Violent Femmes – We Can Do Anything (Pias)

Violent Femmes - We Can Do Anything_shreddermag35 Jahre nach Gründung der Band und 15 Jahre nach dem letzten Album melden sich die Violent Femmes zurück und schrammeln einfach weiter, als wären sie nie weg gewesen. Noch immer geht es um das Mich und Dich, noch immer sind sie damit nicht retro, sondern Freaks und noch immer gibt es Absurdität und große Harmonien ganz eng beiander. Sehr schön!

The Thermals – We Disappear (Saddle Creek)

The Thermals - We Disappear_shreddermagDie Thermals nähern sich der Garage nicht von der klassischen Sonics/Ramones Seite an, sondern direkt aus der Alternativecke (Portland). Durch ihre fantastisch minimalen Songs und das Weglassen unnützem Gehabes gelingt ihnen damit ein dichtes Album voller Hits. Allen Zweifler sei etwa „Hey You“ ans Herz gelegt, ein Riff pro Lied muss reichen, wenn es gut ist. Stimmt!

Deafheaven (Feierwerk, 30.03.2016)

Die Jungs aus San Francisco wurden ja von der Presse ordentlich abgefeiert, doch so richtig hatte sich mir der Hype noch nicht erschlossen. Also ab auf’s Konzert und Recherche vor Ort. Los ging’s erstmal mit einer Band (irgendwas mit Runen), die bei mir im Hirn leider in der „Within Temptation“-Ecke gelandet ist. Kann ich mir gut auf einem Mittelalter-Metal-Festival vorstellen, für die etwas Härteren. Wobei, untighte Drummer sind halt immer eine haarige Angelegenheit. Und stand da wirklich ein Keyboard? Egal, Deafheaven betraten schließlich die Bühne und ja, das ist eine Wahnsinns-Band. Extrem dichte Gitarren, Harmonien zum Schneiden und hier nun eine tighte Profi-Soundwalze. Sehr schön! Aber was sollen die ständigen Black Metal-Zitate? Das wirkt auf mich sehr gewollt bis beliebig, hätte die Band doch garnicht nötig. Ich habe mich mit der US-Ambient-Nummer eh schon immer schwer getan und das endlos verhallte Gekreische des Sängers wurde mir sehr schnell fad. Schade, ansonsten alles super, aber ich glaube, die wollen den behalten.

 

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Konzertreviews, diverse

Einige schöne Konzerte diesen März in München: Am 3. gab’s beim Togetherfest im Backstage die volle Packung. Kings des Abends für mich Modern Life Is War. Der Sänger berstet fast vor live-Energie, da heisst es entweder mit offenem Mund dastehen und lernen oder rein ins Getümmel… Ebenso gut natürlich die Elder-HC-Statesmen von Gorilla Biscuits und GWLT hauen schon sauber rein, wenn man ein bisschen Pathos abhaben kann. Weiter gings am 16. immer noch im Backstage bei Baroness, die mal ganz klar den Sympathie-Award abgeräumt haben. Das neue Album wurde live eindrucksvoll präsentiert und ja, die haben Hits! Und dann waren da noch die alten Herren von den Generators am 18. in der Glockenbackwerkstatt. Alte Schule, aber die haben nix verlernt (auch wenn sie’s in den letzen Jahren ein bisschen haben schleifen lassen), da gehe ich auch die nächsten 10 Konzerte wieder hin.

The Generators (Hafenklang, 11.03.2016)

The_Generators_Hafenklang_ShredderMagAls erstes spielten die Toxic Vapors, von denen wir eigentlich nur eine Motörhead– und eine Tote Hosen-Coverversion mitbekamen (zum Glück nicht mehr). Danach spielten die engagierten Lamplighters, die gute 40 Minuten lang im Hafenklang einheizten und geradlinigen Punkrock aus dem Hut zauberten. Die Jungs gaben sich wirklich Mühe, aber leider wollte der Funke nicht so richtig auf’s Publikum überspringen.
Das änderte sich schnell als die Generators die Bühne erklommen und mit „Burning Ambition“ zeigten, wer live die Hosen anhat. Es reihten sich Hit an Hit („Tyranny, „Plastic Roses“, „Dead at 16“, etc.) und spätestens bei „City of Angels“ wurde überall im Saal das Tanzbein geschwungen. Zwischendrin fiel eine Gitarre aus, der Bassist kämpfte mit Kleinigkeiten (Vitamin C-Mangel und abreißendem Bassgurt), aber alles im Allem war das eine gute Show, so wie die letzten Jahre eigentlich immer. Das obligatorische Cock Sparrer-Cover durfte auch nicht fehlen und diesmal neu im Gepäck: ein Social Distortion-Cover mit anmoderierter Anekdote, daß Mike Ness ja der Nachbar vom Sänger ist. Und wer weiß, vielleicht treffen sich die beiden ja manchmal auf einen gemeinsamen Spieleabend? Fazit: Auf die Generators ist live immer Verlass (auch wenn die letzten Studioalben ein wenig durchschnittlich daherkamen.)

Beach Slang (Milla, 07.02.2016)

Nach grandiosem Album nun noch die grandiose Tour: Wer Beach Slang am letzten Sonntag im Milla verpasst hat, solle sich hiermit in den Allerwertesten beissen! Auch wenn die Jungs auf Philadelphia viel zu bescheiden sind, das jemals zu zugeben, hier sind echte Profis am Werk. Sänger James Alex (den einige vielleicht noch von der 90iger Pop-Punk Band Weston kennen) hat an diesem Abend allen gezeigt, wie man als Frontmann das Publikum mitnimmt. Nach der Ansage „tonight I’m going to get drunk totally on purpuse“ und ein paar geexten Bier wurde der Schalk aus dem Nacken von der Leine gelassen. Solche Entertainer-Qualitäten habe ich das letzte Mal bei Biff Malibu von Gluecier erlebt.  1000 % sympatisch gab es zwischen den Lieder nun unter stetigem Gekicher konsequent Quatsch und (tatsächlich glaubwürdige) Liebesschwüre an Publikum und die eigene Band. Dazu Wahnsinns-Songs mit voller Energie (der Mann singt auch live, wie man es sich von CD nicht zu erhoffen mag, und ein Schlagzeuger, der mit viel Gefühl, sein Schlagzeug zu Kleinholz haut), schwitzend und glücklich wurde das Publikum nach diversen Zugaben nach Hause entlassen. Von Beach Slang will man in Zukunft noch viel mehr hören!

 

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Parkway Drive, Architects, Thy Art Is Murder (Zenith, 23.01.16)

Ins Zenith komme ich nicht so oft, und das, obwohl Freimann eigentlich schon ziemlich geil ist. In diesem Fall hatten Parkway Drive geladen, die sich über die Jahre zu einer Riesenband gemausert haben, die mal eben locker 5.000er Hallen vollmacht. Das Publikum war auf unterhaltsamste Weise gemischt (von Wikinger-Metalern bis zum Turnbeutel-Hipster mit Vollbart alles da), die Tattoo-Quote hoch, nur Strech-Ohringe scheinen nicht mehr ganz so zu boomen (allein unser Verdienst!). Losgelegt haben Thy Art Is Murder, mit neuem Sänger und auf hohem Niveau. Die haben schön stumpf die Hölle heraufbeschworen, ausgezeichnet! Als nächstes kamen die Architects aus UK. Die sind bisher komplett an mir vorbeigegangen und ich weiss jetzt auch warum: Solides Metalcore-Handwerk, aber leider ohne Raffinesse. Egal, die Stimmung war gut und wurde durch die Musik in der Umbaupause (Toto, Foreigner, Journey, Bosten, Queen, etc.) soweit aufgeheizt, dass ich sogar Zeuge von 2 Polonaisen werden durfte (in meiner Erinnerung hatten alle Tänzer ein Wacken-Shirt an, aber vielleicht täusche ich mich da auch). Dann kamen endlich Parkway Drive und haben eine Profi-Mega-Rockshow mit Pyrotechnik und allem Drum-und-Dran hingelegt, wofür sie ordentlich abgefeiert wurden. Die Jungs haben sich wirklich von kleinen Hallen (remember: Vorgruppe von Shai Hulud vor 50 Leuten im Feierwerk) auf die großen Stages hochgespielt. Wohlverdient, es sei ihnen gegönnt, aber so ganz mein Ding war es diesmal nicht, bei Mitklatschen fremdl ich immer ein bisschen. Für alle Germanistik-Studentinnen unter unseren Lesern – und das sind bestimmt einige – sei mir daher ein Zitat von David Forster Wallace gegönnt: „Schrecklich amüsant, aber in Zukunft ohne mich“.

 

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(c) Martin Liebl

Red City Radio – s/t (Gunner)

Red City Radio_st_ShreddermagRed City Radio, die kleine Midtempo-Schwester von Hot Water Music ist wirklich eine ganz sympathische: sie kratzt und beißt nicht und sie zieht nicht an den Haaren. Statt dessen kuschelt sich der aus den Jahren gekommene Teenager am Lagerfeuer an deine Schulter und krault dir den Vollbart. Dazu gibt es gebratene Marshmallows am Stock, umwoben von tollen Melodien und einer mächtig emotionalen Stimme. Der perfekte Stoff für einen aufregenden Ausflug auf’s Land, incl. Sonnenuntergang. (Empfehlung der Redaktion: nehmt dieses Auto.)

Moro Moro Land – Through (via Bandcamp)

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Ich muss zugeben, ich habe von der russischen Hardcore-Szene keine Ahnung. Umso erfreuter war ich, als ich über dieses Juwel gestolpert bin: Moro Moro Land aus Nizhny Novgorod, 400 km östlich von Moskau an der Wolga gelegen, geben mit ihrem zweiten Minialbum ein erfreuliches Lebenszeichen ab. Eine äußerst gelungene Mischung aus Hardcore und Crust mit ordentlich Black Metal Gitarren und Drumming teils englisch, teils russisch gesungen (was die ganze Angelegenheit für westlich Ohren noch eine gute Portion rauer macht). Man merkt, hier gibt es genug Wut über die politische Situation, die einen Kanal sucht. Abgerundet wird das Ganze von einem schönen Cover von Nirvana’s „Something in the way“. Empfehlung!

Mel T. Eyes – Releaf (Acuity)

Mel T Eyes - Releaf_shreddermag

Heilbronn war uns ja bisher eher für seinen Blauen Trollinger und Robert Mayer’s „Ersten Hauptsatz der Thermodynamik“ bekannt. Mel T. Eyes fügen neben einem Bandnamen, der mit den Spice Girls nichts zu tun hat, eine neue interessante Facette hinzu: Höchst amtlichen melodischen Hardcore mit einer Produktion in Dolby-10000-Megasound Auflösung. Hut ab! Gerade die vielen Downtempo-Parts haben eine Wahnsinns-Dynamik, da kommt echt Freue auf. Unbedingt auschecken!