Hilfe: Shredder Mag steht ohne Argumente da!

Gibt es Hardcore in München? Sieht so aus!

München – Heute nehmen wir uns die Herren von The Blackout Argument genauer unter die Lupe. Stellvertretend für die Band antworten uns ChrisZ (Git.) und Sinan (Voc.) per E-Mail.
 

S: Ihr habt die Band vor ca. einem Jahr gegründet, heute steht ihr mit festem Line-Up und einer ordentlichen EP auf den Bühnen Süddeutschlands und Österreichs. Ging ja ganz schön schnell, was?
C: Ja irgendwie ging in der Tat alles sehr schnell. Die Bandgründung ist noch nicht mal ein Jahr her. Unsere erste Show haben wir am 25.3. in München gespielt und in den darauf folgenden 2 Monaten gleich 20 weitere, u.a. in Österreich, Italien, der Schweiz und natürlich D-Land. Die EP ist auch raus und wir arbeiten gerade am Album. Für uns war von Anfang an klar dass wir mit der Band Gas geben wollen. Natürlich freuen wir uns trotzdem sehr darüber dass es auch so klappt wie wir uns das vorgestellt hatten.
S: Wie seid ihr auf Engineer Records gekommen?
C: Wir haben die Songs an einige Label geschickt mit denen wir uns vorstellen konnten zusammen zu arbeiten. Das Feedback war sehr positiv, allerdings wollten die meisten Labels sofort ein Album machen und keine EP. Hinzu kam das Problem dass viele Labels erst gegen Ende 2006 hätten veröffentlichen können, was uns zu lange war. Engineer Records hatten Lust ein Kleinformat zu veröffentlichen und auch die Ressourcen es sofort zu machen, weshalb wir uns letztendlich für sie entschieden haben.
S: Gab es Gründe, die EP nicht auf deinem eigenen Label Let It Burn Records, zu veröffentlichen?
C: Der Hauptgrund war, dass ich keine Lust hatte/habe in eine Doppelrolle zu schlüpfen, also zugleich Label-Boss und Band-Mitglied zu sein. Gerade wenn es darum geht einen Deal zu vereinbaren ist das eine schwierige Situation und Konflikte sind vorprogrammiert. Außerdem ist es für mich spannend zu sehen wie andere Labels arbeiten und das ganze einfach mal vom „anderen Ende“ aus wahrzunehmen, ich denke ich kann für mich und Let It Burn Records da viel rausziehen.
S: Mir ist von Anfang an euer gelungenes Artwork aufgefallen, wer ist dafür zuständig?
C: Vielen Dank! Die Grafiken für die Website wurden von einem schwedischen Designer namens Burning West erstellt, das CD-Artwork ist eine Kooperation von Angry Blue aus den Staaten und Dirk von Independent Intensio.
S: Grundsätzlich macht ihr auf mich einen sehr motivierten und entschlossenen Eindruck, was wollt ihr mit der Band erreichen?
C: Entschlossen ist ein gutes Wort, ha ha ha. Nein im Ernst, wie bereits bei der ersten Frage erwähnt war es für uns immer klar dass wir mit der Band vorankommen wollen. Es gibt viele Bands für die es cool ist 4-5 Shows im Jahr in der Region zu spielen und halt zu proben/Songs zu schreiben. Für uns ist das nichts, wir wollen raus kommen, spielen spielen spielen, professionell Musik aufnehmen und unters Volk bringen etc. Ein konkretes Ziel haben wir uns nicht gesteckt und im Endeffekt macht so etwas auch wenig Sinn, da sich die Dinge eh immer von alleine entwickeln. Uns ist es nur wichtig dass wir nicht stagnieren und uns die ganze Sache immer Spaß macht, wobei diese beiden Dinge eng miteinander verknüpft sind.
S: Ab wann kann man mit einem Full-Length Album rechnen?
C: Wir sind jetzt gerade dabei den Songs den letzten Schliff zu verpassen und werden im Juli/August aufnehmen. Gemischt wird das ganze dann im Oktober. Vorab wird es schon eine kleine Pre-Production geben wovon wir auch ein oder zwei Songs ins Internet stellen werden. Was den tatsächlichen Veröffentlichungstermin angeht kann ich überhaupt nichts sagen da das definitiv vom Label abhängt und wer das sein wird steht noch nicht fest. Ich denke aber mal Ende 2006/Anfang 2007 ist realistisch.
S: Ihr seid teilweise aus Bands wie Flyswatter und Paint The Town Red hervorgegangen, was ist mit den jeweiligen Bands passiert?
C: Paint The Town Red haben sich letztes Jahr aufgelöst. Nachdem wir um die 15 Line-Up Wechsel hinter uns hatten war irgendwann die Luft raus und wir haben im September 2005 unsere Abschiedsshow gespielt. Marco der ehemalige Gitarrist von PTTR hat mit Heartbreak Kid eine coole neue Band an den Start gebracht, genau wie Seb (ehem. Bassist) mit Within Walls. Beide unbedingt auschecken! Bei Flyswatter hat sich (außer dem Line-Up) nicht viel geändert. So weit ich weiß arbeiten sie auch gerade an einem neuen Album.
S: In der letzten Ausgabe berichteten wir über das Demo deiner anderen Band Jaws! Was ist daraus geworden, bzw. bleibt dafür überhaupt noch Zeit?
C: Ha ha, ja vielen dank noch mal für das Review! Jaws haben sich aber auch aufgelöst. War sozusagen ein kurzes Vergnügen. ;-)
S: Laut der Bandinfo ist euer Sänger „one of Germanys youngest scenestars“, was macht ihn denn dazu?
C: Wer hat DAS denn geschrieben!!?? ;-) Spaß… Sinan unser Sänger ist halt ein kleines Multitalent und macht extrem viel für die Szene. Neben seinem Sänger-Job bei The Blackout Argument spielt er noch Gitarre bei For Heavens Sake, macht coolen Grafik-Shit, hat eine kleine Booking Agentur (Penguins Collapse) und veranstaltet in Wangen Shows. Er ist mit vollem Herzblut und viel Leidenschaft dabei was sich inzwischen auch rumgesprochen hat. Vielleicht deswegen „scenestar“ ;-)
S: Hat euer Bandname irgendeinen speziellen Hintergrund, bzw. gibt es ein Schlüsselerlebnis, dass ihr als euer/dein persönliches „Blackout Argument“ bezeichnen könnt?
C: Der Bandname bezieht sich tatsächlich auf ein persönliches Erlebnis. Ein Streit/Konflikt an den ich mich sicher mein ganzes Leben erinnern werde.
S: Was ist eure „Munich Angst“?
C: „Munich Angst“ drückt ein Gefühl der Bedrücktheit und tiefer Verunsicherung aus, das eine Großstadt wie München bei einem Individuum hervorrufen kann. Besonders als Anhänger einer Subkultur sind Gefühle wie Ausgrenzung und Isolation in einer konservativen Gesellschaft quasi vorprogrammiert. Unsere Texte setzen sich mit diesen und anderen Emotionen und der Art und Weise damit umzugehen auseinander.
S: Zum Thema München: Die meisten Leute schimpfen ständig auf die Stadt, ich finde aber, hier ist schon einiges an Konzerten, Bands, Kneipen geboten. Wie seht ihr das?
C: Ich stimme dir zu, und selbst wenn es nicht so wäre, wäre drüber schimpfen nicht die richtige Strategie. Gerade wenn man unzufrieden ist mit dem was um einen herum passiert sollte man nicht rum-meckern sondern etwas daran ändern. Keine coolen Shows in deiner Stadt? Dann lad doch einfach deine Lieblingsbands ein und veranstalte Shows! Keine coolen Bands? Dann such dir ein paar Leute die das genauso sehen und starte was! Ich denke gerade München ist ein super Beispiel dafür dass es funktioniert. Wenn ich zurückdenke, vor 2-3 Jahren sah es in München echt mau aus. Inzwischen gibt es einfach eine ganze Menge coole Bands, neben den bereits erwähnten Heartbreak Kid noch Ghostchant, Pequod, Blank Promise, No God Innocent, From Constant Visions, Lofi-Inferno, etc. Außerdem sind jede Woche Shows aus allen denkbaren Sparten und jede gute Band macht früher oder später mal in München Stopp. Aber auch was Gastro betrifft kann sich München inzwischen echt sehen lassen. Kneipen wie das Kings’n’Queens oder Restaurants wie das Cafe Kopfeck sind ein gutes Beispiel für Leute die nicht nur lamentieren sondern tatsächlich etwas auf die Beine Stellen!
S: Wie steht ihr zu anderen Münchner Hardcorebands, kann man untereinander die im Hardcore so oft zitierte „Unity“ spüren, oder macht jeder sein eigenes Ding?
C: Also es ist auf jeden Fall besser als früher, und ich habe auch das Gefühl dass die „Segregation“ was die Clubs betrifft langsam ein wenig aufbricht. Früher gab es halt „Kafe-Kult“-Bands, die dann nur im Kafe-Kult gespielt haben und „Backstage-Bands“ die nur dort Shows bekommen haben. Inzwischen geht es kreuz und quer, egal ob Kafe-Kult, Sunny Red, Backstage oder sonst wo. Das spricht auf jeden Fall auch für das Publikum, man ist einfach mehr „open minded“ und schaut auch mal über seinen Tellerrand hinaus was bei einer kleinen Szene wie hier in München wirklich wichtig ist.
S: Wollt ihr überhaupt in die Hardcore Schublade gesteckt werden? Zum Teil geht ihr ja doch sehr melodisch und emotional zu Werke.
C: Ich sehe The Blackout Argument auf jeden Fall als Hardcore-Band nachdem sich der Begriff „Hardcore“ ja nicht über eine bestimmte Musikrichtung sondern über eine gewisse Ideologie definiert. Unsere Arbeitsethik und unser Selbstverständnis sind eng mit der Idee „Hardcore“ verknüpft. Und Emotionen und Hardcore schließen sich in keinster weise aus, ganz im Gegenteil. Für mich war „Hardcore“ immer auch die Möglichkeit Gefühle egal ob positiv oder negativ zu kompensieren und mit anderen Leuten zu teilen. Musikalisch halte ich nicht viel von Schubladen und ich hoffe auch dass die Leute unsere Songs mit offenen Ohren und Herzen anhören und sich nicht durch irgendwelche Reviews, Artworks, Scenetalk oder sonst was abschrecken lassen.
S: Wie stark orientiert ihr euch an traditionellen Hardcore Werten, wie z.B. D.I.Y., Veganismus, Straight Edge…?
C: Bei solchen Fragen kann man immer schlecht für die ganze Band sprechen, da würdest du sicherlich von jedem eine andere Antwort bekommen. Deshalb schreibe ich jetzt mal nur von mir. Für mich sind Dinge wie Vegetarismus oder Straight Edge nach wie vor präsent und spielen in meinem Leben auch eine große Rolle. Auch der DIY-Gedanke ist, gerade wenn man eine Band neu startet, von zentraler Bedeutung. Ich bin froh dass ich diesen ganzen Shizzle kennen gelernt habe und dass es mich als Mensch und Musiker geprägt hat.

S: Den DIY-Gedanken habe ich glücklicherweise früh von meinen Brüdern eingetrichtert bekommen. Als ich 10 war glaube ich, waren sie Vorstände des örtlichen JuZe’s. Sie waren türkische Punks, die ihr Ding durchgezogen haben, Grenzen brachen und dennoch ihr Abi zu Ende brachten. Das hat mich sehr geprägt und mich immer wieder gepusht. „Punk“ hieß für mich auf eigenen Beinen stehen zu können, sich selbst zu informieren, kreativ zu sein. Es besser machen zu können als die Masse. Die Erfahrungen daraus bewahren einen vor der totalen Abhängigkeit. Etwas selbst zu erschaffen ist einfach ein Super Gefühl und geben einem die Chance eigene Vorstellungen einfacher zu realisieren.

S: Was hälst du von der Gorilla Biscuits Reunion und der bevorstehenden Tour? Ausverkauf? Alter Aufguss?
C: Frag mich noch mal wenn ich die Show gesehen habe. Es ist immer schwierig im Vorfeld zu sagen ob so was Sinn macht oder nicht, das entscheidet sich tatsächlich auf der Bühne. Ich habe schon eine Menge Reunion-Shows/Touren gesehen und es war eigentlich jedes Mal eine Überraschung. Von Youth Of Today hatte ich mir zum Beispiel einiges erwartet und war dann extrem enttäuscht. Bold waren so ein Zwischending, auf der einen Seite haben sie es sehr cool rüber gebracht, auf der anderen Seite war’s aber irgendwie nicht so richtig überzeugend. Was aber auf jeden Fall echt der Hit war: Die Path Of Resistance Tour! Meine Fresse, das war einfach der pure Spirit und hat richtig Spaß gemacht! Auf Gorilla Biscuits bin ich wie gesagt sehr gespannt. Die Band zählt nach wie vor zu meinem absoluten Favourites, was natürlich die Gefahr in sich birgt, dass es ne Enttäuschung wird sie live zu sehen. Na ja, abwarten!
S: Die Lyrics sind sehr persönlich ausgefallen und handeln von Verlusten und verhängnisvollen Erlebnissen, hängt das irgendwie mit eurem Privatleben zusammen?
C: Natürlich tut es. Alle Texte die ich schreibe (und ich kann da auch für Sinan unseren Sänger sprechen) sind mit persönlichen Erlebnissen verknüpft. Anders könnte ich das auch nicht. Ich denke auch dass der Lese/Hörer das merkt. Nehmen wir zum Beispiel mal eine Band wie Bullet For My Valentine. Mal abgesehen davon dass die Typen einfach unsympathisch sind, kaufe ich ihnen nicht eine einzige ihrer Textzeilen ab. Für mich sind das nur beliebig aneinandergereihte Phrasen die nur einen einzigen Zweck erfüllen und zwar dass sie zur Musik passen. Wenn man dagegen eine Band wie Most Precious Blood anhört dann spürt man in jeder Zeile und mit jedem Wort dass er Sänger seine Texte LEBT. Auch wenn man MPB live auf der Bühne sieht gibt es keinen Zweifel daran dass die Inhalte der Songs authentisch sind. Für mich ist das unglaublich wichtig wobei es da keine Rolle spielt ob eine Band persönliche/emotionale Texte hat, politische oder von Szene-Kram singt. Wenn ich das Gefühl habe dass es ehrlich und von ganzem Herzen ist habe ich großen Respekt davor. S: Texte schreiben gleicht irgendwie einer Form der Eigentherapie. So fühlt es sich zumindest jedes Mal an ;) . Es hilft bestimmte Vorkommnisse anders zu betrachten und das geht einfacher wenn man über sich und seine Erlebnisse schreibt.
S: Im Booklet zitiert ihr Marianne Williamsons „Our greatest fear“, die christlichen Passagen habt ihr schön unter den Tisch fallen lassen. Sollte man den Text also eher philosophisch verstehen?
C: Die Textzeilen von Marianne Williamson passen wie die Faust aufs Auge zu dem was wir mit „Munich Angst“ sagen wollen. Wir haben darüber gesprochen ob wir den Text in seiner ursprünglichen Form belassen und somit riskieren missverstanden zu werden oder ob wir die christlichen (oder besser spirituellen) Passagen rauszulassen. Nachdem es für die Essenz/Message des Textes keinen Unterschied macht, haben wir uns für letzteres entschieden. S: Die Worte geben einem ohne die fehlenden Passagen mehr. Es ist einfacher sich damit auseinander zusetzten als wenn Religion mit ins Spiel kommt. Das war bei der Entscheidung ausschlaggebend. Den Text habe ich das erste Mal, leicht abgeändert, in dem Film „Coach Carter“ gehört. Er hat mich bewegt und passte einfach in meine damalige Verfassung. Ich habe Chris davon erzählt, er fand es richtig gut und schon war’s geritzt.
S: Welche 5 Platten nehmt ihr mit ins Grab?
C: Da kann ich wieder mal nur für mich sprechen: Life Of Agony „Rive Runs Red“, Strife „Through and Through“, Therapy? „Troublegum“, Bad Religion „No Control“ und Trial „Are these our lives?“. S: Poison The Well „The Opposite Of December , auf jedenfall. Ansonsten puh! From Autumn To Ashes „Too Bad, You’re Beautiful, Underoath „The Changing Of Times , Hopesfall „No Wings To Speak Of/The Satellite Years und It Dies Today The Caitiff Choir. S: Eine letzte Message an unsere Leser? C: Erstmal vielen Dank für das Interview und den Support. Den Lesern wünsch ich einen guten Schiss, da sie wahrscheinlich das Schredder Mag (genau wie ich) am ehesten auf dem Klo lesen! ;-) Nein im ernst, ist cool dass es noch Zines in Papierform gibt, das hat einfach eine komplett andere Qualität als die ganzen Online-Fanzines! Wer bock hat uns zu schreiben, aus welchem Grund auch immer soll das einfach tun! Peace Out! S: Danke für den Support und checkt unbedingt die unten aufgelisteten Bands aus: www.theblackoutargument.com, www.myspace.com/theblackoutargument EAT THIS: www.engineerrecords.com, www.thesake.net, www.letitburnrecords.com, www.chainway.de, www.ghostchant.com, www.crisisneverends.de, www.heartbreak-kid.com, www.ephenrian.com, www.estatemusic.net, www.myspace.com/withinwalls