich wusste, dass ich es versuchen will, weil ihre Musik plus die Freundschaft mit allen Mitgliedern mir die Entscheidung abgenommen hat. Es klingt käsig, aber diese Band ist wie eine Familie aufgebaut und das habe ich bereits als Roadie so empfunden, davon ein Teil sein zu dürfen, war einfach grosses Glück für mich…

S: Wie darf man sich Deinen „Rockstar-Alltag“ vorstellen? Immer unterwegs, immer auf Tour?

R: Das Wort Rockstar ist sehr weit von der Realität entfernt. Drei der Jungs arbeiten derzeit ganztags auf dem Bau, um Ihre Familien zu ernähren. Ich habe den grossen Luxus, sehr geringe Lebenshaltungskosten zu haben, aber auch ich habe zeitweise für die gleiche Baufirma geschuftet. Wie ein Rockstar habe ich mich da nur in der Mittagspause gefühlt, haha… aber es stimmt schon, wir waren letztes Jahr bestimmt 9 Monate auf Tour und ich habe natürlich schon das Gefühl, dass nur sehr wenig verdient zu haben, ich habe ja zum Erfolg der Band nichts beigetragen. Ich versuche dann einfach, immer den bestmöglichen Auftritt zu spielen und eine gute Zeit zu haben. Mehr kann ich nicht tun.

S: Was war die größte Umstellung für Dich?

R: Die grösste Umstellung war natürlich, von den mir wichtigen Menschen und meiner Familie oft weit entfernt zu sein, aber ich liebe es, Musik zu machen, und habe immer auf den Moment gewartet, lange auf Tour sein zu dürfen oder länger als drei Tage in einem Studio sein zu dürfen. Beschwerden wirst Du deshalb nicht von mir hören, eher ein breites Grinsen. Ich versuche halt nur, meine Familie und meine Ex-Freundin in Berlin so häufig zu besuchen, wie es mir zeitlich und finanziell möglich ist.

S: Und was war die prägenste Ehrfahrung seit dem?

R: Die prägenste Erfahrung ist für mich, mit den anderen vier Musik zu machen und gemeinsam aufzutreten… ich kriege immer noch Gänsehaut, wenn ich Nathan und Chad zusammen singen höre und das, obwohl ich mit Nathan zusammen wohne und ihn sogar in der Dusche oder beim Kochen singen höre. Das und die gesamte Australien-Tour, die ein einziges tolles Erlebnis war – trotz der vielen Kater, haha…

S: Ist es schwer, sich in einer schon fest bestehenden Band zu „etablieren“?

R: Das kommt wohl immer auf die jeweilige Person an… die anderen haben wirklich auf jedem Stück des Weges versucht, mir alles so einfach wie möglich zu machen. Wahrscheinlich, weil sie wussten, was ich für ein Sensibelchen bin, haha… im Ernst: Nichts ist nur einfach und ich musste gerade beim gemeinsamen Songschreiben schon erst mal lernen, wie BSF als musikalisches Kollektiv funktioniert, aber wir waren immer alle offen miteinander und dann kann fast nichts schief gehen. Mal sehen wer der nächste Basser wird… ; )

S: Inwiefern bist Du beim Schreiben von neuen Stücken eingebunden?

R: Ich habe genau wie jeder andere in der Band Songideen und sogar Textideen eingbracht. Wir haben alles gemeinsam erarbeitet.

S: Wann kommt eigentlich das neue Album?

R: Das wollte ich Dich gerade fragen… ich hoffe im Herbst.

S: Alt werden mit BoySetsFire? Wie sind Deine Zukunftspläne?

R: Ich werde mein Bestes geben und versuchen, möglichst lange mit den Jungs Musik zu machen… ich glaube, alles passiert aus einem Grund und somit kommt’s, wie es kommen soll. Wir werden sehen… außerdem werde ich versuchen, soviel es geht nebenher zu arbeiten, also sprich meine anderen musikalischen Vorlieben zu verarzten.

S: Hast Du noch eine Botschaft für unsere Leserschaft?

R: Danke an alle, die auf die Shows im letzten Jahr gekommen sind… unterstützt außerdem so gut es geht die sehr, sehr guten deutschen Acts, die sich wirklich nicht hinter US-Bands verstecken brauchen… ich denke da an die Beatsteakes, La Par Force, Jettison, Tagtraum und so weiter… und unterstützt das „MORE BEER FOR NATHAN MOVEMENT“.