Thrice – Be Everywhere Is To Be Nowhere (Vagrant)

Thrice - To Be Everywhere Is To Be Nowhere_shreddermag5 Jahre haben sich Thrice Zeit gelassen und fast wären sie garnicht zurückgekommen, doch nun ist das neue Album da. Das Schöne an Thrice ist, dass die Alben mit jedem Hören gewinnen und sie sich immer ohne Rücksicht auf den Einriss von Schubladenwänden weiter-entwickelt haben. Das neue Album klingt beim ersten Hören fast schon nach Ami-Mainstream-Rock (teilweise sogar wie die Foo Fighters, wenn sie 1 mm Tiefgang oder irgendwas zu sagen hätten), doch dann ist da plötzlich wieder diese herrliche Getragenheit und Komplexität in den Arrangements, die doch etwas ganz anderes draus machen.

Nails – You Will Never Be One Of Us (Nuclear Blast)

French Nails_shreddermagHerrlich, was die Herren aus Kalifornien da fabriziert haben: Death Metal der nach Deathwish klingt und einen grandiosen 1 Minute-Hardcore-Song-Vibe mitbringt. Es könnte alles so schön sein, hätten sie den steil aufsteigenden Ast nicht gerade selbst angesägt, ihre Tour gecancelt und eine Auszeit verkündet. Drum gibt’s heute trotz verdienter Lorbeeren nur French Nails.

Shredder Mag - Feine Sahne Bronx

Das erfreulichste an diesem Schrottsommer sind scheinbar die Konzerte: Feine Sahne Fischfilet (8.7. Feierwerk) sind einfach korrekte Typen. Und haben bei gefühlten 200 Grad und 1000 % Luftfeuchtigkeit das Publikum ziemlich glücklich gemacht. Ebenfalls im Feierwerk (13.7. Kranhalle) haben The Bronx gezeigt, wie AC/DC klingen würden, wenn sie nach Back in Black nicht immer älter und Apres Ski, sondern schneller und punkiger geworden wären: Geil! Die Jungs aus LA meinen das einfach sehr ernst mit dem einheizen.

 
TheBronx_shreddermag

BoySetsFire / Wolf Down – Benefiz Split 7″ (End Hits)

BoySetsFire_Wolfdown_Split-ShredderMagUnd hier die zweite Benefiz-Meldung des Tages: BoySetsFire und Wolf Down veröffentlichen eine limitierte Split-7″ um auf das Schicksal lesbischer, schwuler, bisexueller, trans, inter* und queerer Geflüchteter in Berlin aufmerksam zu machen. Sämtliche Einnahmen gehen an die Schwulenberatung Berlin e.V. Die Platte könnt ihr hier bestellen.

Anti Flag – Live & Acoustic In Vienna (Uncle M Music)

Anti Flag_Live in Vienna_ShredderMagDie Füchse von Anti Flag nutzten einen freien Tour-Nachmittag in Wien um mal flott ein paar Akustik-Songs einzuspielen. Auf der Tracklist stehen fünf Anti Flag-Hits (The Press Corpse, Set Yourself On Fire, Brandenburg Gate, Turncoat, This Is The End) und eine Ramones-Coverversion (die braucht 2016 nun wirklich kein Mensch mehr). Die Platte wurde im „Direct to Vinyl“-Verfahren aufgenommen, also in einem einzigen Take, d.h. keine Nachbearbeitung, kein Auto-Tune, nix. Und genau so hört sich das dann auch an: rau, spontan und etwas schräg. Ist eher etwas für Die-Hard-Fraktion, aber alle anderen können sich das Teil auch gerne kaufen, denn der Gesamte Erlös geht an Amnesty International. Gute Aktion.

Yuppicide, Henry Fonda, Stand Your Ground (Cassiopeia, 28.03.2016)

Nachdem die feinen Herren von Yuppicide bei der Tourplanung einige Städte ignoriert haben (z.B. München und Hamburg), gab es kurzerhand einen Shredder-Ausflug nach Berlin. Dort angekommen griffen wir uns in der Nähe des Cassiopeia noch einen labbrigen und kalten Shawarmateller ab, das Beste daran war: im benachbarten Cupcake-Laden (!) hing Yuppicide in Vollversammlung rum und stärkte sich mit Pistazie-Himbeer-Karamell- und New York-Hardcore-Cheesecake-Törtchen für die gleich stattfindende Show.
Los ging es mit den engagierten Locals Stand Your Ground, die dem distanzierten Publikum schön einheizten und einen soliden Opener-Job hinlegten. Henry Fonda, ebenfalls Locals, lieferten als nächstes ab und das war eine helle Freude. Der Sänger betrat kein einziges Mal die Bühne sondern turnte nur davor rum und grunzte sich einen ab, während der Rest der Band auf’s Übelste drauflos prügelte. Aufgelockert wurde diese (so wie sie es selbst beschreiben) „Power Violence“ durch entertainige Ansagen des Bassisten. Teilweise ging es politisch zu (Scheiß Staat, scheiß Nazis), teilweise gab es private Anekdoten zu hören („Am liebsten würd’ ick den janzen Tag im Bett liegen und Roseanne-Folgen schauen.“). Das war höchst amüsant und vom Sound her schön dreckig.
Und jetzt: Yuppicide. Die geglückte Reunion samt neuen Album konnte uns im Vorfeld schon einmal überzeugen, aber wir waren ja schon ein Wenig misstrauisch ob das live alles (noch) so hinhaut. Hat es aber! Und zwar nicht zu knapp. Der Frontmann Jesse KFW Jones bediente die Crowd wie schon im Interview angekündigt mit einigen Verkleidungen und auch das ausgewogene Set aus alten Hits (Dr. Extermination, Yellow Journalism, Nice Guys Finish Last, Socialization, etc…) und neuen Krachern wurde in die Tat umgesetzt. Das ließ keine Wünsche offen und es machte wirklich Spaß den alten Recken auf der Bühne zuzusehen, vor allem Gitarrist Steve Karp hing sich ordentlich rein und versprühte maximale Spielfreude und Energie. Alle Bands die derzeit von der großen Reunion träumen sollen sich davon gefälligst ein (veganes) Scheibchen abschneiden!

 

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Knuckledust – Songs of Sacrifice (GSR Music)

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Die Boys aus London beherrschen das kleine Hardcore-1×1 in Perfektion. Pünktlich zum 20jährigen Jubiläum wird ein Top-Album rausgehauen, das wunschlos glücklich macht und alle HC-Kriterien erfüllt: dicke Hose-Gangshouts, Ramba-Zamba-Breakdowns und Killer-Riffs – abwechselnd eingewoben in rasante Knüppel-Parts und bleierne Passagen. Dazwischen ein paar Soli die nicht auf den Sack gehen. Perfekt. Diese fette Produktion mit zwölf gestandenen Songs (incl. dem Hit „Life Struggle„) solltet ihr euch nicht entgehen lassen.

Violent Femmes – We Can Do Anything (Pias)

Violent Femmes - We Can Do Anything_shreddermag35 Jahre nach Gründung der Band und 15 Jahre nach dem letzten Album melden sich die Violent Femmes zurück und schrammeln einfach weiter, als wären sie nie weg gewesen. Noch immer geht es um das Mich und Dich, noch immer sind sie damit nicht retro, sondern Freaks und noch immer gibt es Absurdität und große Harmonien ganz eng beiander. Sehr schön!

The Thermals – We Disappear (Saddle Creek)

The Thermals - We Disappear_shreddermagDie Thermals nähern sich der Garage nicht von der klassischen Sonics/Ramones Seite an, sondern direkt aus der Alternativecke (Portland). Durch ihre fantastisch minimalen Songs und das Weglassen unnützem Gehabes gelingt ihnen damit ein dichtes Album voller Hits. Allen Zweifler sei etwa „Hey You“ ans Herz gelegt, ein Riff pro Lied muss reichen, wenn es gut ist. Stimmt!