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All Saints – Pure Shores (Universal)
Nichts ahnend geht man in den CD-Laden, um zu sehen, was es so Neues gibt, und dann passiert das: Durch Zufall fällt der Blick auf das sonst so gemiedene Single-CD-Neuheiten-Regal und schwupps, man ist verloren. Die All Saints haben mal wieder eine neue Single draußen und zu allem Überfluß enthält diese auch noch ein Mini-Poster, auf dem die sonst schon recht ansehnlichen Damen in pornographischster Weise Eis lutschen. Also, rennt man sofort damit zur Kasse und dann ab nach Hause. Zu Hause als allererstes das Poster aufgehängt und die Single weggeschmissen. Na toll, wieder mal ist man der eiskalt berechnenden Plattenindustrie auf den Leim gegangen…

 

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Fu Manchu – Kings Of The Road (Edel)
Fu Manchu haben sich dem Rock verpflichtet und sie machen Ihre Sache verdammt gut! Sämtliche Riffs brechen ab der ersten Minute mit einer dermaßenen Brachialkraft auf den Hörer ein, daß dieser das Gefühl hat, alle Instrumente würden permanent unter mehreren Tausend Volt stehen. „Kings Of The Road“ bietet eine perfekte Mischung aus Black Sabbath und Kyuss – nur irgendwie viel viel fetter. Erfreulich auch, wie gut sich diesmal Scott Hills Quäke-Shouterei ins Gitarrengewitter einpaßt, wenn er über’s Autofahren und vom Rock’n’Roll-Rabauken-Dasein singt. Fu Manchu werden es bei der nächsten Platte verdammt schwer haben, noch eins drauf zu setzen.

 

snapcase_shreddermagSnapcase – Designs For Automotions (Victory)
Nach langer Zeit endlich das neue Album. Snapcase sind erklärte Refused-Fans und was sie hier abliefern, kann durchaus mit „The Shape Of Punk To Come“ mithalten. New School-Hardcore, so druckvoll und kompakt, dass er Beulen in Beton schlägt. Mit „Designs For Automotions“ vertont Snapcase die Suche nach der eigenen Identität und Persönlichkeit. Wieviel des eigenen Handelns wird durch Dich selbst bestimmt und wieviel von außen eingeimpft? Die Band will uns zum Nachdenken bewegen, was wirklich zählt. Fast wie eine Zusammenfassung des Albums mutet daher die letzte Textzeile an: don’t refuse your mind.

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V.A. – Cheap Shots IV (Burning Heart)
Label-Sampler, die Erste: Cheap Shot IV gibt einen Überblick über das LineUp des schwedischen Labels Burning Heart. Die CD ist mit 25 Tracks von 24 Bands randvoll und ein sicherer Kauftip (kostet nach guter Punrock-Maier auch nur ’nen Zehner). Die Qualität die das zur Hälfte Epitaph gehörende Label hier an den Tag legt ist beeindruckend. Bei keinem Lied kann man sagen, es wäre irgendwie schlecht, und mindestens die Hälfte sind absolute Killer. Hätte ich zu viel Geld, wäre ich in den Plattenladen gegangen und hätte einfach von jeder auf dem Sampler beteiligten Band das aktuelle Album bestellt.

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The Pietasters – Awesome Mix Tape #6 (Hellcat)
Wieder mal eine CD, bei der der fleißige Mr. Brett seine Finger mit im Spiel hatte. Nach Bad Religion klingt es aber kein bisschen, denn die Pietasters schenken uns eine wunderbare Mischung aus Up- und Downtempo Skatracks, Kastagnetten+Bläserterror-Rockabilly und Punkrock à la Sublime. Textlich geht es um die Probleme des täglichen Lebens unter besonderer Berücksichtigung der weiblichen Bevölkerung. Das einzige was beim Hören dieser CD ein wenig unheimlich ist: Alles ist so wunderbar eingängig, dass man damit nicht mal hartgesottene Radio Energy-Fans aus dem Zimmer vertreiben kann. Aber egal, CD rein und der Sommer kann kommen.

The Peepshows – Örebro All Stars

The Peepeepshows_shreddermagpshows sind aus Schweden und trinken Motoröl aus Fässern. Sie tragen zwei Nummern zu enge Jeans und vierreihige Pyramidennietengürtel, mit sechs waren sie das erste Mal auf einem KISS-Konzert und haben sich dort auch die erste Ladung Tattoos abgeholt. Außerdem sind sie natürlich die einzig wahren Kings of Rock. Eigentlich überflüssig zu erwähnen, daß diese Schublade mit den altbekannten Vertretern wie Backyard Babies, Gluecifer, Hellacopters oder Turbonegro wirklich schon zum Bersten gefüllt ist. Trotz ihres ebenfalls selten dämlichen Namens können Addey’O (guit/voc), Johnny Go-Go (dr), Lurgo Peepshow (b), Magnus Heartbreaker (guit) alias The Peepshows hier aber einen netten Lückenfüller abgeben.

Trotzdem stellt sich natürlich die Frage, was die zehnmillionste Auflage einer Schweden-Schweinerockband eigentlich noch neues bieten soll. Die meisten der Songs der Peepshows klingen dann auch nach den üblichen Verdächtigen und vielleicht hat Turbonegro-Veteran Happy Tom auch etwas zu hoch gegriffen, als er sagte: „I have seen the future of Rock’n’Roll and it’s name is The Peepshows!“. Dennoch brauchen diese sich auch trotz der vielen Ähnlichkeiten weder style- noch songstruktur-technisch zu verstecken. Überraschende Momente sind erstaunlicherweise nicht selten, und an Energie übertreffen sie die meisten ihrer Kollegen locker. Auch gehen sie zumindest im Vergleich mit ihren skandinavischen Konkurrenten mehr in Richtung Porn-Punkrock als pomadigen Rock’n’Roll. Vielleicht kein Wunder, denn bei den Peepshows sitzt Mathias Färm von Millencolin mit im Studio und passt auf, dass die Jungs keinen Scheiß bauen. Die neue Platte „Mondo Deluxe“ (Burning Heart Records) ist zwar ganz und gar kein Highspeedalbum, rockt aber definitiv. Wem hier dennoch der Pogo- und Mitgrölfaktor zu klein oder der Sleazefaktor zu hoch ist, kann ja mal in die ’99er 7 Track EP „Right About Now“ reinhören, bevor er sich endgültig Punk’n’Roll-übersättigt abwendet. Tracks wie „Million Dollar Legs“ oder „Dirty Motherfucker“ sind wahre Glanzlichter irgendwo zwischen Social Distortion, Ramones und AC/DC, also da, wo’s nicht so verkehrt ist…